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Kanzlerin ehrt Kollegium: Eine Berufsschule aus Niedersachsen gilt als „beste Schule Deutschlands“ 2017

BERLIN. Die Kanzlerin höchstpersönlich übergibt „voller Respekt“ eine der wichtigsten Auszeichnungen für gute Schule. Diesmal geht der Deutsche Schulpreis an eine berufsbildende Schule – für „passgenaue pädagogische Förderung und Fürsorge“. Die Siegerschule hat offenbar zielgerichtet seit Jahren auf den Preis hingearbeitet.

And the winner is ... Die Kanzlerin applaudiert, Moderatorin Susanne Holst schaut zu. Foto: Deutscher Schulpreis

And the winner is … Die Kanzlerin applaudiert, Moderatorin Susanne Holst lächelt in sich hinein. Foto: Deutscher Schulpreis

Für ihre vorbildlichen Unterrichtskonzepte und Ausbildungserfolge hat die Elisabeth-Selbert-Berufsschule in Hameln den Deutschen Schulpreis 2017 erhalten. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) überreichte am Montag bei einer Festveranstaltung in Berlin «voller Respekt» die mit 100.000 Euro dotierte Auszeichnung für «die beste Schule Deutschlands». Fünf  weitere Preise in Höhe von je 25.000 Euro erhielten die Waldparkschule in Heidelberg (Baden-Württemberg), das Gymnasium Kirchheim bei München, die Grundschule Borchshöhe in Bremen (HB), die Europaschule Bornheim (Nordrhein-Westfalen) und die Deutsche Schule Rio de Janeiro in Brasilien.

«Früher hat man gesagt, wenn das Kind in die Schule kommt: Jetzt beginnt der Ernst des Lebens. Na, da hat man ja schon mal richtig Freude.» Merkel bei der Preisverleihung

Merkel sicherte mehr Engagement des Bundes in der Bildungspolitik zu, die wegen des sogenannten Kooperationsverbotes weitgehend Ländersache ist – etwa beim Schulneubau, bei der Breitband-Anbindung für das digitale Lernen sowie bei Aus- und Weiterbildung von Lehrern. Sie dankte den Lehrerkollegien außerdem für ihre Bemühungen, Eltern für mehr Engagement in Bildungsfragen zu gewinnen, denn: «Schule kann nicht mit dem sechsten Lebensjahr bei Kindern alles kompensieren, was bis dahin nicht geschafft wurde.»

Sechs Punkte, die eine gute Schule ausmachen – Der Jury-Sprecher des Deutschen Schulpreises im News4teachers-Interview

Der mit insgesamt 265.000 Euro dotierte Schulpreis gilt als eine der wichtigsten Auszeichnungen dieser Art in Deutschland. Wie die Robert-Bosch-Stiftung als Veranstalter mitteilte, bewarben sich dafür seit dem Start 2006 mehr als 2000 Schulen. Die Jury bewertet sechs Bereiche: Leistung, Umgang mit Vielfalt, Unterrichtsqualität, Verantwortung, Schulleben und Schule als lernende Institution.

An der berufsbildenden Elisabeth-Selbert-Schule (EES) in Hameln werden knapp 2000 Schüler aus 34 Nationen in Fächern wie Agrarwirtschaft, Gesundheit und Pflege oder Sozialpädagogik unterrichtet. Ein Beratungsteam aus Lehrern, einer Pastorin und einem Sozialarbeiter bietet auch außerhalb des Unterrichts Hilfestellung, egal ob für minderjährige Mütter oder für Geflüchtete. «Durch das dichte Geflecht aus passgenauer pädagogischer Förderung und Fürsorge erzielen die Schüler hier Erfolge, die an anderen Schulen kaum jemand für möglich hielt», hieß es von der Jury des Deutschen Schulpreises 2017.

Deutscher Schulpreis: Eine Grundschule aus Niedersachsen gilt nun als „beste Schule Deutschlands“

„Wir freuen uns, mit der Elisabeth-Selbert-Schule in diesem Jahr eine Schule auszeichnen zu können, die sich in den vergangenen Jahren stetig weiterentwickelt hat. Sie hat die bereits mehrfache Teilnahme an der Bewerbung um den Deutschen Schulpreis als Ansporn und zur eigenen Reflektion genutzt“, sagt Uta-Micaela Dürig, Geschäftsführerin der Robert Bosch Stiftung. „Die Schule hat an den Rückmeldungen der Jury aus ihren bisherigen Teilnahmen gelernt und ihre Schulentwicklung systematisch vorangetrieben. Das zeigt, dass Schulen vom Deutschen Schulpreis profitieren – und das ganz unabhängig vom Preisgeld.“ Agentur für Bildungsjournalismus / mit Material der dpa

Mit Herz, Leidenschaft - und pädagogischen Grundwerten: Was die Gewinnerschule ausmacht
HAMELN. Ein Schüler der Elisabeth-Selbert-Schule (ESS) im niedersächsischen Hameln sagt: «Jeder wird so akzeptiert, wie er ist, egal woher er kommt.» Ein anderer freut sich: «Hier herrscht ein großes Wir-Gefühl.» Ganz wunderbar findet die stellvertretende Schulleiterin Barbara Bremert solche Einschätzungen. Seit Montag ist klar: Die jungen Leute haben nicht übertrieben.

