Start Leben Ganztagsschulen schuld? – Kinder und Jugendliche treiben immer weniger Sport

Ganztagsschulen schuld? – Kinder und Jugendliche treiben immer weniger Sport

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ESSEN. Kinder und Jugendliche treiben zunehmend weniger Sport. Der dritte Deutsche Kinder- und Jugendsportbericht kommt zu dem Schluss, dass der Ausbau der Ganztagsbetreuung in Kitas und Schulen eine Mitschuld trägt.

Eine paradoxe Situation: Obwohl sich im Kinder- und Jugendsport immer vielfältigere Angebote und Sportszenen entwickeln, bewegen sich Heranwachsende heute weniger als in der Vergangenheit. Eine der wichtigsten Gründe dafür sind die längeren Schultage in Ganztageseinrichtungen sowie die verdichteten Zeiten des Lernens im auf acht Jahre verkürzten Gymnasium. Sportexperten befürchten, dass Kinder zu lange inaktiv sind und zu lange Sitzen. Vereine und Verbände müssten dafür sorgen, erfolgreiche Kooperationsmodelle zwischen Vereinen und Schulen bekanntzumachen. Spiel und Sport müssten verstärkt in den Einrichtungen verankert werden, heißt es in dem am Freitag in Essen vorgestellten Bericht.

Sport fördert Eigenschaften, die auch auf dem Arbeitsmarkt eine wichtige Rolle spielen. Foto: Jim Larrison / flickr (CC BY 2.0)
Sport kommt im Tagesablauf der Kinder häufig zu kurz. Foto: Jim Larrison / flickr (CC BY 2.0)
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In den letzten Jahren haben die Sportvereine ihre Monopolstellung als Sportanbieter verloren. Konkurrenz erwächst ihnen nicht nur durch die Ganztagsschule, sondern auch durch kommerzielle Anbieter. In vielen Orten entstehen jetzt neue Kooperationsformen zwischen Schulen und Vereinen. Rund 71 Prozent der Ganztagsschulen arbeiten bereits mit einem Partner aus dem Bereich Sport zusammen. Dabei entstehen neue Angebote, von denen die Heranwachsenden profitieren und die ihnen anderenfalls nicht zur Verfügung gestanden hätten, so der Bericht. nin

Hier geht es zum vollständigen Bericht

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25 KOMMENTARE

  1. Ja, ich kann mir gut vorstellen, dass die zunehmende Ganztagsbetreuung in Kitas und Schulen auf mehrerlei Weise ihren Tribut fordert. So auch bei der körperlichen Bewegung. Ob die Heranwachsenden da von neuen kommerziellen Sport-Anbietern für Kitas und Schulen entscheidend profitieren, wage ich zu bezweifeln. Eine ganztägige institutionelle Betreuung ist eben etwas Unnatürliches und schränkt den Freiraum der Kinder enorm ein, auch den nach selbstgewählter körperlicher Betätigung.

  2. Viele ehrenamtliche Freizeit-Angebote wurden von älteren Schülern betreut. Die sind aber auch in der Ganztagsschule, haben also keine Zeit mehr, außerdem gelten in der Schule ja die viel strengeren Haftungs- und Aufsichtsregeln …

  3. Die Vereine sind desillusioniert, was die Kooperationen angeht. Wie soll das auch funktionieren? Die Übungsleiter sind größtenteils selbst Schüler. Das bedeutet, dass sie

    – wegen Langtagen nicht an jedem Wochentag Zeit haben
    – aus dem gleichen Grund ihre kostbaren wenigen Tage für ihre eigenen sportlichen Aktivitäten oder für die richtigen Vereinsgruppen nutzen
    – meistens nicht schnell genug von ihrer Schule zu der mit der von ihnen geleiteten AG kommen

    Und was haben die Vereine davon, außer Kosten? Die Übungsleiter sind ehrenamtlich tätig, bekommen jedoch eine Aufwandsentschädigung und, wenn der Trainingsort nicht beim Verein ist, Fahrgeld. Diese Kosten werden von den Vereinsmitgliedern getragen. Bisher ist es noch nie gelungen, aus einer Schul-AG merklich Vereinsmitglieder zu rekrutieren. Die meisten machen die AG mal 6 Monate oder ein Jahr mit und müssen sie sowieso aufgeben, wenn sich ihr Langtag ändert. Andere sehen nicht ein, im Verein für etwas zu zahlen, was es in der AG doch umsonst gibt. Und wieder andere haben treiben der AG schon Sport – aber in einem anderen Verein. Ergo zahlen die Vereinsmitglieder für die Betüddelung von Vereinsfremden. Bei allem sozialen Engagement ist das doch etwas viel verlangt.

