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Gabriel: Lieber ökonomische Bildung und Programmieren – als Latein

BERLIN. Der SPD-Vorsitzende, Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel, hat sich in die bundesweite Debatte um den Tweet der Schülerin Naina eingeschaltet und sich dafür ausgesprochen, ein Fach „Ökonomische Bildung“ fest in Lehrplänen von Schulen zu verankern. Schon vor kurzem hatte Gabriel den Unterricht thematisiert  – und ein Fach Programmieren für Grundschüler gefordert.

War mal Berufsschullehrer - länger her: SPD-Chef Sigmar Gabriel (hier auf einem SPD-Parteitag 2013). Foto: Amekrümel, Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)

War mal Berufsschullehrer – länger her: SPD-Chef Sigmar Gabriel (hier auf einem SPD-Parteitag 2013). Foto: Amekrümel, Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)

Zum zehnjährigen Bestehen der Initiative «Wissensfabrik» hob der SPD-Chef am Dienstag das Ziel der 120 angeschlossenen Unternehmen und Stiftungen hervor, wirtschaftliches Denken und Technik-Verständnis zu fördern. Er frage sich, «ob es wirklich so wichtig ist, Latein und Griechisch weiter zu können, oder ob vielleicht Programmiersprache dafür entscheidend ist, dass man die Welt versteht». Gabriel betonte, dass junge Menschen interessiert daran seien, wie Gesellschaft und Wirtschaft funktionieren. Es gehe darum, ihnen objektive Einblicke in die Wirtschaftswelt und einen Austausch mit erfolgreichen Unternehmern und erfahrenen Praktikern zu ermöglichen. „Wir wollen Schülerinnen und Schüler für Unternehmertum und Selbstständigkeit begeistern. So legen wir den Grundstein für eine neue Gründerkultur in Deutschland“, betonte der Wirtschaftsminister.

Eine flächendeckende Einführung des Schulfachs Ökonomische Bildung – wie derzeit in Baden-Württemberg geplant – forderte auch der Vorsitzende des «Wissensfabrik»-Lenkungskreises, Franz Fehrenbach. Die «Wissensfabrik» setze entsprechende Projekte in mehr als 120 Schulen bundesweit um. Der Bosch-Aufsichtsratschef appellierte: «Wir brauchen mehr junge Menschen, die sich für Naturwissenschaften, Technik und Informatik begeistern und damit die anstehende digitale Vernetzung, vor allem die Vernetzung von klassischer Industrie mit Softwaren-Unternehmen vorantreiben.»

„Ich bin fast 18 und hab keine Ahnung von Steuern, Miete oder Versicherungen. Aber ich kann ‘ne Gedichtsanalyse schreiben. In 4 Sprachen”, so lautete die Kurznachricht der Gymnasiastin Naina unter @nainablabla vom 10. Januar. Über Nacht kam es zu einer breiten Internetdebatte über den Tweet. „Klar, wir lernen in der Schule wichtige Sachen. Aber niemand bringt uns bei, wie man später auf eigenen Beinen steht”, so legte das Mädchen dann nach. Die Medien nahmen das Interesse der Netzgemeinde zum Anlass, breit über die beiden Stoßseufzer der Jugendlichen zu berichten – und diese zu kommentieren. Deutschland diskutierte plötzlich darüber, wie alltagstauglich  Schulen machen sollen.

Auch die Bundesbildungsministerin äußerte sich. «Ich finde es sehr positiv, dass Naina diese Debatte angestoßen hat», sagte Johanna Wanka (CDU) nach Angaben ihres Sprechers in Berlin. «Ich bin dafür, in der Schule stärker Alltagsfähigkeiten zu vermitteln. Es bleibt aber wichtig, Gedichte zu lernen und zu interpretieren.» Die nordrhein-westfälische Schulministerin Sylvia Löhrmann (Grüne) verwies auf eine Empfehlung der Kultusministerkonferenz (KMK), Verbraucherbildung an Schulen stärker in Lehrplänen zu verankern. «Die Frage ist aber auch: Wie schaffen wir das, ohne dass wir ständig von oben draufsatteln.»

