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Knigge-Expertin: Jogginghose und Schule passen einfach nicht zusammen

BACKNANG. Eine Schulleiterin im baden-württembergischen Schwieberdingen untersagt ihren Schülern das Tragen von Jogginghosen und erregt damit bundesweit Aufsehen. Besser wäre es, im Unterricht mit den Jugendlichen über angemessen Schulkleidung zu reden, meint Benimm-Expertin Gudrun Nopper. Jogginghosen und Hotpants sieht sie zwar kritisch, dennoch plädiert sie für Gelassenheit.

Umstrittene Jogginghose: Eine Benimm-Expertin aus dem Südwesten hält nicht viel vom Verbot des Schlabberbeinkleids an den Schulen. Sie plädiere stets dafür, mit den Kindern und Jugendlichen über die angemessene Kleidung für den Unterricht zu reden, sagte Gudrun Nopper. In der Regel werde den meisten von ihnen – früher oder später – auch klar, dass Jogginghose und Schule einfach nicht zusammenpassen, meinte die Knigge-Fachfrau, die mit ihren Benimm-Kursen vor allem an Schulen unterwegs ist.

 Viele Jugendliche machten sich keine Gedanken darüber, das eine Jogginghose „Freizeitmodus signalisiere, so Knigge-Fachfrau Gudrun Nopper. Foto: Avarty Fotos / flickr (CC BY-SA 2.0)


Viele Jugendliche machten sich keine Gedanken darüber, das eine Jogginghose „Freizeitmodus signalisiere, so Knigge-Fachfrau Gudrun Nopper. Foto: Avarty Fotos / flickr (CC BY-SA 2.0)

Verbote sieht sie skeptisch, da sie schnell auch Trotzreaktionen auslösten. «Viele Jugendliche machen sich gar keine Gedanken darüber, wie sie auf andere wirken», sagte Nopper. Ihnen sei dann eben nicht klar, dass eine Jogginghose das Zeichen setzt: «Ich bin im Freizeitmodus.»

Und das könnten die Schulen ja nicht wollen, sagte Nopper zum derzeit bundesweit diskutierten Jogginghosen-Verbot in Schwieberdingen. Die Hermann-Butzer-Schule dort duldet schon seit Jahren keine Jogginghosen mehr, schließlich sei die Schule «keine Chillout-Zone», so Schulleiterin Ilse Riedl. Die benachbarte Glemstalschule will jetzt nachziehen.

«Kleidung ist ein Statement, eine Botschaft», sagte Nopper. «Sie prägt die Wahrnehmung der anderen.» Wenn den Kids das erst klar sei, kämen die meisten selbst auf die Idee, etwas anderes als Jogginghosen anzuziehen. «Die Jugendlichen entscheiden selbst, welches Bild die anderen Menschen von ihnen haben.»

Letztlich spiegele sich das aber auch anderswo: Mal in der Kantine zum Personal Danke sagen, am Esstisch nicht auf die Ellenbogen stützen, nicht schmatzen. Bei ihren Kursen versuche sie vor allem den respektvollen Umgang miteinander zu vermitteln, sagte Nopper. Die passende Kleidung könne dabei auch Signale setzten: «Wer zu einem Vortrag vor der Klasse etwas Schickes anzieht, wirkt doch gleich professioneller.»

Die ultraknappen Hotpants mancher Mädchen sieht Nopper übrigens noch kritischer: «In anderen Ländern gelten Frauen, die so was tragen, als leichte Mädchen.» Auch da müssten sich die Schülerinnen stets fragen: «Will ich das bewirken?» Und Leggings? «Wenn man die geeignete Figur dafür hat und der Anlass passt», hat Nopper damit keine Probleme. (dpa)

zum Bericht: „Schule ist ein Arbeitsplatz“: Schulleiterin verbietet Schülern Jogginghosen – darf sie das?

7 Kommentare

  1. wenn due ungeklärte finanzierungsfrage nicht wäre, könnte man über Schuluniformen nachdenken oder ersatzweise die Farbe der Kleidung vorschreiben (z.b. nicht zu enge dunkelblaue oder schwarze Hose oder knielanger Rock, Sweatshirt ohne Kapuze in schulfarbe, polo- oder t-shirt in schulfarbe oder weiß. wer möchte mit schullogo, ansonsten unifarben, farblich zur hose oder rock passende schuhe mit höchstens kurzem Absatz, höchstens dezentes makeup). Für die Lehrer gelte ähnliches, jedoch Hemd oder Bluse statt pulli. die Finanzierung dürfte auch bei finanzschwachen Eltern möglich sein, wenn man in der 5, 1. Halbjahr nich individuelle Kleidung als Übergang akzeptiert, die Eltern schon bei der Anmeldung und dem vorherigen Tag der offenen Tür auf die Schulkleidung hinweist. jeder sowieso regelmäßig anstehende Neukauf findet dann in der entsprechenden Farbe statt.

  2. Jau nachdenken kann man. Nur umsetzen ließe es sich nur durch einen entsprechenden beschluss der Schulkonferenz. Nur was ist, wenn man gar nicht die Wahl zwischen mehreren Schulen und somit auch Bekleidungsregelungen hat. Der Beschluss ist schneller durch ein deutsches Amtsgericht gekippt als ein neuer gefast werden kann. Also muss man auch nicht groß überlegen.

  3. Tja, früher waren es die Jeanshosen, die ein Image wie heute die grauen Schlabberhosen haben. Und noch früher haben die Schüler doch tatsächlich den Schlips abgelegt, und die Welt ging nicht unter.

    • … und die Lehrer erst.

      Ich stelle mir gerade einen Luxusautoverkäufer in so einem piekfeinen Laden in Jogginghose vor. Irgendwie seltsam. Ein potenzieller Kunde in so einem Laden in Jogginghose aber auch …

  4. Alles Nebenkriegsschauplätze.

    • Der Hauptkriegsschauplatz ist die Frage, ob eine Schulleiterin es wagen darf, irgendjemand irgendetwas zu verbieten, d.h. ob sie erziehen darf.

      • Nein, darf sie nicht, fragen sie die Eltern. Beim Helikopterlehrgang wurde ihnen das gesagt. Ebenso wurde ihnen gesagt, dass sie ihre eigenen Kinder auch nicht mehr erziehen können und / oder brauchen, weil sie selbst den ganzen Tag arbeiten und letztere den ganzen Tag in der Schule sind.

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