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Höhere Zuschüsse für Privatschulen bringen vor allem Lehrern mehr Geld

DRESDEN. Seit August 2015 bekommen sächsische Schulen in freier Trägerschaft mehr Geld vom Land. Das bringt auch den Lehrern höhere Gehälter. Dennoch beklagt Sachsens Privatschulverband eine erhebliche Finanzierungslücke. Für den „eigenen Weg“ den die Schulen gehen, sei die Bereitschaft zu «finanziellen Opfern» erwarten, heißt es dagegen aus dem Schulministerium.

Die freien Schulen in Sachsen haben die höheren Zuschüsse des Landes vor allem in bessere Gehälter für ihre Lehrer investiert. «Im Schnitt sind die Löhne um etwa zehn Prozent gestiegen», sagte der Sprecher der Arbeitsgemeinschaft freier Schulen, Konrad Schneider. Das habe eine Umfrage unter allgemeinbildenden und berufsbildenden Schulen in freier Trägerschaft ergeben. Dennoch würden die Lehrer immer noch schlechter bezahlt als ihre Kollegen an den staatlichen Schulen. Auch wichtige Investitionen wurden vielerorts mit Hilfe der Mehreinnahmen finanziert – etwa Baumaßnahmen an Schulgebäuden.

„Finanzielle Opfer“ für „eigene Wege“? Lehrer an Schulen in freier Trägerschaft verdienen in der Regel immer noch weniger, als die Kollegen an staatlichen Schulen. Foto: FuFuWolf / flickr (CC BY 2.0)

„Finanzielle Opfer“ für „eigene Wege“? Lehrer an Schulen in freier Trägerschaft verdienen in der Regel immer noch weniger, als die Kollegen an staatlichen Schulen. Foto: FuFuWolf / flickr (CC BY 2.0)

Mit dem neuen Gesetz für Schulen in freier Trägerschaft, das im August 2015 in Kraft trat, bekommen die Privatschulen im Land mehr Geld. Nach Angaben des Kultusministeriums hat sich im Schuljahr 2015/16 die Pauschale pro Schüler und Jahr an den freien allgemeinbildenden Schulen im Schnitt um rund 1000 Euro erhöht. In diesem Jahr unterstützt Sachsen die freien Schulen mit insgesamt 327 Millionen Euro, im Vorjahr waren es rund 273 Millionen Euro.

«Dennoch gibt es eine erhebliche Finanzierungslücke», so Schneider. Viele Schulen stünden immer noch vor der Entscheidung, entweder dank der Mehreinnahmen auf Schulgeld zu verzichten und so die Eltern ihrer Schüler zu entlasten oder mit dem Geld Gebäude zu sanieren oder Lehrergehälter zu erhöhen. Laut Arbeitsgemeinschaft liegt das von den Eltern zu bezahlende Schulgeld im Schnitt derzeit bei rund 80 Euro pro Schüler und Monat. Nur vereinzelt hätten Privatschulen «an der Preisschraube» gedreht – und das Schulgeld etwa um 30 Euro pro Monat reduziert.

«Auskömmlichkeit ist aus unserer Sicht damit nicht gegeben», kritisierte Schneider. Das neue Gesetz sei zwar ein Schritt in die richtige Richtung, aber eben nur ein Schritt.

«Wir bekommen viele Anfragen von Eltern», sagte die Sprecherin des Landeselternrates, Anke Spröh. Ihnen sei das Schulgeld ein Dorn im Auge. Denn solange die Schulgeldfreiheit nicht auch für freie Schulen gelte, könnten finanzschwache Familien nicht von ihrem verfassungsmäßigen Recht der freien Schulwahl Gebrauch machen, kritisiert Spröh. «Das Thema steht für uns 2016 ganz oben an.»

Das Kultusministerium hält dagegen die Zuschüsse vom Staat für ausreichend und führt an, dass die freien Schulen eigene Wege gehen – etwa bei Klassengröße, Profil und Ausstattung. Deshalb könne auch eine Bereitschaft zu «finanziellen Opfern» erwartet werden, sagte ein Ministeriumssprecher mit Verweis auf ein Urteil des Sächsischen Verfassungsgerichtshofes . «Sie sind anders, deshalb sind freie Schulen so wertvoll für die Schullandschaft», so der Sprecher. (dpa)

zum Bericht: Privatschulfinanzierung: SLV sieht staatliche Schulen benachteiligt

2 Kommentare

  1. An den altehrwürdigen Privatschulen mag es anders sein, aber an denen, die in den letzten 20 Jahren gegründet wurden, sieht es oft nicht besonders gut für die Lehrer aus. Sie werden wie Personal behandelt, sollen alles mögliche Zusätzliche leisten und bekommen 1/4 bis 1/3 weniger Geld.

    Auch an den Privatschulen steht und fällt der Unterricht mit der Person des Lehrers. Darin unterscheiden sie sich nicht von den öffentlichen Schulen. Von Ausnahmen abgesehen, wüsste ich heute nicht mehr, warum ich mein Kind an eine Privatschule schicken sollte.

    • Es gibt auch private Förderschulen. Da die staatlichen sukzessive aufgelöst werden, könnten Eltern eine private Alternative suchen, wenn sie ihr Kind nicht einer Inklusion ausliefern wollen, die mehr von frommen Wünschen und Sprüchen lebt als von guter Spezialförderung lernbehinderter Schüler.

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