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Der Fall Laschet: Wie viel Schlampigkeit als Lehrender darf sich ein Spitzenkandidat leisten?

DÜSSELDORF. Für die SPD ist der Fall klar. „Armin Laschet sagt die Unwahrheit, diesem Mann kann man nicht mehr glauben“, sagte SPD-Fraktionschef Norbert Römer am Mittwoch in Düsseldorf. Erstaunlich ist die Schärfe des Urteils nicht – galt Laschet, Ex-Integrationsminister und Chef der CDU in Nordrhein-Westfalen, doch bis dato als Herausforderer von Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) bei der 2017 anstehenden Landtagswahl. Zweifel sind erlaubt, ob er das jetzt noch sein kann. Denn tatsächlich legte Laschet im Zusammenhang mit der sogenannten Noten-Affäre in den vergangenen Wochen eine bemerkenswerte Wurschtigkeit an den Tag.

Freihändig Noten vergeben? Armin Laschet, CDU-Bundesvize und Ex-Integrationsminister von NRW. Foto: Christliches Medienmagazin pro / Wikimedia Commons (CC BY 2.0)

Freihändig Noten vergeben? Armin Laschet, CDU-Bundesvize und Ex-Integrationsminister von NRW. Foto: Christliches Medienmagazin pro / Wikimedia Commons (CC BY 2.0)

Laschet war als Lehrbeauftragter an der RWTH Aachen tätig – bis zu seinem Rücktritt von dem Ehrenamt vor wenigen Tagen. In seinem Seminar „Europapolitik der Berliner Politik“ ließ Laschet Studierende eine Klausur schreiben. Die Prüfungstexte gingen dann allerdings verloren, Laschet zufolge auf dem Postweg zur Universität. Anschließend will er die Noten nach Absprache mit der Uni anhand persönlicher Aufzeichnungen und in Abstimmung mit seiner Co-Korrektorin „rekonstruiert“ haben. Praktischerweise erhielten alle Studenten sehr gute und gute Noten.

Peinlich allerdings: Er übermittelte der Hochschule 35 Noten, obwohl nur 28 Studierende mitgeschrieben hatten. Auf die Frage von Journalisten, ob er die Notizen denn noch habe, hatte er laut „Rheinischer Post“ vor zwei Wochen geantwortet: „Ja, die gibt es noch. Glaube ich mal.“ Auch auf einer eigens einberufenen Pressekonferenz zum Thema eine Woche später sei keine Rede davon gewesen, dass die Notizen verschwunden sind. Gestern habe er dann erklärt, er habe die Notizen nicht aufbewahrt, nachdem der Prüfungsausschuss der RWTH sich mit der nachträglichen Notengebung einverstanden erklärt habe.

Nicht die einzige Ungereimtheit: Wie es denn überhaupt sein kann, dass er Studenten eine Note gab, die die Klausur überhaupt nicht mitgeschrieben hatten? Laschet hat dafür noch keine Erklärung bieten können, eher die Verwunderung darüber noch gesteigert. Die Diskrepanz sei „leicht zu erklären“, sagte er auf einer Pressekonferenz vergangene Woche, „aber ich tu es nicht“.

Er verstricke sich in Widersprüche, meint SPD-Fraktionschef Römer nun, „jongliere“ mit der Wahrheit und schade mit seinem Verhalten der eigenen Seriosität und Glaubwürdigkeit. Parlament und Öffentlichkeit hätten einen Anspruch auf Aufklärung, meinte er.

Die Studierenden sicher auch. Die Uni hat schon reagiert: Die Noten für die verschwundenen Klausuren werden annulliert. Das entschied der zuständige Prüfungsausschuss, wie die Hochschule am Mittwoch mitteilte. Der Ausschuss stellte demnach fest, dass eine hinreichende rechtliche Grundlage zur abschließenden Bewertung der Klausuren fehle. Die Studierenden müssen nun eine neue Prüfungsleistung erbringen. Das kann nach Angaben der Hochschule auch in Form einer Hausarbeit geschehen.

Heute wurde bekannt, dass Laschet neuer Ärger ins Haus steht: Ihm wird im Zusammenhang mit einer Buchveröffentlichung offenbar nun Steuerhinterziehung vorgeworfen, berichtet die „Rheinische Post“. News4teachers / mit Material der dpa

Zum Bericht: „Laschet hintergeht Studierende“ – CDU-Vize drohen nach „Noten-Affäre“ juristische Konsequenzen

Ein Kommentar

  1. .. wer mit Klausuren so schlampig umgeht und dann auf diese mit Verlaub lächerliche und peinliche Art versucht, seine Fehler zu vertuschen, der würde sicher auch mit den Steuergeldern der Bürger nicht besonders sorgfältig umgehen. Herrn Laschets Karriere ist an dieser Stelle wohl zu Ende.

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