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Nach Vera-Test: Eisenmann will wieder mehr Rechtschreibung und Mathe üben lassen

STUTTGART. Kein „Vera-Schock“ im Südwesten und doch bemüht sich Baden-Württembergs Kultusministerin nach Kräften, eine Schulstrukturdebatte zu verhindern. Erstmals hatte sich Baden-Württemberg in diesem Jahr an der bundesweiten Vergleichsuntersuchung „Vera8“ beteiligt. Mängel gab es vor Allem in Rechtschreibung und Mathematik. Jetzt seien auch auch die Lehrer gefordert.

Schüler in Baden-Württemberg haben einem bundesweiten Leistungsvergleich zufolge noch Nachholbedarf bei Rechtschreibung und Mathematik. Der Test in den achten Klassen aller Schularten habe Handlungsbedarf gezeigt, teilte Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) mit. Der Südwesten schneide im Bundesvergleich zwar gut ab. Mängel gebe es jedoch bei Rechtschreibung und in Mathe.

Akzeptablen Ergebnisse im Lesen und in den Sprachen stehen nach Meinung von Kultusministerin Susanne Eisenmann Mängel in Rechtschreibung und Mathe gegenüber. Foto: Landeshauptstadt Stuttgart / flickr (CC BY-NC 2.0)

Akzeptablen Ergebnisse im Lesen und in den Sprachen stehen nach Meinung von Kultusministerin Susanne Eisenmann Mängel in Rechtschreibung und Mathe gegenüber. Foto: Landeshauptstadt Stuttgart / flickr (CC BY-NC 2.0)

Mehr gefördert werden müssten schwächere Schüler weiterführender Schulen der Klassen fünf bis acht. Dies gelte für alle Schularten. Die Qualität des Unterrichts solle verbessert werden, erklärte die Ministerin, ohne Einzelheiten zu nennen. Die Ergebnisse der Studie würden nun näher ausgewertet.

Baden-Württemberg hatte in diesem Jahr erstmals am bundesweiten Vergleichsprogramm «Vera 8» teilgenommen. Es war für alle weiterführenden Schulen im Südwesten verpflichtend. Schüler der achten Klasse hatten Tests geschrieben. Ermittelt werden sollte so den Angaben zufolge das Bildungsniveau an den Schulen.

«Wir haben akzeptable Ergebnisse im Lesen und in den Sprachen», bilanzierte Eisenmann. Beim Schreiben und in Mathematik müsse aber nachgesteuert werden. Vor Ort werde geschaut, wie Unterricht geändert und die Leistung der Schüler verbessert werden könne.

«Die Befunde bestärken mich darin, dass wir weniger über Schulstrukturen und mehr über die Qualität des Unterrichts sprechen müssen», sagte die Ministerin. «Auch zeigt die Bandbreite der Ergebnisse, dass wir einzelne Schularten nicht pauschal beurteilen können.» Mängel gebe es an Hauptschulen ebenso wie an Gemeinschaftsschulen oder Gymnasien. Gefordert seien auch die Lehrer. Sie sollten die Ergebnisse der Untersuchung analysieren und schauen, wie sie Schüler fördern und besseren Unterricht gestalten können.

Als ersten Schritt reagiere das Land bei den Grundschulen. Die Erhöhung der Stundenzahl für Deutsch und Mathematik im kommenden Schuljahr sorge dafür, dass Schüler von Anfang an richtig lernen und sich die Grundlagen aneignen. Zudem mache der neue Bildungsplan für Grundschulen von Herbst an wieder verbindlichere Vorgaben Rechtschreibung, kündigte Eisenmann an.

Rückendeckung bekam die CDU-Ministerin vom Koalitionspartner sowie von der eigenen Landtagsfraktion. «Wir wollen Schule und Unterricht besser machen», teilten die bildungspolitischen Sprecher der beiden Fraktionen, Sandra Boser (Grüne) und Karl-Wilhelm Röhm (CDU), in Stuttgart mit. Der deutschlandweite Leistungsvergleich gebe hierfür wichtige Hinweise. Dessen Ergebnisse sollten in Ruhe ausgewertet werden. Ein Rückfall in die inzwischen überwundene Schulstrukturdebatte wäre der falsche Weg. (dpa)

Vergleichsuntersuchung „Vera8“ (Landesbildungsserver Baden-Württemberg)

21 Kommentare

  1. Wo sie Recht hat, hat sie Recht.

    • Und was soll ihr Kommentar ganz konkret heißen? Außer der allgemeinen Aussage, „die Lehrer sollen es halt irgendwie besser machen“ ist das doch nur Blabla.

