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Von wegen Weihnachtsstimmung: Schulen sind derzeit im Prüfungsstress – Verband fordert: „Runter vom Tempo“

MÜNCHEN. Simone Fleischmann, die Präsidentin des Bayerischen Lehrerinnen- und Lehrerverbands (BLLV), beklagt, dass die Wochen vor Weihnachten für Schüler besonders anstrengend seien. Sie fordert von der Schulpolitik und von den Eltern: Druck rausnehmen!

Kurz vor Weihnachten herrscht in den Schulen Stress. Foto: pfeifhofer / flickr (CC BY-NC-SA 2.0)

Kurz vor Weihnachten herrscht in den Schulen Stress. Foto: pfeifhofer / flickr (CC BY-NC-SA 2.0)

Mit Besinnlichkeit habe die vorweihnachtliche Zeit an den Schulen nicht mehr viel zu tun. Im Gegenteil: Die Wochen vor dem Fest seien für die Schüler, aber auch für die Lehrkräfte besonders anstrengend, meint der BLLV. Es gilt, viele Proben und Schulaufgaben abzuhalten.

Nicht selten müssten Grundschulkinder vierter Jahrgangstufen in Bayern wöchentlich zwei bis drei Proben schreiben. Leistungsnachweise in den Hauptfächern Mathematik, Deutsch, Heimat- und Sachunterricht müssten erbracht werden. In den sechsten Jahrgangsstufen bayerischer Gymnasien zum Beispiel komme es vor, dass die Schüler in zwei Wochen in allen Schulaufgabenfächern Prüfungen schreiben. Dazu kämen noch weitere Notenerhebungen wie beispielsweise mündliche Abfragen und Stegreifaufgaben in den anderen Fächern. „Nach diesem Stress brauchen die Schüler die zweiwöchige Verschnaufpause dringend“, erklärt BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann wenige Tage vor Beginn der Weihnachtsferien. In ihren Augen wird es höchste Zeit, an den Schulen Maßnahmen zur Entschleunigung einzuführen. „Die meisten Lehrkräfte wünschen sich nur eines: Runter vom Tempo!“

Kinder litten zunehmend unter Kopfweh und anderen Stresssymptomen – darauf würden Krankenkassen und Ärzte immer wieder aufmerksam machen. Freilich sei dafür nicht die Schule allein verantwortlich, doch der dort herrschende Druck, das Tempo, in dem gelernt und abgefragt wird, trage einen Teil dazu bei, sagte die BLLV-Präsidentin.

„Nachhaltige Lernprozesse brauchen Zeit, und die sollte Schulen den Kindern und Jugendlichen geben dürfen.“ so Fleischmann. Die Turboschule setze auch viele Lehrerinnen und Lehrern zu. „Wenn wir sie fragen, was sie sich am meisten wünschen, kommt fast immer nur die eine Antwort: „Mehr Zeit.“

An Eltern appelliert die BLLV-Präsidentin, Kindern in der Ferienzeit Ruhe und Erholung zu ermöglichen. „Die zweiwöchigen Weihnachtsferien sind ideal, um abzuschalten und Schule einmal Schule sein zu lassen.“ Keinesfalls sollten die freien Tage mit zusätzlichem Stress beladen werden. „Eltern sollten deshalb genau abwägen, ob sie ihrem Kind in den Weihnachtsferien ein striktes Lernprogramm oder Nachhilfekurse auferlegen.“

Besonders schwierig sei die Situation für Kinder aus vierten Grundschulklassen und Kindern, die im Sommer auf ein Gymnasium gewechselt seien. „Grundschüler wollen mit aller Macht den Sprung auf ein Gymnasium schaffen und die, die ihn geschafft haben, wollen dort unbedingt bleiben.“ Der Besuch eines Gymnasiums gelte nach wie vor als Königsweg. Alternativen würden von den meisten Eltern und Schülern als Verschlechterung der Schulbiografie empfunden. Diese Sichtweise führe zu einem immensen Druck, der Kinder nicht nur krank machen könne, sondern auch ihre Lernmotivation mehr hemme als fördere.

