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Flüchtlingskinder sofort in Regelklassen aufnehmen? Erfahrungsbericht eines Grundschullehrers: Es geht!

DÜSSELDORF. Ist die sofortige Integration von Flüchtlingskindern in Regelklassen besser als die verbreitete Einrichtung von sogenannten „Willkommensklassen“? News4teachers hat gestern über eine Studie berichtet, die Berliner Grundschulen untersucht hat und die die Sondergruppen als organisatorisch problematisch und pädagogisch wenig zielführend beschreibt. Lehrerverbände sind allerdings anderer Meinung. „Es ist gut, dass diese Kinder zunächst unter sich sind. In den Regelklassen würden viele von ihnen erst mal nur dasitzen und nichts verstehen“, sagt beispielsweise die nordrhein-westfälische GEW-Chefin Dorothea Schäfer. Jetzt hat sich ein junger Grundschullehrer, Oliver Keßels aus Siegen, zu Wort gemeldet. Er hat Erfahrung mit Flüchtlingskindern, die sofort in den Regelunterricht aufgenommen wurden. Sein Fazit: Es geht – besser, als viele meinen.

Syrisches Flüchtlingskind in der Schule. Foto: UK Department for International Development (CC BY 2.0)

Syrisches Flüchtlingskind in der Schule. Foto: UK Department for International Development (CC BY 2.0)

Hier sein Erfahrungsbericht:

„Seit Dezember 2015 arbeite ich als Vertretungslehrer an einer Grundschule in NRW. Schnell erkannte ich die Problematik, die von Kindern mit sehr geringen Deutschkenntnissen ausging. Eine Materialflut sollte auf ein alltägliches Leben in Deutschland vorbereiten – ohne Konzept, dafür aber mit einer Menge Aktionismus. Frei nach dem Motto „viel hilft viel“ wurden unzählige Kopien erstellt und an die Quereinsteiger verteilt. Einen Vorwurf konnte man aber keinem machen. Für eine Willkommensklasse gab es keine Räumlichkeiten,  und die Klassenleitungen waren erstmal auf sich alleine gestellt. Ohne Vorwarnung standen am nächsten Tag wieder zwei neue Kinder an der Türschwelle, sichtlich eingeschüchtert und verwirrt. „Hallo“ sagen, das konnten beide bereits. Als sie dann aber mehr über sich erzählen sollten, war das Gespräch auch wieder schnell beendet.

Bestürzende Studie: „Willkommensklassen“ für Flüchtlingskinder machen eine Menge Probleme – Lehrkräfte müssen sich durchwursteln

Mit einer freundlichen Geste wurden die zwei ihren neuen Sitzplätzen zugewiesen und spielten fortan im Regelunterricht keine Rolle mehr. War ein Arbeitsblatt beendet, wurde ihnen ein neues vor die Nase gelegt. In großer Dankbarkeit nahmen die Kinder die Blätter an und zeigten viel Enthusiasmus. Dass ihnen eigentlich langweilig war, wollten sie nicht zugeben, oder sie konnten es aufgrund ihrer geringen Sprachkenntnisse einfach nicht – das sei mal dahingestellt.

In Zeiten der Inklusion ist es eine schier unmögliche Aufgabe, alle Schülerinnen und Schüler im Blick zu behalten. Gekoppelt mit der „Flüchtlingskrise“ entstand ein Lehreralltag, der von Hektik und Stress gezeichnet ist. An dieser Stelle möchte ich die tolle Arbeit meines Kollegiums betonen. Es wurde nicht gejammert, sondern zum Wohle aller Kinder noch mehr geleistet (Eigentlich arbeiten LehrerInnen ja nicht –  aha!). Da ich keine Klassenleitung hatte, konnte ich meine Zeit nutzen, die Situation im Sinne aller Beteiligten zu verbessern. Also setzte ich mich an den Schreibtisch und überlegte…

Heute, ein gutes Jahr später, ist einiges anders. Die Schulleitung hat mit mir gemeinsam viel Zeit und Arbeit investiert, um ein Konzept zu entwickeln, welches den Schulalltag verändern konnte. Mir ist klar, dass unsere Überlegungen nicht überall erfolgreich übernommen werden können, aber vielleicht hilft es anderen, die Hoffnung nicht zu verlieren und meine Gedanken weiterzuentwickeln. Deswegen möchte ich dieses Konzept in den nächsten Zeilen vorstellen.

Der größte Aufwand: Material zu finden

Die Materialfindung nahm die meiste Zeit in Anspruch. Natürlich erkannten alle gängigen Schulbuchverlage schnell das Bedürfnis nach DaF-Material, weswegen ich mich vorerst in einem Dschungel aus Büchern, Arbeitsheften und Ordnern wiederfand. Es fehlte eine Struktur. Ich beschloss, die Inhalte nach Themenfelder zu sortieren und suchte bald nach Material zum Thema „Essen und Einkaufen“ oder zum Thema „Schule“.

