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Lehrerboykott von Klassenfahrten flaut nicht ab – jetzt planen Schüler Gegenstreik

HANNOVER. An niedersächsischen Gymnasien werden wohl im gesamten Schuljahr Klassenfahrten ausfallen – und das, obwohl das Kultusministerium in Hannover Touren über mehrere Tage mit Eltern jetzt doch erlaubt. Der Protest gegen die Erhöhung der wöchentlichen Unterrichtsverpflichtung für Gymnasiallehrer von 23,5 auf 24,5 Stunden flaut nicht ab, berichten Zeitungen wie die „Hannoversche Allgemeine Zeitung“ (HAZ) oder der „Tagesspiegel“. Jetzt kündigen Schüler Gegenmaßnahmen an.

Klassenfahrten sind pädagogisch wertvoll - und für Lehrer oft Zusatzarbeit. Foto: gostockholmgoeteborg / (CC BY-NC-SA 2.0)

Klassenfahrten sind pädagogisch wertvoll – und für Lehrer oft Zusatzarbeit. Foto: gostockholmgoeteborg / (CC BY-NC-SA 2.0)

Obwohl der Boykottbeschluss der Personalräte für die Schulen nicht bindend sei, zeigten sich in der Praxis mannigfaltige Spielarten des Boykotts. Manche Schulen strichen nur die Eingangsfahrten für die Fünftklässler, die anderen die Abschlussfahrten für den zehnten Jahrgang oder die Abiturienten. Manche Schulen verzichteten komplett auf alle Fahrten, andere unternähmen lediglich die Austauschreisen, damit die Partnerschaften mit Schulen in Frankreich oder England nicht zum Erliegen kämen, berichtet die HAZ.

Die Zeitung kommentiert: „Ein Jahr nach der Entscheidung, die Unterrichtsverpflichtung an den Gymnasien zu erhöhen und die Altersermäßigung für Pädagogen ab 55 erst mal auszusetzen, steht man sich unversöhnlicher denn je gegenüber. Das Verhältnis der Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD) zu den Lehrerverbänden könnte kaum kühler sein: Der Philologenverband klagt vor dem Staatsgerichtshof gegen die Mehrarbeit, die GEW erwägt sogar den Beamtenstreik.“

Daran ändert es wenig, dass das Kultusministerium offenbar jetzt eine Sonderlösung in Sachen Klassenfahrten genehmigt hat: Eltern dürften mehrtägige Ausflüge mit den Gymnasiasten unternehmen. Die Kinder können dem Bericht zufolge für die Ausflüge von der Schulpflicht befreit werden – müssen den versäumten Unterrichtsstoff aber selbstständig nachholen. Diese Fahrten gelten dann zwar nicht als Klassenfahrten, aber immerhin als „schulfahrtähnliche Veranstaltung“. Allerdings: Macht eine solche Tour pädagogisch Sinn? Für die allermeisten Schulen offenbar nicht; das Modell kommt derzeit erst an einer Schule zum Tragen.

Der Landesschülerrat will nicht hinnehmen, dass Klassen- und Kursfahrten vorerst nicht mehr stattfinden sollen. Wenn die Lehrer freiwillige Leistungen strichen, könnten auch Schüler ihrerseits freiwillige Dienste einstellen, sagt der Vorsitzende des Rats, Helge Feußahrens, laut „Tagesspiegel“. So sei etwa denkbar, dass sich Schüler weigerten, die Tafeln im Klassenraum abzuwischen oder die Klassenbücher zu führen. Oder dass sie zwar in die Schule kämen, sich aber nicht am Unterricht beteiligten. Nach den Herbstferien sollen die Proteste beginnen. Die Schülervertreter zeigen dem Bericht zufolge nicht viel Verständnis für ihre Lehrer.

So meint Feußahrens: Für sie sei eine Stunde mehr Unterricht durchaus vertretbar. News4teachers

Zum Bericht: Niedersachsens Gymnasien streichen Klassenfahrten – Protest gegen Mehrarbeit verschärft sich

12 Kommentare

  1. Nach SchulG §42(3) haben Schülerinnen und Schüler die Pflicht “die Schulöordnung einzuhalten und die Anordnungen der Lehrerinnen und Lehrer, der Schulleitung und anderer dazu befugter Personen zu befolgen.” In diesem Sinne sind Klassenbuchführung und Tafeldienst doch nicht so ganz freiwillige Leistungen.

