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Fthenakis: Erzieher-Gehälter entsprechen Anforderungen und Verantwortung nicht

DÜSSELDORF. Vor der nächsten Tarifrunde für Erzieher müssen sich Eltern wieder auf Warnstreiks an Kitas einstellen. Eine große Umfrage im Auftrag des Deutschen Kitaleitungskongress bestätigt, dass die Kita-Mitarbeiter sich nicht gewürdigt sehen.

Viele städtische Kindertagesstätten sollen an diesem Montag geschlossen bleiben. Mit Warnstreiks machen die Gewerkschaften erneut Druck auf die Tarifverhandlungen für den kommunalen Sozial- und Erziehungsdienst. Am Donnerstag steht in Hannover die vierte Verhandlungsrunde an. Laut einer umfangreichen Umfrage sind 76 Prozent der Kita-Mitarbeiter der Ansicht, dass ihre Arbeit nicht ausreichend gewürdigt wird.

Bildungsexperte Wassilios Fthenakis sieht Erzieher nicht angemessen entlohnt. Foto: Messe Stuttgart

Bildungsexperte Wassilios Fthenakis sieht Erzieher nicht angemessen entlohnt. Foto: Messe Stuttgart

Den Anfang mit dem Arbeitskampf macht in dieser Woche die Fachgewerkschaft Komba, die vor allem im kommunalen Bereich Beamte und Angestellte organisiert. Sie ruft in Aachen, Bonn, Essen und Mönchengladbach ab acht Uhr morgens zu Unterstützungsstreiks und Demonstrationszügen auf. Manche Kitas und Familienzentren werden deshalb geschlossen bleiben, andere mit kleiner Personalbesetzung arbeiten.

Am Mittwoch setzt dann die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (Verdi) den Kampf um höhere Gehälter fort. Sie hat bereits landesweite Aktionen in allen großen Städten Nordrhein-Westfalens angekündigt. Einzelheiten sollen noch bekanntgegeben werden.

Die Gewerkschaften fordern für die bundesweit mehr als 220 000 Beschäftigten im Sozial- und Erziehungsdienst eine höhere Eingruppierung und damit im Durchschnitt eine Gehaltserhöhung von zehn Prozent. Sie begründet das mit gestiegenen Anforderungen. So halten einer Umfrage der Hochschule Koblenz unter 2000 Erziehern zufolge zwei Drittel von ihnen den Personalschlüssel für zu gering. Empfohlen sei ein Verhältnis von 1:3 zwischen Betreuern und Kindern bei unter Dreijährigen. In der Realität sei es aber meist ein Schlüssel von 1:7, sagte der Bildungsexperte Prof. Wassilios Fthenakis.

Befristete Arbeitsverträge, stark variierende Arbeitszeiten, mangelnde Aufstiegs- und Entwicklungsmöglichkeiten sowie unangemessene Bezahlung seien Hindernisse, die den Beruf der Erzieherin für viele unattraktiv mache, sagte Fthenakis. «Die Gehälter entsprechen nicht der übernommenen Verantwortung und den Anforderungen an das Berufsbild.» Dazu kämen Gesundheitsbelastungen durch Stress, Lärm und rückenbelastende Tätigkeiten. (dpa)

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