Die «Wissensfabrik» hat nach eigenen Angaben inzwischen 2500 Bildungspartnerschaften mit Kitas und Schulen geschlossen. Insgesamt 700 000 Kinder und Jugendliche hätten so an Projekten der Initiative zu Naturwissenschaften und Technik oder ökonomischer Bildung teilnehmen können, 12 000 Lehrer seien dafür geschult worden. News4teachers / mit Material der dpa

Zum Kommentar: Nainas Tweet löst eine breite Debatte um Bildung aus – leider eine zu flache

12 Kommentare

  1. da spricht wieder die bildungsfeindliche wirtschaftslobby …

    außerdem: Ökonomie gibt schon oft im wp2 ab klaase 8 oder 9 bzw. sowi in der sek ii
    programmieren gibt es in informatik

    herr gabriel scheint von programmieren und Ökonomie nicht viel ahnung zu haben, weil er andernfalls wüsste, wie schwer und abstrakt das werden kann …

  2. Milch der frommen Denkungsart

    Da hat jemand wieder seinen antibürgerlichen Beißreflex ausgelebt – man möge mir die Schule zeigen, in der Latein- oder Griechischschüler, deren Stunden ja auch eh bereits zusammengestrichen worden sind, ökonomisch verdummen ! Herr Gabriel drischt leeres Stroh !

  3. dieses dümmliche geschwätz von unserem geliebten IQ=80 Vize ist unerträglich.

  4. … nun, so lasst uns denn im Sinne von Herrn Gabriel konsequent weiterdenken. Lasst uns die Schule von nutzlosen Bildungsinhalten befreien wie Latein, Griechisch, Geschichte, Philosophie, Religion und vielleicht auch höhere Mathematik – was man an Mathematik im „richtigen“ Leben für die Abwicklung von Geld-und Börsengeschäften braucht, na das ist doch höchstens Prozentrechnung und Dreisatz, mehr nicht. Lasst uns die Schüler dafür in nützlichen Dingen unterweisen, wie man beispielsweise eine Waschmaschine und einen Wäschetrockner bedient, wie man ein Auto repariert und einen Reifen wechselt. Ersetzen wir den Geographieunterricht durch einen wesentlich nützlicheren Kochkurs, lassen wir die Schüler statt Sport in der Schule den Kfz-Führerschein machen – ach nein, das geht ja nicht, wegen der Fahrlehrer-Lobby – und natürlich wollen die Schüler/Innen dann ja auch noch unbedingt lernen, wie man eine Steuererklärung ausfüllt. [Ironie aus] Wenn ich solche traurigen und leider maßgeblichen Politikergestalten wie Herrn Gabriel über das Thema Bildung referieren höre oder lese, dann wird mir wirklich angst und bange um das (ehemalige?) „Land der Dichter und Denker“…

    • Wenn ich diesen Artikel lese (Gabriel & Co.) und Naina dazu, dann frage ich mich: Haben diese jungen Leute eigentlich Eltern und ein Zuhause? Meiner Meinung nach lernt man „Alltagstauglichkeit“ , die Alexander so trefflich beschrieben hat 🙂 , DAHEIM – jedenfalls war das bei mir früher und meinen eigenen Kindern und deren Freunde so.
      Armes Deutschland!

  5. Milch der frommen Denkungsart

    Alexander, Sie sind ein Großer !

  6. Die Frage ist doch, warum die Lerneneden nicht die Angebote von Berufkollegs nutzen? Wofür gibt es denn die FO-Klassen für Wirtschaft und Verwaltung und die Höhere Handelsschule?

    • Es wird wohl eher umgekehrt ein Schuh draus. Gabriels (vermeintliche) Kernklientel nutzt diese Angebote ja. Blöd nur, dass die Leute, die den gesellschaftlichen Ton angeben und gut verdienen, statistisch überwiegend nicht von diesen Orten kommen. Deshalb muss das „gymnasiale“ Alternativprogramm abgewickelt werden – um perspektivisch alle im selben intellektuellen Elend zu vereinen. Altes sozialdemokratisches Denken eben.