    (Ja, ich weiß. Der Lehrer putzt die Tafel erstens schneller und zweitens gleichzeitig gründlicher.)

  2. “So meint Feußahrens: Für sie sei eine Stunde mehr Unterricht durchaus vertretbar.”

    Ein Experte spricht. Man muss sich um die intellektuelle Zukunft unserer Schüler wirklich Sorgen machen, wenn man hört, was der Landesschülerrat für Unsinn zusammenspinnt.

    Das Land könnte allerdings die Vorlage der Lehrer durchaus aufgreifen: Einfach keine Klassenfahrten mehr, dafür endlich Konzentration auf das eigentliche Geschäft – schaden kann es kaum und man könnte den Lehrern dann noch besser Zusatzaufgaben unterschieben.

    Wer jemals an einer Schule unterrichtet hat, muss sich ohnehin fragen, ob die Prioritäten noch richtig gesetzt werden und welche Rolle der eigentliche Unterricht zwischen Klassenfahrten, Wandertagen, Projekttagen, Kompetenzworkshops, Methodentrainings usw. usf. noch spielt.

    • Ihr Schlusssatz gefällt mir besonders gut. Genau das sollte mal hinterfragt werden.
      Sogar viele Eltern finden die vielen Sonderaktionen zu Lasten des geregelten Unterrichts nicht mehr gut.

  3. Seit wann ist die Beteiligung am Unterricht eine freiwillige Leistung seitens der Schüler?

  4. LOL. Lehrern kann man anscheinend ALLES zumuten. Auch drei Zeitstunden unbezahlte Mehrarbeit pro Woche. “Sie sind doch nicht wegen des Geldes Lehrer geworden”…..

  5. Haben Landesschülerräte schon jemals Ansichten vertreten, die den Meinungen der Schülermehrheit nahestanden?

  6. Schon die Bildunterschrift ist süß – Klassenfahrten sind nicht ‘oft’ Zusatzarbeit, sondern immer. Und den klugen Vorsitzenden das Landesschülerrates kann man ja mal fragen, ob es ihn stören würde, 1-2, vielleicht auch 3 Stunden mehr in der Schule zu verbringen. Oder sagen wird: 1 Stunde länger Schule, 2 Stunden mehr Hausaufgaben pro Woche, 1 Klausur mehr pro Halbjahr. Fällt doch kaum ins Gewicht.

  7. Beteiligt sich ein Schüler nicht am Unterricht bzw. antwortet auf gestellte Fragen nicht, dann ist das eine Leistungsverweigerung und kann mit der Note 6 bewertet werden.

  8. Schüler führen Klassenbücher?

  9. Klassenfahrten sind eine unnötige Zusatzbelastung. Kein Lehrer sollte dazu gezwungen werden. Wichtig ist, dass sie guten Unterricht machen. Für die Fahrten, bei denen man mit Sicherheit keine studierten Physiker, Mathematiker etc. als Begleitung braucht, sollte der Staat Erzieher oder Erlebnispädagogen einsetzen.
    Die Lehrer sollten sollten lieber mehr Zeit haben um guten Unterricht zu machen und mit der ganzen Korrekturbelastung klar zu kommen.
    Die Arbeitszeit wurde mittlerweile so stark erhöht, dass man das Pensum nur schafft, wenn man sehr oberflächlich arbeitet.
    Idealisten reduzieren dann auf eine Teilzeitstelle und leisten Vollzeitarbeit für den halben Lohn. Realisten sparen anstatt an ihrem eigenen Gehalt lieber an der Qualität des Unterrichts.
    Entweder man reduziert die Pflichtstundenzahl drastisch (auf vielleicht 20), oder man lässt solchen ganzen Firlefanz wie Klassenfahrten.
    Oder, und das mag der Staat wohl im Moment gerne, man macht beides nicht und hat eben Lehrer, die vor lauter Arbeit keine Zeit haben diese auch qualitativ hochwertig zu machen.

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