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Debatte um Schulgröße: Wird jede zweite Thüringer Grundschule geschlossen?

Im Thüringer Bildungsministerium gibt es nach einem Zeitungsbericht erste Vorschläge zur künftigen Mindestgröße von Schulen. Die Zeitung «Freies Wort» (Freitag) berichtet unter Berufung auf einen Verordnungsentwurf, dass Grundschulen im ländlichen Raum künftig mindestens 80 Schüler haben sollen, in Städten mindestens 120 Schüler. Bei Regelschulen seien mindestens 220 Schüler vorgesehen, bei Gemeinschafts- und Integrierten Gesamtschulen mindestens 320 Schüler. Gymnasien sollen danach mindestens 576 Schüler haben.

Ein Sprecher des Bildungsministeriums sagte der Zeitung, es handele sich bisher nur um einen Referentenentwurf, der Bildungsministerin Birgit Klaubert (Linke) noch nicht vorgelegen habe. Er entspreche auch nicht ihren Intentionen.Der Thüringer Lehrerverband (tlv) ist misstrauisch, der Vorsitzende Rolf Busch sagt: „Mag sein, dass das Ministerium diese Verordnung dementiert. Aber es erscheint wenig plausibel, dass solche Zahlen ohne Wissen der Verantwortlichen einfach ins Blaue hinein aufgestellt werden.“

Grundschuleingang - Baden-Württembergs Landesregierung zielt darauf ab, in einigen Jahren 70 Prozent der Grundschulen und Grundstufen der Förderschulen zu Ganztagsschulen umzuwandeln Foto: WikiTour 2005 (CC BY-SA 3.0)

Wie klein darf eine Grundschule zukünftig sein?, darum dreht sich der Streit in Thüringen. Foto: WikiTour 2005 (CC BY-SA 3.0)

Rechnungshof-Präsident Sebastian Dette hatte kürzlich dafür plädiert, dass das Land Vorgaben für die optimale Größe von Schulstandorten macht. Daraus ergäbe sich dann die Zahl der dort unterrichtenden Lehrer. Andere Bundesländer nähmen stärker Einfluss auf die Größe von Schulstandorten, so Dette. Verbindliche Regelungen für alle hält auch der tlv für unverzichtbar. „Die Katze muss endlich aus dem Sack. Aber sie darf nicht statt Mäusen Schulen fressen“, mahnt Busch. Seine Verbandskollegen und er seien angesichts der heutigen Zahlen „ehrlich entsetzt, wie brachial die Landesregierung anscheinend vorgehen will, um die unter Kultusminister Matschie auf freiwilliger Basis zu gründenden Thüringer Gemeinschaftsschulen nun faktisch unter Zwang voranzutreiben.“

Der bildungspolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, Christian Tischner, sagte dem «Freien Wort», sollten die Vorschläge des Verordnungsentwurfs so oder ähnlich umgesetzt werden, drohte bis zu 50 Prozent aller Thüringer Grundschulen die Schließung. Die Bildungspolitikerin der Grünen, Astrid Rothe-Beinlich, geht davon aus, dass mit Kommunen, Eltern und Lehrern gesprochen wird, bevor Tatsachen geschaffen würden. dpa

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