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Tausende Schüler müssen Mathe-Abi wiederholen, weil Lehrer Pflicht-Fortbildungen versäumt haben

POTSDAM. Systematisch sei beim Mathe-Abi in Brandenburg nichts falsch gelaufen, betont Kultusminister Günther Baaske. Trotzdem müssen tausende Schüler die Prüfung wiederholen. Rund ein Drittel der Schulen hatten keine Lehrer zu den vorgeschriebenen Fortbildungen zum Rahmenlehrplan geschickt und abiturrelevante Themen schlicht nicht unterrichtet. Nun sollen die Teilnahme an den Fortbildungen stärker kontrolliert werden.

Die Pannen bei den Abi-Prüfungen in Brandenburg sind offensichtlich auch auf eine mangelnde Fortbildung der Lehrer zurückzuführen. Rund 30 Prozent der Schulen hätten Mathematiklehrer nicht zu vorgeschriebenen Fortbildungen zum Rahmenlehrplan geschickt, teilte das Bildungsministerium in Potsdam mit.

Eine Reihe von Missverständnissen habe dazu geführt, dass viele Schulen keine Vertreter zu den obligatorischen Rahmenlehrplan-Fortbildungen geschickt hatten. Ein systematisches Problem will Kultusminister Baaske darin nicht erkennen. Foto: Chemie-Verbände Baden-Württemberg / flickr (CC BY 2.0)

Eine Reihe von Missverständnissen habe dazu geführt, dass viele Schulen keine Vertreter zu den obligatorischen Rahmenlehrplan-Fortbildungen geschickt hatten. Ein systematisches Problem will Kultusminister Baaske darin nicht erkennen. Foto: Chemie-Verbände Baden-Württemberg / flickr (CC BY 2.0)

Nach der Mathematik-Prüfung am 3. Mai hatten zahlreiche Lehrer und Schüler kritisiert, dass Fragen aus dem Zentralabitur gar nicht im Unterricht behandelt worden waren. Untersuchungen ergaben aber, dass diese Themen durchaus hätten unterrichtet werden müssen.

Das Ministerium bot rund 6000 Schülern an, die Prüfung am 12. Juni wiederholen zu können. 2580 Abiturienten wollen davon Gebrauch machen, teilte das Ministerium nun mit.

Panne im Zentralabitur – 6000 Brandenburger Schüler können Matheprüfung wiederholen

Bildungsminister Günther Baaske (SPD) sprach von einer Reihe von Missverständnissen. «Es tut mir leid, dass das passiert ist», sagte Baaske. Er könne aber nicht erkennen, dass systematisch etwas falsch gelaufen sei.

Im Bildungsausschuss des Brandenburger Landtags sagte der Mathematik-Professor Ulrich Kortenkamp, viele Lehrer empfänden eine Fortbildung als Belastung. Es müsse klar gemacht werden, dass Fortbildung nicht den Nachmittag kaputt mache, sondern den Lehrern helfe. Kortenkamp hatte die Abläufe in den vergangenen Tagen im Auftrag des Ministeriums analysiert.

Der CDU-Abgeordnete Gordon Hoffmann kritisierte, dass das Ministerium nicht schon reagiert habe, als 30 Prozent der Schulen keine Lehrer zur Fortbildung schickten. Er habe nun Rückmeldungen von Lehrern, die sagten, die Fortbildungen seien gar nicht verpflichtend gewesen. Der CDU-Abgeordnete Jan Redmann sagte, es sei nur eine Bitte des Ministeriums gewesen und keine Verpflichtung für die Lehrer.

Künftig mehr Kontrollen

Baaske sagte, es sei nicht richtig, dass er seit Jahren von den nicht besuchten Fortbildungen gewusst habe und nichts unternommen habe. «Es gibt hier nicht den einen Kardinalfehler.» Die Verpflichtung ergebe sich aus einem Schreiben des Ministeriums an die Schulen. Die Grünen-Abgeordnete Marie Luise von Halem kritisierte, dass nur jeweils ein Lehrer aus jeder Schule an der Fortbildung teilnehmen sollte.

Eine Konsequenz sei nun, dass die Einhaltung der Fortbildungen künftig kontrolliert werden müsse, sagte Baaske vor der Presse weiter. Zudem müssten die Schulleiter disziplinarische Möglichkeiten in die Hand bekommen, wenn Lehrer eine Fortbildung nicht besuchten.

Die Panne mit dem Mathe-Abi selbst soll dagegen keine disziplinarischen Konsequenzen für die Lehrer haben. Dies habe man bereits früh zugesagt, damit die Lehrer offen erzählen, welcher Stoff im Unterricht tatsächlich behandelt wurde, hieß es.

