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FDP will Lehrer nach Leistung bezahlen – dafür sollen Schülerleistungen gemessen werden

BERLIN. Nicola Beer, ehemalige Kultusministerin von Hessen und FDP-Generalsekretärin, hat in einem Beitrag für die „Zeit“ eine grundlegende Bildungsreform gefordert – konkret: eine Bestenauswahl bei den Lehrern. „Lehrerinnen und Lehrer sollten künftig, genau wie Angestellte in der freien Wirtschaft, entsprechend ihren Fähigkeiten und ihrem Engagement bezahlt werden“, schreibt sie.

Bringt die FDP ins Gespräch: Hessens Ex-Kultusministerin Nicola Beer; Foto: Frank Ossenbrink / Kultusministerium Hessen

Bringt die FDP ins Gespräch: Hessens Ex-Kultusministerin Nicola Beer; Foto: Frank Ossenbrink / Kultusministerium Hessen

Es sei überfällig, dem Berufsstand der Lehrer endlich die Wertschätzung entgegenzubringen, die er verdiene – und zwar vor allem durch leistungsbezogene Honorierung. „Sprich: Wer für die Sache wirklich brennt, wer Außerordentliches leistet, der muss ein höheres Gehalt bekommen. Der öffentliche Schulbereich ist nahezu die einzige Branche, in der die Dauer der Anstellung sowie die Art des Lehramtes mehr Einfluss auf die Höhe der Besoldung haben als die Qualität des Unterrichts und das sonstige Engagement, das eine Lehrkraft aufbringt“, so erklärt Beer. Diese Gleichbehandlung von Ungleichem habe fatale Folgen: „Die wenigsten jungen Leute ergreifen den Beruf des Lehrers, weil sie sich dafür begeistern, Kindern Wissen zu vermitteln. Viele geben als Grund für ihre Berufswahl an, sie hätten vor allem berufliche Sicherheit gesucht. Doch dieser Beruf sollte vor allem Berufung sein.“

Was macht für Beer denn einen guten Lehrer aus? „Sein Fachwissen – natürlich. Aber nicht nur das. Wer konzertreif Klavier spielt, muss noch lange kein guter Musiklehrer sein. Ein hervorragender Mathematiker garantiert noch lange keinen Unterricht, der Schülerinnen und Schüler begeistert. Es ist die Haltung einer Lehrkraft, die Leidenschaft, die sie für ihren Beruf empfindet, die sich den Kindern vermittelt und sie mitreißt. Es sind Empathie und Kreativität, die schwache Schüler bestärken, Verweigerer motivieren und in Provokateuren das Potenzial zu Positivem stimulieren können. Diese Lehrer-Fähigkeiten müssen sich nicht nur auszahlen – sie müssen auch Einstellungsvoraussetzung werden.“ Viele Lehrkräfte beklagten zu Recht, dass ein Teil ihrer Kollegen ihren Beruf mit Hingabe ausübe und sich für Schüler und Schule in besonderem Maß einsetze, während andere Dienst nach Vorschrift leisteten. „Diese Einschätzung bestätigt übrigens auch die Schulforschung. Trotzdem bekommen sie alle, Engagierte und Unmotivierte, das gleiche Geld.“

Beer: „Zwei Wege sollten deshalb verfolgt werden, um einerseits die besten Lehrer für den Schuldienst zu gewinnen und desillusionierte zu motivieren: Zum einen sollten die Unterrichtsqualität sowie die Lernfortschritte der Kinder – sowohl im Hinblick auf Fachwissen und Kompetenzen sowie auf Team- und Sozialverhalten – die Grundlage bilden, um den Erfolg einer Lehrkraft zu bewerten. Diese Fortschritte lassen sich durchaus messen, etwa durch vergleichende Arbeiten pro Fach und Jahrgang über einen längeren Zeitraum.“ Die FDP arbeite gerade gemeinsam mit Erziehungswissenschaftlern und Praktikern daran, ein solches Bewertungskonzept zu erstellen.

