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Kommentar: Über Lehrer-Arbeitszeiten lässt sich in Niedersachsen bald nicht mehr streiten

Ein Gastkommentar von Peter Mlodoch/Weser Kurier

BREMEN. Faule Säcke oder Helden des Alltags? Über Lehrer geistern jede Menge Vorurteile und Klischees durch das Land. Vor allem über die Arbeitszeiten der Pädagogen lässt sich trefflich streiten – nicht nur wie jüngst vor dem Oberverwaltungsgericht Lüneburg. Da ist es doch nur konsequent, die zeitlichen Belastungen dieses Jobs wissenschaftlich zu erfassen, wie es jetzt die Uni Göttingen im Auftrag der Lehrergewerkschaft GEW versucht. Die letzte Studie dieser Art liegt schließlich mehr als 15 Jahre zurück – als der Lehrerberuf noch ein ganz anderer war. Niedersachsens Kultusministerin Frauke Heiligenstadt wiegelt jedoch ab. Die SPD-Ressortchefin befürchtet wohl, dass dabei für Lehrkräfte an allen Schulformen Wochenstunden weit jenseits der 40 herauskommen – die Schulferien eingerechnet. Das wiederum hätte laute Rufe nach Entlastung, sprich nach neuen und teuren Einstellungen zur Folge. Dazu kommt das Misstrauen, die Lehrer könnten in eigener Sache kräftig schummeln. Dennoch wird die Ministerin kaum an der Studie vorbeikommen. Spätestens in einem halben Jahr, wenn die Ergebnisse vorliegen, geht die Debatte erst richtig los.

3 Kommentare

  1. So eine Studie zu machen, stelle ich mir recht schwer vor. Am Ende kommt doch sicher nur ein Durchschnittswert heraus?!? Ich kannte Kollegen, die machten ihre Stundenplanung auf dem Weg in die Schule. Ich kannte Kollegen, die hatten so einen kleinen Notizblockzettel als Vorbereitung. Ich kenne mich mit A 4 – Seiten als Vorbereitung. Daran saß ich anfangs lange. Eine Stunde halten bedeutete eine Stunde Vorbereitung. Am meisten kostete das Nachdenken über das Wie. Mehrere Anläufe waren nötig. Mehrmals brach ich ab und fing von vorne an. War erst mal eine schlüssige Idee da, ging es ruck-zuck. Den Grundaufbau einer Stunde hat man ja gelernt. Oft genug jedoch habe ich Arbeitsmaterialien selbst erstellt. Auch das kostete Zeit. Von all dem profitiert man nach den Anfangsjahren, wenn man sich alles aufgehoben hat. Dann geht es deutlich schneller. Bekommt man aber ein Fach aufgrund des Lehrermangels, das man noch nie unterrichtet hat, dann geht das Ganze von vorne los. Wie will man das alles in so einer Studie erfassen? Und dann gibt es natürlich immer noch den Deutschlehrer, der für die Kontrolle von Klausuren Stunden braucht und den Sportlehrer, der nie eine Klausur zu kontrollieren hat. Hm …..

    • Richtig, ab dem dritten Durchlauf eines Kurses nimmt die Vorbereitungszeit ab.

      Die Aussagekraft dieser Studie wage ich mal zu bezweifeln, schon weil ich von mir selbst nicht einmal genau sagen kann, wie viel ich pro Woche arbeite. Was ist eigentlich Arbeit als Lehrer und was nicht? Gehören mindestens halbprivate Gespräche mit Kollegen in der Pause über „gemeinsame“ Schüler zur Arbeit oder nicht? Muss man eine Konferenz, die so interessant und ertragreich ist, dass währenddessen ein Vokabeltest korrigiert werden kann, doppelt zählen? Zählt Schlangestehen vor dem Kopierer zur Arbeitszeit? Solche Fragen kann man noch und nöcher stellen …

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