Als bundesweit „beste“ Schule 2017 hat die ESS den mit 100.000 Euro dotierten Deutschen Schulpreis gewonnen. Der Jubel bei der Festveranstaltung mit Kanzlerin Angela Merkel in Berlin ist ohrenbetäubend. Schulleiterin Gisela Grimme sagt: „Was mich ganz besonders freut: Dass hier mal eine berufsbildende Schule steht.“ „Wir sind stolz auf unsere ESS“, sagt Hamelns Landrat Tjark Bartels (SPD). «Die Schule arbeitet mit Herz und Leidenschaft, und sie weckt Freude und Selbstverantwortung bei den Schülerinnen und Schülern.“

Eine zentrale Rolle an der Gewinnerschule spielen Projekte, die Schule und Beruf verbinden. Foto: Deutscher Schulpreis

Eine zentrale Rolle an der Gewinnerschule spielen Projekte, die Schule und Beruf verbinden. Foto: Deutscher Schulpreis

Was die ESS so besonders mache, seien «die pädagogischen Grundwerte der Lehrer», meint der 21-jährige Hasan im Interview der Jury des Schulpreises. Anders als früher werde er hier wegen seiner ausländischen Herkunft nicht als Kleinkrimineller abgestempelt. Die 17-jährige Belana sagt: «Die Lehrer setzten sich ein, damit wir einen guten Abschluss machen und gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben.»

Hasan und Belana sind zwei von knapp 2000 Schülern aus 34 Nationen, die die Elisabeth-Selbert-Berufsschule besuchen. Sie werden in Fächern wie Agrarwirtschaft, Gesundheit, Pflege oder Sozialpädagogik unterrichtet. Und sie können jede Art von Schulabschluss nachholen – bis hin zum Abitur. «Wir versuchen durch verschiedene Projekte und Programme so auf die einzelnen Menschen einzugehen, dass jeder individuell seinen Weg nehmen kann», sagt die stellvertretende ESS-Leiterin Bremert. «Wir haben ein gutes Förderkonzept. Und wir sind vernetzt mit vielen Einrichtungen in der Region. Die Schüler können so immer wieder rausgehen aus der Schule und sich ausprobieren.»

Besonders gut gelinge es der ESS, die vielfältigen Biografien ihrer Schüler zu berücksichtigen, fand die Jury: Neben inhaftierten Jugendlichen werden derzeit 124 junge Menschen mit Fluchterfahrung in Sprachförderklassen unterrichtet und in den Schulalltag integriert. Eine zentrale Rolle spielen Projekte, die Schule und Beruf verbinden. So werden im fachpraktischen Unterricht Produkte hergestellt, um sie anschließend im Internet zu vertreiben. Die dazu verwendeten Lebensmittel wachsen überwiegend im Schulgarten. So sammeln die Lernenden Erfahrungen mit Anbau und Ernte, Verarbeitung und Lagerung bis hin zu Vertrieb, Vermarktung und Verkauf.

Ganz groß geschrieben werde das eigenverantwortliche Lernen, sagt Bremert. An vier Tagen pro Woche können die Schüler für je zwei Stunden selbst entscheiden, woran sie arbeiten wollen. Als Europa-Schule pflegt die ESS zudem Austauschprogramme mit Schulen in gut einem Dutzend Ländern. «Damit ist die ESS auch ein Vorbild für Weltoffenheit und Verständigung», meint Landrat Bartels. dpa

2 Kommentare

  1. Wolfgang Kuert

    Wolfgang Kuert erinnert aus 2016

    Die Schule, die den Deutschen Schulpreis gewinnt, ist der Gewinner des Deutschen Schulpreises und mit Sicherheit nicht die beste Schule Deutschlands.

    Bisher nahmen von rund 40.000 Schulen in Deutschland pro Jahr etwas über 100 an diesem Wettbewerb teil. Bei dem diesjährigen Durchgang durften erstmals auch deutsche Auslandsschulen teilnehmen.

    Trotz dieser Erweiterung des Teilnehmerkreises haben sich gerade mal 80 Schulen beworben. Das sind nur noch 0,2 % der deutschen Schulen.

  2. Die Schule hat ihr Programm also dahingehend entwickelt und verschriftlicht, dass es der Jury gefällt. Abgesehen davon stehen viele der hervorgehobenen Punkte in vielen schulprogrammen. Wie heiß diese Luft ist, wissen nur betriebsangehörige, auf keinen Fall eine fremde jury. Man könnte auch mal gegenrechnen, ob die 100000€ für die Arbeitsstunden zum gesetzlichen Mindestlohn reichen würden…

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