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Berlin hat einen neuen Besuchermagneten: Ein echtes T-Rex-Skelett im Naturkundemuseum

BERLIN. Die Berliner gelten als tierverrückt. Ob das auch für ausgestorbene Raubsaurier gilt? Die Erwartungen an ein originales Skelett von T-Rex sind jedenfalls hoch: Es soll auch bundesweit ein Publikumsmagnet werden und dürfte nicht wenige Schulklassen anziehen.

Gestatten, Tristan Otto! Wird er der neue Sympathieträger der Stadt Berlin? Foto: Carola Radke / MfN

Gestatten, Tristan Otto! Wird er der neue Sympathieträger der Stadt Berlin? Foto: Carola Radke / MfN

Der Killer trägt Schwarz. Der Tyrannosaurus rex namens Tristan Otto oder das, was von ihm übrig ist, erinnert nur wenig an Skelette, wie man sie aus Filmen kennt. Dunkel schimmern seine Knochen, bedrohlich reckt er seinen Kopf Fotografen, Kamerateams und Reportern entgegen. Mit rund vier Metern Höhe und zwölf Metern Länge dominiert er die neue Schau zum Thema T. rex, die Besuchern von morgen an im Berliner Naturkundemuseum offensteht.

Als «Schatz», «wundervolles Biest» und eines der am besten erhaltenen Skelette von T. rex weltweit kündigte es Museumsdirektor Johannes Vogel schon im Sommer an. Dass der Eigentümer, ein in London lebender Sammler, seinen Tristan gerade hier zeigt, werten in Berlin viele als Anerkennung. Doch bis es so weit war, sorgte der Dino auch für eine Menge Arbeit: Aus 300 Teilen puzzelten Mitarbeiter ihn zusammen, 170 davon sind original. An Lego fühlte sich einer erinnert. Tristan musste für mehrere Millionen Euro versichert werden, die Presse wurde im Vorfeld weitgehend ausgeschlossen.

Künftig soll Tristan dagegen Dino-Fans aus aller Welt anlocken – wohl für mindestens drei Jahre. Schon während der nahenden Feiertage rechnet das Haus mit einem Ansturm. Es rät zum Ticketkauf vorab.
Normalerweise werde erst geforscht und dann ausgestellt, sagt der Projektleiter der T-Rex-Schau, Uwe Moldrzyk. Anders bei Tristan: «Das Publikum soll die Ausstellung wachsen sehen.» Sein genaues Alter (ungefähr 70 Millionen Jahre), seine Krankheiten, seine Umwelt und seinen Speiseplan etwa wollen die Forscher am Museum künftig besser verstehen. Gewicht, Beweglichkeit, Geschwindigkeit und Beißkraft – mit anatomischen Untersuchungen, CT Aufnahmen, 3D Scanning und Computermodellierung wollen die Wissenschaftler das Bild des Raubsauriers weiter schärfen. Schon bekannt ist, dass der bissige Dino wohl unter Zahnproblemen litt und Schwellungen am Kiefer hatte. Multimediale Installationen zeigen etwa bisherige Erkenntnisse. Doch im Zentrum der Schau steht das Skelett, das 2012 in Montana, USA, gefunden wurde – nach Museumsangaben das derzeit einzige originale in Europa. Ein Team von Wissenschaftlern reist Mitte Juli zur Fundstelle, um dort weitere Grabungen vorzunehmen und damit Informationen über die Umwelt zu Lebzeiten des gigantischen Fleischfressers zu sammeln.

Auf 50 bis 70 beziffern Experten die Zahl der Funde zum T-Rex weltweit. Etwas größer und besser erhalten ist aber etwa das Skelett von T-Rex Sue, das in Chicago zu sehen ist. Und auch in den Niederlanden ist für 2016 eine Schau mit dem König der Dinos angekündigt.«Ganz oft sind es aber einzelne Knochen oder Fragmente, die nur Experten dieser Art zuordnen können», sagte der Paläontologe Kai Jäger von der Universität Bonn. Tristan, insbesondere den Schädel, wertet er als «außergewöhnlich». Auch, weil er überhaupt der Öffentlichkeit gezeigt wird: Viele Fossilien seien in Privathand und nicht einmal Wissenschaftlern zugänglich. Museen zeigten auch oft Reproduktionen, weil die Originalteile durch den Druck des Gesteins zerdrückt oder eingedellt seien.

In Berlin können Besucher das imposante Gebiss etwa künftig genau unter die Lupe nehmen. Denn der rund 180 Kilo schwere Original-Schädel ruht in einem extra Schaukasten, während eine Nachbildung das Skelett komplettiert. Andernfalls wäre das Dino-Skelett ziemlich kopflastig: Zu Lebzeiten konnte der T. rex ihn nur mit Hilfe eines dicken, langen Schwanzes balancieren. Das Knochengerippe lässt dessen Ausmaß nur erahnen.

Die ausgeklügelte Natur kann teils auch der Laie gut erkennen: «Interessant sind die Öffnungen am Schädel», meint Fachmann Jäger. Diese seien nicht nur für die Augen vorgesehen, sondern machen den Schädel auch leichter.

Bundesforschungsministerin Johanna Wanka (CDU), die die Schau am Abend eröffnen sollte, sprach vorab von einem «spektakulären Fund». Das von Bund und Ländern getragene Museum stelle damit erneut unter Beweis, dass es für «einmalige Sammlungen, exzellente Forschung» stehe – und für «Ausstellungen, die es vermögen, Menschen zu begeistern.»

Kleiner Wermutstropfen dabei: Für den Laien ist die Mischung von Originalen und etwas glatteren Reproduktionen auf den ersten Blick nicht unbedingt erkenntlich. Das sei dem Wunsch des Sammlers geschuldet, sagte der für Szenografie zuständige Benedikt Esch.

Das Museum für Naturkunde in Berlin ist das größte Naturkundemuseum in Deutschland. Die Bestände umfassen mehr als 30 Millionen Exponate. Von Gisela Gross, dpa

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