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Von «guten Freunden» und Nothelfern – 90 Jahre Stipendiendienst DAAD

BERLIN. Eine der wichtigsten Organisationen für den Austausch von Studenten und Wissenschaftlern feiert groß ihr 90-jähriges Bestehen. Bis heute schlagen die Krisen dieser Welt auf die völkerverbindende Arbeit des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) durch.

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Auch Nothilfe in Terror-Regionen gehört zum Programm: Seit einigen Wochen greift der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) Studenten der kenianischen Universität Garissa unter die Arme, die im April Opfer eines Angriffs der islamistischen Al-Shabaab-Miliz mit mehr als 140 Toten wurde. «Es ist uns wichtig, dass wir dort verlässliche Partner sind», sagt DAAD-Präsidentin Margret Wintermantel grundsätzlich zur Arbeit in Krisengebieten im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. «Wir wollen als gute Freunde wahrgenommen werden.» An diesem Mittwoch begeht der DAAD mit einem Festakt in Berlin sein 90-jähriges Vereinsbestehen.

Carl Joachim Friedrich hätte es vielleicht etwas anders formuliert als Wintermantel, als er einst den Grundstein für den DAAD-Vorläufer «Akademischer Austauschdienst e.V.» legte. Aber im Prinzip lag schon dieser frühen Stipendien-Initiative des amerikabegeisterten Heidelberger Studenten von Anfang/Mitte der 20er Jahre das heutige Motto einer Annäherung durch Austausch zugrunde. Offiziell gegründet wurde der Verein am 1. Januar 1925. Seither hat der DAAD – unterbrochen durch die vom Historiker Holger Impekoven gründlich aufgearbeitete Nazi-Gleichschaltung – gut zwei Millionen Akademiker im In- und Ausland unterstützt.

«Toleranz, Völkerverständigung und Friedenssicherung» solle der DAAD auch jetzt fördern, sagt Wintermantel. Man tut dies weiterhin als eingetragener Verein, zu dessen Mitgliedern inzwischen 238 Hochschulen gehören und der mit einem Etat von gut 440 Millionen Euro – überwiegend aus Bundesmitteln – üppig ausgestattet ist. «Heute geht es stärker noch um den Wettbewerb zwischen den Wissenschaftsnationen und darum, für die besten Talente aus der ganzen Welt attraktiv zu sein», fügt die DAAD-Präsidentin hinzu.

Dass derzeit knapp zwei Drittel der Finanzmittel vom Auswärtigen Amt und aus dem Bundesbildungsministerium stammen, empfindet Wintermantel nicht als problematisch: «Denn es ist doch das gemeinsame Ziel unserer Hochschulen und auch der Politik, hervorragende Wissenschaft zu betreiben und begabte junge Menschen anzuwerben. Es ist auch unsere gemeinsame Aufgabe, junge Menschen zu befähigen, im besten Sinne Weltbürger zu werden.»

«Als Verein der Hochschulen und Studierendenschaften hat der DAAD eine gewisse Unabhängigkeit von der Tagespolitik, befindet sich aber immer in einem konstruktiven Dialog», sagt Wintermantel über den Status Quo. Allzu offensiven Begehrlichkeiten aus Politik und Wirtschaft steht die DAAD-Chefin gleichwohl reserviert gegenüber: «Wir sind keine Rekrutierungsorganisation für ausländische Fachkräfte.» Der DAAD respektiere individuelle Entscheidungen der ausländischen Studenten, wenn sie nach einem Stipendium nicht hier bleiben wollten oder könnten. «Denn auch wenn sie in ihre Länder zurückgehen, sind sie Deutschland weiterhin verbunden.»

Ein größeres Problem als zu viel Nähe zur deutschen Politik ist für den längst weltweit tätigen DAAD wohl ohnehin der Umgang mit menschenrechtlich problematischen Ländern oder gar «Schurkenstaaten». «Das ist eine Diskussion, der wir uns stellen müssen und die wir selbstverständlich im DAAD führen», sagt Wintermantel. In 15 Außenstellen und 56 Informationszentren arbeiteten Menschen, «die vor Ort die hochschulpolitische, aber auch die politische Situation kennen». Mehr als 500 Gutachter entschieden «nach streng wissenschaftlichen Kriterien», welche Studenten und Wissenschaftler der DAAD fördert und ins eigene Land holt. «Aber sie machen natürlich keine Gesinnungsprüfung.»

«Die Problematik mit Krisenstaaten hat zugenommen», sagte Michael Harms, bis 2014 Leiter der DAAD-Außenstelle Kairo, der «Deutschen Universitätszeitung» (Juni-Ausgabe). Länder wie Syrien oder Libyen, aber auch die Ukraine und Russland machen der deutschen Förderinstitution heute Sorgen. Zu den beiden Letztgenannten sagt Wintermantel bedauernd: «Wir spüren dort eine große Begeisterung zur Kooperation, aber zugleich eine Stimmung, die schwierig ist.» Das hehre Ziel des Heidelberger Studenten Friedrich vor 90 Jahren – seine gewohnte Umgebung verlassen, Grenzen überwinden und selbst Gastfreundschaft zeigen – stößt bis heute in vielen Staaten der Erde offenkundig auf nur sehr begrenzte Gegenliebe. Von Werner Herpell, dpa

Zum Bericht: Kostenfreie Lehrerfortbildung – Schlüsselqualifikationen und Auslandsaufenthalt

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