      • Mit „ihr“ meine Ministerin Eisenmann.

      • Mein Kommentar meint, dass ich bei meinen Fünftklässlern ebenfalls allzu große Mängel im Rechnen, im verstehenden Lesen und in der Rechtschreibung erlebe. Gleichzeitig höre ich in Diskussionen von Grundschullehrkräften mit und stelle fest, dass die Grundschule unter dem Druck steht, viele Themen zu behandeln, die noch vor Jahren in höheren Klassen behandelt wurden, z.B. Kombinatorik. Es erscheint mir vernünftig, den Schwerpunkt der Grundschule mehr auf Grundlagen wie Lesen, Schreiben und Rechnen zu legen.

        • Sie wissen, dass die selbsternannten Bildungsexperten einen Haufen Geld in Lobbyarbeit investiert haben, um gerade die Grundlagen Lesen, Schreiben, Rechnen durch Kompetenzen zu ersetzen. Die Schüler sind dann zwar nachweislich kompetent im kompetent sein, brauchen aber abgesehen davon nicht viel zu können. DIESES GELD MUSS ERST WIEDER EINGENOMMEN WERDEN !!!!!!!!!

          Erst danach kommen andere oder — entsprechende Meinungsflexibilität vorausgesetzt — dieselben Bildungsexperten, denen fachliche Fähigkeiten wieder so wichtig sind, dass sie viel Geld in Lobbyarbeit investieren, um gerade Kompetenzen durch die Grundlagen Lesen, Schreiben, Rechnen zu ersetzen. Zur allgemeinen Überraschung merken daraufhin erneut Bildungsexperten, dass der Erwerb der Grundlagen mit Arbeit verbunden ist, die sich mit dem Wattekäfig, in dem die Kinder durch helikopterbewährte Eltern gepackt werden, nicht vereinbaren lässt.

          (Irgendwie drehe ich mich in einem Kreis, der zwar den Kindern meist nicht nützt, über die Lehrer nicht nachdenkt, aber diversen Verlagen, Bildungsexperten, Lobbyisten usw. einen Haufen Geld einbringt.)

  2. wenn sie wirklich fördern wollen würde, dann alle Schüler, damit die durch vera aufgedeckten Schwächen wirksam abgebaut werden. so riecht das nach „bei den nächsten veras wollen wir nicht mehr so schlecht da stehen“.

  3. Da steht doch: „Als ersten Schritt reagiere das Land bei den Grundschulen. Die Erhöhung der Stundenzahl für Deutsch und Mathematik im kommenden Schuljahr sorge dafür, dass Schüler von Anfang an richtig lernen und sich die Grundlagen aneignen.“
    Gab es die gleiche Meldung nicht auch für ein anderes Bundesland?
    Heißt das, dass die Grundschüler MEHR Unterricht haben?
    Oder heißt es, dass andere Fächer gekürzt werden. Wenn ja, welche?