    Was sich die da oben vorstellen funktioniert schlicht nicht. Das weiß jeder, der sich in einem Verein engagiert hat. Zusätzlich fallen die ganzen anderen Aspekte weg. Ein Sportverein hat die Verpflichtung, eine Jugendabteilung zu betreiben, die mit eigenem Budget, eigenem Vorstand usw. unabhängig vom restlichen Verein ist. Man lernt dort demokratische Strukturen, Diskussion, Zusammenhalt über viele Jahre. Es gibt Lehrgänge, Zeltlager und vieles mehr. Das alles kann eine Schul-AG nicht bieten.

    Einfache Lösung: Die Schule wird, bis auf Ausnahmen in der Oberstufe, aus dem Nachmittag verbannt. Zumindest für diejenigen, die das wollen. Übersetzt: G9-Wahlfreiheit.

    Mal sehen, wie lange dickebank braucht, um seinen Ekel über Vereine hier auszubreiten.

    • Die Beeinträchtigung des Vereinslebens sehe ich auch als großen Verlust für Kinder und Jugendliche, allerdings auch für das allgemeine gesellschaftliche Leben. Immer mehr Gemeinschaften (auch Familie) werden ausgehöhlt oder geschwächt durch den Staat, der meint, alle Lebensweisen an sich reißen und unter Kontrolle haben zu müssen. Natürlich nur zum Wohle der Gesellschaft und jedes einzelnen Menschen!

      • So einfach würde ich das nicht sehen. Da beide Elternteile arbeiten, sind sie froh, wenn ihren Kindern ein zeitlich umfänglicheres Programm in der Schule geboten wird. An unserer Schule arbeiten Vereine und auch andere Interessensgruppen eng mit den Ganztagsklassen zusammen. So ist der Nachmittag besser getaktet und die Schüler kommen mit unterschiedlichen Sportarten in Berührung. Die Ganztagsschulen sehe ich eher als Chance für die Vereine, sofern sie Personal zu dieser Zeit abstellen können. Außerdem können Ganztagesschüler immerhin noch nach dem Unterricht ihr Training besuchen, zumal das wegen der berufstätigen Übungsleiter in der Regel in den Abendstunden liegt. Der Vorteil ist sogar, dass Ganztagesschüler keine Hausaufgaben haben.

        • “Die Ganztagsschulen sehe ich eher als Chance für die Vereine, sofern sie Personal zu dieser Zeit abstellen können.”
          Die Chance erschließt sich mir nicht. Vereinssport und -leben ist etwas ganz anderes als Schulsport durch einen Verein als Dienstleister.
          “Außerdem können Ganztagesschüler immerhin noch nach dem Unterricht ihr Training besuchen, zumal das wegen der berufstätigen Übungsleiter in der Regel in den Abendstunden liegt.” Dann fragen Sie mal die Eltern, wie groß das Interesse nach einem ganzenTag in Kita oder Schule noch am Mittun im Verein ist. Was Sie sagen, ist schön zusammengereimt, entspricht aber ebenso wenig der Erfahrung wie die Sache mit der Hausaufgabenfreiheit und ihrem Nutzen für das Vereinsleben.
          Nach einem ganzen Tag in Kita oder Schule wollen die Kinder nur noch frei haben und keine weitere Verpflichtung vor sich.

        • “Der Vorteil ist sogar, dass Ganztagesschüler keine Hausaufgaben haben.” Stimmt. Ich unterrichte nebeneinander Halbtags- und Ganztagsklassen und merke den Unterschied deutlich.

