Startseite ::: Praxis ::: Berichtszeugnisse statt Noten? Modell stößt auf wenig Gegenliebe: Zensurenfreie Grundschule kann sich nicht durchsetzen

Berichtszeugnisse statt Noten? Modell stößt auf wenig Gegenliebe: Zensurenfreie Grundschule kann sich nicht durchsetzen

HANNOVER. In der Theorie wollen viele sie haben, in der Praxis machen nur wenige mit: Das Modell der Grundschule ohne Zensuren findet in Niedersachsen wenig Anklang.

Geben Noten tatsächlich ein objektives Leistungsniveau wieder? Illustration: pixabay

Geben Noten tatsächlich ein objektives Leistungsniveau wieder? Illustration: pixabay

Nur einzelne Grundschulen in Niedersachsen arbeiten nach Angaben des Kultusministeriums komplett ohne Zensuren. Vor einem Jahr hatte Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD) es den Grundschulen ermöglicht, per Konferenzbeschluss auch in der dritten und vierten Klasse Berichts- statt Notenzeugnisse zu vergeben. Die Resonanz jedoch ist bescheiden. «Einige Schulen haben von der Möglichkeit bereits Gebrauch gemacht und sammeln erste Erfahrungen», sagte Sprecherin Tanja Meister vom Kultusministerium. Genaue Daten dazu, wie viele der landesweit 1700 Grundschulen in allen Jahrgangsstufen auf die Zensuren verzichten, hat das Ministerium nicht. Die Beschlüsse müssen den Schulbehörden nicht mitgeteilt werden.

GEW befeuert Debatte um Abschaffung von Ziffernoten – KMK-Chefin Eisenmann stellt sich dagegen

Worum geht es bei der Option zensurenfreie Grundschule?

Schon seit längerem bekommen in Niedersachsen Schüler in der ersten und zweiten Klasse keine Schulnoten, sondern Zeugnisse in Berichtsform. Im Juni 2016 hat Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD) es den Grundschulen mit einem Erlass freigestellt, per Konferenzbeschluss zu entscheiden, ob sie auch in der dritten und vierten Klasse auf Schulnoten verzichten wollen.

Wieviele Grundschulen in Niedersachsen arbeiten komplett ohne Noten?

Bislang sind es nur einzelne Grundschulen. Genaue Zahlen dazu gibt es nicht, da die Umstellung nicht gemeldet werden muss. Die Landesschulbehörde nennt die Geschwister-Körting-Schule in Hannover als Beispiel, wo die Schüler bis zur vierten Klasse Berichtszeugnisse bekommen. Diese Schule allerdings hatte die Zensuren im Rahmen eines Modellversuchs schon vorher abgeschafft, wie die stellvertretende Leiterin Tanja Köntopp erklärt. «Wir machen nun mit der neuen Regelung weiter.» Die Erfahrungen seien sehr gut. «Wir möchten nicht mehr zum Zensuren-System zurückkehren.» Die Grundschule Comeniusstraße in Braunschweig wird ab dem kommenden Schuljahr komplett auf Noten verzichten. In der Grundschule Leineberg in Göttingen dagegen scheiterte der Versuch, die Zensuren abzuschaffen. Über die Gründe will sich Schulleiterin Regine Dittmar nicht äußern.

Warum ist das Echo so gering?

Die Pädagogen an den Grundschulen hätten derzeit viele andere Aufgaben zu bewältigen, sagt Monika de Graaff von der Fachgruppe Grundschule der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). «Sie sollen die Inklusion wuppen, Sprachlerngruppen für Flüchtlingskinder anbieten.» Viele Schulleiter hätten keinen Kopf für weitere Projekte. Die GEW unterstütze aber das Anliegen, zensurenfrei zu arbeiten.

Was halten die Eltern vom Verzicht auf Zensuren in der Grundschule?

«Die Zahl der Abmeldungen von Schülern und die Zahl der zusätzlichen Neuanmeldungen halten sich in etwa die Waage», sagt Brigitte Rössing, Leiterin der Grundschule Comeniusstraße in Braunschweig, über die Folgen der Entscheidung, auf die Noten zu verzichten. «Das Modell findet nicht großartig Anklang», ist die Erkenntnis von Mike Finke, dem Vorsitzenden des Landeselternrats. Viele Eltern hätten einfach lieber Zensuren, um ihre Kinder messen zu können. Berichtszeugnisse seien aber eine gute Möglichkeit, Kinder mit individuellem Förderbedarf mitzunehmen.

Umfrage: Die allermeisten Bürger halten Schulnoten und Sitzenbleiben für sinnvoll – Meidinger sieht sich bestätigt

Wie sehen die Regelungen in anderen Bundesländern aus?

Sehr unterschiedlich. In Bremen ist die Grundschule notenfrei. In Schleswig-Holstein können die Schulkonferenzen entscheiden, ob sie eine notenfreie Grundschule möchten oder ob es ab dem vierten Jahrgang oder schon ab dem dritten Jahrgang Notenzeugnisse mit verbaler Ergänzung geben soll. In Hamburg gibt es ab dem zweiten Halbjahr der dritten Klasse Noten, wenn die Eltern es wünschen. In der vierten Klasse sind Noten verpflichtend. In Nordrhein-Westfalen werden die Leistungen der Schülerinnen und Schüler in der Schuleingangsphase ohne Noten bewertet, in den Klassen 3 und 4 mit Noten. Von Doris Heimann, dpa

 

Schule ohne Zensuren: Pro und Kontra

Ist der Verzicht auf Schulnoten wirklich sinnvoll? Zwei Pädagogen – zwei Meinungen.

JA:

Gerade in der Grundschule muss individualisiert gearbeitet werden. Die Kinder bringen oft große Unterschiede in ihrer Lernentwicklung mit. Der Abstand könne bis zu drei Jahre ausmachen, sagt Brigitte Rössing, Leiterin der Grundschule Comeniusstraße in Braunschweig. «Es gibt Kinder, die können bei der Einschulung lesen, schreiben und rechnen. Andere können einen Buchstaben nicht von einer Zahl unterscheiden.» Jedes dieser Kinder müsse gefördert und auch in seiner Leistung bewertet werden – dies sei in Berichtszeugnissen besser möglich als mit Zensuren.

Das Notensystem, so argumentiert Rössing, sage nichts über den individuellen Lernfortschritt aus, sondern schaffe lediglich einen Vergleichswert innerhalb einer Gruppe. «Das Notensystem ist ungerecht und nicht so objektiv, wie ihm oft unterstellt werde», sagt Rössing. So hätten Versuche gezeigt, dass ein und dieselbe Arbeit von unterschiedlichen Lehrern auch unterschiedlich bewertet würde.

NEIN:

Berichtszeugnisse sind umfangreich und häufig so formuliert, dass die Qualität der Leistung noch schwer erkennbar ist. «Wenn dort steht, dass der Schüler den Zahlenraum 1 bis 50 beherrscht, weiß ich immer noch nicht – ist das gut oder schlecht?», argumentiert Horst Audritz, Landesvorsitzender des Philologenverbandes.

Zensuren dagegen würden dem Schüler klar sagen, wo er in der Lerngruppe stehe. Sie seien auch eine schnelle Rückmeldung an die Eltern. Häufig dienten Schulnoten als Motivation für Schüler, sich anzustrengen. «Wenn man keine Zensuren vergibt, fördert das nicht den Leistungsgedanken», sagt Audritz.

