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Zu große Klassen? Bayerns Schüler bleiben überdurchschnittlich häufig sitzen

MÜNCHEN. Bayerische Schüler bleiben überdurchschnittlich häufig sitzen. Im vergangenen Schuljahr wiederholten 42 650 Kinder und Jugendliche an den allgemeinbildenden und den Wirtschaftsschulen eine Klasse – das waren 3,5 Prozent der insgesamt 1,2 Millionen Schüler im Freistaat. Diese Zahlen hat das Kultusministerium auf eine Landtagsanfrage der SPD veröffentlicht. Im deutschlandweiten Schnitt liegt die Sitzenbleiberquote lediglich bei 2,3 Prozent, wie das Statistische Bundesamt gemeldet hatte.

Am häufigsten bleiben bayerische Kinder in der Realschule sitzen – dort liegt der Anteil bei 5,8 Prozent. An den Gymnasien waren es 3,5 Prozent. «Es ist ein Armutszeugnis, wieviele Kinder und Jugendliche in Bayern jedes Jahr sitzenbleiben», kritisierte SPD-Bildungsexperte Martin Güll. «Da die bayerischen Kinder mit Sicherheit mindestens so schlau sind wie die im übrigen Deutschland, muss es am bayerischen Schulsystem liegen.» Güll vermutet, dass große Klassen und Schulstress die Ursachen sind. dpa

23 Kommentare

  1. Einige andere Bundesländer verringern das Sitzenbleiben, indem sie es (z.B. an bestimmten Schulformen) einfach abschaffen. Und – o Wunder – in der Statistik erscheinen weniger Sitzenbleiber.

    • Komischerweise werden sämtliche Länder in der Pisa-Studie nicht besser, obwohl weniger sitzen bleiben.

      • … und haben höhere Inklusionsquoten. Die Gewinner des Rankings sind merkwürdigerweise die Länder mit den höchsten Quoten an Schülern mit abgeschlossenem AOSF-Verfahren – aka Förderschülern, die an FöS unterrichtet werden …

  2. Was ist am Sitzenbleiben eigentlich so schlecht? Gibt es massenweise traumatisierte Sitzenbleiber in der Bevölkerung oder warum muss das krampfhaft vermieden werden?

    • Um gleich den kritischen Kommentaren vorzubeugen. Ich bin nicht für das Sitzenbleiben, allerdings müssen den Schülern entsprechende Angebote gemacht werden können, um deren Leistungen zu steigern.

      • Ich gehöre zu den Sitzenbleibern. In Klasse 8 hat es mich erwischt. Mir hätte nichts Besseres passieren können. Bis dahin war das Gymnasium eine einziges Durchquälen, doch danach ging es kräftig bergauf, auch mit dem Selbstbewusstsein.
        Warum Sitzenbleiben so schlimm sein soll, werde ich nie begreifen.

  3. kann herr güll seine vermutung irgendwie belegen? vermutlich nicht, oppositionssprech ist ja auch viel einfacher …

    PS: ja, für viele ist wiederholen schlimm. Ursachen schulischer seits müssen abgestellt werden. das ist aber natürlich nur ein Teil. der Schüler selbst und seine Eltern der andere.

  4. Klassenwiederholungen sind zwingend integrierter Bestandteil der selektiven, diskriminierenden und stigmatisierenden Schule. Dazu gehören auch bezahlte Nachhilfestunden ausserhalb der Schule, Lernende, welche die Schule vorzeitig abbrechen und die hohe Arbeitsbelastung der Lehrpersonen.
    Merkmale einer kränkelnden, sehr kostenintensiven Institution.
    Es dauert wohl noch einige Zeit, bis die Öffentlichkeit zur Einsicht gelangt, dass Schulen dringend mehr personelle und finanzielle Ressourcen benötigen. Und vor allem mehr Respekt gegenüber Lernenden, Lehrenden und Eltern.