    Sowohl beim Rechtschreiben, als auch bei den Grundrechenarten:
    Es gibt SuS, denen fällt es zu. Die können sich anschließend gerne mit Kombinatorik u.a. beschäftigen. Sie können unterschiedliche Rechenwege wählen, abwägen, diskutieren, an Wettbewerben teilnehmen etc. Sie können Leseprojekte oder Referate durchführen, sich mit schwierigeren Grammatikstrukturen beschäftigen oder ihr Ausdrucks- oder Argumentationsvermögen erweitern.
    Andere brauchen Übung, Übung, Übung .. und dafür bräuchte es Förderstunden, Kleingruppen-Betreuung, Zeit und Räume. Denn häufig muss man diesen SuS sehr kleinschrittig immer wieder die Grundlagen vor Augen führen und noch und noch trainieren – mit enger Begleitung, damit sie nicht laufend ihre Fehler üben – und mit Zeit, die Aufgaben zu automatisieren, was zu Hause nicht mehr erfolgt.
    Die Rechnung, dass mehr Inhalte in weniger Zeit bei jüngeren und unvorbereiteten Kindern nachhaltig vermittelt werden könnte, geht eben nicht auf.
    Wenn ich dann lese, die Lehrer seien gefordert, denke ich: klar, jetzt sind es wieder die Lehrer, die es verbockt haben sollen. Sie sollen sich jetzt überlegen, wie sie die SuS besser fördern können und besseren Unterricht machen. Falsch!
    LehrerInnen machen guten Unterricht. Sie fördern ihre SuS im Rahmen der Möglichkeiten, die ihnen gegeben werden. Sie kümmern sich tagtäglich um diese SuS … und nicht nur, wenn die VERA-Tests nicht den Erwartungen der PolitikerInnen entsprechen.
    Wenn Lehrkräfte auf Missstände verweisen, auf Überlastung, auf Ungleichgewicht, auf dringend notwendige Unterstützung, will sie keiner hören… Aber die Lehrer sind es dann doch wieder, denen es in die Schuhe geschoben wird, auch wenn sie sich die Kompetenzen , die laufenden anderen Umstellungen, die mannigfaltigen Konzeptschreibereien, die Evaluationen oder andere weitere Aufgaben erdacht oder erwünscht haben und auch mit Migration und Inklusion eher allein gelassen als unterstützt werden.
    Auch zu den Inhalten und stetig steigenden Aufgaben in der Schule (von A wie Abfallkonzept, über B wie Bewegung zu D wie Digitale Bildung, E wie Ernährung und S wie Soziales Lernen über alles andere bis hin K wie Kompetenzen und Z wie Zahnprophylaxe) haben Lehrer deutliche Worte gefunden. Die Rechnung, dass mehr Inhalte in weniger Zeit bei jüngeren und unvorbereiteteren Kindern nachhaltig vermittelt werden könnte, geht eben nicht auf.
    Wenn man die Forderungen der Lehrkräfte nicht endlich ernst nimmt, kann man noch so viele Lehrplanänderungen, Schulstrukturreformen etc. durchführen… es wird nicht besser, weil die Lernzeit und die Intensität immer weniger wird.
    Das hat viel weniger mit irgendwelchen Konzepten zu tun, als damit, dass Lehrkräfte in jeder Stunde in einer immer heterogener werdenden Schülerschaft samt Migration und Inklusion, Lernschwierigkeiten, Erziehungsschwierigkeiten etc. so vielfach gefordert sind, dass sie das, was sie gerne umsetzen würden, gar nicht schaffen können.

  4. Ich finde das gut und richtig.

    Aber gehört dazu nicht auch die Rückkehr zu früheren Rechtschreiblernmethoden bzw. die Abkehr von den neuen Methoden? Man tut ja so, als beherrschten die Kinder die Rechtschreibung nicht mehr, weil Rechtschreibung nicht mehr vermittelt wird. Doch, wird sie noch – das Wie ist die Frage. Sicherlich gehört dazu auch, wobei ich selbst damit keine Erfahrung habe, das „Schreiben nach Gehör“, wie es am Anfang erlaubt soll.

    Gehören auch all die Spielereien mit der Rechtschreibung dazu, die heutzutage im Deutschunterricht populär sind? Das macht viel Spaß, bringt aber wenig? Ich frage das nur!

    • Die rechtschreiblernmethoden haben sich ja nicht grundlegend geändert.

      Für deutsch an der GS gild daselbe wie für Femdsprachen an weiterführenden Schulen, die SuS sollen vielfältige Sprech- und Schreibanlässe erhalten.

      Der Paradigmenwechsel der erfolgte ist, nicht erst jahrelang Grammatik und Orthographie einüben, um dann ganz am Ende der Schullaufbahn längere, zusammenhängende Texte zu erstellen, sondern direkt Texte verfassen zu lassen.

    • @sofawolf
      Welche Spielereien mit der Rechtschreibung meinen Sie?
      Wir benutzen ein systematisch aufgebautes Rechtschreibarbeitsheft (ist hier in By ganz populär), das mit dem Grundwortschatz und Rechtschreibstrategien arbeitet, da finde ich nicht viele Spielereien, die nichts bringen sollen.

    • Was Sie verlangen, ist nicht mehr Bildungsplankonform. Da bekäme heute jede/r in der Schule Probleme.

      • Ich meinte sofawolf.

      • @mississippi: Bildungspläne ändern sich alle 10 Jahre oder so. Von daher hoffe ich, dass das Fachwissen irgendwann die so genannten Kompetenzen wieder zurückdrängen wird. Das Level von meiner Schulzeit oder gar das meiner Eltern bzw. Großeltern wird ohne massives Umdenken in der Gesellschaft wohl nie wieder erreicht werden. Damit meine ich insbesondere eine Rückerhöhung der Aufmerksamkeitsspanne auf die gesamte Unterrichtszeit mit hoher Frustrationstoleranz aber dafür ohne Narzissmus.