      Was die SPD nie begreifen wird: Die offene sozialdemokratische Bildungsverachtung und das Versumpfen im einfachen Kosten-Nutzen-Kalkül schadet den eigenen Wählern am meisten, denn die bleiben durch solche Bildungsverachtung genau da, wo sie immer schon sind. Hohn und Spott über alles auszuschütten, was man nicht versteht, wärmt vielleicht die Seelen im SPD-Ortsverein, aber es bezahlt eben kein Eigenheim.

  7. Warum überhaupt noch Englisch-Unterricht, wenn uns in 5 Jahren alles Smartphones simultan übersetzen?

  8. „Es gehe darum, ihnen objektive Einblicke in die Wirtschaftswelt und einen Austausch mit erfolgreichen Unternehmern und erfahrenen Praktikern zu ermöglichen.“

    Mal dahingestellt, was objektive Einblicke in die Wirtschaftswelt sein sollen, aber Austausch mit erfolgreichen Unternehmen sollen erfolgen, das ist doch ein vernünftiger Plan. Ach nein, sekunde, es gibt (vernünftige) Gesetze, die es Unternehmen verbieten, sich zu sehr in Schule einzumischen und ganz nebenbei haben die auch wenig Interesse. Deshalb sind sie ja keine Lehrer, sondern in der freien Wirtschaft. Aber er relativiert das Anliegen ja gleich wieder: Lehrer sollen diesen objektiven Einblick gewähren, in einem eigens dafür angelegten Schulfach. Wie? Mit Texten, die nicht interpretiert werden können? Oder mit Bildergeschichten? Karikaturen? (Anders kann man Wirtschaft nicht in Schule bringen, wenn man mal das zweiwöchige Praktikum in Klasse 8/9 außer acht lässt, um das sich die Firmen geradezu reißen. Also bei uns rufen ja unglaublich viele Firmen an und bemühen sich um die Praktikanten…)
    Sicherlich ist dem Problem beizukommen, indem man Latein und Griechisch streicht. Das fällt aufgrund von Lehrermangel sowieso dauernd aus. äh, wird natürlich vertreten, von dem absoluten Griechischexperten, dem Sport-Kunstlehrer Meier. Der war vor zehn Jahren in Frankreich im Urlaub. Nah genug dran. Das merkt keiner, ob der griechisch oder Wirtschaft tanzen lässt. Und wenn er schon dabei ist, kann er die Schüler mal einen Computer malen lassen. Daran kann dann im Fach Programmieren theoretisch erörtert werden, wie man – falls man mal einen echten Computer zu Gesicht bekäme – programmieren würde.
    Man kann aber auch einfach abwarten, was im Fach SoWi oder Politik herauskommt. Beides gibt es bereits und da sollen die Kinder genau das lernen, was hier gefordert wird, aber eben theoretisch. Und Waschmaschine anstellen lernen unsere Schüler in Hauswirtschaft. Dort lernen sie auch, dass man Töpfe nicht nur als Kopfbedeckung benutzen kann und wir bringen ihnen sogar bei, richtig über die Straße zu gehen und sich die Zähne zu putzen. Einmal im Jahr lernen sie auch, wie man eine Mappe führt: Mappe auf, Klammern öffnen, Blätter rein, alles wieder zu. Das nennt sich Methodentraining und ist heutzutage unglaublich wichtig. Wir Kinder der 50er/60er/70er haben doch nie gelernt, was man mit diesen Mappen alles machen kann! Wir sind ja quasi lebensunfähig. Man kann darin Blätter abheften, stellt euch das vor! Das muss aber natürlich gelernt werden…

  9. Ich kenne so einige Menschen, die wirtschaftlich erfolgreich sind. Viele davon können überaus gut programmieren. Davon können die meisten Latein. Der Erwerb dieser scheint zumindest nicht allzu hinderlich zu sein, um sich nach Schule und Studium eine stabile finanzielle Basis aufzubauen.

    Aber was will man von diesem Pseudolehrer anders erwarten.

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