    • „Klassenwiederholungen sind zwingend integrierter Bestandteil der selektiven, diskriminierenden und stigmatisierenden Schule.“ Das ist (mit Verlaub) absoluter Unsinn, auch wenn dieser immer wieder als Ohrwurm eingehämmert wird, damit das Sitzenbleiben gemäß dem Wunsch bestimmter politischer Kräfte endlich abgeschafft wird.
      Ihr Schlusssatz ist eine Binsenweisheit, die so wirkt, als sollte sie versöhnen mit der falschen Behauptung zu Anfang.
      Nochmals: Ich bin Sitzenbleiber und habe mich deswegen niemals aussortiert, diskriminiert oder stigmatisiert gefühlt. Eine Klasse zu wiederholen, tat mir und meinem Selbstbewusstsein nach einem kurzen Schrecken auf lange Sicht gut. Mir hätte nichts Besseres passieren können.
      Sie predigen hier nur rot/grüne Ideologie, die ständig menschelt und mit fragwürdigen moralischen Urteilen argumentiert, weil sie in der sachlichen Begründung auf äußerst wackligen Beinen steht.

      • ‚Klassenwiederholungen sind zwingend integrierter Bestandteil der selektiven, diskriminierenden und stigmatisierenden Schule.“ Das ist (mit Verlaub) absoluter Unsinn, auch wenn dieser immer wieder als Ohrwurm eingehämmert wird, damit das Sitzenbleiben gemäß dem Wunsch bestimmter politischer Kräfte endlich abgeschafft wird.
        Es gibt eine Vielzahl wissenschaftlicher Untersuchungen, (Ingenkamp, Die Fragwürdigkeit der Zensurengebung, 20. Jahrhundert) welche den Wert von Selektion in Frage stellen. Es gibt heute keine Fachleute, die behaupten, es sei möglich, Heranwachsende – ob 10 oder 12-jährig – zuverlässig verschiedenen Leistungsklassen zuzuordnen.
        Prognosen sind bestenfalls ein Jahr gültig, dann verlieren sie ihren Wert. Was nachvollziehbar ist, bedenkt man, dass die Selektion vor beginnender Pubertät getroffen wird, einer der bewegtesten und unberechenbarsten Phase im menschlichen Leben. Die Überschneidungen der verschiedenen Zuordnungen sind so gross, dass sie statistisch betrachtet nicht zulässig sind.
        Das führt so weit, dass der Schulort – und das Einkommen der Eltern – über den schulischen Abschluss entscheiden. Völlig leistungsfremde Kriterien, jenseits von mimimaler Chancengleichheit.
        Die finnische ‚Gemeinschaftsschule für alle‘ beweist, dass eine Volksschule ohne Selektion möglich ist. Mit Ergebnissen, wie sie kein deutschsprachiges System vorweisen kann.
        http://www.hansjoss.ch

        • Finnland profitierte noch vom Frontalunterricht, der kurze Zeit vor den Leistungsvergleichen abgeschafft wurde. Seit dem sind die dortigen Leistungen mehr oder weniger eingebrochen.

          • … abgesehen von den kleinen Klassen und der Doppelbesetzung …

            Übrigens kennt Suomi auch nur Lehrkräfte mit nur einer Fakultas. Warum man einen Fliegenschiss auf der Landkarte, der nicht mehr Einwohner hat als der Regierungsbezirk Ostwestfalen-Lippe in NRW, so hervorhebt, ist mir schleierhaft. Was auch nicht vergessen werden darf, ist die Tatsache, dass Finnland im Vergleich zu OWL mehr Beschäftigte in der Schulverwaltung hat – selbst wenn man die Mitarbeiter des (Landes-)Schulministeriums proportional auf OWL hinzurechnet

          • Sie sagen es! Aber manche Leute wollen einfach an den rot/grünen Weihnachtsmann glauben oder nur andere an ihn glauben machen.
            Tolle Geschichten aus anderen Ländern, die nur wenige nachprüfen, sind dazu ein ebenso erfolgreiches Mittel wie Studien, die zu unterschiedlichen Ergebnissen führen. Gelesen, geglaubt und erwähnt werden allerdings nur Untersuchungen, die der eigenen Meinung entsprechen und sie stützen.