Auch Grundschüler in der 3. und 4. Klasse müssen seiner Ansicht nach an die Tatsache herangeführt werden, dass ihre Leistung im späteren Leben bewertet wird – durch weiterführende Schulen, aber auch durch Arbeitgeber.

 

54 Kommentare

  1. Berichtszeugnisse sind darüber hinaus viel mehr Arbeit in der Erstellung, wenn man als Lehrkraft nicht auf vorgefertigte Satzbausteine zurückgreift, sprich ein Satz für jede Teilnote o.ä. Außerdem müssen bei jedem Elternsprechtag die Texte in Zahlen von 1 bis 6 übersetzt werden und Formulierungen bieten viel mehr (juristische) Angriffsfläche als “nackte” Zahlen.

  2. Das Hauptproblem haben sie ja angesprochen: Was bringen Berichtszeugnisse oder Kreuzchensysteme, wenn die Eltern die Zeugnisse nicht verstehen oder einordnen können?

  3. Auch für Wortgutachten benötigen Sie doch Kriterien. Wann kann man sagen, dass ein Schüler sicher im Hunderter-Bereich rechnet (wenn es solche Formulierungen überhaupt gibt)? Also werden irgendwann Kriterien erarbeitet, ab wann man das schreiben darf – genau so gut kann ich gleich ne Note draufschreiben.

    • Man schreibt zum Beispiel, dass der Schüler sicher im Hunderterraum rechnet, aber noch mit Größen (oder Uhrzeiten oder Sachaufgaben) Probleme hat.

  4. ZITAT: “Zensurenfreie Grundschule kann sich nicht durchsetzen.”

    Gott sei Dank.

    Genaugenommen bräuchte ich auch keine Zensuren, um am Ende eines Schuljahres das Leistungsvermögen eines Schülers einzuschätzen (meinetwegen mit einem kurzen Worturteil oder einer Zahl). Ich brauche sie aber doch, um den Eltern und Schülern gegenüber nachzuweisen, warum ich auf dem Zeugnis eine bestimmte Bewertung (Worturteil oder Zahl) treffe, also wie sie im Laufe des Schuljahres zustande gekommen ist und dass sie nicht willkürlich erfolgt und nach Beliebtheit oder Unbeliebtheit.

    Worturteile, die alles verklausulieren oder so vage sind, dass man “nichts Genaues nicht erfährt”, halte ich für sinnlos. Dass es in Klasse 1 und 2 noch keine Noten gibt, finde ich ok.

  5. Wie verständlich sind Berichtszeugnisse für Eltern, die nicht selber im Erziehungsbereich arbeiten?
    Gibt es bei den Berichtszeugnissen Vorschriften, dass diese (wie Arbeitszeugnisse) keine negativen Aussagen enthalten dürfen?

  6. Ich finde sie sehr verständlich, denn man beschreibt außer dem Arbeits – und Sozialverhalten auch die Stärken und Schwächen in den einzelnen Fächern. Man verwendet bei den Schwächen eher Aussagen wie ” ….Xy fehlen wichtige Grundlagen, wie z.B. das sichere Beherrschen des Einmaleins….” “….XY ist noch unsicher beim Bestimmen der Satzglieder und macht hier viele Fehler….”
    Ob da eine Note mehr aussagt ist fraglich. Nach Abschaffung von verbindlichen Grundschulempfehlungen, sind doch Noten sowieso überflüssig.

    • Ich FÄNDE sie verständlich, leider gibt es immer wieder die Ansage, die Formulierungen seien positiv zu fassen und dann steht da nicht “XY fehlen wichtige Grundlagen, wie z.B. das sichere Beherrschen des Einmaleins”, sondern “XY kennt bereits einige Kernaufgaben des 1×1 auswendig und kann sie meist abrufen und anwenden, weitere Aufgaben erschließt er/sie sich mit Hilfestellungen.” … was dann wiederum keiner versteht.

      • Genau das ist das Problem. Man muss aus dem Text herauslesen können, was NICHT drinsteht. Fehlende Superlative sind nur die Spitze des Eisbergs.

  7. Ich frag mich, was Berichte bringen sollen. Sind sie sehr individuell, so braucht man für jeden Lehrer einen eigenen Übersetzer, der das Zeugnis interpretiert. Sind sie standardisiert, so kann man gleich bei Noten bleiben.

    • Wenn Entwicklungsunterschiede 3 Jahre und mehr umfassen, kann man mit Noten nicht abbilden, worum es geht.
      Auch kann in einem Bericht stehen, ob eine 3 in Deutsch generell durchschnittliche Leistungen bedeuten oder ob das Kind herausragend im Lesen, dafür aber niederschmetternd im Bereich Schreiben ist – so gibt es ja in manchen BL offenbar auch Zeugnisse, in denen die Noten der Teilleistungen mit ausgewiesen werden.

      • Und wer legt die Kriterien fest, was herausragend im Lesen ist oder niederschmetternd im Bereich Schreiben?

        • Kriterien müssen doch für eine Benotung auch festgelegt werden und Teilbereiche bewertet werden.
          Oder wie kommen Sie zu Ihrer Benotung?

          • Ja eben. Dann kann ich es doch gleich bei den Noten belassen. Ich sehe durch Wortgutachten keinen Gewinn.

      • Zitat:
        “Wenn Entwicklungsunterschiede 3 Jahre und mehr umfassen, kann man mit Noten nicht abbilden, worum es geht.”

        Kann man das mit Berichten abbilden? Wenn ja, wie?

        • Innerhalb einer Klasse habe ich Kinder, die im Zahlenraum bis 20 zählend rechnen und andere, die im 1000er und darüber hinaus sicher Kopfrechnen und weitere Verfahren beherrschen.
          DAS kann man SO in einen Bericht schreiben und es ist in Grundschulen auch durchaus üblich.

          Was bringt es dem Kind, das nicht lernen kann, ihm durchgängig eine 6 ins Zeugnis zu schreiben, obwohl es Fortschritte macht, die aber nicht so groß sind, wie die anderer Kinder?
          Wie viel zusätzliche Entwicklungszeit kann man diesen Kindern einräumen, bevor man ihnen bescheinigt, dass sie nicht lernen können?
          Wie viel Zeit brauchen Kinder, das Lernen überhaupt für sich zu entdecken und wie viel, Interesse an (diesen) Inhalten zu wecken und Lernfähigkeit und -bereitschaft hervorzubringen, bei Kindern, die über Jahre vernachlässigt wurden und die keinerlei Anreize erhalten haben?

          Es gibt sicherlich Kinder und Eltern, die eine deutliche 4 oder 5 oder 6 eher verstehen als jeglichen Text.
          Aber es gibt in meinem Umfeld mehr Kinder, denen es eher hilft, wenn im Text steht, dass sie Lernerfolge in Teilbereichen haben, in anderen aber noch Übung brauchen.

          In meiner Beobachtung sind Kinder zwar heiß auf Noten, wenn sie diese dann aber bekommen, ist es gar nicht so leicht, damit umzugehen. Auch verstehen nur wenige, warum eine Note so und nicht anders ist und was sie beim Lernen hätten verbessern können.

          • Kann man das den Kindern nicht einfach so sagen. Muss man da Berichte schreiben? Wer zahlt Ihnen eigentlich die Stunden, die Sie damit verbringen? Niemand.

          • “Kann man das den Kindern nicht einfach so sagen.”