Daraufhin bekam jede Klasse eine grüne Kiste mit neuen und bekannten Werkzeugen. Darin enthalten, waren ein Ordner mit Arbeitsblättern (auf den ich gleich nochmal eingehen werde), ein sogenannter „Ting!-Stift“ vom Finken-Verlag mit dem dazugehörigen Buch sowie Bildkarten und Arbeitshefte. Die nächste Aufgabe bestand darin, das Material sinnvoll im Alltag einzusetzen. Schülerinnen und Schüler mit geringen beziehungsweise keinen Sprachkenntnissen in Deutsch werden zweimal pro Woche in einer Kleingruppe unterrichtet. Die Gruppen können entweder nach dem Alter oder nach den Deutschkenntnissen eingeteilt werden – soweit die Kapazitäten dies zulassen. Eine Unterrichtseinheit am Anfang der Woche soll die Kinder auf das Material vorbereiten. Das Vokabular soll möglichst anschaulich und spielerisch beigebracht werden. Ein Arbeitsplan greift die Inhalte dann auf, um ein selbstständiges Arbeiten in den Regelklassen zu ermöglichen. Für eine willkommene Abwechslung sorgen der „Ting!-Stift“ sowie die Bildkarten. Hin und wieder sind auch Partnerarbeit auf dem Flur möglich, sehr zur Freude der Kinder.

Regelklassen die bessere Variante

An dieser Stelle möchte ich meine Meinung zu den Willkommensklassen  aufführen. Ich bin davon überzeugt, dass die Unterbringung in den Regelklassen die bessere Variante ist. Zunächst muss mit gleichaltrigen in der Regel Deutsch gesprochen werden. Kindern fällt es bekanntlich auch leichter, Sprachbarrieren untereinander zu überbrücken. Solange ein vernünftiges Konzept vorliegt, können fremdsprachige Kinder dann still und heimlich sinnvoll gefördert werden. Im Mathe- und Sachunterricht kann beispielsweise hin und wieder mitgearbeitet werden, zumindest im Kopf. Man sollte jedoch nicht vergessen, die anderen Kinder auf die Situation vorzubereiten und zu sensibilisieren. Erfahrungsgemäß geschieht dies aber meistens ganz automatisch.

Am Ende der Woche kann die Unterrichtseinheit in den Kleingruppen dazu genutzt werden,  aufgetretene Probleme gemeinsam zu lösen, Erlerntes zu wiederholen und den Arbeitsplan zu reflektieren. Sollte ein Arbeitsplan vorzeitig fertiggestellt werden, kann der Ordner mit Kopien aus der grünen Kiste eingesetzt werden. Sobald die Kinder einen ausreichenden Wortschatz entwickelt haben, kann zum Beispiel mit den Rechtschreibheften von Jahndorf an der Grammatik gearbeitet werden.

Um die KlassenlehrerInnen zu entlasten, muss sich eine Lehrkraft auf die Quereinsteiger und das Material besonders konzentrieren. Das ist zwar nicht immer möglich, aber immerhin eine Möglichkeit. Auch an unserer Schule sind die Ressourcen sehr knapp gehalten, aber noch macht mir die Herausforderung sehr viel Spaß.

Das Konzept selber steht noch am Anfang und es musste bereits viel Aufwand betrieben werden. Trotzdem hat es sich jetzt schon gelohnt. Natürlich sind noch nicht alle Probleme gelöst, aber die Herausforderung ist gerade das Schöne. Ich hatte die Möglichkeit, zur Qualität des Unterrichts beizutragen und bin über die Ergebnisse sehr stolz. Zurzeit überlege ich, wie man die Eltern besser einbinden könnte, weil auch dort die Sprachbarriere zu großen Problemen trotz Dolmetscher führen kann. Vielleicht kann man in Zukunft vereinzelt Eltern gemeinsam mit ihren Kindern in Kleingruppen unterrichten. Wie das Ganze genau aussieht weiß ich auch noch nicht, aber ich bleibe dran…“

Haben auch Sie Erfahrungen im Umgang mit Flüchtlingskindern und möchten diese gerne mit Kollegen teilen? Schreiben Sie uns: andrej.priboschek@bildungsjournalist.de

Morgen bringen wir einen Bericht über die Arbeit in einer „Willkommensklasse“.

KMK tagt in Bremen zum Thema Flüchtlingskinder: Lehrkräfte sind knapp – Geld auch

 

28 Kommentare

  1. Will er vielleicht Rektor werden?

    • Er möchte erst einmal vom Vertretungslehrer (mit befristetem Vertrag) zum Lehrer (mit unbefristetem Vertrag) befördert werden. Dazu stellt er sich mit der Schulleitung gut, in der Hoffnung, dass er bei der nächsten Stellenausschreibung — so sie denn kommt — eine realistische Übernahmechance hat.

      Ansonsten funktioniert die Regelklasse umso besser, je geringer der Bildungs- und Altersunterschied zu den einheimischen Mitschülern ist, also sechs- bis siebenjährige Analphabeten (Flüchtlinge) in eine erste Klasse mit lauter sechs- bis siebenjährigen Analphabeten (Einheimische). Die erfolgreiche Eingliederung eines 15-jährigen Analphabeten in eine neunte Klasse halte sich für sehr schwierig, die Beteiligung am Mathematikunterricht sowieso (Stichworte Lineare Gleichungssysteme oder quadratische Gleichungen).