          • Finnland hat sein Schulsystem ab den 70er Jahren umgebaut. Von einer dreiteiligen Schule zur Gemeinschaftsschule für alle. Die Behauptung, die guten Leistungen hätten mit dem selektiven System zu tun, stimmt so nicht. Information Rainer Domisch, ein Deutscher Gym.lehrer, , der Finnland beraten hat.
            Verwaltung: Die finnische Schule hat die Inspektorate und die Schulkommissionen gestrichen. Die Schulen unterstehen direkt den Gemeinden. Gegenseitige Abhängigkeit, die zu hohen Leistungen motiviert.
            Die Regierung gibt Rahmenbedingungen vor, die Schulen sind verantwortlich für sinngemässe Umsetzungen vor Ort.

          • Es ging ja nicht um das Schulsystem, sondern um die Unterrichtsform, nämlich den Frontalunterricht, von dem Finnland in den ersten Pisa-Studien profitiert hat.

            Ein interessanter Artikel dazu:
            http://www.welt.de/print/wams/wissen/article143540618/Die-Entzauberung.html

  5. Zitat: „Bildung wird in Finnland hoch geachtet. Vorschriften und Verhaltensformen werden nicht als Einschränkungen bekämpft, sondern als Garanten persönlicher Freiheit des einzelnen eingehalten.

    In Deutschland hingegen haben die gesellschaftskritischen Bestrebungen von 1968 allmählich das Wertebewusstsein der Gesellschaft und die Einstellung zu Bildung und
    Erziehung geändert. Leistungsforderungen wurden in die Nähe von Ausbeutung gerückt, Unterrichtsinhalte als weniger wichtig betrachtet und Üben und Wiederholen als sinnloses Pauken verunglimpft. Hinzu kam die Abwertung von Arbeitstugenden wie Sorgfalt, Pünktlichkeit und Ordnung. Höflichkeit, Rücksichtnahme und Disziplin wurden als Einschränkungen der eigenen freien Entfaltung infrage gestellt. Dort, wo sich diese Ziele deutlich des Schutzes herrschender Parteien (SPD, Grüne) erfreuten, veränderten sich Schulen spürbarer und sanken die Schülerleistungen merklicher. Ein Umdenken bahnt sich an.
    http://www.elternverein-nrw.de/schulstruktur/Eine_Schule_fuer_alle.pdf

    • Die 68er- also die heute 70-jährigen, die sind schuld. Kann es sein, dass die Erde sich inzwischen weiter gedreht hat?

      Betrachten Sie doch einmal bei Lichte den Wandel der Conny geführten CDU zur heutigen. – Und der „Club der Uininspirierten“ ist beileibe kein Hort der Alt-68er.

      • Falls Sie es noch nicht mitbekommen oder sich per Logik gesagt haben: die Studentengeneration mit Namen 68er hat ihre eigentliche Wirkung erst später, also im Laufe der Zeit, entfaltet, in der viele von ihr in Amt und Würden kamen, also wichtige politische und behördliche Schlüsselstellungen bekleideten.
        Ja, das sind die „heute 70-jährigen“ und ihre nachfolgenden Epigonen setzen das 68er Geisteswerk emsig fort.

        • Ja vor allem die aus dem „Nahen Osten“ … – immerhin 20% der Gesamtbevölkerung, einmal ganz abgesehen von den hier lebenden Mitbürgern mit doppelter Staatsbürgerschaft, Aufenthaltstitel oder Abstammung innerhalb der EU.

          Oder bedauern sie etwa, dass der Einfluss des Reichsjugendleiters nicht mehr gewünscht ist? Obwohl als Statthalter in Wien könnte er wieder gefragt sein vor dem Hintergrund der aktuellen politischen Entwicklungen im Reich.