          • Nach meinem Verständnis von HA schließen sie auch ein, den Lernstoff des Tages zu reflektieren, um für die nächste Std. gut gerüstet zu sein.

            Schließlich werden ja auch heutzutage noch Tests/Klassenarbeiten geschrieben. Wie sieht es mit der dafür benötigten Vorbereitungszeit in einer Ganztagseinrichtung aus? Gibt es sie dort oder müssen diese Arbeiten nicht doch Zuhause erledigt werden, wenn eingentlich niemand mehr etwas von “Schule” wissen möchte?

            Gerade diese intensive geistige Auseinandersetzung mit dem Lernstoff “schreit” geradezu nach individueller persönlicher/privater Atmosphäre, in der ich mich nicht ständig beobachtet fühle.
            Jeder hat auch einen anderen Arbeitsrhythmus. Niemals hätte ich mich als Sch nach dem Mittagessen sofort an die HA machen können. Ich brauchte immer eine Ruhephase.
            Gerne arbeitete ich abends. Auf diese wichtigen persönlichen Bedürfnisse von Sch kann eine Gnaztagseinrichtung doch gar nicht eingehen!!

  4. Durch G8 haben viele Schüler mehrmals in der Woche Unterricht bis 16.00 Uhr. Hier in der ländlichen Gegend kommen sie dann erst um 17.00 Uhr nach Hause. Hausaufgaben und Klassenarbeiten stehen auch noch an, Musikschule vielleicht. Und Sport??? Kommt zu kurz.

    • Ganztagschule und Hausaufgaben – das ist (zumindest in NRW) im Hausaufgabenerlass geregelt. Wenn Lehrkräfte den nicht umsetzen, dann mit Hilfe der Bezirksregierung der betreffenden Schule auf die Finger klopfen. Hausaufgaben sind – unter der Voraussetzung das es entsprechende Arbeitszeiten in der Schule gibt – so nötig wie ein Kropf. Ganztag bedeutet, dass es an mind. 3 Nachmittagen Unterricht bis 15:00 Uhr und eine einstündige Mittagspause geben muss.

      Dass Schulen die 4 WS Sport, die je Klasse vorgesehen sind, nur selten erteilen können, liegt an fehlenden Hallenkapazitäten.

      Was die Vereine gerne verschweigen ist, dass es ja nicht nur um die Trainingszeiten geht. Es sind die zusätzlichen Zeiten bei Wettkämpfen, die dem Familienleben im Wege stehen. Auf dem platten Land bekommen z.B. immer weniger Fußballvereine ihre Mannschaften in den einzelnen Altersgruppen gefüllt. Und das liegt eben nicht allein am Nachmittagsunterricht. Denen fehlen nämlich (siehe Tagesbereitschaft der Freiwilligen Feuerwehren) zunehmend die Übungsleiter, die eben vor Ort keinen Arbeitsplatz haben sondern pendeln. Hinzu kommt die von Mitarbeitern erwartete Mobilität und Flxibilität. Da die meisten Kommunen die Gebühren für die Hallenzeiten der Vereine erhöht und gleichzeitig die freiwilligen Zahlungen an die Vereine zurückgeführt haben , müssen die Vereine höhere Mitgliedsbeiträge kassieren. Das trägt auch nicht zur Attraktivität bei. Also das Ausbluten der Sportvereine ist multikausal, es alllein auf den Ganztagsunterricht schiebn zu wollen, ist gelinde gesagt eher eindimensional.

      • “Es sind die zusätzlichen Zeiten bei Wettkämpfen, die dem Familienleben im Wege stehen.”
        Quatsch! Das sportliche Vereinsleben braucht Wettkämpfe und viele Familienmitglieder nehmen an ihnen als begeisterte Zuschauer teil. Wettkämpfe werden oft gemeinsm erlebt. Sie bereichern das Familienleben, was der Schulsport nicht tut.
        Ihre weiteren Gründe für das Ausbluten der Vereine suchen Sie krampfhaft. Es liegt doch einfach auf der Hand, dass vor allem ganztägige Kitas und Schulen Gift für die Mitgliedschaft von Kindern in Sportvereinen sind. Da muss man doch nicht mit der Lupe weitere Gründe suchen, die es hie und da natürlich auch noch gibt.