      • Sie kennen mich überhaupt nicht, aber suchen das Haar in der Suppe. Viele Grüße!

        • Sehr selten äußert sich ein Autor hier persönlich, daher von mir ein (ehrlich gemeintes) Herzlich Willkommen. Ich habe in meinem Kommentar aus der Faktenlage (befristeter Vertrag) nur das naheliegendste geschlossen (Entfristung), wenn man nicht so wie die allermeisten Menschen so viel Kapital in der Hinterhand hat, dass man von den Zinsen leben kann. Das kann man Haar in der Suppe nennen, aber immerhin die Chance auf einen gesicherten Teller Suppe, auch wenn die Flüchtlingsangelegenheiten früher oder später vollständig abgearbeitet sind. Ich hoffe trotzdem, dass es noch viele weitere so engagierte Kollegen wie Sie gibt. Mit Dienst nach Anweisung durch die Schulleitung wie bei PeterPan314 um 21:11 Uhr ist das alles nicht zu schaffen.

  2. Warum kommen beim Thema Flüchtlingskinder – genau wie beim Thema „Inklusion“ – eigentlich immer nur Beispiele aus der Grundschule? Ich würde gerne mal Berichte über weiterführende Schulen (8. oder 9. Klasse) oder gar aus der Oberstufe hören.

    • Sonst noch was zu meckern, die Herren? Wie schön, mit wie viel Engagement und Liebe sich hier ein junger Lehrer – und Herr Keßels steht ja für Hunderttausende von Lehrkräften in Deutschland – der großen pädagogischen Herausforderung annimmt, Flüchtlingskinder zu integrieren. Nicht mies machen lassen, lieber Herr Kollege. Meinen Respekt und meine Anerkennung haben Sie.

      • Vielen Dank!

        Leider gibt es immer Menschen, die etwas auszusetzen haben. Ich liebe meinen Beruf und habe mich auch bewusst für diesen entschieden. Die Vorwürfe kann ich selbstzufrieden zurückweisen. Viele Grüße

      • @Daniel:
        Da gibt es sicherlich viele Beispiele, aber die Frage ist, inwieweit sie so aufbauend sind wie der hier präsentierte Fall. Das halte ich nämlich für zweifelhaft.
        Besonders im Hinblick auf Menschen wie Anna, die solche Einzelfallbeispiele nicht schlecht reden möchte, ist eine Diskussion schwierig. Negativbeispiele werden dann nämlich schnell als Einzelfälle abgetan und außen vor gelassen.
        Ich kann Ihnen aber gerne ein Beispiel einer „Willkommensklasse 7“ geben:
        In der Regel befinden sich 18 Kinder in der Klasse, wobei die Anwesenheit unregelmäßig ist. Das Verhalten der Kinder, wobei es fast ausschließlich Jungen sind, ist mittlerweile besser aber trotz einem Schuljahr immernoch sehr weit von akzeptabel entfernt. Das letzte Mädchen hat unter Tränen die Eingliederung in eine Regelklasse gefordert, weil sie die Anbiederungen der Jungs nicht mehr ertragen hat. Neben drei Kindern, die bereits über eine ausreichende Schulbildung verfügten und schnell Fortschritte machten, was zu einer perfekten Eingliederung in Regelklassen führte (Positivbeispiele), sieht die Prognose bei den 15 anderen Kindern sehr schlecht aus. Ihr Sozial- und ihr Arbeitsverhalten ist mangelhaft, ihre Vorkenntnisse sind mangelhaft und in drei Fällen ist sogar die Frage zu stellen, ob eine Beschulung überhaupt möglich ist.
        Diese Kinder sind in sehr großen Teilen kein Schulsystem wie das unsere gewöhnt, wenn sie überhaupt eine Schule von Innen gesehen haben.
        Ihr Verhalten spiegelt in vielen Fällen eine vollständig andere Sozialisierung als die unsere wider, was zu Respektlosigkeiten und Problemen führt.
        Die „Willkommensklasse“ unser Schule zeichnet sich durch professionell erteilten DAZ-Unterricht aus, aber die weibliche Lehrkraft war Ende 2016 am Ende ihrer Kräfte, weil kein geregelter Unterricht möglich war.
        Konsequenzen oder Maßnahmen sind nur sehr schwierig möglich – es gibt keine Handhabe. Gespräche mit den Eltern fanden nie statt, weil die Eltern nie erschienen, wenn ein Übersetzer zur Verfügung stand.
        Neben DAZ werden die Kinder in einigen Fächern in Regelklassen untergebracht, um sie so besser zu integrieren, aber das funktioniert auch nicht.
        Alles in allem sieht die Prognose der unterrichtenden Lehrkräfte so aus, dass sie aufgrund der genannten Defizite höchstens eine Hauptschule oder Sonderschule empfehlen würden.
        Mit unserer „Willkommensklasse 5“ haben wir größere Erfolge, weil die Voraussetzungen der S’uS in Sachen Vorkenntnisse, Sozial- und Arbeitsverhalten trotz fehlender Deutschkenntnisse noch zu komprimieren sind.
        Um also auf Ihre Frage zurückzukommen, warum man nur über die Grundschulen spricht, scheint die Antwort sehr einfach zu sein:
        Je älter die Kinder sind, die als Flüchtlinge in unsere Schule kommen, desto hoffnungsloser scheint das unterfangen sie zu integrieren.
        Inwieweit das ein Problem ist, weil meine Schule ein Gymnasium ist und es keine Selektion nach Leistungsniveau in unserem Schulsystem gibt, scheint berechtigt.
        Natürlich ist auch die Frage berechtigt, inwieweit man 18 Kinder in vier achten Klassen mit jeweils circa 30 S’uS integrieren kann oder warum man hier immer den Begriff „Flüchtling“ verwendet, während an meiner Schule die meisten Flüchtlinge aus Rumänien oder Bulgarien stammen (Raum Duisburg).

