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Brodkorb steuert um: Mehr Deutsch in der Grundschule für bessere Rechtschreibung

SCHWERIN. Die Rechtschreibung vieler Schüler lässt zu wünschen übrig. Jetzt steuert ein Bundesland gegen, nämlich Mecklenburg-Vorpommern – mit mehr Deutschunterricht in der Grundschule und einem verbindlichen Wortschatz. Von der Opposition kommt Kritik.

Will die Rechtschreibung verbessern: Mecklenburg-Vorpommerns Kultusminister Mathias Brodkorb (SPD). Foto: Stefanie Link/Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur Mecklenburg-Vorpommern

Will die Rechtschreibung verbessern: Mecklenburg-Vorpommerns Kultusminister Mathias Brodkorb (SPD). Foto: Stefanie Link/Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur Mecklenburg-Vorpommern

Mecklenburg-Vorpommerns Grundschüler bekommen mehr Deutschunterricht, um ihre Rechtschreibung zu verbessern. Möglichst bereits vom Schuljahr 2017/18 an sollen, verteilt auf alle Grundschuljahre, bis zu vier Deutsch-Stunden mehr als jetzt auf dem Wochenstundenplan stehen. Das kündigte Bildungsminister Mathias Brodkorb (SPD) am Montag in Schwerin an.

Bisher erhalten die Schüler im Land von Klasse eins bis vier insgesamt 26 bis 28 Wochenstunden Deutsch. Künftig sollen es einheitlich 30 Stunden sein, davon in Klasse 1 und 2 jeweils sieben Stunden pro Woche und in Klasse 3 und 4 jeweils acht Stunden. Gekürzt werden soll dafür beim Sachunterricht. Damit die Lerninhalte über die nähere Heimat trotzdem vermittelt werden, sollen die Lehrpläne beider Fächer aufeinander abgestimmt werden. So könnten in Deutsch Texte über den Wald oder bestimmte Tiere bearbeitet werden, sagte Brodkorb. Eine Kommission soll die neuen Rahmenpläne erarbeiten.

Nach Worten von Torsten Renz, Bildungspolitiker der CDU im Landtag von Mecklenburg-Vorpommern, wird sogar überlegt, eine weitere Deutschstunde pro Woche in Klasse drei und vier einzuführen. Dafür soll eine Englischstunde gestrichen werden. Diese Idee soll aber zunächst einmal mit den Lehrern diskutiert werden, ergänzte der SPD-Bildungspolitiker Andreas Butzki.

Aus der Opposition kam Kritik an den Plänen. Zusätzlicher Unterricht sei nötig, sagte die bildungspolitische Sprecherin der Linksfraktion im Landtag, Simone Oldenburg. Ein Umschaufeln bereits vorhandener Stunden bringe keinen Wissenszuwachs. Mecklenburg-Vorpommern gehöre zu den Bundesländern mit den wenigsten Unterrichtsstunden in der Grundschule.

Brodkorb zufolge sind die Rechtschreibleistungen der Grundschüler in Mecklenburg-Vorpommern bereits jetzt besser als im bundesdeutschen Durchschnitt. Das legten länderübergreifende Tests, wie VERA, nahe. Dennoch soll der Deutsch-Unterricht ausgeweitet werden. «Auch wenn die Testergebnisse positiv sind, bestätigen mir zahlreiche Lehrkräfte, dass die Rechtschreibleistungen der Kinder gegenüber DDR-Zeiten abgenommen haben», sagte der Minister. «Das dürfte auch daran liegen, dass es früher deutlich mehr Deutschunterricht in der Grundschule gab als heute.»

Nach dem Vorbild der DDR-Schule soll auch der Grundwortschatz wieder eingeführt werden, der am Ende von Klasse vier möglichst fehlerfrei beherrscht werden muss. Dieser umfasse 400 bis 600 Wörter und soll bereits vom Schuljahr 2016/17 an gelten. Außerdem sollen die Lehrer Hinweise und Fortbildungen für einen besseren Deutsch-Unterricht bekommen. So soll laut Brodkorb künftig in Deutsch weitgehend auf kopierte Arbeitsblätter verzichtet werden. Die Lehrer sollen die Aufgaben wie früher wieder an die Tafel schreiben, die Kinder schreiben sie ab und lösen dann die Aufgaben. dpa

Zum Bericht: Rechtschreibung: Thüringens Regierungskoalition warnt davor, Lehrer zu verunglimpfen

5 Kommentare

  1. Natürlich kommt es auch auf die gegebenen Stunden an. Ebenso wichtig sind aber angemessene Unterrichtsmethoden. Lässt er die ebenfalls „unter die Lupe“ nehmen?

  2. ich gehe mal davon aus, dass die DDR-Kinder zum Wohl des sozialistischen Staates Rechtschreibung, Grammatik, Diktate usw. pauken mussten. Wird Herr Brodkorb auch das wollen? Proteste der Eltern wegen der ach so hohen Anforderungen sind ihm sicher.

  3. Was da gefordert wird, wie Beherrschung eines verbindlichen Wortschatzes und Umgang mit Sachtexten, fächerübergreifendes Arbeiten, war und ist doch schon immer so, was ist daran neu? Entweder ist in anderen Bundesländern alles anders, oder BaWü und Bayern sind eben doch ein bisschen anspruchsvoller.

    • Etwas anspruchsvoller vielleicht schon, doch die Tendenzen gehen – in Bayern – ebenfalls in die Richtung, die oben beklagt wird.
      So hat man seit dem Lehrpaln 2000 in Klasse 3/4 eine Stunde Deutsch wegen Englisch eingespart, aber Religion/Ethik bei 3 Stunden belassen (In Ba-Wü sind das 2 Stunden).
      Ebenfalls hält sich in By die offizielle Meinung, dass Rechtschreibung vor allem durch Strategiedenken verinnerlicht wird – einerseits richtig, doch der Focus wird in meinen Augen viel zu wenig auf eine Automatisierung gelegt. Was nützt mir ein Strategiewissen, wenn ich jedes Mal angestrengt nachdenken muss, welcher Strategie dieses mir unbekannte Wort gerade folgt?
      Ebenso würden viele, die Fortbildungen machen oder deren Studium noch nicht zu lange her ist, am liebsten durchsetzen, dass die Rechtschreibung in Aufsätzen überhaupt nicht mehr bewertet werden darf/soll.
      Mit solchen Aktionen nimmt man der Rechtschreibung ihre Bedeutung und da ist es kein Wunder, dass Schüler nicht mehr so viel Wert auf die Rechtschreibung legen, wenn von den Lehrern nicht die richtigen Signale ausgehen.
      Wie die Dinge in Mecklenburg-Vorpommern gehandhabt werden, entzieht sich meiner Kenntnis.

  4. Auf Beschluss der GLK zählt bei uns die „Rechtschreibleistung“ innerhalb des Faches Deutsch doppelt, was natürlich von den Eltern wieder beklagt wird. Aber wir wollten damit bewusst ein Zeichen setzen wider den schlampigen Umgang mit der Rechtschreibung. Es hilft.

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