        • Toll, dann fahren Sie doch einmal als Familienmitglied mit zu einer Bezirksmeisterschaft im Schwimmsport.

          Die vereine finden doch kaum eltern, die bereit sind die kinder zu den Wettkämpfen zu begleiten, die sich aber darüber beschweren, wenn das Kind keinen platz im vereinsbus bekommt bzw. nicht direkt nach Hause gebracht wird, wenn der letzte Wettkampf des eigenen Kindes beendet ist. Bei Schwimmern muss dann eben die gesamte Mannschaft warten bis die Finalläufe durch sind.

          Komisch, auf das Thema Tagesbereitschaft der Ffw gehen Sie überhaupt nicht ein. Die Verfügbarkeit von Gruppenleitern im Vereinssport zwischen 9 und 17 Uhr ist also besser? Die Jugentlich ab 16 Jahren, die den vereinen als Gruppenleiter dienen könnten, die sind rar. Wenn die Gruppenleiterausbildung abgeschlossen haben, wechseln die in die berufliche Ausbildung oder ins studium – und das nicht direkt vor der Haustür.

          • Dann beantworten Sie mir doch die Frage, warum das Schwächeln des Vereinssports für Kinder so signifikant Hand in Hand geht mit der Zunahme von Ganztagskitas und Ganztagsschulen?
            Alles, was Sie schreiben, sind Probleme, die es immer schon gab, die aber Sportvereine nie dermaßen in Bedrängnis brachten.

          • Da haben Sie ein nettes Beispiel gefunden. 90% der Jugendlichen in einem Schwimmverein werden niemals an Bezirksmeisterschaften teilnehmen, geschweige denn z.B. an den Westdeutschen. Danach kommt nur noch der Leistungssport. Die meisten bleiben jedoch im Breitensport – und finden schon für die zwei Termine die Woche keine Zeit. Wie auch, die Vereine haben vielleicht 2x die Woche Wasserzeit in einem normalen Schwimmbad, da ist wäre es ein Wunder, wenn die Termine immer passen würden. Das Problem der Fahrerei bei Wettkämpfen gab es schon vor 30 Jahren, und es ist, soweit ich das beurteilen kann, weder besser noch schlechter geworden. Es sind immer noch nur eine Handvoll, die die Kuchen backen, fahren usw.

            Beim Leistungssport wird es so richtig schwierig. Wir reden dabei nicht mal von Kader. Trotzdem gibt es 9x die Woche Training im Wasser, 3x Krafttraining und oft am Wochenende Wettkampf (dafür fallen dann die Samstagseinheiten weg). Das ist mit Langtag kaum und mit Ganztag fast gar nicht zu stemmen. Das merken nicht nur die Vereine, sondern auch die Kinder und Jugendlichen, die ihren heißgeliebten Sport aufgeben müssen. Denn von denen gehen die allerwenigsten zurück zum Breitensport mit 2 Terminen die Woche, wie die Erfahrung zeigt.

            Und ja, oft schränken Übungsleiter ihre Tätigkeit ein, sobald sie mit der Schule fertig sind. Das ist eben im G8 (und nur deshalb gibt es Langtage) ein Jahr früher. Übungsleiter, die eine Gesamtschule besuchen, sind wegen der zeitlichen Probleme rar (es gibt sie natürlich), deshalb hilft das dortige G9 nicht wirklich.

            Warum Sie die Feuerwehr ins Spiel bringen – keine Ahnung. Im Artikel oben geht es um Sport.

          • Dann beantworten Sie mir doch die Frage, warum das Schwächeln des Vereinssports für Kinder so signifikant Hand in Hand geht mit der Zunahme von Ganztagskitas und Ganztagsschulen?

            Ganz einfach, weil im gleichen Zeitraum die Berufstätigkeit von Frauen zugenommen hat. Warum ist denn die Nachfrage nach Ganztagsbetreuung so hoch? Den meisten deutschen geht die vereinsmeierei auf den Senkel, die Mitgliederzahlen sinken beständig genauso wie bei Parteien, Kirchen und Gewerkschaften.