            Ja, klar, kann man.
            Sagen Sie doch mal einem 7jährigen: Du hast unendlich viel geübt und ich habe bemerkt, dass du in den letzten 4 Wochen jetzt Lesen gelernt hast, Wörter erliest und Sätze verstehst, aber als Note ist es trotzdem eine 6.
            Das ist sicherlich unheimlich gut verständlich in diesem Alter und die Eltern, die das Kind täglich begleitet haben, sind sicherlich auch durch die 6 bestens informiert.

            “Wer zahlt Ihnen eigentlich die Stunden, die Sie damit verbringen? Niemand.”
            Wann haben Sie eigentlich zuletzt ein Berichtszeugnis aus dem 1. oder 2. SJ gesehen? Die werden seit Jahrzehnten geschrieben.
            Aber da Sie danach fragen: Da wären wir wieder bei der Diskussion um Arbeitzeit, Belastung und Entlohnung.

          • Zitat:
            “Sagen Sie doch mal einem 7jährigen: Du hast unendlich viel geübt und ich habe bemerkt, dass du in den letzten 4 Wochen jetzt Lesen gelernt hast, Wörter erliest und Sätze verstehst, aber als Note ist es trotzdem eine 6.”

            Können Sie nicht auch Noten (als mündliche Note, Unterrichtsbeitrag) auf den Lernfortschritt vergeben?
            Ich würde das machen.

      • Heißt das dann:
        Für sein Alter kann er schlecht lesen. Für seinen Entwicklungsstand ist es in Ordnung?

        • Die Bewertungskriterien gelten ja für eine Klassenstufe, in dieser sitzen aber Kinder mit sehr unterschiedlichem Alter.
          Hat man eine Klasse, in der auch Wiederholer und Überspringer oder Kinder mit besonders früher Einschulung und Kinder, die in Jahr zurückgestellt wurden, sitzen, sind die Kinder auch im Alter 3 Jahre auseinander, für alle gelten aber die gleichen Kriterien. Hinzu kommen Beeinträchtigte mit zielgleicher Beschulung.

          Zu Beginn der Schulzeit wird die Entwicklung sehr genau beobachtet und eben auch Entwicklungssprünge sehr deutlich wahrgenommen.

      • Axel von Lintig

        Palim
        Anscheinend bemerken auch Sie, dass es keinen direkten Zusammenhang zwischen Lesekompetenz und Schreibkompetenz gibt, beides hängt eben indirekt zusammen.
        Oder wsarum bestätigen auxch Sie, dass beides sich unterschiedlich schnell entwickelt.
        Wenn man. wie wir beides als Erwachsene beherrscht, so kann man Ihrer Argumentation im Erlernen des Schreibens und Lesens schon erklären.
        Auch wir werden uns als Lernende Geschriebenes im Langzeitgedächtnis durch Schreiben gemerkt haben und nicht durch lautes Vorsprechen.Beides beeinflusst sich indirekt.
        Diese Leistungsunterschiede, der nachhaltigen Fähigkeiten zu Lesen und zu schreiben ,hat es bei Schülern immer schon gegeben, genauso wie die Heterogenität der Schüler.

        Durch eine Präkonditionierung mit unbekannten Lernfeldern kann man die Voraussetzungen für ein Erlernen schwieriger Komplexe durch Einübungen schaffen.Es fällt dem menschlichen Gehirn leichter etwas zu verstehen , wenn es vor der eigentlichen Einübungsphase mit diesem konfrontiert wird.
        So nahe liegend Ihre Vorstellungen vom Lernen des Gehirns sind, so sind Sie doch weit davon entfernt diese zu kennen.

        • Axel von Lintig

          Zeile 5: statt erklären folgen

          • Es ging um Lernen und ich bin der Meinung, dass es vielfälig verläuft. Das zu zeigen, dazu dienen die anderen Beispiele.
            Stützräder sind kontraproduktiv? Es ging nicht um eine persönliche Einschätzung oder eine einzig wahre Herangehensweise. Stützräder waren früher die Wahl vieler Eltern und die Kinder haben damit oder trotzdem das Radfahren erlernt. Andere durch die Hand am Sattel.

            Differenzierung fehlt beim eigenständigen Arbeiten? Worauf bezieht sich das? Gerade wer Vielfalt beim Lernen kennt und Förderung und Herausforderung auf Beobachtung und Diagnose stützt, wird differenzieren müssen und sein Handwerkszeug stetig erweitern. Das beinhaltet Materialien, die in sich Differenzierung anbieten, und Aufgabenvariationen, Hilfestellungen oder verschiedene Aufgabenformate und Anforderungsbereiche oder Inhalte.
            Deutschunterricht soll weitere Inhalte vermitteln? Ich finde zum einen, dass schon jetzt die Anzahl der Deutschstunden für die vielfältigen Anforderungen nicht ausreicht, wenn man diese dort vermitteln will oder soll. Damit sind Übungen gemeint, aber spätestens in Kl. 3+4 auch die Herangehensweise an das Schreiben von Texten, Überarbeiten von Texten, Lesestrategien etc.
            Andererseits ist gerade in der Grundschule ein hohes Maß an fächerübergreifendem Unterricht umgesetzt, gerade weil die Lehrkräfte viele Fächer unterrichten und die Inhalte aufeinander beziehen. Erlasse, nach denen ein Hauptfach abzugeben ist (D,Ma,SU) wirken dem entgegen. In allen anderen Fächern steht in den Curricula, dass es immer auch um Sprachbildung geht.

            Im übrigen sind die genannten Inhalte wieder keine, die m.E. in den Erstunterricht zum Lesen und Schreiben lernen gehören, sondern die Themen benötigen Lesefähigkeiten, aber wenn ein Kind gerne über Marie Curie schreiben möchte, kann es das beim Freien Schreiben oder in der Freien Arbeit tun.
            Die von Ihnen genannten Aspekte finden sich aber in vielen Lehrwerken oder können als Forscheraufgaben oder in Referaten in den Unterricht der älteren Grundschüler finden. Auch dies ist in derzeitigen Curricula längst vorgegeben und im Alltag der Grundschule einbezogen.

          • Axel von Lintig

            Die beispielhaften Inhalte sind Themen ab der dritten Klasse, die bei nachlassendem Interesse starker Schreiber, die Textproduktion dieser Schüler aufrechterhalten können. Es macht für mich mehr Sinn, wenn das Einüben von Konjunktionen, wechselhaften Satzanfängen, Satzgliedern( adverbiale Bestimmung der Zeit /des Ortes) und eigene Erlebnisberichte miteinander verbunden werden, um das Interesse starker Schüler aufrechtzuerhalten.Je nach Schüler bieten sich unterschiedliche Entfaltungsgebiete im Schreiben der Schüler. So schrieben hier einige, angeregt durch spannende Geschichtsanfänge eigene Geschichten sehr phantasievoll weiter, während andere mehr auf die Hilfestellung der vorgegebenen Bildgeschichte zum Thema zurückgriffen.
            Die Kreativität und die Textproduktion nimmt insgesamt zu, jeder nach seinem Entwicklungsstand. Andere benötigen mehr die Führung durch den Lehrer.
            Das Ziel bleibt die eigene Ausdrucksfähigkeit weiter zu stärken.

        • Der Unterschied besteht wohl eher darin, dass ich täglich sehr unterschiedliche Kinder vor Augen habe, die nicht alle nach den Theorien der Hirnforschung lernen.
          Der eine steigt aufs Fahrrad und fährt los, der andere braucht Monate, der dritte fällt am Tag x-mal auf die Nase und kann es am Ende doch.