        • Sorry, aber so einiges verstehe ich an Ihrer Schilderung nicht:

          Flüchtlinge aus Bulgarien oder Rumänien? Das sind EU-Staaten, deren Staatsangehörige frei nach Deutschland einreisen und sich hier niederlassen können – es gibt also gar keine Flüchtlinge aus Bulgarien oder Rumänien.

          Sie haben an einem Gymnasium eine Willkommensklasse für Kinder, die noch nie zur Schule gegangen sind? Auch das klingt seltsam.

          Kann es sein, dass hier so manches in einen Topf geschmissen wird, das nicht zusammengehört?

          • @Bernd:
            Leider muss ich sagen, dass ich hier meiner Ansicht nach nichts ungerechtfertigt vermische.
            Eingewanderte Kinder unterstehen in Deutschland der Schulpflicht. Foglich müssen Kinder unabhängig von ihrem Herkunftsland in Deutschland beschult werden und warum sollte man zwischen Kindern aus Syrien und Kindern aus Rumänien einen Unterschied machen. Zwar stammen einige aus EU-Ländern und andere aus Nicht-EU-Ländern, aber alle müssen DAZ erhalten.
            Ein zusätzliche Problem ist natürlich, dass die Vorbildung der Kinder schwer einzuschätzen ist, aber die Verantwortlichen hierbei nur nach Alter selektieren, was tatsächlich dazu führt, dass in den Willkommenklassen ein Kind ohne jegliche Schulbildung neben einem Kind mit ausgezeichneter Schulbildung sitzen kann. Neben dem Vorwissen zeigt sich hier dann auch ein großer Unterschied im Arbeits- und Sozialverhalten.
            Alternatives Vorgehen wäre nur sehr schwer möglich, weil man es einem 15jährigen Kind nur schwer zumuten kann eine Grundschule zu besuchen und ein eigenständiger Bildungsgang zeit-, personal- und kostenintensiv wäre.
            Darüber hinaus gibt es im Raum Duisburg nicht aureichend Schulplätze, was zu weiteren Problemen führt.
            (Dazu zählen „Pool-Klassen“, die von Kindern besucht werden, die aufgrund von Nicht-Versetzung eine Schule verlassen mussten und die Kinder der „Willkommensklassen“, die ihre Zeit darin absolviert haben, aber den Übergang in eine Regelklasse nicht absolvieren können.
            Ich weiß nicht, wie es in anderen Räumen aussieht, aber auch die Unterrichtsversorgung ist ein Witz.
            Bei einer inoffiziellen Versammlung wurden die Schulen im Raum Duisburg darüber informiert, dass alle Schulen mindestens eine Willkommensklasse einzurichten haben, um einreisende Kinder zu unterrichten. Die personellen Voraussetzungen sollten – und das wurde so gesagt – über die nicht zu bezahlenden Mehrarbeitsstunden geschaffen werden, die die Lehrkräfte zu leisten haben. Die Pointe hierbei war natürlich, dass wir diese Stunden bereits genutzt haben, um den Regelunterricht sicherzustellen.)

          • Sie müssen also mit anderen Worten in den Willkommens- bzw. Poolklassen Schüler unterrichten, die zum überwiegenden Teil kaum unterrichtbar sind. Da ein geordneter Unterricht dann unmöglich ist, ist es nur konsequent, wenn dieser nicht-Unterricht auch nicht bezahlt wird. Eine Frechheit, was sich die Bezirksregierung für Duisburg ausgedacht hat.

          • Warum Sie zwischen aus EU-Ländern eingewanderten Kindern und Flüchtlingskindern unterscheiden sollten? Nun, weil wir hier in Deutschland eine sehr aufgeheizte Debatte zum Thema Flüchtlinge haben – und jede (Vor-)Verurteilung von Flüchtlingen auf nahrhaften braunen Boden fällt. Wer dazu beitragen möchte, Probleme zu lösen, muss sich schon die Mühe machen, die Ursachen genau zu betrachten – und die Klientel, die Sie hier beschrieben haben, hat mit Flüchtlingskindern nichts zu tun. Nicht jeder Migrant ist ein Flüchtling.

