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Muss sowas sein? Kitas stellen „Management-System“ für Beschwerden von Kindern vor

LÜBECK. Wie viele rechtliche Regelungen benötigt eine pädagogische Einrichtung, um Kindern Gehör zu verschaffen? Kein Scherz: Fünf Lübecker Kitas haben jetzt ein „Beschwerdemanagement-System“ entwickelt, das den Umgang mit Anliegen der Kleinsten regelt.

Heute schon das "Beschwerdemanagement-System" genutzt? Foto: anschi / pixelio.de

Heute schon das „Beschwerdemanagement-System“ genutzt? Foto: anschi / pixelio.de

Fünf evangelische Kindertagesstätten aus Lübeck haben nun ein Konzept für ein „Beschwerdemanagement“ in Kitas vorgestellt. Dabei gehe es nicht darum, alle Wünsche der Kinder zu erfüllen, sagte die Projektleiterin Franziska Schubert-Suffrian vom Verband evangelischer Kindertageseinrichtungen Schleswig-Holstein. Ziel sei es, Bedürfnisse der Kinder ernst zu nehmen und ein strukturiertes Verfahren zum Umgang mit den Beschwerden zu entwickeln. Bundesweit gibt es nach Angaben von Schleswig-Holsteins Sozialministerin Kristin Alheit (SPD) trotz der seit 2012 geltenden gesetzlichen Vorgaben erst wenige Kitas, die ein Beschwerdemanagement für Kinder entwickelt haben.

«Im Alltag erleben Kinder immer wieder, dass ihre Äußerungen von Erwachsenen nicht ernst genommen werden», sagte Projektleiter Michael Regner. Aufgabe der Erzieherinnen sei es, zunächst die Beschwerden der Kinder wahr- und ernst zu nehmen. «Im zweiten Schritt können die Fachkräfte als Moderatorinnen gemeinsam mit den Kindern nach individuellen Lösungen suchen.» Das Land hat den einjährigen Modellversuch mit 18.000 Euro bezuschusst. Das evangelisch-lutherische Kitawerk Lübeck, eine Einrichtung der Gemeindediakonie, hat sich mit rund 20.000 Euro beteiligt.

Entstanden sind verschiedene Bausteine des Beschwerdemanagements, aus denen sich jede Kita ein eigenes Verfahren zusammenstellen kann. «Die Beschwerden der Kinder drehen sich oft um die Verteilung des Spielzeugs, aber auch um Essen und Kleidung», sagte Schubert-Suffrian. «So wollte zum Beispiel ein Junge seine Regenhose nicht mehr anziehen, weil die beim Anschleichen im Gebüsch verräterische Geräusche macht.» Für die Kinder seien solche Probleme bedeutsam, und die Erfahrung, mit einer Beschwerde an deren Lösung mitgewirkt zu haben, sei ein wichtiger Lernprozess, sagte sie.

Ziel des Beschwerdemanagements ist es, das Selbstbewusstsein der Kinder zu stärken und sie dadurch besser vor Übergriffen zu schützen. «Gerade im Kontext mit der Prävention von Gewalt oder Missbrauch spielen auch altersgerechte Mitsprache und Mitbestimmung von Kindern in Einrichtungen eine wichtige Rolle», erklärte Alheit. Wie viel Arbeitszeit von Erzieherinnen das „Beschwerdemanagement-System“ beansprucht, wurde dabei nicht angesprochen. News4teachers / mit Material der dpa

6 Kommentare

  1. Das ist aber doch jetzt ein Beitrag aus der Bütt, oder?

  2. dadurch lernen die kinder nicht, Pädagogen aks Autoritäten anzusehen, besonders wenn sie durch ihre eltern auch noch dazu ermuntert werden. außerdem möchte ich den beamten kennenlernen, der einem vierjährigen kind das wort „Beschwerdemanagement“ erklären kann.

  3. Hm, ich hätte jetzt gedacht, man stellt nur Erzieherinnen ein, die einfühlsam genug sind, auf die Kinder zu achten und auf ihre Fragen und Beschwerden einzugehen. Andererseits sehe ich ein, dass man wg. Arbeitnehmerrechten unfähige Mitarbeiter nicht mehr entlassen kann (aus den Berichten vom örtlichen Kindergarten weiß ich, dass es die gibt), also braucht man ein Beschwerdemanagementsystem.

  4. Auf der Bildungsmesse didacta könnte eigentlich endlich mal ein Preis für Schaumschlägerei in Krippen und Kitas vergeben werden. Es dürfte keinen Mangel an Bewerbern geben.
    http://www.forum-fuer-erzieher.de/viewtopic.php?f=53&t=8751

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