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Das Erfolgsrezept des weltgrößten Spielzeugherstellers – Warum Lego jetzt auch auf Bildung setzt

BILLUND. Da hat jemand scheinbar alles richtig gemacht: Umsatz 4,8 Milliarden, Gewinn 1,2 Milliarden, schätzungsweise 100 Millionen Kinder spielen mit Lego. Nach eigenen Angaben ist das dänische Unternehmen Lego der umsatzstärkste Spielzeughersteller der Welt. Das analoge Spielzeug hat offenbar den Sprung in die digitale Welt mühelos verkraftet. Jetzt nehmen die Dänen die Schulen als Absatzmarkt ins Visier.

Der große Erfolg kam erst in den letzten Jahren. Lego steckte noch im Jahr 2003 ganz tief in der Krise. 200 Millionen Verlust standen in den Büchern, verursacht etwa durch viele Investitionen, die nicht mehr viel mit den Steckklötzen zu tun hatten, etwa in Freizeitparks.
Seit 2004 baute daher ein neuer Chef das Unternehmen kräftig um. Seitdem stehen die Klötze wieder klar im Fokus des Unternehmens. Fast alle Merchandising-Aktionen rund um die Bausteine zielen darauf auf, noch mehr davon zu verkaufen. Unter dem neuen Chef Jörgen Vig Knudstorp hat es die Marke außerdem geschafft, die analoge Welt erfolgreich mit der digitalen zu verknüpfen.

„Lego Nexo Knights“ ist ein Beispiel dafür. Die Geschichte ist einfach: Ein Zauberer und seine Ritter müssen einen bösen Halunken bekämpfen, der in ihr Königreich eingefallen ist. Geschickt gemacht ist es aber, dass die kleinen Internetfilme ergänzt werden durch Ritterfiguren, auf deren Schildern Codes kleben. Per App eingescannt, können die Geschichten weitergespielt werden. Um weiterzukommen, müssen weitere Schilde eingescannt werden – und weitere Figuren gekauft werden.

Auf das Zusammenspiel von analog und digital bauen auch die Produkte von Lego Education. Die teilweise kostenfreien Unterrichtsmaterialien (unter Legoeducation hier erhältlich) , mit definierten Lernzielen nach Lehrplanvorgaben, erhältlich für alle Schulformen, legen ein Szenario mit Legosteinen und Figuren zugrunde, das nachgespielt und weiterentwickelt werden kann. Zusätzlich gibt es eine Software – nicht kostenfrei -mit der die Legogeschichten als Comic dargestellt und erzählt werden können.

Am Legostand gab es gratis Steine.

Lego hatte auch auf der Bildungsmesse Didacta 2016 einen großen Stand und verteilte gratis Steine. (Foto: Nin)

Geschichten im digitalen zu ihren analogen Produkten zu erzählen, hat Lego erfolgreich gemacht. Seit 1999 gibt es Lego-Sets zu den großen Filmproduktionen von Star-Wars über Harry Potter bis zu Batman. Eine Steigerung dieses Prinzips kam 2014 in die Kinos. Warner Brothers produzierte den Film „The Lego Movie“. Dabei profitierten die Dänen gar nicht sehr von den Einnahmen an den Kinokassen. Sie verdienten vielmehr an den Sets, die sie passend zum Film verkauften. Damit die Kinder die Geschichten zuhause nachspielen können.

Das Erfolgsrezept des Unternehmens beruht aber nicht nur auf Kindern. Nach Expertenschätzungen kaufen 15 Prozent der erwachsenen Kunden das Spielzeug für sich. Im Internet gibt es zahlreiche Foren, Fanseiten und Marktplätze für erwachsene Lego-Fans, die sich dort erst, dank internationaler Vernetzung, überhaupt finden konnten.

Fazit: Bildung ist ein Baustein in der Vertriebs-Strategie von Lego, um mehr Bauklötze zu verkaufen. Trotzdem sind die Unterrichtsideen der Materialien spannend und die Legosteine geeignet, um Lernziele umzusetzen. Der Preis der Lego-Sets der Education-Sparte ist allerdings heiß. Wer ein “StoryStarter-Paket“ für fünf Grundschüler kaufen will – Inhalt Software, Legosteine und Unterrichtsmaterialien – muss rund 220 Euro hinlegen. Nina Braun

 

4 Kommentare

  1. Spielen denn die Lego-Roboter keine so große Rolle??

  2. Insgesamt sind die Margen bei Bildungsprodukten (noch wesentlich) höher als bei regulären Modellen, gezählt als Preis pro Einzelteil.

  3. Ich war auch erst skeptisch was die ganzen Mindstorm Sachen angeht, aber mittlerweile bin ich echt begeistert davon. Gerade die Möglichkeit nicht die von Lego bereitgestellte Software, zur Entwicklung von Programmen für die konstruierten Roboter, zu nehmen finde ich genial. Mit brixc ist es sogar möglich in C zu programmieren, was gleiche mehrere Fliegen mit einer Klappe schlägt:
    – Es können ältere Schüler angesprochenen, denen das bunte Zusammenklicken schnell zu langweilig werden würde
    – mehr Möglichkeiten durch freies Programmieren
    – Beschäftigung mit einer Hochsprache

    Leider ist der Legokram sehr sehr teuer. Günstigere, aber leider auch aufwändiger Alternative wäre das Raspberry Pi. Der Vorteil ist hier, dass man das Teil auch für alle möglichen anderen Dinge einsetzen kann.

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