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Grüne wollen Unterrichtsausfall für jede Schule veröffentlichen. Kultusminister sagt Nein – und gibt die Daten trotzdem frei

SCHWERIN. Soll der Unterrichtsausfall an jeder einzelnen Schule veröffentlicht werden? Mathias Brodkorb (SPD), Bildungsminister von Mecklenburg-Vorpommern, sagt Nein, die Grünen im Landtag sagen Ja. Nun stehen die Daten für das Schuljahr 2014/15 im Internet.

Wollte kein Ranking - und hat jetzt doch eins: Bildungsminister Mathias Brodkorb. Foto: Ralf Roletschek / Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)

Wollte kein Ranking – und hat jetzt doch eins: Bildungsminister Mathias Brodkorb. Foto: Ralf Roletschek / Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)

Der Stundenausfall an Mecklenburg-Vorpommerns Schulen ist sehr unterschiedlich. Er reichte im Schuljahr 2014/15 von 0 bis 13,6 Prozent, wie aus der Antwort der Landesregierung auf eine Kleine Anfrage der Grünen-Landtagsfraktion hervorgeht (Drs. 6/5245). Im Landesdurchschnitt betrug der Ausfall an den allgemeinbildenden Schulen 2 Prozent und an den Berufsschulen 6 Prozent, wie das Ministerium mitteilte.

Spitzenreiter beim Stundenausfall waren 2014/15 demnach zwei Förderschulen in Torgelow (Landkreis Vorpommern-Greifswald) und Neukloster (Landkreis Nordwestmecklenburg). Im Sonderpädagogischen Förderzentrum Torgelow fielen den Angaben zufolge 13,6 Prozent des Unterrichts aus, in der Schule mit dem Förderschwerpunkt Lernen «Fritz D. v. d. Schulenburg» in Neukloster 10,7 Prozent. An der Regionalen Schule mit Grundschule in Vellahn (Landkreis Ludwigslust-Parchim) wurden 7,5 Prozent aller Stunden nicht gegeben.

Auch mehrere Berufsschulen fallen mit hohen Ausfallquoten auf. Dazu gehören die Berufliche Schule der Hansestadt Rostock für Dienstleistung und Gewerbe mit 9,4 Prozent, die Berufliche Schule an der Asklepios Klinik in Pasewalk (Landkreis Vorpommern-Greifswald) mit 8,4 Prozent und die Berufliche Schule des Landkreises Güstrow in Güstrow mit 8,1 Prozent.

Das Bildungsministerium in Schwerin erhebt die Stundenausfälle und die Vertretungsstunden an jeder einzelnen Schule, möchte die Zahlen aber nicht schulgenau veröffentlichen. Auf die Kleine Anfrage musste es aber antworten. «Rankings von Schulen zum Unterrichtsausfall und Vertretungsunterricht helfen niemandem weiter», sagte der Sprecher von Bildungsminister Mathias Brodkorb (SPD), Henning Lipski. Die Daten könnten Missverständnisse auslösen und einzelne Schulen in ein schlechtes Licht rücken. Das hätten die Lehrer nicht verdient.

Der Ausfall an den 24 Berufsschulen ist dem Ministerium jedoch insgesamt zu hoch. Er war im vergangenen Schuljahr im Vergleich zu 2013/14 um 0,2 Prozent auf 6 Prozent gestiegen. In einem Modellvorhaben seien deshalb zusätzlich 18 Stellen für Vertretungslehrkräfte bereitgestellt worden, sagte Lipski. Dies entspreche einem Umfang von 1,3 Millionen Euro.

Auch die Linke kritisierte die Veröffentlichung des Ausfall-Rankings. Die bildungspolitische Sprecherin der größten Oppositionsfraktion im Landtag, Simone Oldenburg, sagte: «Wenn Schulen keinen Vertretungslehrer erhalten, weil zahlreiche dieser Stellen überhaupt nicht besetzt sind, liegt es außerhalb der Verantwortung der Schulleitungen.» Das sei Sache des Bildungsministeriums. So dauerten die Einstellungsverfahren zu lange. Immer wieder komme es vor, dass Interessenten während der mehrwöchigen Wartezeit abspringen. Die Versuche der Landesregierung, Ausfall zu vermeiden, scheiterten außerdem an einer zu geringen Stundenausstattung der Schulen. dpa

Zum Bericht: Löhrmann verteidigt ihre Studie zum Unterrichtsausfall – Streit schon um die Frage: Was ist überhaupt Unterrichtsausfall?

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