„Zum anderen – und damit wären wir beim zweiten Weg – sollten Schulen selbstständiger gemacht werden: im Hinblick auf Organisation, Profilbildung, Budget und Personal. Sie sollten außerdem zusätzlich zur Abdeckung der Grundunterrichtsversorgung im Wege eines Sozialindex weitere Lehrerstellen zugewiesen bekommen – schließlich steht jede Schule vor anderen Herausforderungen, je nachdem, wie sich ihre Schülerschaft zusammensetzt. Auf diese Weise könnte individuelle Förderung ermöglicht, aber auch eingefordert werden. Wir wollen, dass Schulen individuelle Wege für einzelne Schüler oder Schülergruppen einschlagen können, aber dass gleichzeitig bundesweit geltende Standards erreicht werden. Das Ziel ist vorgegeben und wird kontrolliert; die Wege dorthin stehen den Schulen und Lehrkräften frei.“

Neben der Besoldung, so die FDP-Generalsekretärin, sollte auch die Aus- und Fortbildung überdacht werden. Wissen und Können müssten in bessere Balance gebracht werden, und zwar schon bevor angehende Lehrer ihr Staatsexamen bekommen. Die übliche Beobachtung und Beurteilung, etwa durch einzelne Unterrichtsbesuche von Schulamtsvertretern, reichten dafür nicht aus. „Vielmehr ist es wichtig, die Qualität der Lehre über lange Zeiträume zu beobachten und zu bewerten. Es gilt, vielversprechende Nachwuchskräfte überhaupt erst für den Lehrerberuf zu interessieren, Lehramtsstudierende besser auf die Herausforderung des Schuldienstes vorzubereiten und die Praxistauglichkeit der Studierenden und Referendare für den Lehrerberuf frühzeitig festzustellen.“

Beer weiter: „Leider merken junge Lehrer oft erst dann, dass sie für den Beruf nicht geeignet sind, wenn sie ihre erste Klasse übernehmen. Und bei guten Lehrkräften, die schon im Schuldienst sind, kann Frust vermieden werden, der entsteht, wenn deren Arbeit nicht ausreichend gewürdigt wird. Das bedeutet verschärfte Qualitätsanforderungen an Lehrer, sicher. Aber dies alles dient nur einem Ziel: für unsere Kinder – das Wertvollste, was wir haben – die Besten der Besten zu gewinnen.“ news4teachers

Zum Kommentar: Lehrer nach Schülerleistungen bezahlen? Die FDP macht Wind mit einer Schnapsidee

12 Kommentare

  1. wenn ich dafür, dass ich klassen mit eigentlich 40% Hauptschülern mit guten Ergebnissen nach zwei Jahren Intensivarbeit durch die zentrale Realschulabschlussprüfung bringe, dann einen „Bonus“ wie in der Wirtschaft von ein paar hunderttausend Euro bekomme, dann bin ich sofort dafür. Wahrscheinlich sind es aber nur 80 Euro Zulage, wie immer. Und außerdem kann man den Lernfortschritt eines Menschen nicht steuern wie ein Ingenieur die Werte eines Verbrennungsmotors. Es ist zwar schlimm, dass es viele „Ausruher“ oder LMAAs unter den Kollegen gibt, aber ich finde es noch schlimmer, Kriterien unterworfen zu sein, die natürlich nicht die Unterrichtsqualität bewerten (Bildung ist ein sehr langfristiger Prozess), sondern nach außen hin eine Fassade für Qualität verkaufen.

  2. Wer misst den Grad des Brennens? Wer misst den Lernfortschritt? Nach Noten kann man das ja wohl kaum bemessen. Jeder Lehrer ist in der Lage Tests so zu gestalten, dass jeder beliebige Schnitt herauskommt. Wer misst das Engagement? Was ist überhaupt Engagement? Jemand der seinen Unterricht akribisch vorbereitet, für sein Fach und die Schüler brennt, aber das Drumherum bleiben lässt oder derjenige, dem der Unterricht völlig egal ist aber immer wieder pressewirksame Veranstaltungen an der Schule durchführt? Ich weiß jetzt schon, wer dann den Bonus bekommt – derjenige, dem der Unterricht egal ist, bei dem die Schüler nichts lernen, aber bei dem die Schüler trotzdem die Noten bekommen, dass sich niemand beschwert 🙂 Schöne neue Welt.
    Wohin haben die Bonuszahlungen in der freien Wirtschaft (spezieall Banken) eigentlich geführt? Da bekommen die Manager der Deutschen Bank Milliarden an Bonuszahlungen während der Börsenwert sinkt und sinkt.
    Wie kommt es, dass nach einer Gallup-Umfrage aus dem Jahr 2014 67 % der Angestellten Dienst nach Vorschrift leisten und 17 % innerlich gekündigt haben, wenn Bonuszahlungen das Allheilmittel sind?

