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Lorz will „Lust auf Leitung“ machen: Neue Qualifizierung soll Lehrer in Hessen besser auf Führungsaufgaben vorbereiten

WIESBADEN. Ein Kollegium managen, Konflikte schlichten, das Budget im Auge behalten: Schulleiter haben einen anspruchsvollen Job. Hessens Kultusminister Lorz bietet nun eine bessere Qualifizierung für die angehenden Chefs an.

Möchte potenzielle Schulleitungen besser qualifizieren lassen: Alexander Lorz, Kultusminister von Hessen. Foto: Martin Rulsch, Wikimedia Commons, CC-by-sa 3.0/de

Möchte potenzielle Schulleitungen besser qualifizieren lassen: Alexander Lorz, Kultusminister von Hessen. Foto:
Martin Rulsch, Wikimedia Commons, CC-by-sa 3.0/de

Hessen will Lehrer mit Ambitionen auf eine Schulleitung künftig gezielter auf den Chefposten vorbereiten. Kultusminister Alexander Lorz kündigte am Montag in Wiesbaden an, dass vom kommenden Schuljahr an hessenweit eine spezielle mehrtägige Fortbildung angeboten wird. Ein Pilotprojekt mit 32 Teilnehmern sei erfolgreich verlaufen. «Wir haben das Projekt nicht aufgelegt, weil es einen Mangel an Bewerbern gibt», betonte Lorz. Allerdings stiegen die Anforderungen an Schulleiter stetig. Es sei vielerorts der Wunsch an ihn herangetragen worden, Lehrer besser auf die Übernahme dieses Amtes vorzubereiten, sagte der CDU-Politiker.

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«Dies ist auch ein Beitrag, um das Besetzungsverfahren zu beschleunigen und effektiver zu machen», erläuterte Lorz. Angesprochen sollten sich alle Lehrer fühlen, die sich eine Leitungsfunktion vorstellen könnten. Jedes Jahr müssen in Hessen rund 150 Schulleiter-Posten neu besetzt werden. Bei mehreren Info-Veranstaltungen unter dem Motto «Lust auf Leitung» hätten sich bereits 500 Lehrer interessiert gezeigt, teilte das Ministerium mit.

„Die ersten 100 Tage“

Künftig sollen nach den Worten von Lorz mehr als 250 mögliche neue Chefs pro Jahr an der neuen Fortbildung teilnehmen können. Eine Bewerbung zum Schulleiter sei aber zunächst auch nach wie vor ohne diesen Kurs möglich. Zu den Kernkompetenzen eines Schulleiters gehörten unter anderem ein gutes Konfliktmanagement, eine hohe soziale Kompetenz und die Bereitschaft, Entscheidungen zu treffen. In der Fortbildung geht es unter anderem um «Kommunikation», «Schulrecht», «Schulbudget» und um «Die ersten 100 Tage an einer neuen Schule».

Die Förderschullehrerin Elvira Rauschenberg hat die Fortbildung in der Pilotphase absolviert – und einen ersten Eignungstest bestanden. «Ich fand es gut, mich vorab intensiv mit den Aufgaben einer Schulleiterin zu beschäftigen», sagte sie. Wenn man den Posten erstmal inne habe, bliebe nur noch wenig Zeit für Fortbildung. Sie habe nach wie vor «Lust auf Leitung» und wolle sich nun nach einer Stelle umschauen. dpa

10 Kommentare

  1. Wenn man wirkliich Lust auf Leitung kriegen soll, dann müssten die intriganten und intransparenten Machenschaften der Schulämter in den Bewerbungsverfahren aufhören.

  2. Ich bezweifle, dass es wirklich an mangelnder Fortbildung liegt, dass man nicht Schulleiter werden will.

    Warum sollte man Schulleiter werden?

    – Man hat massiv weniger Freizeit.
    – Man hat enorm viel mehr Stress und Ärger.
    – Man verdient auch ohne diese Funktion als Lehrer sehr gut.

    Mich reizt das überhaupt gar nicht, also brauche ich auch keine FoBi.

    • Gerüchten zufolge wird Schulleiter, wer keine Lust auf vollen Unterricht hat, oder ins Dezernat wechseln möchte. Das zusätzliche Einkommen kann es nicht sein, weil es in keinem vernünftigen Verhältnis zur Mehrarbeit steht. Am Gymnasium (A16Z) sowieso, an Grundschulen (A13 oder A14) in noch extremeren Maße.

