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“Auf verfassungsfeindlichem Boden”: Geschichtslehrer-Verband distanziert sich von Höckes Kritik am Holocaust-Gedenken in Schulen

BERLIN. Der Verband der Geschichtslehrer Deutschlands (VGD) hat sich von den Äußerungen des AfD-Politikers und Kollegen Björn Höcke zum Holocaust-Gedenken distanziert. «Das sind absurde Unterstellungen eines Außenseiters, der damit seinen politischen Extremismus begründen möchte», sagte der VGD-Vorsitzende Ulrich Bongertmann. «Damit zieht man natürlich bestimmte Leute an, aber das hat mit dem Unterricht in Deutschland wenig zu tun.» Ob Höcke, als Geschichtslehrer derzeit freigestellt, deshalb aber den Schuldienst quittieren muss, ist eher unwahrscheinlich.

Biedermann und Einpeitscher: Der AfD-Funktionär und Geschichtsleherer Björn Höcke. Foto: Metropolitico.org / flickr (CC BY-SA 2.0)

Biedermann und Einpeitscher: Der AfD-Funktionär und Geschichtsleherer Björn Höcke. Foto: Metropolitico.org / flickr (CC BY-SA 2.0)

Höcke ist als Studienrat für Geschichte und Sport hessischer Landesbeamter und derzeit für sein Mandat als Landtagsabgeordneter in Thüringen beurlaubt. Der Thüringer AfD-Vorsitzende hatte am Dienstag in einer Rede unter anderem gesagt, dass die deutsche Geschichte im Schulunterricht «mies und lächerlich» gemacht werde. Für politische Empörung sorgt vor allem Höckes Kritik am Holocaust-Gedenken und der Vergangenheits-Aufarbeitung der Deutschen. Bongertmann hielt es für fraglich, ob Höcke noch einmal als Geschichtslehrer arbeiten könne. «Er bewegt sich da ja auf verfassungsfeindlichem Boden und dann wird man ja möglicherweise suspendiert.»

Das ist allerdings fraglich. Der Vorsitzende des Deutschen Philologenverbandes, Hans-Peter Meidinger, hatte bereits vor einem Jahr  Zweifel an dem Vorhaben des hessischen Kultusministers Alexander Lorz (CDU) geäußert, dem hochgradig umstrittenen thüringischen AfD-Partei- und Fraktionsvorsitzenden Björn Höcke eine etwaige Rückkehr an eine Schule des Landes zu verbauen.

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„Ich habe nicht die geringste Sympathie für die Ansichten von Herrn Höcke; daran gibt es überhaupt keinen Zweifel“, sagte Meidinger der in Halle erscheinenden „Mitteldeutschen Zeitung“. „Ich bin allerdings auch der Auffassung, dass man hier einen rechtsstaatlich sauberen Weg gehen muss. Denn man muss zwei Dinge sehen: Die AfD ist noch keine verbotene verfassungsfeindliche Partei. Außerdem unterliegt Herr Höcke als Parlamentarier nicht dem Mäßigungsgebot, dem ein Beamter im Dienst unterliegt.“ Der Verbandsvorsitzende fügte hinzu, er würde es im Prinzip begrüßen, „wenn es eine Möglichkeit gäbe, dass Herr Höcke nicht mehr unterrichtet. Ich bin aber sehr skeptisch, ob das, was dazu vorliegt, juristisch ausreicht.“ Tatsächlich waren unlängst Ermittlungen gegen Höcke wegen Volksverhetzung eingestellt worden. Gegen ihn war Anzeige erstattet worden, weil er von Afrikanern als “lebensbejahendem afrikanischen Ausbreitungstyp” gesprochen hatte.

Für eine Entlassung aus dem Staatsdienst seien die Hürden hoch, so Meidinger. Und ansonsten gäbe es bloß noch die Möglichkeit, den Lehrer in einem unterrichtsfernen Bereich zu beschäftigen. Selbst da gäbe es größere Hindernisse. Meidinger betonte: „Man muss nicht nur eine populistische Forderung aufstellen, sondern auch den juristisch sauberen Weg dazu sehen.“ Im Übrigen habe er nicht zuletzt deshalb „irgendwie Bauchschmerzen“, weil es – sollte sich eine derartige Praxis etablieren – „dann auch mal ganz andere treffen kann“. Agentur für Bildungsjournalismus / mit Material der dpa