          Nur weil SIE für SICH einen anscheinenden Erfolg beim Schreiben nach Abschreiben und Dauerübung hatten, heißt das nicht, dass andere Kinder ihren Erfolg nicht über andere Zugänge erreichen, wie eben freie Schreibangebote, Kommunikation und Kreativität.

          Ich habe aufgezeigt, dass man Schreiben nicht ohne Lesen lernen kann, wer die zu Papier gebrachten Zeichen nicht erlesen kann, weiß nicht, was er geschrieben hat und hat das System der Schrift womöglich noch nicht erfasst. Dabei geht es ums Erstlesen und Erstschreiben und nicht um das Erlernen von Orthographie ab dem 2. SJ, für das man Phonem-Graphem-Zuordnungen bereits erfasst haben sollte. Für mich sind das zwei unterschiedliche Dinge, eher wie Fahrrad fahren und Verkehrsregeln beherrschen.

          Die Leistungsunterschiede hat es womöglich schon immer gegeben, aber ob die Zusammensetzung der Schülerschaft die gleiche war, bezweifle ich. Auch sehe ich durchaus, dass die Schülerschaft sich stark wandelt und erheblich andere Vorerfahrungen mit in die Schule bringt, während basale Fähigkeiten fehlen, die für das Lernen überhaupt, aber auch für Erstlesen und Erstschreiben ausgesprochen hilfreich sind und früher verbreiteter waren. (War früher Lispeln im Alter mit 6 behandlungswürdig, heißt es inzwischen, das sei noch altersgerecht – die Norm wird dem Durchschnitt angepasst.)

          Unterricht wandelt sich nicht, weil irgendjemand ein Buch schreibt und verkaufen will, sondern weil Pädagogen an ihren Schülern interessiert sind, sie beobachten, sie unterstützen wollen und dafür Möglichkeiten entwickeln, wie es besser gelingen kann.

          Und – da es hier um Noten oder Berichte geht – meiner Meinung nach ist es sinnvoller, die Entwicklung eines Schülers darzulegen und deutlich zu schreiben, in welchen Teilbereichen Stärken und Schwächen liegen.
          Ich weiß nicht, wie es in NRW ist, aber in Nds. erhält man in den ersten 2 Jahren keine Notenzeugnisse, was seit mindestens 40 Jahren so ist. Dieser Umstand ist sicherlich darauf zurückzuführen, dass Kindern 2 Jahre erhalten, um Grundkenntnisse zu erwerben, was vielen bei entsprechender Förderung auch möglich ist. Es gibt Kinder, die das Prinzip des Lesens (wir sprechen von einfachen Silben) erst nach 10 oder 18 Monaten begreifen, dann aber einen plötzlichen Entwicklungssprung vorweisen und nach den genannten 2 Jahren durchaus den Anforderungen gerecht werden.
          Ich stehe dafür ein, das im Blick zu behalten, aber auch dafür, ein Kind zu fördern und zu motivieren, statt mit einer Note die Unfähigkeit auszudrücken und weder Bemühen noch Fortschreiten wiederzugeben.
          Die demotivierende Wirkung von Noten sieht man schnell im 3. Schuljahr, wenn es dann Noten gibt. Zählten vorher Inhalte und Verbesserungen, sind es schnell nurnoch Punkte bzw. Noten und die Kinder mit Noten ab 3 abwärts geben ihre schulischen Leistungen auf, schlimmer aber ist, dass sie häufig auch sich selbst aufgeben. Diese Kinder sind 9 Jahre alt.

          • Axel von Lintig

            Ich habe nicht gesagt ,dass man Schreiben durch ndauereinübung lernt, sondern dass sich beides indirekt beeinflusst. Natürlich muss man das Geschriebene als Schüler lesen können .Ich habe mich da nur auf die Untersuchungen der zitierten Fachwelt berufen und nicht auf meine bescheidenen eigenen Erfahrungen. Das ist zum einen Prof. Thomée mit der DESI-Studie, es sind aber auch andere, die ich anführte.
            In NRW gibt es in den ersten zwei Jahren auch keine Notenzeugnisse. Allerdings kann mit den standartisierten Textblöcken nicht jeder Elternteil etwas anfangen.

          • “Natürlich muss man das Geschriebene als Schüler lesen können ”

            Dann sind Lesen und Schreiben also doch nicht voneinander unabhängig erlernbar.

          • Axel von Lintig

            Den Wortschatz mit dem sprachlichen Ausdruck, Textverständnis und das Sprachverständnis erweitert man durch das Lesen, die orthographischen Fähigkeiten und die Textproduktion durch das Schreiben von Texten, beides beeinflusst sich indirekt.
            Besser schreiben Schüler, wenn sie entsprechend silbiert die Wörter schreiben um durch die sprachliche Gliederung der Wörter diese einfacher zu verschriftlichen., Silben werden automatisiert schneller erfasst, da sie sich wiederholen.

          • Axel von Lintig

            Palim

            Kennen Sie die Untersuchungen von Frau Katja Siekmann über den Zusammenhang von Lesen und Rechtschreiben von 2011?
            Sie bat Leser , die Harry Potter gelesen hatten darum die häufig vorkommenden Namen Ravenclaw,Hogwarts und Voldemort aufzuschreiben und sie überprüfte die Korrekheit der niedergeschriebenen Wörter.
            Die wichtigsten Ergebnisse fasste sie wie folgt zusammen:
            1. Die rezeptive Fertigkeit des Lesens dient der Entnahme von Bedeutung.
            2. Die Lesefrequenz ist nicht entscheident für die Speicherung orthographischer Aspekte.
            3. Schreiben ist keine Reproduktion von Gelesenem, sondern eine eigenständige schriftsprachliche Produktion.
            Die Wortbildtheorie eines Karl Bormann ist wiederlegt.

          • Kennen Sie den Unterschied zwischen einem Erstleser im Alter von 4-7 und einem Harry-Potter-Leser – die Filme haben FSK 6/12, die Bücher bräuchten es z.T. auch?
            Wir sprechen von Erstlesen und Erstschreiben, vom Erlernen der Laut-Buchstaben-Zuordnung, des Leseprinzips, des Schriftsystems.
            Da bringen einen Studien über jugendliche Leser nicht weiter.
            Für die Rechtschreibleistung halte ich auch wenig entscheidend, ob man Voldemort, Nscho-tschi oder den vollständigen Namen von Pippi Langstrum korrekt notieren kann.

            Wenn aber Schreiben eine eigenständige schriftsprachliche Produktion sein soll, warum sollen dann Kinder, die das Schriftsystem in Ansätzen begriffen haben, nicht erste Versuche mit eigenen freien Texten unternehmen dürfen?
            Und wenn die Wortbildtheorie damit widerlegt ist, warum ist es dann so schlimm, wenn in den ersten eigenen Texten die Wörter so stehen bleiben dürfen, wie sie geschrieben wurden?
            Man kann die Leistung, einen Gedanken zu Papier zu bringen, anerkennen.
            Wenn das Kind zum ersten Mal mit einem Blatt kommt, auf dem “Papa ir hap dr lip” steht (oder auch nur Pp für Papa), dann finde ich es kontraproduktiv, wenn man als Vater sein Kind als erstes auf die Rechtschreibfehler hinweist. Wenn das Kind Fahrradfahren lernt und es vom Rad fällt, sagt doch auch keiner: du kannst das nicht, du bist hingefallen, lass das lieber sein. In beiden Fällen würde ich mir wünschen, dass man das Kind ermuntert, weiterzumachen, dass man merkt, dass man sich am Probieren freut, an den Fortschritten auch und das Scheitern dazu gehört, aber kein Weltuntergang ist, sondern zum Üben und Lernen dazu gehört. Tatsächlich wird das Kind dann Fortschritte machen, allein, weil es sich weiter damit beschäftigt. Sollte es keine Fortschritte geben, kann man als Erwachsener überlegen, welche Unterstützung notwendig sein könnte, ohne dem Kind die Aufgabe an sich abzunehmen.