„Schule in Bayern ist ein Selektionsbetrieb“, bedauert Fleischmann. Umso wichtiger sei es, Verschnaufpausen zu zulassen und sinnvoll zu nutzen. „Auch wenn es im Computerzeitalter altmodisch klingt: ich habe in meiner Zeit als Lehrerin und Schulleiterin immer wieder beobachten können, dass Kinder im freien und unbeschwerten Spiel glücklich sind und abschalten könnten.“ News4teachers

20 Kommentare

  1. Möchten die Kinder auf das Gymnasium oder wollen das ihre Eltern?

    Übrigens: Den Klassenarbeits- / Klausurstress gibt es wegen der vorgegebenen Anzahl Klassenarbeiten pro Halbjahr und dem Zeugnistermin Ende Januar. Lehrer sollen ja in den Ferien keine Langeweile oder gar frei haben …

    • Ja. Die Halbjahresgrenze müsste flexibel werden, auch wenn dann die Einstellungstermine schwieriger zu handhaben sind.

      • Wie denn? Die Schuljahresgrenze ist immer vor Beginn der Sommerferien, die Halbjahresgrenze auf halbem Wege dazwischen. Das ist immer etwa Ende Januar bis spätestens Ende Februar (wenn die Ferien spät liegen).

        • Ja, wenn man feste Ferientermine hat, ist vieles leichter. Was sollen denn Bundesländer machen, deren Schuljahreslänge auch schon einmal nur 37 Wochen ausmacht? Die Tatsache, dass andere Schuljahre auch schon einmal 42 Wochen umfassen, hilft den betroffenen Abschlussjahrgängen nichts.

          Wenn NRW – als Beispiel – wie dieses Jahr das Halbjahresende auf dem 29.01 liegen hat, dann endet die Zeit für Klassenarbeiten und Klausuren vor Weihnachten. Dies wird so geplant, damit Nachschreiber noch eine Möglichkeit haben, die Nachschreibtermine in der 2. Januarwoche wahrnehmen zu können. Die Woche drauf sind dann die Zeugniskonferenzen, da der Vorlauf für den Zeugnisdruck bei etwa 10 Tagen liegt. Die „Pappen“ müssen ja auch noch von der SL gegengezeichnet werden, müssen also 3 Tage vor Ausgabe zur Unterschrift abgegeben werden. Bedeutet im Umkehrschluss, die lieben Kleinen müssen bei drei Arbeiten im Halbjahr eben alle fünf Wochen eine zweiwöchige Klassenarbeitsphase über sich ergehen lassen. Die Arbeiten wollen ja auch im Unterricht inhaltlich vorbereitet werden.

        • warum muss die „Halbjahresgrenze“ im Zeitalter der EDV 6 Monate zwischen 1.8. und 31. 7. liegen? Doch nur, weil das für die Ämter bequemer zu rechnen ist. Aber wie viel weniger quälend wäre es, wenn nicht alle Noten am 15. 1. fertig sein müssten! Dann gäbe es wieder eine Adventszeit und Entspannung am Jahresende VOR dem 22. 12.

          • Ach nee, und ich dachte die Länge des Schuljahres hängt von ab vom Einschulungstermin. Egal wie Sie es drehen und wenden wollen, das Schuljahr beginnt für Schüler nun einmal mit dem Ende der Sommerferien. Für Lehrkräfte und die Länder als arbeitgeber beginnt das neue Schuljahr jeweils zum 01.08. eines Jahres. Wie bescheuert sich die beweglichen ferientermine auswirken können, kann man an NRW Schulen sehr gut beobachten. Fällt der Beginn des zweiten Halbjahres in den Februar, kein Problem, da der Haupteinstellungstermin der 01.02. ist.

            Liegt der beginn hingegen im Januar, feheln einem bis zum 01.02. Lehrkräfte.

          • Halbjahresgrenze hängt vom jeweiligen Schulgesetz ab. In NRW sind die Halbjahreszeugnisse keine „halbzeitinformation“ wie in anderen Bundesländern. Natürlich kann man das Halbjahresende und somit den zeugnistermin sowohl vor die Weihnachtsferien legen als auch in die Zeit Mitte bis Ende Februar. Nur hat das Auswirkungen auf das zweite Halbjahr. Es müssen immer noch 2 bis 3 Arbeiten je Fach geschrieben werden. gehen wir von einem Beginn des zweiten Halbjahres Mitte februar aus und legen das Ende auf den frühestmöglichen Termin Ende Juni, dann bleiben Ihnen genau 16 Schulwochen exklusive Osterferien für das zweite Halbjahr. da Versetzungswarnungen (Blaue Briefe) 12 Wochen vor Schuljahresende ausgesprochen werden müssen, reicht die Zeit nicht aus, um irgendeine Leistung im neuen Halbjahr zu bewerten.

