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Mehr ostdeutsche Schüler ohne Hauptschulabschluss – wegen höherer Leistungsanforderungen?

SCHWERIN. In Ostdeutschland verlassen mehr Jugendliche die Schule ohne Abschluss nach Klasse 9 als in Westdeutschland. Mecklenburg-Vorpommerns Bildungsminister Andreas Brodkorb macht dafür höhere Leistungsanforderungen verantwortlich. Ein deutliches Absenken der Quote in seinem Bundesland hält er nicht für möglich, plant aber dennoch weitere Programme.

Mecklenburg-Vorpommern ist nicht mehr das Bundesland mit den meisten Schulabbrechern. Nach vielen Jahren als Schlusslicht seien im Nordosten bereits 2014 weniger Schüler ohne Berufsreife abgegangen als in Berlin und Sachsen-Anhalt, teilte Bildungsminister Mathias Brodkorb (SPD) am Freitag mit. In Mecklenburg-Vorpommern seien es 8,4 Prozent der Jugendlichen gewesen, in den beiden anderen Ländern 9,2 beziehungsweise 9,7 Prozent. «Wir sind jetzt etwa gleichauf mit dem Vorzeige-Bildungsland Sachsen», sagte der Minister. Für das Schuljahr 2014/15 erwarte er ähnliche Zahlen, die in den nächsten Wochen vorliegen sollen.

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Mecklenburg-Vorpommern hat die rote Laterne bei der Zahl der Schulabbrecher abgegeben. Foto: Alex Proimos / flickr (CC BY-NC 2.0)

Brodkorb sagte, für ihn sei es das wichtigste Ziel der Legislaturperiode gewesen, die Zahl der Schüler ohne Berufsreife deutlich zu reduzieren. Die Berufsreife wird mit dem erfolgreichen Abschluss der 9. Klasse erlangt. Als Ursachen für die Verbesserung nannte Brodkorb die besondere Förderung in Mathematik und Deutsch inklusive der Fortbildung der Lehrer. Das habe die Basiskompetenzen Lesen, Schreiben und Rechnen verbessert. Etwa 400 Schüler hätten das freiwillige zehnte Schuljahr an Förderschulen in Anspruch genommen.

Im Ländervergleich ist dem Minister zufolge ein deutlicher Ost-West- Unterschied zu erkennen. Im Osten gebe es mehr Schüler ohne Berufsreife, obwohl die Jugendlichen leistungsfähiger seien. So hätten 2014 in Mecklenburg-Vorpommern 2,8 Prozent der Schüler den Mindeststandard in Mathematik verfehlt, in Sachsen sogar nur 1,3 Prozent. In den westdeutschen Ländern schafften weitaus mehr Schüler den Mathe-Standard nicht – zwischen 4,1 Prozent in Niedersachsen und 11,5 Prozent in Bremen. Dennoch bekamen mehr Schüler die Berufsreife.

Brodkorb schlussfolgerte: «Offenbar sind die Leistungsanforderungen an den Schulen Ostdeutschlands deutlich höher als im Westen.» Er führte das auf die vielen noch in der DDR ausgebildeten Lehrer zurück, die besonders in den Naturwissenschaften höhere Anforderungen stellten. «Das möchte ich nicht ändern», betonte er: „Wir könnten die ‚Schulabbrecherquote’, die in ganz Ostdeutschland etwa 8 Prozent beträgt, problemlos auf das westdeutsche Niveau absenken, wenn wir einfach die Leistungsanforderungen an die Schülerinnen und Schüler verringern würden. Aber das wäre Betrug an der Öffentlichkeit und jenen Schülerinnen und Schülern, die sich anstrengen und den Abschluss durch eigene Leistung schaffen.“, so der Minister.

Im Bundesschnitt gingen etwa 6 Prozent der Schüler ohne Abschluss ab. Laut Brodkorb sind 2 bis 3 Prozent der Schüler eines Jahrgangs geistig nicht zu einem Abschluss fähig. Andere würden den Abschluss jedoch noch an der Volkshochschule oder einer Beruflichen Schule schaffen. Das Nachholen der Abschlüsse ist neuerdings kostenlos.

Seit dem vorigen Schuljahr hat das Land noch zusätzliche Erzieher an 18 Schulen eingesetzt, die sich um Schüler mit Problemen kümmern. Neu sei das Schuljahr 9+ an Regional- und Gesamtschulen. Für die Fortbildung von Lehrern und zusätzliche Förderstunden stünden mehrere Millionen Euro bereit. (Birgit Sander, dpa, zab)

zum Bericht: Noch immer hunderttausende Schulabbrecher in Deutschland – Lehrer beklagen fehlende Mittel

4 Kommentare

  1. Jau, die badehose ist schuld, wenn der Bauer nicht schwimmen kann:)

    • Wenn man Schwimmen definiert als sich im Wasser fortbewegen können, reduziert man die Wassertiefe auf 1m. Im übertragenen Sinne ist NRW seit dem Zentralabitur sehr erfolgreich damit …

      Ps: Hohe Anforderungen in den Naturwissenschaften begrüße ich ausdrücklich, die meisten Schüler eher weniger, sehr begabte Schüler sogar mehr als ich.

      • Wenn im Osten die Anforderungen in den naturwissenschaftlichen Fächern höher als im Westen sind, dann haben die Schüler im Osten aber einen Ausgleich, die Englisch- und sonstigen Fremdsprachenkenntnisse wie Spanisch oder Französisch sind weit hinter denen im Westen.

      • Ja schon blöd, dass die Masse der Jugendlichen nicht mehr zum Grundwehrdienst muss, denn sonst wüssten sie um den Ausnahmetatbestand, der die Kette von Befehl und gehorsam unterrbricht. Wie jeder des Lesens Mächtige im Westen nach dem Studium des „Reibert“ wusste, fängt der Soldat unverzüglich und ohne ausdrücklichen Befehl mit Schwimmbewegungen an, wenn er in mehr als brusttiefes Wasser fällt.

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