  3. Außerdem: Wie soll das Ganze funktionieren? Es gibt Fächer, in denen Schülerleistungen traditionell besser sind als andere und Fächer, in denen sich Schüler traditionell mehr Mühe geben als andere. Wie schon kommentiert wurde, kann nahezu jeder Lehrer in nahezu jedem Fach nahezu jede Klassenarbeit lehrplankonform auf nahezu jeden Notenschnitt bringen, bei mündlichen Prüfungen ist das noch viel einfacher. Außerdem dürfte die Bonuszahlung lächerlich gering sein, weil es eine Eigenkapitalrendite u.ä. im Schulwesen anders als bei Banken nicht gibt. Die Alternative wäre eine dramatische Abschmelzung des Basiseinkommens. Nur was macht das Land, wenn aus welchen Gründen auch immer die Lehrer so gut werden, dass das Budget für die Bonuszahlung nicht ausreicht? Dann wird der Bonus gekürzt, weil andernfalls wieder auf die geldgeilen Lehrer geschimpft wird.

  4. Genau. Der Religionslehrer wird am reichsten.

    • Gefolgt von Sport und Kunst.

      Hungern müssen Mathe Physik Latein.

      Sprich: Je mehr Arbeit ein Fach für Schüler (und Lehrer) macht, desto weniger Bonus gibt es.

      • Interessant, Sie scheinen vom Kunst-Unterricht wirklich viel Ahnung zu haben, was Aufwand und zusätzliche Arbeit anbelangt sowie den Anforderungen, wenn dieses Fach auch von wirklich dafür ausgebildeten Lehrern unterrichtet wird und nicht von jemandem, der glaubt, dass er ein wenig basteln nebenbei kann.

        • Meine „Ausbildung“, d. h. mein Studium mit anschließendem Refrendariat, hat mir für den Beruf am wenigsten gebracht. Richtig gelernt habe ich erst aus den anschließenden Praxisjahren. „Dafür ausgebildet“ sagt mir also nichts und ich wundere mich jedes Mal, wenn darauf verwiesen wird, um zu sagen, woher die wahre Kompetenz stammt.
          Auch die meisten meiner zahlreichen Fortbildungskurse habe ich als wenig hilfreich in Erinnerung. Nur einer war richtig gut und hat mir weitergeholfen.

  5. 1. Sollte sich Frau Beer mal mit dem Gesetz der großen Zahlen beschäftigen und Schwarmdumm von Gunther Dueck lesen.
    2. Wenn Lehrer an der Leistung ihrer Schüler gemessen und bezahlt werden sollen, dann möchte ich als Lehrer mir auch gefälligst meine Schüler aussuchen dürfen.

  6. … ausgerechnet die liberale FDP bedient sich der Methode aus der guten alten DDR, die da lautete: „Schülerleistung = Lehrerleistung“.
    Solch ein ideologischer Fehlgriff sollte sogar einer Frau Beer als zwar ganz niedlicher, aber im Amt völlig glückloser ehemaliger Kultusministerin des Bundeslandes Hessen eigentlich nicht passieren!

    • Wieso? Ist es hier etwa anders?

      Fallen Arbeiten schlecht aus, heißt es zuerst: „Was hat die Lehrkraft falsch gemacht?“
      Alles, was im Unterricht nicht „läuft“, wird der Lehrkraft angelastet. Besonders deutlich wird diese Denkweise bei Unterrichtsbesuchen.

      • Wobei Sie natürlich zugeben (müssen?), dass ein Teil _doch_ der Lehrkraft zuzurechnen ist. Allerdings sind die Schüler und Eltern im Zweifel unschuldig, insbesondere wird bei Klassenarbeiten die Arbeit des Lehrers im Unterricht beurteilt und nicht der Eigenanteil (sprich selbstständige Vorbereitung) des protestierenden Schülers. Die Schulleiter decken das Ganze auch, weil sie um den Ruf und damit die künftigen Neuanmeldungen an der Schule bangen.

        • Genau, besonders durch die Freigabe des Elternwillens müssen Schulen regelrecht um die Sch buhlen.
          Wie bei einer Firmenpräsentation werden da natürlich nur die „Erfolge“ gezeigt.

          Gut kann ich diese Entwicklung bei einer RS beobachten. Das Kollegium schrumpft Jahr für Jahr, weil diese Schule in harter Konkurrenz zu einem ortsansässigen Gymnasium sowie einer ebenfalls im Ort vorhandenen IGS steht.
          Um vielleicht noch einige Zeit überleben zu können, muss sie die Sch und deren Eltern geradezu „auf Händen tragen“ und wie in einem Fünf – Sterne – Hotel nach Strich und Faden „verwöhnen“.
          Ich möchte mir nicht vorstellen, unter welchem psychischen Druck alle dort tätigen Lehrkräfte einschließlich der Schulleitung stehen.

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