          • Axel von Lintig

            Sie vergleichen das Laufen und das Fahrradfahren lernen, also physiologisch durch das unter dem Einfluss der Schwerkraft sich entwickelnde Gleichgewichtsorgan und seine Gegensteuerung, mit dem Schreiben und Lesen lernen, so als wären letztere natürliche Prozesse.
            Das sind Lesen, Rechnen und Schreiben aber nicht. Unser Gehirn hat sich nicht derart entwickelt um diese Kulturtechniken zu erlernen, sondern wir nutzen diese Fähigkeiten als Nebenprodukt für die Erlernung dieser Kulturtechniken.
            Wenn ich dann noch Ihre Beschreibungen im eigenständigen Schriftspracherwerb lese, so weiß ich , warum die Kinder der Gegenbewegung sehr viel weiter in ihrer Entwicklung des Schriftsprach- ,des Lese- und des Rechenerwerbs sind als die ihrer geistesverwandten Lehrer.Und deshalb haben diese auch Stress mit den Eltern, weil die Unterschiede augenfällig sind und man sich anderer eigener Fähigkeiten erinnert.
            Natürlich gehören Fehler und wiederholendes Einüben zum Lernprozess des Lesens, des Rechnens und des Schreibens dazu.
            Und es war nie ein Weltuntergang, wenn etwas falsch geschrieben, gerechnet oder gelesen wurde.
            Allein der Ansatz und das differenzierte Verständnis vom Lernen sind vollkommen anders.
            Und es entspricht der modernen Hirnforschung, dass unser Gehirn ständig lernt, sich umstrukturiert und sich auf neue Aufgaben einstellen kann und dies auch regelt. Allerdings gelingen diese Prozesse mit strukturierten Hilfen noch sehr viel effektiver und nachhaltiger als selbst gesteuerte Lernvorgänge.
            Lassen Sie doch mal die Leute nach Gefühl selbständig Autofahren lernen , Maschinen steuern, Operationen durchführen oder das Flugzeug fliegen so lernen.
            Und individuell gelernt hat schon immer jeder, es ist keine neue Erkenntnis.
            Nicht jeder Schüler muss das Rad neu erfinden. Es ist eben einfacher mit Hilfe der Montessori-Methodik rechnen zu lernen.
            Die Sonne scheint diesen Schülern aus dem Allerwertesten, wenn diese in die weiterführenden Schulen wechseln.
            Und da werden derartige Verschriftlichungen in Form von Wortruinen benotet und führen zum Karriereknick und der massiven Inanspruchnahme von finanziell aufwendigen Nachhilfen durch eines der zahlreichen Nachhilfeinstitute.

          • Axel von Lintig

            Palim
            (Wo ist denn der andere Kommentar hin?)
            Es ging um die Wortbildtheorie, die leider immer wieder Anhänger findet. sie werden sich auch keine chinesischen Schriftzeichen merken, oder etwa irgend welche Gegenstände haargenau beschreiben können.

          • Axel von Lintig

            Palim

            Schreiben ist eine eigenständig Produktion und diese drückt die eigenständigen Fähigkeiten aus , Gelesenes oder Gehörtes zu beschreiben.
            Warum darf man da keine strukturierten Hilfen geben, was ist daran falsch ?
            Fragen Sie doch Brügelmann, warum die nicht effektiver lernen dürfen.
            War der auch auf einer autoritären Schule im Rheinland.Schauen Sie sich mal die Leute an aus welchem schulischen Hintergrund diese ihre Gegenkonzepte entwickelten.So etwas gab es in protestantisch aufgeklärten Gegenden nicht und man muss die Erziehung von den Lehrmethoden trennen.

          • @von Lintig
            Sie widersprechen sich. Einerseits bestreiten Sie die Wortbildtheorie, andererseits setzen sie auf Silbenbilder, weil sie sich oft wiederholen und darum einprägen. Eine Sache des fotografischen Gedächtnisses sind sie also auch.

            Ich wette, dass Sie die ganzen Wörter “Polizei” und “gefährlich” vor Augen haben und im Schlaf lesen und schreiben können. Warum wohl? Doch wohl einfach durchs Wortbildgedächtnis wegen ihres häufigen Auftretens.
            Wenn es nur ums Gedächtnis von Silben ginge, müssten die meisten Menschen “geverlich” schreiben. “Ver” ist viel häufiger als “fähr”.

            Die Studien zu den häufig vorkommenden Namen in den Harry Potter Romanen “Ravenclaw”, “Hogwarts “und “Voldemort” sagen mir nur eins: dass unser Gehirn wunderbar rationell mit seinen Speicherkapazitäten umgeht. Wann werden die Fantasienamen aus Harry Potter später noch gebraucht? Also werden sie trotz zig-fachen Lesens nachträglich schnell wieder abgestoßen, während “Polizei”, “gefährlich” oder auch real existierende häufige Namen als Ganzes im Gedächtnis bleiben.

            Ich widerspreche Ihnen auch in der Aussage, dass Lesen und Schreiben zwei sehr getrennte Vorgänge seien. Nein, sie stehen in enger Wechselbeziehung.
            Ich kenne keinen Schüler, der wunderbar lesen konnte, aber katastrophal schrieb. Wenn es so etwas gibt, dann müssen es außergewöhnliche Sonderfälle mit bestimmten Störungen sein.

            Auch Ihre Theorie, dass allein Silben für das Gedächtnis wichtig sind, wird von den Harry Potter Namen widerlegt. Sie bestehen auch aus Silben, die im Gedächtnis bleiben müssten. Stattdessen werden auch sie nach einiger Zeit falsch geschrieben, weil das Gehirn den unnützen Ballast über Bord wirft.

          • Axel von Lintig

            Sophia ST.
            Es geht um Leseanfänger, welche am Anfang des Lese- und Schriftspracherwerbs stehen und sich nicht wie Sie am Abschluss dessen befinden. Diese müssen sich alles erst noch erarbeiten. Sie können dagegen in ihrem Gehirn auf ein großes Speichersystem zurückgreifen, welches bei Erstlesern und Schreibern noch erarbeitet werden muss.
            Die Untersuchten zu den Schreibungen aus dem Harry Potter Roman konnten sich sehr vage an die richtige orthographische Schreibung erinnern, weil sie diese nie geschrieben hatten.Aber sie konnten das in ihrer eigenen Schreibstrategie umsetzen.Und diese Schreibstrategie erwirbt man durch häufiges Schreiben.
            Ich setze auf eine silbierte Gliederung beim Lesen , sowie die gegliederte Schreibung in Silben, da es dem silabischen Ordnungsprinzip unserer Sprache entspricht.
            Es gibt gute Leser die schlechte Schreiber sind und umgekehrt gute Schreiber, die schlechte Leser sind.Das diese Ihnen noch nicht begegnet sind ist möglich. Es existieren aber bei den Schülern unterschiedliche Stärken in Beidem.
            Da wird doch die fehlende direkte Korrelation sichtbar.Es besteht trotzdem eine indirekte Abhängigkeit beider.
            Uta Frith beschrieb Lesen und Schreiben als eine Win-win-Situation. Ganz so eindeutig ist das nicht.