Das Ministerium hatte auch ein Gutachten in Auftrag gegeben, um die Beschwerden zu prüfen. Der Untersuchung zufolge waren die Aufgaben nicht zu schwierig und entsprachen den Rahmenlehrplänen. Das Gutachten empfiehlt künftig auch einen Fachbrief zur Verbesserung der Kommunikation der Aufsicht mit den Schulen. Ein «systemisches Versagen» stellte auch das Gutachten nicht fest.

«Wir wissen jetzt, was bei der Vorbereitung der Abiturprüfung in Mathematik nicht optimal gelaufen ist», erklärte Baaske in einer Mitteilung. «Bei der Aufarbeitung nehmen wir keine Schuldzuweisung vor.» Alle müssten dafür sorgen, dass sich solche Vorfälle nicht wiederholten. (Rochus Görgen, dpa)

Umfrage: Lehrer besuchen viele Fortbildungen – aber die bringen für den Unterricht wenig

 

 

19 Kommentare

  1. Fortbildungen machen zwar *nicht den Nachmittag kaputt*, wenn aber verpflichtende Fortbildungen anstehen – und das werden für das abi wohl nicht nur einmalige Tagesveranstaltungen sein – dann ist das aber Arbeitszeit. Wenn ich 1,5 stunden zu einer FB anfahre, dort bis um 17:30 vor Ort von und gegen 19:00 erst zu Hause, habe ich auch irgendwan mal Feierabend. Wenn sowas in Zukunft also dienstlich angeordnet und kontrolliert wird, dann muss das auch in den Stellenschlüsseln und dem Deputat berücksichtigt werden.

  2. Zitat:
    “Rund ein Drittel der Schulen hatten keine Lehrer zu den vorgeschriebenen Fortbildungen zum Rahmenlehrplan geschickt und abiturrelevante Themen schlicht nicht unterrichtet.”

    Warum muss man denn zu Fortbildungen. Reicht es nicht, den Lehrplan einfach zu lesen? Oder war dieser Lehrplan so geheim, dass nur auf Fortbildungen darüber berichtet werden durfte?

    • In Schleswig-Holstein gibt es auch immer wieder leichte Änderungen im Themenkorridor. Diese werden den Schulen dann auf überregionalen Konferenzen der Fachkonferenzleiter mitgeteilt. Diese Konferenzen (oder in Brandenburg Fortbildungen) finden aber teilweise am Vormittag statt. Warum auch nicht, wenn es verpflichtende Arbeitszeit ist?

  3. Milch der frommen Denkungsart

    Auch wenn dies wohl wieder vehement bestritten werden dürfte, halte ich die Überschrift (obschon ich den Begriff eigentlich als problematisch erachte) für populistisch, da sie den Subtext enthält, dass desinteressierte Lehrer aus schierer Bequemlichkeit an diesem Versäumnis Schuld trügen; von der tatsächlichen Verantwortung des Ministeriums wie Subalterner erfährt man erst während der Lektüre.

    • Ursula Prasuhn

      Aber nein, zumindest ich widerspreche Ihrem Eindruck keineswegs. Bei mir ist die Überschrift genauso angekommen wie bei Ihnen.

    • @Milch der frommen Denkungsart
      Ich finde, dass der Artikel im Großen und Ganzen die Überschrift bestätigt und die Lehrer als bequeme Fortbildungsmuffel darstellt.
      Z.B.: “Im Bildungsausschuss des Brandenburger Landtags sagte der Mathematik-Professor Ulrich Kortenkamp, viele Lehrer empfänden eine Fortbildung als Belastung. Es müsse klar gemacht werden, dass Fortbildung nicht den Nachmittag kaputt mache, sondern den Lehrern helfe.”

  4. Milch der frommen Denkungsart

    @F.H.:

    Diese Passage ist freilich in indirekter Rede gehalten, gibt also die Subjektive Meinung dieses Herrn wieder, findet allerdings kein Scharnier im übrigen Text.

  5. @Milch der frommen Denkungsart
    Danke für Ihre einleuchtende Erklärung. So gesehen stimme ich zu, dass die Überschrift nicht zum Artikel passt und zu fragen wäre, warum mit ihr suggeriert wird, “dass desinteressierte Lehrer aus schierer Bequemlichkeit an diesem Versäumnis Schuld trügen.”