            Sie beklagen in Ihrem Eingangsstatement, dass Probleme wie die von Ihnen beschriebenen von mir als „Einzelfälle“ abgetan werden – damit erheben Sie den Anspruch, dass Ihre Schilderung auf die Situation in Deutschland übertragbar ist. Das ist sie aber nicht, wie mein Nachfragen ergibt: Die Ballung von Armutsmigranten aus Rumänien und Bulgarien in Duisburg, die meisten davon Roma, ist bundesweit einmalig.

            Sie beklagen völlig zu Recht, als Lehrer mit der Situation allein gelassen zu werden. Hier wäre zum Beispiel der massive Einsatz von Sozialarbeitern notwendig, unter Umständen auch ein verstärkter Einsatz von Polizei- und Ordnungskräften. Mit Flüchtlingspolitik hat das aber, wie gesagt, nichts zu tun. Diese Menschen wären auch so gekommen – sie haben das Recht dazu. In der EU herrscht nun mal Niederlassungsfreiheit.

          • Wegen des Aufenthaltstatus, der diese Gruppen unterscheidet.

          • Auch der, aber nicht nur – alles ist hier anders: der soziale Hintergrund der Gruppen, ihre Motivation, nach Deutschland zu kommen, ihre damit verbundene Integrationsbereitschaft, ihre materiellen und sozialen Perspektiven, zum Teil auch ihre Verflechtung mit kriminellen Milieus. Die „Roma-Slums“ von Duisburg sind schon ein sehr gravierendes Problem, aber auch ein besonderes.

          • @xxx – Es ist das Schuamt, also die Kommunale Schulaufsicht der kreisfreien Stadt Duisburg, nicht die staatliche Schulaufsicht der Bez.-Reg. in Düsseldorf.

          • Frechheit bleibt Frechheit. Und das nur weil Duisburg kein Geld für die Sprachkurse ausgeben kann oder möchte…

    • Hier gab es auch einmal einen Beitrag, der die direkte Integration von Kindern mit Migrationshintergrund an einem Gymnasium beschreibt: http://www.news4teachers.de/2016/06/fluechtlingskinder-loehrmann-setzt-auf-regelunterricht-der-kreis-unna-auch/
      Ohne Probleme läuft es auch da nicht, aber es funktioniert.

      • Haben Sie den Artikel gelesen?
        „es funktioniert“ ist eine sehr pragmatische Aussage hinsichtlich der offenen Fragen, die sich hierbei ergeben:
        Man spricht zum Beispiel davon Kinder entsprechend ihrem Alter und ihrem Potential zu integrieren. Beide Kriterien sind aber häufig schwer in Einklang zu bringen.
        -> Was ist mit einem 15jährigen Kind, dass noch nie eine Schule gesehen hat oder auf dem Niveau eines Grundschülers ist?
        Die Idee, Kinder möglichst schnell in Regelklassen zu schicken, setzt in diesem Fall ein vergleichbares Schulsystem voraus, das auch besucht worden ist, was aber generell nicht gilt.

        • Ich nehme mal an, Ihre Frage ist rhetorisch gemeint, aber um sicherzugehen: Ja, natürlich habe ich den Beitrag gelesen, sonst hätte ich ihn ja nicht verlinkt.
          Natürlich ist meine Aussage pragmatisch, anders geht es unter den Umständen ja kaum. Die Schulen müssten aus meiner Sicht viel mehr Unterstützung erhalten.

      • Ich fürchte, in den weitaus meisten Fällen funktioniert es nicht. So schön es ist, auch mal Erfolgsmeldungen zu hören, so sehr steht doch zu befürchten, dass die „erfolglosen“ Lehrer dadurch immer mehr unter Druck geraten, egal wie sehr sie sich abstrampeln und Erfolgsrezepte für die Integration von Kindern mit Migrationshintergrund zu übernehmen versuchen.

        „Schaut her, diese Schule mit ihren Lehrern schafft es doch!“, kann ermutigen und zur Nachahmung anregen. Die Erfahrung lehrt allerdings, dass die Fälle bei genauerem Hinsehen sehr verschieden sind, die Rechnung meist nicht so einfach aufgeht und Lehrer dann in Mutlosigkeit, Resignation oder auch Burnout versinken.

        Bei der Inklusion gibt es auch viele Lehrkräfte, denen immer wieder Einzelbeispiele von „Geht-Doch!“ unter die Nase gehalten werden. Trotz aller Mühen funktioniert es bei ihnen aber nicht. Da braucht es schon eine übermenschliches Selbstbewusstsein, um in die Offensive zu gehen, statt an sich und seinen Fähigkeiten zu verzweifeln.

