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Abschaffung der Schreibschrift in Finnlands Schulen alarmiert jetzt auch den VBE

BERLIN. In Finnland soll die Schreibschrift im kommenden Jahr aus dem Lehrplan gestrichen werden – kein Vorbild für Deutschland, jedenfalls nicht aus Sicht des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE). „Die Einübung von Handschrift in der Grundschule darf nicht zur Disposition gestellt werden“, warnt VBE-Vorsitzender Udo Beckmann. „Ich halte gar nichts davon, das Schreiben per Hand durch das Tippen auf der Tastatur zu ersetzen. Den Kindern darf unter dem Dach der Schule auf keinen Fall eine Beschränkung ihrer motorischen Fähigkeiten zugemutet werden.“  Auch der Deutsche Lehrerverband hat sich bereits dagegen gewandt, auf das Handschreiben in den Schulen zu verzichten.

Kämpft für das Handschreiben in der Schule: VBE-Chef Beckmann (hier auf einer Grünen-Veranstaltung). Foto: Grüne NRW / Flickr (CC BY-SA 2.0)

Kämpft für das Handschreiben in der Schule: VBE-Chef Beckmann (hier auf einer Grünen-Veranstaltung). Foto: Grüne NRW / Flickr (CC BY-SA 2.0)

Ausgerechnet Finnland, das seit PISA vielen Staaten als vorbildlich in Sachen Bildung gilt, gibt eine der wichtigsten Kulturtechniken auf: Zum Herbst 2016 wird das Vermitteln einer Schreibschrift aus dem Lehrplan für die Grundschulen gestrichen. Ab dann steht es den Lehrern frei, den Kindern Schreiben nur noch mittels Tastatur und Druckschrift beizubringen. Dies berichtet die „Helsinki Times“. „Flüssiges Tippen auf der Tastatur ist eine wichtige Kompetenz”, so begründet  Minna Harmanen  vom finnischen Bildungsministerium die angestrebte Reform. Das Ministerium sei dabei, die Richtlinien für den neuen Schreibunterricht zu erarbeiten. Harmanen räumt ein, dass der Verzicht auf die Schreibschrift eine große kulturelle Umwälzung bedeutet, allerdings könnten sich die Schulen langfristig darauf einstellen. So dürften sie weiterhin – wenn sie es denn unbedingt wollen – auch die Schreibschrift vermitteln.

Finnland geht damit einen Weg, den auch schon die USA beschritten haben: Eine Schreibschrift zu vermitteln, ist in dem neuen Curriculum – das bereits von 45 der 50 Bundesstaaten ratifiziert wurde – nicht mehr als Pflichtstoff vorgesehen. Die „Common Core State Standards“ erlauben es den US-Schulen, selbst darüber zu entscheiden, wie sie Lesen und Schreiben lehren. Die Folge: Einige traditionsbewusste amerikanische Bildungseinrichtungen bieten Schreibschrift noch an, so berichtet die “Washington Post” – die meisten anderen nicht mehr. Sie setzen zunehmend allein auf die Tastatur.

Die Entscheidungen in Finnland und den USA, den Schreibschrifterwerb aus dem Schulstoff zu verbannen, sollte für Deutschland kein Vorbild sein, meint nun VBE-Chef Beckmann. Es sei nicht zuletzt durch die Erkenntnisse der Hirnforschung erwiesen, dass eigene handschriftliche Darlegungen das Lernen der Kinder befördern. Beckmann weiter: „Hier geht es nicht vordergründig um die Rettung des Kulturguts Handschrift. Es muss uns um die Entwicklung der motorischen und geistigen Fähigkeiten der Kinder gehen. Bessere Lesbarkeit, die nur technisch erzeugt wird, taugt deshalb nicht als Lernziel in der Schule. Im Gegenteil muss Schule auch weiterhin jedem Kind die nötige Zeit geben, sich den Mühen der Handschrift zu unterziehen. Wenn diese Basisfertigkeit sitzt, fällt das Tastaturschreiben übrigens auch leichter.“ News4teachers

Der Deutsche Lehrerverband und das Schreibmotorik Institut, Heroldsberg, haben eine Umfrage zum Thema Handschreiben unter Lehrerinnen und Lehrern gestartet. Hier geht es zu der Umfrage.

 

2 Kommentare

  1. … manuelles Schreiben wird im Schulunterricht ersetzt durch das Bedienen einer Tastatur, demnächst wohl dann auch Malen und Zeichnen durch Aufnehmen von Fotos mittels Smartphone-Kamera, Musizieren durch Anwählen von YouTube-Clips und Lesen einer Zeitung durch Twitter-Recherche. Schöne neue Medienwelt…

  2. interessant, dass finnland dem pisa-verliererland usa folgt …

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