  6. Es ist tatsächlich so, dass man lieber zu Fortbildungen geht, wo man sich freiwillig anmelden kann als zu Pflichtfortbildungen, die man manchmal als Zeitverschwendung sieht. Pflichtfortbildungen werden bei uns dann angesetzt, wenn es um etwas Neues geht, was jeder wissen muss und man nicht allein durch Konferenzen transportieren kann. Bei uns kann da kein Unterricht ausfallen, da Grundschulen ja “verlässlich” sein sollen. Einen Fortbildungsmarathon hatten wir als der neue LehrplanPLUS eingeführt wurde. Wir mussten nämlich so gut wie an allen Fächern, die wir in der Grundschule unterrichten dürfen/können, teilnehmen. D.h., es fielen für manche nur Religion, Werken und vielleicht noch Englisch weg.

  7. Ich finde hier geht das Thema Fortbildungen am Problem vorbei. Kann man den Schulen denn kein Papier schicken, auf dem steht, was jetzt neu im Lehrplan ist, oder was man nicht vernachlässigen sollte?
    Wozu sind da Fortbildungen nötig???
    Ein Hinweis hätte hier doch genügt.

    • Ich würde mich verarscht fühlen, wenn ich auf einer Fortbildung nur erfahre, dass jetzt auch der ln unterrichtet werden soll.

      • Bei jedem neuen Lehrplan ändern sich die Schwerpunkte, verschieben sich Intentionen, didaktische Rahmen, in die die Themen eingebettet sind bzw. die “Botschaft” des Lehrplans. Manchmal ist es sogar interessant, dies an Beispielen zu sehen, wie diese Intentionen jetzt umgesetzt werden sollen. Allerdings ist das von Fach zu Fach verschieden, in manchen ändert sich effektiv wenig, in anderen müssen noch andere Aspekte beachtet werden.

        • Na dann sind die Bayern ja doch nicht so Rückständig wie ich gedacht habe. Hier gibt es nämlich zum Lehrplan ein Informationssystem, über entsprechende Links geht es dann zu aussagekräftigen Beispielen usw.

          • Stimmt, inzwischen gibt es das. Nur, hat man bei der Einführung des neuen Lehrplans in der Grundschule By schon mit den Pflichtfortbildungen angefangen, bevor es irgendwelche Beispiele gab. Durch die Fortbildungen und Schulbuchpräsentationen, die ich häufig besucht habe, war ich dann ganz schnell im neuen Lehrplan drin. Ich unterrichte ja im Prinzip alle Fächer, das war es vielleicht schon sinnvoll.

        • Hier gab es seinerzeit verpflichtende Fortbildungen, in denen schlichtweg die neuen Curricula VERLESEN wurden.
          Dafür mussten für jede Schule 2 Lehrkräfte für einen kompletten Schultag ausgeplant werden, samt Unterrichtsvorbereitung für die Vertretungsleute, um dann andächtig dem Vortrag zu lauschen.

          Nun hat sich das Land offenbar wieder etwas Ähnliches ausgedacht, wieder beginnen verpflichtende FoBi ohne Inhalt.
          Man hat ja sonst nichts zu tun!

          Digitale Bildung? Fortbildungen zum Abruf? Mangelware,
          fester Zeitpunkt, kurzfristige Einladung, viel Aufwand, kein Gewinn

          Wer neue Lehrpläne flächendeckend implementieren will, sollte gut durchdachte Beispiele mit fertigen Materialien zur Verfügung stellen.
          Hier wird aber wieder jede Schule einzeln in die Arbeit geschickt.

          • Das hört sich nicht gut an. Die meisten Fortbildungen, die ich besuchen musste, hatten einen guten Praxisbezug. Vorgelesen wurde nichts.

          • Mit verpflichtenden Fortbildungen habe ich fast immer schlechte Erfahrungen gemacht. Die Kursleiter waren meist mangelhaft vorbereitet, pädagogisch ungeschickt und oft lustlos bei der Sache.

    • Es werden doch nur Kernrichtlinien ausgegeben. Vor der Implementierung an den Schulen gibt es Informationsveranstaltungen, zu denen Vertreter der Schulen verpflichtend eingeladen werden zumindest hier in NRW. Die Umsetzung der Kernrichtlinien in schulinterne Curricula ist Sache der zuständigen FAchkonferenzen, deren Beschlüsse bindend für die Kollegen der entsprechenden Fachschaft sind.

      Jetzt auf einzelnen Lehrkräften herum zu hacken, ist albern, im Vorfeld haben nämlich eine Reihe von Vorgesetzten ihre Aufgaben nicht wahrgenommen.

    • Da lob ich mir doch den bayerischen Lehrplan. Da steht drin, was die Schüler im Abi erwartet.

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