        • Ob die Integration und Beschulung in den meisten Fällen nicht funktioniert, kann ich nicht beurteilen. Ich kenne viele positive Beispiele, die aber jeweils einen steinigen Weg hinter sich haben und zwischendurch immer mal wieder mit Problemen kämpfen, weil es einfach nicht ausreichend Lehrer gibt oder die entsprechende Unterstützung durch Sozialarbeiter fehlt. Diese positiven Beispiele dienen in der Regel leider nicht als Blaupausen, weil sich die Bedingungen an den Schulen einfach zu sehr unterscheiden, aber vielleicht schaffen sie es ja, wenn über sie berichtet wird, neue Ideen anzuregen. Ich glaube da eher an die anregende Wirkung solcher Berichte. In den meisten Fällen steckt schließlich ein bestimmtes Konzept dahinter, dass es der jeweils dargestellten Schule und ihren Lehrern ermöglicht, Inklusion oder Integration erfolgreich umzusetzen. Daher sollte aus meiner Sicht auch kein Lehrer an sich zweifeln, wenn er es alleine nicht schafft und Hilfe braucht. Das Problem ist doch eher, wenn er diese Hilfe nicht bekommt.

        • Hallo Sabine,

          ich habe auch geschrieben, dass ich mir darüber im Klaren bin, dass das Konzept nicht überall erfolgreich eingeführt werden kann. Eigentlich möchte ich anderen nur helfen und bestimmt keinen Druck aufbauen. Ich denke, dass jede Schule über individuelle Ressourcen verfügt, die die dort arbeitenden Lehrkräfte am besten einschätzen können. Ich finde aber den Austausch sehr wichtig! Ich habe mich mit Kollegen an verschiedenen Schulen unterhalten, bevor ich mich an die Ausarbeitung des Konzepts gemacht habe. Übrigens: was sich in meinem Bericht vielleicht positiv anhört, ist es häufig gar nicht. Ich zweifele dann aber nicht an mir, sondern am System – und da ich keinen Einfluss auf das System habe, versuche ich eben das Beste draus zu machen.

  3. @Bernd:
    Ist die Ironie in denen von Ihnen verfassten Beiträgen Absicht?
    Sie sprechen davon, Diskussionen von Verurteilungen zu trennen, um Rechtspopulisten keine Argumente zu liefern. Sie unterschieden hier aber aktiv zum Wohle der Flüchtlinge, indem Sie sie von Migranten abgrenzen.
    Ist das nicht der rassistische Ansatz, vor dem Sie warnen?
    Sie stellen hier öffentlich Roma im Bereich Duisburg als Argumtsmigranten dar und liefern den Rechtspopulisten damit Boden für ihre Thesen oder etwa nicht?
    Sie diese „Armutsmigranten“ für Sie weniger Wert als „echte“ Flüchtlinge?
    Würden Sie die Kinder in Willkommensklassen danach separieren?

    Mir ist natürlich bewusst, was Sie ausdrücken möchten, aber die Art und Weise ist mir in diesem Fall suspekt.

    Abgesehen davon, dass es Argumente sind, die in Diskussionen geliefert werden und welche dann von den falschen Leuten instrumentalisiert werden, erwarten Sie also, dass ich auf ebenjene Argumente verzichte, um sie vor ebenjener Instrumentalisierung zu bewahren. Eben dieser Ansatz ist es aber doch, der die Kritik an Medien und der Politik auslöste, weil die Bevölkerung in dieser Diskussion glaubt, nicht die Wahrheit hören zu dürfen oder die eigene Meinung äußern zu können, obgleich sie dem Grundgesetz nicht widerspricht.

    Um aber zzur Diskussion zu kommen:
    Dann blenden wir mal Duisburg aus, weil es ja – neben anderen Städten – ein Einzelfall ist.
    Es bleibt trotzdem Fragen offen:
    -> Welche Maßnahmen ergreift man für Kinder mit fortgeschrittenem Alter, die eine Regelschule besuchen müssen und sollen?
    Sie können durch das Ablenken mit dem Fall „Rumänen und Bulgaren“ nicht erwarten, dass man Ihnen glaubt, alle Kinder seien anständig beschult worden.
    Sollen diese Kinder entsprechend ihrem Alter oder ihrer Fähigkeiten beschult werden?
    Ein einfaches Eingliedern in Regelklassen nach zwei Jahren DAZ lässt dann nämlich weitere Fragen offen:
    -> Welchen Abschluss erwerben sie, wenn überhaupt? Welche Lebenschancen haben sie?
    Diese Kinder sind in einer anderen Kultur sozialisiert worden und im Altern von 15 haben sie bereits Werte, an denen sie sich orientieren. Lesen Sie bitte Artikel von in Deutschland integrierten Wissenschaftlern, die sich genau mit dieser Problematik auseinander setzen. Hier ist ein massives Konfliktpotential vorhanden, dass im Grundschulalter zu bewältigen ist, aber mit fortschreitendem Alter immer massiver wird.