            Ein Ende des ersten Halbjahres vor den Weihnachtsferien ist ebenfalls nicht hilfreich, besonders dann nicht, wenn ein Bundesland den spätesten Termin für den Beginn des Schuljahres Anfang September erwischt. Das Schulhalbjahr geht dann von Mitte September bis bis Mitte Dezember abzüglich der Herbstferien, ist also nur 13 Schulwochen lang.

            Was das jetzt mit dem fehlenden Einsatz von EDV zu tun hat, erschließt sich mir nicht so richtig.

  2. „Auch wenn es im Computerzeitalter altmodisch klingt: ich habe in meiner Zeit als Lehrerin und Schulleiterin immer wieder beobachten können, dass Kinder im freien und unbeschwerten Spiel glücklich sind und abschalten könnten.“
    Wozu ist Schule eigentlich da? Spielen oder Lernen?

    Was bringt es Schülern, wenn man vor den Weihnachtsferien das Tempo rausnimmt und weniger Tests vor Weihnachten schreibt? Irgendwann müssen diese ja geschrieben werden, dann also nach Weihnachten, oder? Schüler lieben es ja, sich in ihren Ferien auf die Tests nach den Ferien vorzubereiten.
    Einzige Lösung: runter mit der vorgeschriebenen Anzahl von Tests, dann kann man auch das Tempo drosseln, ohne es nach den Ferien bzw. während der Ferien „büßen“ zu müssen.

    • In RP sind 4 Klassenarbeiten pro Jahr vorgeschrieben. Finden Sie das zu viel?

      • In NRW 3 einstündige Klassenarbeiten je Halbjahr in den Jahrgängen 5 bis 8 und 2 a 90 Min. in den Jahrgängen 9 und 10 lt. APO SI vorgeschrieben.

        • In Klasse 8 sind wegen der Lernstandserhebung auch 2 Klassenarbeiten im 2. Halbjahr möglich. Ich weiß, dass sie nicht benotet werden darf, dieses Fass kann also geschlossen bleiben ;-).

      • 4 Klassenarbeiten pro Fach? pro Schüler? Was ich persönlich für richtig halte, interessiert hier doch gar nicht. Ich hab nur darauf hingewiesen, dass Lehrer die Klassenarbeiten nicht schreiben, weil sie es so toll finden sowas zu schreiben, sondern weil sie vorgeschrieben sind. Wenn ich dann in einem Zeitraum keine Arbeiten schreiben darf, werden sie dann in einem anderen Zeitraum mehr.

        • Vermutlich pro Hauptfach (Mathe, Deutsch, Fremdsprachen), in den Nebenfächern kommen noch einige Tests dazu, in den Fremdsprachen hoffentlich viele Vokabeltests.

          • … schon bitte korrekt ==> ind den Fächern der Fächergruppe I,
            also D, M, E und Wahlpflichtfach. Letzteres kann u.a. die Zweite Fremdsprache sein

          • lol

            Fächergruppe I = politisch korrekte Version von Hauptfach

          • Sie sind aber auch gehässig. Wollen Sie tatsächlich einige Kollegen und Kolleginnen als [b]Nebenrollen[/b] abstempeln, und das nur weil diese vornehmlich Fächer der Fächergruppe II unterrichten?

          • Nein, weil ich das zur Hälfte selbst tue. In der Prioritätenliste der Schüler sind die Hauptfächer / Fächergruppe I / schriftlichen Fächer sehr weit oben im Vergleich zu den anderen Fächern. In der Beliebtheitsskala bei den Schülern ist es häufig anders herum. Die Nebenfachgruppe II-Kollegen wissen das aber insgeheim.

          • Das alte Problem:

            „Wer bin ich? – Und vor allem wie viele?“

            Diesen Umstand übersehen in der Regel die Außenstehenden, dass es in D eben keine Ein-Fach-Lehrer gibt. Und die Insider beneiden die Kollegen mit der Fächerkombi D/E nicht wirklich. Deshalb ist der regelfall auch eine Kompi aus den Fächergruppen I und II.

            So ist man dann zu 60% wenig geliebter „Hauptfachlehrer“.

          • Vermutlich werden etliche der D/E-Fachlehrer zu Beginn ihres Studiums den enormen Korrekturaufwand bei alleine nur einem ihrer Fächer nicht bedacht haben. Die Kombination D/Ma ist noch halbwegs human, weil Ma schnell korrigierbar ist. Das wissen Sie aber selber aus eigener beruflicher Erfahrung.

        • @griasdi: doch, mich hätte interessiert, was Sie persönlich richtig oder zuviel finden.

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