    • ‚Es ging ja nicht um das Schulsystem, sondern um die Unterrichtsform, nämlich den Frontalunterricht, von dem Finnland in den ersten Pisa-Studien profitiert hat‘.
      Bei meinen rund 15 Besuchen von Schulen und Schulklassen in Finnland – in Helsinki, Jyväskylä und in Lappland, mit Lehrpersonen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, hörte ich häufig den Kommentar: ‚Die kochen auch nur mit Wasser‘, in einem Fall meinte ein Teilnehmender, ‚mit einer solchen Lektion würde in Deutschland kein Student die Schlussprüfung bestehen‘.
      Kürzlich fragten mich zwei Studierende einer schweizerischen PH,- im Rahmen einer vergleichenden Bachelor Arbeit -was eine gute Lehrer/innenbildung ausmache, z.B. in Finnland. Auf meinen Hinweis, die Finnen würden die Motivation der angehenden Studenten für das Lehramt sehr sorgfältig und intensiv im direkten Gespräch abklären, waren sie ganz erstaunt und meinten, das sei an ihrer PH noch nie ein Thema gewesen. Dieser scheinbare Mehraufwand zahlt sich langfristig insofern aus, als weit über 95% der Studienanfänger das Studium abschliessen und den Beruf dann auch ausüben. Sowohl künftige Klassenlehrer/innen wie Fachlehrer/innen.
      Zum Frontalunterricht: Schulsystem und Unterrichtsformen bedingen sich gegenseitig. Alternativen zum Frontalunterricht findet man kaum in Finnland. Was grundlegend anders ist: z.B. der Aufbau der Lehr/Lernmittel.
      Die Inhalte richten sich an leistungsstarke, wie an leistungsschwächere Lernende (mehr Übungsmaterial). Die Bücher sind so gestaltet, dass die Lehrpersonen nicht für jede Lektion zusätzliche Arbeitsblätter erstellen und kopieren müssen. Selbst Testbeispiele sind in den Lehrerbüchern enthalten. Folgen: Vorbereitungsarbeiten sind wesentlich kürzer als bei uns, wo es in bestimmten Fächern gar keine Lehrmittel gibt.
      Die wesentlichen Unterschiede zwischen deutschsprachigen und finnischem Schulsystem sind sehr subtil und eröffnen sich erst bei näherem und längerem Hinsehen. Kommt dazu, dass die finnischen Lehrpersonen sehr zurückhaltend sind und ständig damit beschäftigt sind, die eigenen Schulen weiter zu entwickeln.

  6. Einmal etwas direkt zur Aussage des Artikels:
    Ich kann mir das schon gut vorstellen, dass in Bayern in der Realschule die meisten Schüler wiederholen müssen. Denn: Inzwischen hat sich in dem dreigliedrigen Schulsystem die Realschule zu einer besseren „Hauptschule“ oder zu einer Fortführung der Heterogenität der Grundschule entwickelt. Die Ursachen:
    – Vor ein paar Jahren war der Notendurchschnitt (D, M, HSU) für den Übertritt 2,33 jetzt ist er 2,66. Dadurch gehen mehr Schüler, die besser in der Hauptschule aufgehoben wären, auf die Realschule. Nach Aussagen der Realschullehrer haben viele Schüler mit 2,66 Probleme auf der Realschule. So weit ich weiß, ist das Niveau auf der Realschule seit Änderung des Schnitts aber nicht geändert worden. (Wenn ich falsch liege, bitte richtig stellen.)
    – Da von vielen das G 8 gefürchtet wird, gehen einige sehr gute Schüler auf die Realschule, weil die Anschlussmöglichkeiten nach der Realschule ziemlich gut sind. Dadurch sind auch sehr gute Schüler auf der Realschule und ich kann mir vorstellen, dass die Leistungsspanne zwischen den guten und schlechteren Schülern ziemlich hoch ist.
    Meine eigenen Beobachtungen: Beim Übertritt von 2,66 auf die Realschule bekamen geschätzt deutlich über die Hälfte der Schüler im Lauf ihres Besuchs der Realschule Schwierigkeiten, d.h. sie wiederholten bzw. wechselten auf den M Zweig der Mittelschule. Bei besseren Schnitten ist mir nichts in der Richtung bekannt.

    • Durch den Übertritts-NC von 2,33 oder 2,66 ist die Realschule in BY m.E.n. nicht vergleichbar mit Realschulen anderer Bundesländer. Man vergleicht Äpfel mit Birnen.
      Auch unklar bleibt, welche Möglichkeiten der zusätzlichen Förderung in den verschiedenen Bundesländern gegeben sind und wirklich durchgeführt werden. Oder ob es Vorgaben gibt, dass SuS wiederholen müssen, bevor ihnen ein sonderpädagogischer Unterstützungsbedarf zugesprochen wird.
      Zudem stellt BY doch den Lehrplan jetzt erst um, oder?

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