    Ein entscheidender Punkt ist hierbei nämlich auch die Möglichkeit des Intervenierens:
    -> Welche Möglichkeiten haben Lehrkräfte denn?
    Sie sprechen von mehr Sozialarbeitern, aber das sind Mehrausgaben für das Land.
    Gehen wir aber mal davon aus und ergänzen die Sozialarbeiter durch das Ordnungsamt und die Polizei.
    Was sollen diese Gruppen denn tun?
    Welche langfristigen Maßnahmen hoffen Sie denn mit diesen Mitteln zu erzielen?
    Wie geht man mit mehreren 15jährigen um, denen das Modell „Unterricht“ fremd und zu anstrengend ist?
    Mit Menschen ohne Vorwissen oder Vorerfahrung?
    Mit Menschen, die sich beleidigend, agrressiv und gewalttätig verhalten?

    Natürlich sind nicht alle Kinder schwierig oder unbeschulbar. Das ist mir bewusst.
    Bisher zeigen sich aber bei den Flüchtlingen, die ich unterrichten durfte, unabhängig von der Herkunft, in großen Teilen Defizite, die eine einfache Integration mehr als schwierig machen.
    Solche Probleme werden aber nicht nur durch den Einsatz der Schulen besser, während die Verantwortlichen – seien es die Schulbehörde oder Politiker – unangenehme Dinge verschweigen und nur auf Positivbeispiele setzen.)

  4. Welche Ironie? Ich spreche auch nicht pauschal einer Gruppe von Menschen (und damit ihren einzelnen Mitgliedern) bestimmte Eigenschaften zu. Ich stelle aber fest, dass es in Duisburg mit Elendsquartieren, die vorwiegend von Roma bewohnt werden, massive Probleme gibt, die Sie ja auch beschreiben – ja und?

    Wieso beharren Sie darauf, Migranten aus Bulgarien und Rumänien als „Flüchtlinge“ zu bezeichnen (und nennen eine Präzisierung „Ablenkung“?) Ist für Sie jeder Ausländer ein Flüchtling?

    Sie schreiben: „Bisher zeigen sich aber bei den Flüchtlingen, die ich unterrichten durfte, unabhängig von der Herkunft, in großen Teilen Defizite, die eine einfache Integration mehr als schwierig machen.“ Dazu möchte ich fragen: Wie viele und welche Flüchtlingskinder haben Sie denn unterrichtet? Und welche Defizite wiesen diese auf, die eine Integration erschweren?

    Sie haben ja Recht: Nur durch Positivbeispiele, so wichtig sie sind, werden Probleme nicht aus der Welt geschafft. Deshalb müssen wir über Probleme reden. Aber die Schilderungen sollten schon mit dem Thema zu tun haben – sonst geht die Kritik am Problem vorbei. Schlecht integrierte Russlanddeutsche, die es ebenfalls hin und wieder gibt, fallen ja auch nicht unter das Thema „Flüchtlinge“.

  5. Karsten Annmann

    Ach je, es wird schon alles gut werden, nicht wahr! Die negativen Sachen sind alle ohnehin nur Einzelfälle und das positive lässt sich direkt auf alle Menschen des Planeten übertragen.

    Das wichtigste in allen Fragen auch betreffend Bildung sollte jedenfalls sein, dass man nach kurzer Zeit jede Diskussion an den Punkt führt, ab dem man einfach fortwährend sagt „wer so redet, dient den Rechten“. Und schon sind alle zufrieden. Überlassen wir den Rechten einfach die Themen, bei denen sie ansonsten nur noch mitreden könnten. Das ist so viel klüger und es entspricht auch dem, was in einer Nichtschönwetterdemokratie unter „harter, auch schmerzhafter Diskussion“ verstanden wird. Die ist ja nötig, da ohne Debattenpluralismus die Demokratie nur noch dem Namen nach existiert.

    Dass die Integrationsversuche dieser ganzen Menschen in Sachen Grundschule gut geht, das kann ich mir vielleicht noch vorstellen, aber auch nicht in Form von „1a mit Sahne obendrauf“, sondern eher so „und jetzt gibt es noch mehr durchgewurschtel“. Denn unser Schulsystem war leider auch vor der Verweigerung von Grenzkontrollen im Herbst 2015 nicht unbedingt mehr im allerbesten Schuss. So habe ich bspw. vor 2,5 Jahren mal an einer Grundschule einer Landeshauptstadt gearbeitet (im dortigen schlimmsten Viertel der Stadt, ein wahrhaftes Ghetto) und der dortige stellvertretende Rektor, der auch alle relevanten Daten ans Landesamt für Statistik übermittelt, erklärte mir für das damalige Jahr, dass ca. 25% des Unterrichts ausgefallen sei. Auf eine 4-Jahre-Grundschulzeit fiel also bereits vor Merkels Willkommenskultur gut ein ganzes Jahr aus (natürlich nicht in den „Gute-Leute“-Vierteln, sondern im Ghetto; aber die ganzen Migranten werden ja zum Großteil auch nicht in den Edelleute-Vierteln landen, sondern eher in den Ghettos).