      • „Gerüchten zufolge wird Schulleiter, wer keine Lust auf vollen Unterricht hat….“
        Die wurde immer nur gestreut, um die „Faulen“ dann leiden zu sehen 🙂

  3. Würde es den Herrn Kultusminister wirklich interessieren, woran dieser Schulleitermangel liegt, hätte er den Mut, sich in Schulen umzuhören und sich ehrliche Meinungen einholen. Wahlweise könnte er sich auch hier im Forum informieren. Ich denke nach 2 – 3 Schulbesuchen würde auch der Herr Kultusminister merken, woran es liegt.
    Egal, welche Funktion man an einer Schule innehat, die gewährten Anrechnungsstunden sind ein Witz. Ein Systembetreuer (ca. 150 Computer) erhält 2 Unterrichtsstunden Ermäßigung, lächerlich. Referendarsbetreuung findet in Bayern zu 50 % ehrenamtlich statt usw.

    • In Nds. soll es dazu mal einen Arbeitskreis gegeben haben.
      Auch ich denke, Schulbesuch oder ehrliches Erkundigen hätte ausgereicht.

      Referendariatsbetreuung findet in anderen BL zu 100% ehrenamtlich statt, so wie viele andere Aufgaben auch.
      Als SL darf man dann zusätzlich weitere dieser Aufgaben übernehmen bei 20 oder mehr Stunden Unterricht, an sehr kleinen Schulen übrigens auch für A12Z übrigens.

      Fortbildungen, wie oben beschrieben, gibt es in anderen BL schon längst, mehr so ein Ausloten, ob man das machen möchte. Hat man teilgenommen, hat man sich schon als potentieller SL vorgetan.

      Die eigentliche SL-Qualifizierung findet in meinem BL seit Jahren erst statt, NACHDEM man das Amt übernommen hat … und wurde neulich aus finanziellen Gründen gestrichen.
      Ist man als LuL an einem kleinen System, sieht man durchaus, was eine SL zu leisten hat und welche Aufgaben dazu gehören.

      • Gibt es in anderen Bundesländern keine Seminarschulen, an denen Referendare ausgebildet werden?

        • Doch, es gibt „Seminare“, die in 2-4 wöchentlichem Rhythmus stattfinden und von denen aus vor allem die Unterrichtsbesuche und -bewertungen erfolgen.
          Ich finde zweifelhaft, ob man das „Ausbildung“ nennen kann.

          Auch die dortigen Lehrkräfte, die als Seminarleitende Aufgaben übernehmen, unterrichten an Schulen, bekommen wenig Entlastung und kaum Entlohnung (eine Zulage)

        • In Hessen ist jede Schule Ausbildungsschule, was auch gut ist. Vor Jahren gab es dafür sogar mal Entlastung. Heute ist irgendwann mal die Ehrenamtsgoldkarte drin

    • Es wird halt nicht besser – auch Lorz sitzt die Probleme aus, die er eigentlich anpacken sollte. Und die Regel ist klar: Aus dem Kultusministerium dürfen nur Sieges – und Erfolgsmeldungen geben.
      Zwar hat man sich 2008 nach der Wahlschlappe in der Bad Wildunger Erklräung klar selbstkritisch gezeigt:
      „Wir wissen, dass die Belastung der Pädagogen hoch ist. Wir wollen nach Möglichkeiten der Entlastung suchen.“

      und

      „Dennoch sehen wir, dass gerade die Mitarbeiter des Landes, denen wir unter Berücksichtigung der sicheren Arbeitsplätze eine Arbeitszeitverlängerung bei gleichzeitigen finanziellen Einschränkungen zugemutet haben, uns dieses Mal deutlich geringer unterstützt haben, als zuvor.“

      Man durfte sich damals schon wundern über diese ungewöhnlich offene und fast schon die Realität treffende Einschätzung.

      Vergleicht man aber die „Lust auf Leitung“ und das Leitungsleid wie im letzten Artikel dazu,
      http://www.news4teachers.de/2017/06/es-brennt-an-den-grundschulen-immer-mehr-kollegien-rufen-in-brandbriefen-um-hilfe-doch-nichts-passiert/

      wird klar: Ist alles beim Alten, die Schaumschläger sind wieder dran, Realität stört nur.

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