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Für bessere Arbeitsbedingungen: Protestaktionen könnten in Brandenburg den Schulbetrieb zum Erliegen bringen

POTSDAM. Dass Streiks einen gesamten Betrieb lahmlegen, oft mit teuren Folgen für die betroffenen Unternehmen, ist in vielen Branchen wesentlicher Bestandteil des Arbeitskampfs. An Schulen kommt dieser Aspekt meist weniger zum Tragen. Am kommenden Mittwoch könnte es in Brandenburg so weit sein. Die GEW rechnet damit, dass wegen Personalversammlungen an fast allen Schulen im Land der Unterricht zur dritten Stunde endet.

Rund 5000 bis 6000 Beschäftigte des Landes wollen am kommenden Mittwoch (9. November) nach Angaben von Gewerkschaften für bessere Arbeitsbedingungen auf die Straße gehen. Weil am selben Tag auch Personalversammlungen in den Schulen geplant sind, dürften nach Einschätzung der Gewerkschaft GEW nahezu alle Schulen im Land bereits nach der dritten Stunde Schluss machen. Die GEW erwartet, dass an den Grundschulen eine Betreuung eingerichtet wird. Ältere Schüler dürfen sich voraussichtlich über Extra-Freizeit freuen.

Bleiben kommendne Mittwoch die Klassenzimmer in Brandenburg leer? Foto: dierk schaefer / flickr (CC BY 2.0)

Bleiben kommendne Mittwoch die Klassenzimmer in Brandenburg leer? Foto:
dierk schaefer / flickr (CC BY 2.0)

Die Demonstration soll durch die Potsdamer Innenstadt bis zum Landtagsgebäude führen. Nach den Personalversammlungen an den Schulen am Vormittag sollen 60 Busse Teilnehmer in die Landeshauptstadt bringen. Hintergrund sind jahrelange, erfolglose Verhandlungen von GEW, GdP und IG Bau mit der Landesregierung über die Attraktivität der Jobs. «Es ist ein deutliches Warnsignal an die Landesregierung», sagte GEW-Landeschef Günther Fuchs am Freitag. «Man wird uns nicht mit Peanuts abspeisen können.» Das Land müsse mehr Geld für den öffentlichen Dienst ausgeben.

Fuchs verwies darauf, dass es 500 bis 800 langzeiterkrankte Lehrer im Land gebe. Angesichts der Einkommensstruktur sei das Land beim Angebot für Lehrer nicht mehr konkurrenzfähig. «Es wird immer schwieriger, Menschen nach Brandenburg zu bekommen.» Es gebe zu wenige Beschäftigte. «Wir haben zehn Jahre zu wenig eingestellt.» Die jüngst beschlossenen Einstellungen reichten aber nicht aus, um Ausfälle und das Ausscheiden von älteren Lehrern zu kompensieren. Jüngere Lehrerinnen planten zudem Erziehungszeiten und stünden damit für die Schulen nicht zur Verfügung.

Die Gewerkschaft der Polizei berichtete von täglich 700 Kranken im Schnitt. «Die Motivation und Stimmung in der Polizei ist so schlecht, wie sie noch nie war», sagte GdP-Landeschef Andreas Schuster. Er rechne damit, dass 1500 bis 2000 Polizisten an der Demonstration teilnehmen. Akute Probleme für die Sicherheit werde es dadurch aber nicht geben. «Der Dienst wird voll gewährleistet», sagte Schuster.

Die Gewerkschaften fordern von der Landesregierung unter anderem die verstärkte Gewinnung junger Mitarbeiter, attraktivere Bedingungen im Job und schnellere Beförderungen. Ältere Beschäftigte sollen zudem entlastet werden. Die Gewerkschaft Verdi, die nicht zu dem Protest aufruft, hatte im Gegensatz zu GEW, GdP und IG Bau bereits eine Vereinbarung mit der Landesregierung geschlossen. GdP-Chef Schuster bemängelte den getrennten Weg der Gewerkschaften. Dies sei ein Problem der Funktionäre, nicht der Mitglieder. «Wir müssen uns an einen Tisch setzen», sagte Schuster. (Rochus Görgen, dpa)

• zum Bericht: Protestaktionen für bessere Arbeitsbedingungen in Brandenburg starten im November

6 Kommentare

  1. Soll das erste Wort im Text vielleicht “dass” heißen?

  2. Das muss hier nun aber auch noch mal hin:

    Gehaltserhöhungen (klar will ich gut verdienen, aber das tue ich bereits) bringen KEINERLEI Entlastungen im Lehreralltag. Wir Lehrer (mein „wir“ bezieht sich auf die Ergebnisse einer hier veröffentlichten GEW-Umfrage jüngst) wollen kein „Schweigegeld“, um belastende Arbeitsbedingungen weiterhin still zu ertragen, wir wollen / brauchen wirkliche Entlastungen !

    – Reduzierung der Unterrichtsverpflichtung um 2 U-Stunden
    – Reduzierung der Klassegröße auf eine Richtzahl von 18 Schülern
    – Reduzierung der Bürokratie, Dokumentationspflichten. Protokollierungen

    DAS brächte uns wirklich Entlastung und DAS kostet natürlich auch, denn dafür werden ganz klar mehr Lehrer gebraucht. Gehaltserhöhungen fressen dieses Geld auf und für wirkliche Entlastung bleibt nichts mehr übrig.

    • Wenn Sie Ihre Forderungen ohne Entlastung als Gehaltserhöhung umrechnen, käme das wohl einer Gehaltsverdopplung gleich (1/3 weniger Schüler pro Klasse = +50% Gehalt, 2 U-Stunden weniger = +10% Gehalt, weniger Bürokratie = Einstellung weiterer Sekretärinnen = +20% Gehalt)
      Wir sind uns einig, dass eine derartige Erhöhung bzw. eine derartige Anzahl Neueinstellungen niemals passieren wird.

      • Ist doch bald Weihnachten.
        Ich wünsche mir noch eine Inklusionsbegleitung für jede Klasse, die auch in den Pausen die Aufsichten übernimmt.

  3. @ xxx,

    mir ist vollkommen klar, dass das Geld kostet. Die Rechnung selbst kann ich so nicht nachvollziehen. Mein Punkt ist ein anderer. Gewerkschaften und Berufsverbände sollten ihre Arbeit auf diese und andere Entlastungen konzentrieren. Sachsen hat es vorgemacht. Immerhin wurde dort das Stundensoll für die Grundschullehrer kürzlich um 1 Stunde reduziert.

  4. Zum Stichwort “Arbeitsbedingungen” habe ich hier mal was Interessantes gefunden.

    “Rund 25 Schüler sind in einer Klasse. “Im Referendariat wird einem erklärt, wie man schwierige Gedichte mit Schülern analysiert, aber nicht: Wie gehe ich mit gewalttätigen, drogenabhängigen Schülern um? Ich hab es mit der Zeit selbst herausgefunden.” Viele ihrer Kollegen waren dem Stress nicht gewachsen und haben nach zwei oder drei Monaten hingeschmissen. Laut eines Gutachtens des Aktionsrates Bildung leiden 30 Prozent der Lehrer und Erzieher in Deutschland an Burn-out und Erschöpfung. Und auch die Anzahl, der Tage, an denen sie fehlen, hat sich seit dem Jahr 2000 fast verdoppelt.”

    http://www.vice.com/de/read/10-fragen-an-eine-lehrerin-die-du-dich-niemals-trauen-wuerdest-zu-stellen

    Ich will kein “Schweigegeld”, um das (weiterhin) zu ertragen!

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