    Wie das ganze dann aber in weiterführenden Schulen aussieht und dies insbesondere ab dem Pubertätsalter, ich glaube, darüber will ich gar nichts wissen. Ich habe mir mal 2 Dokumentationen über die Zustände an deutschen Schulen aus der Zeit vor Merkels bestem Einfall aller Zeiten angeschaut und ich fand es nur gruselig, was inzwischen so an unseren Schulen als normal gilt. Allein die Umgangsformen sind teils so unterirdisch, dass einem schlecht werden kann. Und wenn man dann auch Szenen sieht, wo in solchen Ghettos moslemische Schüler in der Schule mit den noch paar verbliebenen deutschen Schülern im Unterricht diskutieren bspw. über die Rechte der Frauen, was sie dem Mann gegenüber zu tun habe und was nicht, ob oder ob nicht sie auf Partys gehen darf….oh man, da bin ich heilfroh kein Lehrer geworden zu sein! Über solche Dinge musste ich in meiner Schulzeit jedenfalls nie diskutieren und man wird es nicht glauben: dafür bin ich sehr sehr dankbar!

    Ich lehne mich einfach zurück und schaue dabei zu, wie man 2001er Abitur mit jedem weiterem Jahr fröhlichen Rumexperimentierens im Bildungssystem mehr wert wird (weil die folgenden immer weniger wert sind) und ich dafür überhaupt gar nichts tun muss. An meine Rente glaube ich glücklicherweise ohnehin nicht, deswegen ist mir der Punkt der „zukünftigen Rentenzahler“ ebenfalls wummpe. Und ich bin weiterhin froh, dass ich kein Lehrer geworden bin.

    • „Und ich bin weiterhin froh, dass ich kein Lehrer geworden bin“ – dafür lehnen Sie sich aber schön weit aus dem Fenster.

      Des Weiteren kritisieren Sie eingangs, dass ein Einzelfall die Situation lediglich schönredet und führen im nächsten Atemzug einen Einzelfall auf, um das Gegenteil zu beweisen und Ihre Aussage zu untermauern.
      Lehnen Sie sich gerne weit zurück, aber passen Sie bitte auf, dass Sie nicht vom Stuhl fallen!

      Ich bin übrigens froh, dass Sie kein Lehrer sind – wenn etwas dem Schulsystem schadet (und verstehen Sie mich nicht falsch, ich bin über viele Dinge selber unglücklich), dann sind das Menschen wie Sie.

  6. Monika Niemann

    @peter pan: Ich habe mir die Situation der Flüchtlings/Armutsmigrantenfrage aus Rumänien/Bulgarien von einem Integrationsbeauftragten erklären lassen:

    Die Sinti und Roma aus Bulgarien und Rumänien, die wir bei uns in der Gegend und an der Schule haben, stellen grundsätzlich erst einmal einen Asylantrag in dem Wissen, dass dieser abgelehnt werden wird, aber dass dies mindestens 6-12 Monate dauert.
    Bis zum Zeitpunkt der akuten Flüchtlingswelle kamen die Familien schon nach wenigen Tagen/Wochen aus der Erstaufnahmeeinrichtung in eine Wohnung. Ab diesem Zeitraum gibt es eine komplette Erstausstattung, Möbel, Kühlschrank, Kleidung, usw.
    Irgendwann kommt dann der Ablehnungsbescheid. Die Familie bekommt Post und wird gefragt, ob sie freiwillig ausreisen möchte Wenn die Familie dies tut, bekommt sie noch einen ordentlichen Geldbetrag mit auf den Weg. Dies wird freundlich angenommen. Wenn die Diakonie, die sich um diese Familen gekümmert hat, dann in die von der Kommune angemietete Wohnung kommt, wurde die komplett Erstausstattung von der Familie vertickt und die Wohnungen sind normalerweise in einem Zustand, der Vermieter sagen lässt: „Nie wieder Asylbewerber!“

    Da die Familien aber nicht abgeschoben wurden, sondern selbst ausgereist sind, haben sie keine 3-Jährige Sperre. Die warten 6 Monate, reisen wieder ein, stellen wieder einen Asylantrag – jeder neue Antrag muss wieder so geprüft werden, als sei es ein Erstantrag- und das Spielchen geht von vorne los. Da passiert es denn auch mal, dass man als Schulleitung bei einer DB in einer Schule im Umkreis ist und einem fröhlich altbekannte Gesichter entgegenwinken. („Hmmm, was machen denn die hier? Die sind doch vor einigen Monaten ausgereist?“)

    Leider sind in die betreffenden Eltern und Schüler/innen in überweigendem Maße an einer Bildung nicht interessiert.
    Während des Schulbesuchs, der ohnehin nur sporadisch stattfindet, kommen und gehen die älteren Kinder, wie es ihnen beliebt, sind aufsässig, die Jungs sind überproportional häufig in Gewaltvorfälle verstrickt.Die anfängliche Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft der Klassenkameraden kühlt sich schnell ab, wenn aufgrund einer sehr alternativen Einstellung zum Eigentumsbegriff es plötzlich in allen Klassen, in denen diese Kinder sind, Diebstähle gibt. Mehr als einmal kamen Schüler/innen empört bei mir an und erzählten, dass Schülerin X oder Schüler y bei Netto klaut wie ein Rabe.

    Armutsflucht in allen Ehren. Mitleid auch. Aber dieser Praxis muss Einhalt geboten werden.

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