            Mit ihren Breitensportangeboten holen die vereine niemanden mehr aus der Ecke hervor. Die meisten Erwachsenen trainieren in “Gymnastikstudios” fernab von Vereinen. Die Jugendlichen, die Sport machen, betreieben ihre Fundsportarten ebenfalls außerhalb der Vereine. Kletterhallen besuchen mehr Leute als der Alpenverein Mitglieder hat.

            Früher gab es die Symbiose zwischen vereinen und Kommunalpolitik. Jeder Kommunalpolitiker war in irgendeinem Sportverein im Vorstand. Nur seit die Kommunalpolitik die freiwilligen Zuschüsse an die vereine streicht und zusätzlich noch Hallennutzungsgebühren erhebt, funktionieren die Vereine nicht mehr als politisches Vorfeld. Die bedeutung der vereine geht somit zwangsläufig zurück.

          • Zwangsläufig ist hier fast nichts. Die Entwicklung ist politisch gewollt und nicht vom Himmel gefallen.
            Wer von Zwangsläufigkeit spricht, ist meiner Meinung nach nur daran interessiert, dass der staatsintensive Weg weiter beschritten wird und öffentliche Kritik an dessen Netzwerken (unter Ausschaltung privater Initiativen und Lebensformen) unterbleibt. Wer kritisiert schon eine “Zwangsläufigkeit”, die nach Naturgewalt klingt?
            Also tun wir doch nicht so, als sei der wachsende Krake Staat etwas, das wir als unabänderliches Schicksal hinnehmen müssten .

          • Tinnef – was bitte ist daran staatsintensiv, dass Vereine, Verbände und Kirchen mit geringerer Akzeptanz und sinkenden Mitgliedszahlen zu kämpfen haben? Es sind doch nicht nur die Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die die Vereine nicht frequentieren.
            Warum sol sich jemand an einen Verein binden, wenn er morgen für ein halbes Jahr ins Ausland geht, ihn der Arbeitgeber an den Arsch der Welt abkommandiert oder woanders eine höher dotierte Stelle winkt. Es sind eben nicht alle Schüler.

            Die vereine können sich auf Kinder- und Jugendarbeit kaprizieren, bei den über 14-jährigen dürfte das Interesse schwinden, so bald sich keine Wettkampferfolge einstellen. Die Vereine nehmen sie dann auch ganz schnell aus der Wettkampfmannschaft und stellen sie in den B-Kader oder ganz in die Hobby-Ecke.

            Im übrigen welche Jugendbetreuer oder Trainer oder erwachsenen Gruppenleiter im Berufsleben können denn ernsthaft vor 17:00 Uhr mit dem Trainingsarbeit im Kinder- und Jugendbereich starten? Die meisten werden einen nine-to-five-Job haben, die wenigsten arbeiten heute noch in großen Industrieunternehmen in der Frühschicht bis 14:00 Uhr. Es ist die Arbeitswelt und nicht die Ganztagsschule, die hier negative Konsequenzen für die Vereine hat.

          • @dickebank,

            “Den meisten deutschen geht die vereinsmeierei auf den Senkel, die Mitgliederzahlen sinken beständig genauso wie bei Parteien, Kirchen und Gewerkschaften.”

            Das ist eine steile These, vielleicht könnten Sie sie etwas unterfüttern. Im Schwimmsport wird das wirklich schwierig, die Mitgliederzahlen des SV NRW sind seit Jahren ziemlich konstant. Wie schon Untersuchungen zeigen, gehen die Kinder schon zum Sport und geben ihn nicht auf, nur eben weit seltener. Gleiches gilt auch deutschlandweit, z.B. für den DBB. Wir wissen alle, dass Sie mit Vereinen nichts am Hut haben. Wie Sie die Probleme der Kinder, ihren Sport so zu betreiben wie sie es wollen und es gesundheitlich auch förderlich wäre, mit Abscheu gegen “Vereinsmeierei” begründen, ist gewagt. Die Aussagen der Kinder, die gar nicht erst mit dem Leistungssport anfangen oder derjenigen, die damit aufhören müssen, sind praktisch durch die Bank gleich: keine Zeit wegen G8. Selbiges hört man von jugendichen Übungsleitern und KaRis. Sie dürfen sich das für Ihr Weltbild natürlich nach Belieben verbiegen, das bleibt Ihnen unbenommen.

