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Trauer um Historiker Hans Mommsen

BERLIN. Hans Mommsen ist tot. Der 85-jährige war einer der bekanntesten deutschen Geschichtswissenschaftler. Im Historikerstreit stand er in vorderster Reihe. Zahlreihe Institutionen würdigten sein Wirken.

Trauer um Hans Mommsen: Mit ihm verliert Deutschland nach Ansicht der Zentralrats der Juden einen seiner großen Historiker. «Seine Forschung zur NS-Zeit war wegweisend und auch für nachfolgende Historiker-Generationen maßgeblich», sagte Präsident Josef Schuster am Freitag. Mommsen war am Donnerstag, am Tag seines 85. Geburtstag, in seiner Wahlheimat am Starnberger See gestorben.

Hans Mommsen starb am Tag seines 85. Geburtstags. Foto (2013): Olli Eickholt / Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0 LU)

Hans Mommsen starb am Tag seines 85. Geburtstags. Foto (2013): Olli Eickholt / Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0 LU)

Norbert Frei («Der Führerstaat»), der Mommsen an der Universität Bochum nachfolgte, würdigte den Historiker als prägende Figur bei der wissenschaftlichen Aufarbeitung der NS-Zeit. «Hans Mommsen stand im Zentrum der enormen, kritischen Produktivität der ersten Generation empirisch arbeitender Zeithistoriker in der Bundesrepublik», sagte Frei, inzwischen Professor an der Friedrich-Schiller-Universität in Jena. «Seinem streitbaren Geist verdankt die deutsche und internationale NS-Forschung wegweisende Impulse.»

In großer Trauer gedachte die Ruhr-Universität Bochum ihres einstigen Professors. Mommsen hatte von 1968 bis 1996 in Bochum gelehrt. Rektor Axel Schölmerich sagte: «Hans Mommsen war ein international höchst angesehener Wissenschaftler. Die Ruhr-Universität Bochum hat ihm außerordentlich viel zu verdanken.»

Mommsen gehörte zur Gründergeneration der Universität und hatte die damalige Abteilung für Geschichtswissenschaft mit aufgebaut. In den frühen 70er Jahren betrieb er die Errichtung des Instituts zur Geschichte der Arbeiterbewegung.

Die «Frankfurter Allgemeiner Zeitung» würdigte ihn als bedeutendsten Historiker zur Erforschung des Nationalsozialismus. «Zum Routinier hat er es nie gebracht. Er machte die Dinge komplizierter, indem er sie ans kühle Licht der Aufklärung holte.»

Die «Süddeutsche Zeitung» schreibt: «In den vielen Jahrzehnten seines Wirkens hat er für die Aufarbeitung der NS-Zeit mehr getan als etliche seiner Kollegen zusammen.»

Der Historikerverband nannte den gebürtigen Marburger einen großen Zeithistoriker. «Hans Mommsen hat sich stets höchst engagiert und couragiert für das Fach eingesetzt und geschichtswissenschaftliche sowie politische Diskussionen vorangetrieben», heißt es in der Mitteilung des Verbandes.

Mommsen entstammte einer bedeutenden Historikerdynastie. Sein Urgroßvater war der legendäre Liberale und Althistoriker Theodor Mommsen, der 1902 mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet wurde. Sein Zwillingsbruder Wolfgang und sein Vater Wilhelm waren ebenfalls Historiker.

Hans Mommsen zählte im Historikerstreit Mitte der 80er Jahre zu den entschiedensten Gegnern von Ernst Noltes These eines Zusammenhangs zwischen den bolschewistischen und den NS-Verbrechen.

Sein letztes Buch erschien 2014. Unter dem Titel «Das NS-Regime und die Auslöschung des Judentums in Europa» zog er eine Bilanz seiner jahrzehntelangen Holocaust-Forschung. (dpa)

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