          • Axel von Lintig

            Sophia St.

            Man erliest sich Wörter und erarbeitet sich dabei Strategien zum Erlesen.
            Als allererstes lernt man die Erarbeitung eines Sichtfensters durch automatisierte Augenbewegungen , in unserem Sprachraum von links nach rechts. Und da fangen bei Arabern und Personen mit einer Kreuzdominanz im optisch-motorischen System die ersten Probleme gleich am Anfang an.
            Sie können die Minuskeln(k,p,h,l,t etc) der Konsonaten als Silbenränder verwenden, um sich das Lesen schneller anzueignen.Dabei greifen Sie dann auf die silbierte Gliederung der Wörter zurück.

          • Obwohl schon längst vom Forenthema entfernt, noch eine Bemerkung.
            @AvL
            Wenn ich die vielen Posts von Ihnen hier durchlese, vertreten Sie ganz konsequent eine bestimmte Linie und haben eine genaue Vorstellung davon, wie der Unterricht und vor allem der Schriftspracherwerb auszusehen hat. Wie viele Sie von Ihrer Idee überzeugen können, bleibt dahingestellt. Einige Gedanken von Ihnen decken sich mit meinen, aber nicht alle. Außerdem verfolge ich nicht stur ein Konzept, sondern bleibe als Lehrkraft flexibel und situationsgerecht.
            Öffentliche Schulen funktionieren so, dass sie die Ideen, die ihnen gut erscheinen, mit in ihr Konzept aufnehmen eben um noch mehr Handwerkszeug zu haben.
            Der nächste konsequente Schritt Ihrerseits wäre vielleicht die Gründung einer Privatschule mit Gleichgesinnten. Privatschulen, die Konzepte haben, die viele ansprechen, breiten sich aus. Bei uns gibt es z.B. viele Montessorischulen.) Öfter werden Ideen dieser Privatschulkonzepte von öffentlichen Schulen übernommen, wenn sie sich bewähren und Lehrer sie für wert befinden um sie auszuprobieren. Was nicht erfolgversprechend ist, verschwindet wieder bzw. wird modifiziert.

          • Axel von Lintig

            yspn

            Öffentliche Schulen befinden und befanden sich in einem ständigen Wandel. Ich bin Anhänger eines öffentlichen Schulsystems ohne Trennung nach sozialen Unterschieden. Die öffentlichen Schulen stellen sich auf diese Veränderungen ein, aber alles können auch deren Lehrer nicht leisten.Das geht aus den zahlreichen Dikussionen hervor.Dieses Forum bietet die Möglichkeit andere Sichtweisen und Perspektiven kennen zu lernen.Deshalb wird es sich bewähren , um andere Sichtweisen kennen zu lernen.
            Vielen Dank für den Hinweis von Ihnen.

          • Vielen Dank, Herr v. Lintig, für Ihre ausführlichen und interessanten Antworten.
            Der Unterschied, den Sie zwischen Lese- und Schreibanfängern und jenen Personen machen, die am Ende des Lernprozesses dieser Kulturtechniken stehen, leuchtet mir ein.
            Dennoch wurden bei den Untersuchungen zu den Harry-Potter-Namen eher geübte Leser ausgewählt und die Erkenntnisse auf das Erlernen von Lesen und Schreiben übertragen. Offenbar ist man da auch von hinten nach vorne vorgegangen, was einiges für sich hat.
            Unübliche Namen oder seltene Wörter für die Rolle des Gedächtnisses beim Lesen und Schreiben auszusuchen, halte ich nach wie vor für unglücklich.

          • Die Reformschulen sind ja in der weimarerzeit aus den staatlichen Schulen hervorgegangen. Während die konservativen Eliten zwar ihrer Titel verlustig gingen, blieb der nachwuchs doch weiter auf privaten Internaten unter sich und seinesgleichen oder wurde weiterhin vom Privatlehrer unterrichtet. Weite Teile des Bürgertums forderten mehr “Realien” im Unterricht, was zu einer Ausweitung der Realgymnasien und Realschulen führte.
            Nicht destotrotz ging der überwiegende Teil (80 – 85%) der schulpflichtigen Kinder und Jugendlichen auf die Volksschulen.

            Die reformpädagogischen Bestrebungen der Weimarer Zeit erlebten nach der Machtergreifung ihr jehes Ende und lebten erst in den 60ern wieder auf, da in der Nachkriegssituation zunächst einmal mit den vorhandenen Ressourcen die Beschulung der durch die Flüchtlinge stark angestiegenen Bevölkerungszahlen in den Trümmern der Städte gewährleistet werden musste und der Geist der Adenauerzeit nicht unbedingt für Veränderungen stand.

          • Axel von Lintig

            Sophia St.

            Der Grund der Verwendung dieser Begriffe aus dem Harry Potter Roman bestand darin, dass wir Deutschen eigentlich keine Strategien oder auch Regeln zum Schreiben dieser englischen Wörter parat haben, um diese orthographisch korrekt zu schreiben.
            Was bleibt ist Inhalt des Wortes aus unserer akustischen Erinnerung, den wir mit unseren Schreibstrategien verbinden.
            Visuell merkt man sich diese fremden Wörter nicht, es sei denn man buchstabiert sich die Wörter oder schreibt diese.
            Hätten wir die Wörter vor der Überprüfung geschrieben, wäre uns die korrekte Übertragung gelungen. Allerdings haben wir den Inhalt auf unsere individuelle Weise erfasst.

          • Axel von Lintig

            dickebank

            Das mit den reformpädagogischen Bestrebungen zwischen der Weimarer Republk und der Nachkriegszeit stimmt so nicht. Mit seinen wichtigsten Vertretern der Reformpädagogik im dritten Reich hat sich Herr Benjamin Ortmeyer auseinandergesetzt. Zu ihren Vertreter gehörten Peter Petersen, Noll und andere.Petersen entwickelte seine Jenaplan in dieser Zeit, ebenso seine offenen Unterrichtsformen, wie Stationsarbeit, Gruppenarbeit, Wochenplan und Gruppenarbeit.
            Letzterer war zwar nicht Mitglied der NSDAP, stand aber nach seinen Aussagen offensichtlich hinter den Rassengesetzen der Nazis.

          • Ich habe ja nur geschrieben, dass die reformpädgogischen Bestrebungen ihr Ende nach der machtergreifung fanden. Das sollte nur darauf hindeuten, dass die erkenntnisse nicht im ganzen Reich umgestzt worden sind. Die Ideen von Petersen fanden wohl Anklang bei den Nazi-Oberen (Adolph und Baldur). Nur der Reichsjugendführer und Statthalter in Wien hatte andere Probleme als die reichsweite Umsetzung des Jenaplankonzeptes. Was Petersen ebenso wie Steiner und die NS-Politik verband, war der völkische Gedanke …

            Mit der Umsetzung der reformpädagogischen Entwürfe wurde in den 60er Jahren begonnen und die ursprünglichen Konzepte in einem neuen gesellschaftlichen Kontext zeitgeistig interpretiert.