      • Unser Gymnasium ist ja keine Ganztagsschule, aber 2 oder 3mal pro Woche Unterricht bis 16.00 Uhr ist normal. Und dass es dann keine Hausaufgaben gibt, sehe ich bei meinen Kindern nicht. Wir haben das Glück, nicht noch lange Fahrzeiten zu haben.

  5. Also, ich habe mir nichts zusammengereimt um auf die obige Antwort von Markus einzugehen. Vielleicht sind einfach die Erfahrungen unterschiedlich.
    Ich weiß nicht, in wie weit Sie in die Praxis involviert sind, ich erlebe das hautnah mit. Meine Familie ist im örtlichen Sportverein aktiv, u.a. als Übungsleiter. Vor Ort haben wir keine Ganztagesklasse. Dennoch beklagt man sich im Sportverein seit ca. 15 Jahren über den Rückgang von Nachwuchs und zunehmendes Desinteresse der Eltern. Mein Sohn – erwachsener Übungsleiter nach Feierabend – musste oft miterleben, wie schwierig es ist, Eltern herzubekommen, die auf Wettkämpfe mitfahren, da war öfter Not am Mann!
    Meine Schule (Grundschule) ist im Nachbarort und wir haben einen Ganztageszug, der bis 16 Uhr geht und es dort im Prinzip keine Hausaufgaben gibt.
    Um was geht es eigentlich? Geht es um Vereinsleben oder geht es um die gesunde sportliche Betätigung? Ich habe nichts dagegen, dass die Vereine bei uns an der Schule die Möglichkeit haben, ihr spezielles Angebot den Schülern nahezubringen; regelmäßig in den Ganztagsklassen und zusätzlich einmal im Schuljahr für jede Klasse Schnupperstunden zu diversen Sportarten zu gestalten.
    Unabhängig von Ganztagsklassen finde ich es wichtig, Vereine mit in Partnerschaften aufzunehmen, was ja zumindest in Bayern sehr viele Schulen machen, dann haben diese zumindest eine Chance. (Nebenbei: Auch in den Ferienprogrammen sind die Vereine aktiv.)
    Allerdings muss ich dickebank Recht geben, ein Vereinsleben ist nicht jedermanns Sache. Wer sein Kind dorthin schickt, muss sich auch über die Konsequenzen klar sein, denn heutzutage wird mehr Engagement von Eltern erwartet, wie es “früher” war. Wichtig finde ich, dass man die Kinder in Richtung Gesundheitsbewusstsein erzieht und da ist ein Sportverein nicht die einzigste Antwort. Außerdem wird in vielen Sportvereinen der Wettkampfcharakter zu stark betont, das ist nicht jedermanns Sache.

    • Nachtrag
      Zum G 8: Das G 8 habe ich bei meiner Betrachtungsweise unterschlagen, da stellt sich die Situation natürlich mit dem verstärkten Nachmittagsunterricht und den Hausaufgaben anders dar. Da glaube ich wirklich, dass da zu wenig Zeit oder Energie bleibt. Allerdings wäre da gerade ein sportlicher Ausgleich wichtig!

      Zu den Ganztagesklassen: Bei uns am Ort ist das Problem des mangelnden Nachwuchses ohne irgendwelche Ganztagesklassen aufgetreten und das ist nicht nur bei uns so!

      Bericht: Übrigens erlebe ich ja nichts anderes in der Praxis als der obige Bericht in der Konsequenz fordert, nämlich die Zusammenarbeit mit den Vereinen auf schulischer Ebene.

      • Der sportliche Ausgleich findet _auch_ nicht statt, weil viele der Kinder zu viel Zeit mit Daddeln verbringen. Nicht umsonst gibt es viele übergewichtige und / oder hyperaktive Kinder. Davon (Computer) steht in dem Artikel allerdings nichts …

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