  5. @sofawolf: Zum 100.mal: „Schreiben nach Gehör“ ist keine Methode, um Kindern Lesen und Schreiben beizubringen. Was Sie meinen, ist „Lesen durch Schreiben. „Hier lernen die Kinder – vereinfacht ausgedrückt Lesen (nicht Rechtschreibung), indem sie anhand einer Anlauttabelle lauttreue Wörter aufschreiben.
    Sie meinen etwas völlig anderes.

    • Ursula Prasuhn

      Nein, Mississippi, sofawolf liegt ganz richtig. Ihre Kritik „zum 100.mal“ ist fehl am Platz.
      Die Anlauttabelle dient nicht dem Schreiben lauttreuer Wörter, von denen es im Übrigen so verschwindend wenige gibt, dass es schwer ist, einen längeren Satz aus ihnen zu bilden.
      Vielleicht versuchen Sie’s mal.
      Die Tabelle dient dem Erlernen der Buchstaben (Laute) – und das noch nicht einmal in ihren Klangvariationen. Außerdem dient sie dem Schreiben nach Gehör, indem sich die Kinder mit ihrer Hilfe die Buchstaben zusammensuchen, die sie bei einem Wort wahrzunehmen glauben, und dann der Reihe nach aufschreiben.
      Wie sollen sie denn sonst schon so früh Geschichten schreiben „können“? Dies ist doch das ständig gelobte Markenzeichen von „Lesen durch Schreiben“ oder „Schreiben nach Gehör“.
      So entstehen dann Sätze wie: „Balt ham wia ferjen. Dan feat unsre Familje weck anz mer. Wia froien unz ale sea…“

      • „Schreiben nach Gehör“ ist inzwischen der Terminus für Dikate.
        Das hat mit Anlauttabellen und Anfangsunterricht aber gar nicht zu tun.
        Darauf hat mississippi hingewiesen.

        • So einfach ist die Sache nicht. „Schreib wie du hörst!“ hat meine Tochter noch vor 3 Jahren im Erstlese- und Schreibunterricht beigebracht bekommen und die Eltern sollten um Himmels Willen nicht korrigieren, weil das die Schreibfreude und den Ideenreichtum beim Schreiben von Geschichten eingeschränkt hätte.
          Da scheint ein Terminus umgedeutet worden zu sein, um vielleicht von den Sünden von „Lesen durch Schreiben“ ablzulenken, obwohl „Schreiben nach Gehör“ genau dort beheimatet ist und die Methode bestens kennzeichnet.
          Warum sonst musste „Schreiben nach Diktat“ oder nur „Diktat“ umetikettiert werden? War dieser überaus bekannte und allseits vertraute Begriff plötzlich unverständlich?

          • Ja, ich habe es noch mal nachgelesen. Es steht „Schreiben nach Ansage“ nicht „nach Gehör“. Dabei geht es um lautgetreue Wörter und Wörter des Alltagswortschatzes. (CuVo Nds. von 2006) Die von xxx angesprochenen 10 Jahre sind also um… und Nds. hat vor einigen Monaten neue Hinweise zum Orthographie-Unterricht herausgegeben, der Erlass ist gleich geblieben.

      • @U. Prasuhn
        Ich habe mir den Spaß erlaubt und eine Viertelstunde lang nach einem Satz aus lautgetreuen Wörtern gesucht. Dabei habe ich gemerkt, wie „verschwindend wenige“ solcher Wörter es tatsächlich gibt. Allein bei den Verben bin ich nur auf „malt“ und „rast“ gekommen. Mit „malt“ konnte ich zwar einige Sätze bilden, aber nur kurze durch lautgetreue Namen wie Oma, Opa, Lisa oder Ina. Z.B. „Oma malt den Opa.“
        Einen längeren Satz zu finden habe ich dann gar nicht mehr versucht.
        Können Sie einen bilden?

        • Es ist meisterhaft, eine lange Notiz zu finden, deren Teile mit „lautlich rein“ bezeichnet werden dürfen.
          Eine Frage der Übung!

          • Stimmt! Zeigt aber auch, wie irreführend eine Methode ist, die auf „schreib wie du sprichst!“ oder „schreib wie du hörst!“ setzt.

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