            Freiarbeit und Dienst bei der HJ standen sich von der Grundidee her betrachtet auch irgendwie diametral gegenüber. Und ob die NaPoLas mit Reformpädagik den neuen Herrenmenschen hätten formen können, lässt sich nicht belegen, zumal die Junker an der Front gebraucht wurden, um sich außerschulisch zu beweisen.

          • Axel von Lintig

            Und dann entwickelte Petersen noch die individuellen Beurteilungen anstelle von Noten.
            Was wird man wohl in der Freiarbeitszeit im dritten Reich selbstständig an Themen bearbeitet habe? Kant oder deutsche Schriftsteller wie Kästner, Tucholski, Heinrich oder Thomas Mann? Wohl nicht.
            Schließlich sollten die lieben Schüler in der Abwesenheit der Lehrer an der Front mit nichts all zu Schwerem beschäftigen.
            Und warum diese individuellen Beurteilungen, wem dienten diese,? Was wird man mit einer Beurteilung wohl in einer Diktatur erreichen wollen? Kontrolle und Linientreue.
            Und Petersen hat nach Kriegsende noch sein Bedauern darüber ausgesprochen, dass die Rassenideologie nicht vollständig umgesetzt wurde.Wie kann man diesen Mann als frei von Schuld sprechen, wenn er hinter diesem System stand.

          • AvL
            Ich habe an keiner Stelle geäußert, dass man keine strukturierten Hilfen geben darf.
            Man sollte sich aber genau überlegen, wann und wo sie angemessen sind.
            Auch wenn Sie Radfahren einen schlechten Vergleich finden: Niemand würde JEDEM Kind in jedem Fall ein Jahr lang Stützräder anschrauben, wenn das Radfahren wie von selbst gelingt, weil das Kind ausreichend Begabung und Grundvoraussetzungen mibringt.
            Tatsächlich gibt es ebenso Kinder, die die Rechtschreibung im Vorbeigehen erlernen ohne weitere Übungen nötig zu haben.
            Auch gibt es Kinder, die viel Hilfe benötigen – beim Radfahren oder Schreiben oder beidem, Rechtschreibtalente, die nicht Radfahren können und Radfahrtalente, die nicht Rechtschreiben können.
            Entsprechend muss man die Hilfestellungen anpassen.

            Es gibt nicht die einzige allein gültige Methode und Hilfestellung, nicht beim Radfahren (Laufrad statt Stützrad) und nicht beim Rechtschreiben.
            Die meisten von uns begegnen der Heterogenität im Klassenraum mit Vielfalt, die aber nicht beliebig ist, sondern auf Beobachtung, Diagnose und sehr viel Handwerkszeug beruht. Der Einsatz von Freiem Schreiben als einen Teil im Unterricht ist nicht gleichzusetzen mit LdS, auch schließt er keinesfalls syllabische Übungen aus. Tatsächlich kann man alles miteinander verbinden und wird bei den SuS unterschiedliche Stärken und Vorlieben entdecken, die man dann gewinnbringen nutzen kann.
            Das eine Kind möchte die Hand am Sattel spüren, das andere lieber selbst probieren.
            Das eine Kind profitiert mehr von Silben, dass andere findet den Zugang zum Schreiben über kreative Aufgaben und übt dabei so viel, dass die Rechtschreibung wie von allein viel besser wird, weil es sich über diesen Zugang mit der Schrift beschäftigt.

            Wer alle SuS in eine Klasse setzt, muss das System so breit aufstellen, dass er jedes Kind erreicht. Meiner Meinung nach wird das mit einer einzelnen Methode nicht gelingen.

            Die eigentliche Frage, die dahinter steht, ist: Wie viel kann man als Eltern/als Erwachsener zulassen, ohne schützend einzugreifen? Wann ist Hilfe nötig und wann schaft das Kind Grundsätzliches aus eigenem Antrieb und eigenen Fähigkeiten? Muss ich Radfahren, klettern, springen ohne mein Beisein und meine Handführung und Anleitung verbieten oder kann ich mich daran erfreuen, dass das Kind sich und seine Fähigkeiten ausprobiert und erste Erfolge feiern?
            Wann gebe ich dem Kind ein scharfes Messer in die Hand und wie viel Hilfe und Erklärung gebe ich, damit sich das Kind nicht verletzt?

            Das alles gehört immer mit dazu, auch beim Lesen, Rechtschreiben, Texte schreiben oder Rechnen.
            Wann kann ich einen Rechtschreibfehler “aushalten” und wann braucht das Kind ein Korrektiv?
            Noch ein Beispiel: Lässt man Kinder weiter als bekannt rechnen, lösen darin begabte Kinder gerne Aufgaben miit größeren Zahlen. Schreiben sie die Zahl einhundertundeins zum ersten Mal, steht dort recht häufig “1001”. Wenn die Kinder das lesen, sagen sie 101. Das geschriebene Ergebnis kann ich als “falsch” anstreichen oder es zum Anlass nehmen, den Zahlaufbau im Hunderter vorab in Kurzform zu erläutern oder aber das Wissen für mich behalten, wenn genau dieser Inhalt in zwei Wochen ohnehin im Unterricht erarbeitet wird und danach diese Aufgabe dem Kind noch einmal/ zu Kontrolle vorlegen.
            Bei dem einen Kind geht letzteres, bei dem anderen nicht. DAS ist l Pädagogik: Kinder zum Lernen führen auf eine Weise, die für sie sinnvoll ist.
            Im übrigen setze ich mein Mathe- und Rechtschreib-Genie auch aufs Rad zum Fahrsicherheitstraining und setze auch dazu Förderung ein, weil es kaum Radfahren kann, aber endlich lernen soll. Dabei habe ich nach einiger Zeit gemeint, dass es reicht, das Kind wollte aber am selben Tag weitermachen, ist noch ein paar Mal hingefallen, konnte aber am 2.Tag auf einmal Radfahren. Und eines meiner anderen Kinder, dass mit großen sozial-emotionalen Problemen die Schule zu uns gewechselt hat, war der allerbeste Fahrrad-Übungs-Coach. Da haben wir alle etwas dazu gelernt.

          • Axel von Lintig

            Palim

            Der Vergleich hinkt.
            Das Kind lernt als erstes mit dem Laufrad sein Gleichgewichtsorgan zu schulen.Stützräder sind kontraproduktiv und verhindern den Lernfortschritt beim Lernen des Radfahrens, da das Gleichgewichtsorgan nicht gegensteuern kann.
            Üben hilft, aber was gar nicht geht ist die fehlende Differenzierung bei unterschiedlich starken Kindern, das heißt, wenn dann alle beim eigenständigen Arbeiten das selbe Material erhalten.
            Ich sehe hier unterschiedlich starke Schüler, die alle mit dem selben Material konfrontiert werden, und das obwohl sie weit aus mehr leisten könnten.
            Auch fehlt die Vermittlung von allgemein bildenden Themen im Deutschunterricht. Das ließe sich sehr gut verbinden und fördert das Interesse am Unterricht.Als Beispiel nenne ich die Themen Sommergewitter mit Blitzschlag, Hagel etc., Gezeiten, Nord- und Ostsee,Auenwälder , interessante Wissenschaftler, wie Madame Curie, Joan Rawlins, Margarete Steif etc. Da kann man dann Konjunktionen, Satzanfänge etc. einüben und das Interesse der Schüler wecken und vermitteln, dass auch Frauen herausragende Positionen früher einnahmen.