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8 Kommentare

  1. Bernhard Färber

    Wenn man sich die heute im “Mannheimer Morgen” stehenden Äußerungen des DPhV-Vorsitzenden anschaut, schwinden nach dess neuerlichen Äußerungen offensichtlich seine Zweifel, ob man Herrn Höcke die Rückkehr in den Schuldienst verbauen kann:

    “Heinz-Peter Meidinger, selbst Geschichtslehrer und Bundesvorsitzender des Philologenverbandes, würde diesen Satz wohl sofort unterschreiben. Er ist entsetzt, was er da vom Thüringer AfD-Chef gehört hat. “Ich persönlich würde es mir wünschen, dass Herr Höcke nie wieder in den Schuldienst zurückkehrt”, sagt er. “Es ist völlig abwegig, das Mahnmal in Berlin als Schandfleck zu bezeichnen.” Höcke habe ganz klar eine rote Linie überschritten. Auch mit der Kritik des AfD-Politikers, Lehrpläne machten “die deutsche Geschichte mies und lächerlich”, kann er nichts anfangen.”

    • Es ist richtig, dass selbst für “Pädagogen” wie Bernd Höcke rechtsstaatliche Maßstäbe angewendet werden, denn sonst hat man schnell türkische Verhältnisse, wo jeder unliebsame Lehrer gefeuert wird.
      Die Frage ist nur, ob er rein praktisch wieder im Unterricht einsetzbar ist. Die Eltern, Schüler und damit auch die Schulleitung einer potentiellen Schule dürften Radau machen.

  2. Auch wenn mir Herr Höcke in seinem Auftreten nicht sonderlich sympathisch ist, wundere ich mich doch über die vielfältige Deutung (Missdeutung?) seiner Worte. Er sprach wörtlich von einem “Mahnmal der Schande” und nicht von einem Mahnmal als Schandfleck, wie Heinz-Peter Meidinger voller Selbstverständlichkeit sagt. Höcke kritisiert, dass dieses Mahnmal deutscher Schande (während der NS-Zeit) im Herzen unserer Hauptstadt errichtet wurde und begründet, warum er das so sieht.
    Man muss seine Ansicht nicht teilen, doch wer sich eine eigene Meinung bilden will, statt andere (je nach Lagerdenken) eifrig nachzuplappern, der kann Höckes Rede hier noch einmal verfolgen:
    https://www.youtube.com/watch?v=aTcRfnqgzaY

    • Außer sich wiederholenden Phrasen , Anklagen gegen die etablierten Parteien und der Bedienung von Vorurteilen ,hat diese völkische Rede inhaltlich nichts zu bieten. Das kann man sich ersparen.
      Rhetorisch hat dieser “Volkstribun ” nicht viel zu bieten, und das ist auch gut so.
      Wir werden ihn weiter beobachten.

      • Warum die Rede ersparen? Weil Sie das empfehlen?
        Ich finde es gut, wenn sich jeder ein eigenes Bild machen kann und nicht auf vorgefertigte Meinungen angewiesen ist.

    • Das ist genau die schleimig-miese Nummer, die die AfD immer fährt – erst wird provoziert auf Teufel komm raus, dann will man komplett falsch verstanden worden sein. Boateng? Kenne ich gar nicht.

      Weder aus dem Kontext der Höcke-Rede noch semantisch geht aus dem Begriff “Denkmal der Schande” hervor, dass der Herr Studienrat damit ein Denkmal für die deutsche Schande gemeint haben könnte. Er hat ganz klar davon gesprochen, dass die deutsche Geschichte in Deutschland “mies und lächerlich” gemacht werde – und als Beispiel das Holocaust-Mahnmal angeführt. Dass er den millionenfachen Judenmord für eine Schande hält, taucht in der Rede nicht ein einziges Mal auf. Nationalistische Parolen dafür zuhauf.

      Höcke hat nun endgültig die Maske fallenlassen – und dahinter kommt die hässliche Fratze des Rechtsradikalismus zum Vorschein. Wer die AfD noch für wählbar hält, kann spätestens jetzt nicht mehr für sich in Anspruch nehmen, davon nichts gewusst zu haben.

  3. Zu Zeiten des Radikalenerlasses wurde deutlich schneller gehandelt. Seinerzeit war man nicht so zimperlich mit dem Erteilen von Berufsverboten

    • Na dann mal los mit schnellerem Handeln! Wenn ich die Radikalinskis sowohl auf der einen als auch der anderen Seite des politischen Spektrums zusammenschätze, ist unsere Justiz vermutlich mehr als genug mit Berufsverboten beschäftigt.

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