  8. Zu den Berichtzeugnissen habe ich ein sehr gemischtes Verhältnis, weil ich erfahre wie irre aufwändig es ist, solche Zeugnisse zu schreiben, die vom Aufwand – Nutzen Effekt völlig aus dem Ruder laufen.
    (In Bayern müssen wir gerade von Klasse 1-4 sehr ausführliche Zeugnisberichte schreiben, wo man sich fragt, was kann ich mir jetzt noch aus den Fingern saugen, damit die Zeilen gefüllt werden und das so langsam aber sicher ins Nichtssagende abgleitet bzw. man zwangsläufig Nebenschauplätze beschreibt. Da mache ich doch lieber eine gute Vorbereitung in der Zeit. Da wäre die Zeit wertvoller genutzt.)

    Was will man mit Berichtzeugnissen? Man will den Lernstand dokumentieren bzw. den Stand beschreiben, auf dem sich das Kind befindet.
    Für wen schreibt man diese Zeugnisse? Im Prinzip für die Eltern und als Nebeneffekt für die KollegInnen, die die Kinder danach haben. Wenn die Zeugnisse erwachsen formuliert sind, verstehen sie die Kinder nicht bzw. man muss sie ihnen erläutern.
    Welche Konsequenz wird aus diesen Berichtzeugnissen gezogen für das Weiterkommen? Nach meinem Gefühl leider kaum eine andere wie wenn es nur Noten gäbe, zumindest, was die Texte in den Fächern betrifft.

    Was mich bei den Fächern stört: Man beschreibt größtenteils Leistungen, die man schriftlich abgeprüft hat, auf die es Noten gab und die Leistungsnachweise haben die Eltern zur Kenntnisnahme unterschrieben. D.h. die Eltern sind so oder so über den schriftlichen Leistungsstand ihres Kindes informiert. Diese Arbeit finde ich völlig unnötg, dass ich den Inhalt dieser Leistungsnachweise bzw. Kernstandsübprüfungen in Worten noch im Zeugnis schreibe.

    Deswegen bin ich für eine Mischform:
    Noten in den Fächern, eine Spalte für optionale Zusatzbemerkungen zu den Fächern, wenn man z.B.noch etwas besonders bemerken möchte, was jetzt über schriftliche Leistungsnachweise nicht so auffällt oder Empfehlungen geben möchte, eine Spalte zu Sozialverhalten und eine zum Lern- und Arbeitsverhalten, wo man einen Text hineinschreiben kann.
    Das wäre vom Arbeitaufwand und vom Effekt, was es bringen soll, noch am besten.
    Die Eltern, die genauere Rückfragen haben, sollen lieber das Gespräch suchen. Zusammenarbeit funktioniert über Gespräche und nicht über ausführliche Zeugnisberichte.
    Zum Halbjahr machen viele Grundschulen in Bayern und anderen Bundesländern so oder so die Lernentwicklungsgespräche, die finde ich als Halbjahreszeugnisersatz gut, auch in dem Sinn gut, dass die Schüler hier angehalten werden, bestimmte Dinge zu reflektieren und sich Ziele zu setzen.
    Ich würde in der Grundschule auf jeden Fall mit Noten anfangen, denn die Kinder haben genug Schwierigkeiten, sich beim Übertritt an die “große Schule” zu gewöhnen. Wenn dann nochmals etwas Neues dazukommt, fände ich das für den Übergang zu hart.

    Je mehr inklusive Kinder mit Lernschwierigkeiten man in einer Klasse beschult, desto mehr muss man eine Handhabe haben, bei diesen Kindern mit Noten anders umzugehen, damit sie nicht frustriert sind.

  9. Mischformen gibt es ja in vielen Bundesländern. Noten in den Fächern (ab Klasse 2) und zusätzlich Berichte über Arbeitsverhalten, Selbsständigkeit, Sozialverhalten und Lernen(bezieht sich auf Stärken und Schwächen in den Fächern). Und da der Bericht zur Note passen soll, muss er aussagekräftig sein, d.h. bei einer 4, 5 oder 6 kann ich nicht nur “Blümchenformulierungen” hinschreibenn, sonst bin ich nicht mehr glaubwürdig. Ich schreibe, was der Schüler gut kann, aber auch wo es Defizite gibt. Sonst hätte er keine schlechte Note.

  10. Vergessen: Bei den Fächern beschreibe ich ja auch, wie der Schüler mit neuem Lernstoff umgeht, ob er selbstständig arbeitet oder viel Hilfe braucht, ob er motiviert ist, schlampig, ordentlich arbeitet, wo er evtl. noch Unterstützung braucht, usw. Das sieht man an der Note der Lernzielkontrollen nicht unbedingt.

    • In Bayern beschreibt man dies beim Lern- und Arbeitsverhalten. Bei den Fächern werden nur die fachspezifischen Leistungen beschrieben. Bayern übertreibt mit den Berichtszeugnissen, die komplett von Klasse 1-4 geschrieben werden müssen, also zusätzlich zu den Noten ab Klasse 2. Es sind 2 DINA 4 Seiten in Arial 10. Ich brauche für 1 Zeugnis 2-3 Stunden, vielleicht mit Kontrolllesen mehr. Bei 25 Schülern sind das ca. 2 Arbeitswochen. Das kann nicht sein! Deswegen bin ich inzwischen gegen diese Form von Zeugnissen, wenn man sie nämlich befürwortet, wird nur übertrieben, zumindest erfahre ich das im Augenblick so. Wenn man da noch als Klassenlehrer alle Fächer unterrichtet, macht man ja für alle Fächer die Bemerkungen. Die Vorgängerversion war schon grenzwertig arbeitsintensiv, aber da hat man es, wenn man ein bisschen Übung hatte, in ca. (1)1,5-2 Stunden pro Schüler geschafft. Die bisherige Form abgespeckt (keine spezifischen Bemerkungen in D und M, sondern ein allgemeines Feld dafür wie oben beschrieben) würde in der Aussagekraft genügen.
      Ein Berichtszeugnis zu schreiben, dass es passt, ist nicht so einfach, wie sich das wohl manche vorstellen. Nämlich einfach Bausteine anklicken ist nicht. Zum einen muss das auf den Schüler passen, was man schreibt (also gehört hier Nachschlagarbeit und Überlegarbeit dazu) und zum anderen klingt es sprachlich oft unmöglich, wenn man Bausteine hintereinander setzt.

      • Viel unmöglicher als (extrem) gegenderte Texte dürften Bausteine nicht sein, selbst wenn Sie sie von “oben” aufgetragen positiv formuliert sein müssen …

        • Ist wie im Arbeitsrecht, jede individuell nach bestem Wissen und Gewissen formulierte Aussage ist subjektiv. Wie Ziffernzeugnisse können auch Textzeugnisse gerichtlich überprüft werden. Sie bergen dann allerdings auch mehr “Fallstricke” als Ziffernzeugnisse. Wenn dereinst dann irgendwann einmal alle nicht rechtssicheren Formulierungen durch Gerichte geprüft und durch justiziable Formulierungen ersetzt sind (siehe Arbeitsrecht9 werden noch ein paar Jahre hingehen. Aber die dann noch verbleibenden Formulierungen können durch jedes Textverarbeitungsprogramm in jeder beliebigen Reihenfolge (nichtssagend) zusammengesetzt werden. Jeder Steuerbescheid ist so zusammengeschustert.

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.Benötigte Felder sind markiert *

*