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Haseloff stärkt Bildungsminister im Lehrerstreit den Rücken: „Tullner hat gemacht, was er konnte“

HALLE. Das Schuljahr ist erst wenige Tage alt, die Diskussion um die Situation in den Klassenzimmern von Sachsen-Anhalt dauert schon viel länger. Werden die Probleme wegen fehlender Lehrer größer oder kleiner? Jetzt meldet sich der Ministerpräsident in der Debatte zu Wort.

Promovierter Physiker: Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) präferiert die Hochschulen. Foto: Martin Rulsch / Wikimedia Commons (CC-BY-SA-4.0)

Promovierter Physiker: Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) präferiert die Hochschulen. Foto: Martin Rulsch / Wikimedia Commons (CC-BY-SA-4.0)

Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff hat seinem Bildungsminister und Parteikollegen in der Debatte um Lehrermangel den Rücken gestärkt. «Was Marco Tullner machen konnte, hat er gemacht», sagte der CDU-Politiker in einem Interview der «Mitteldeutschen Zeitung». Derzeit liege die Unterrichtsversorgung im Schnitt bei 101 Prozent. «Wir brauchen uns überhaupt nicht zu verstecken.» Im vergangenen Schuljahr waren es knapp 100 Prozent.

Also doch: Auch Sachsen-Anhalt startet mit unbesetzten Stellen an Grundschulen ins neue Schuljahr

Die Zahl zur Unterrichtsversorgung bedeutet: Wenn alle Lehrer und Lehrerinnen zugleich auf Arbeit wären und keiner von ihnen krank oder schwanger, könnten 101 Prozent der geplanten Stunden gehalten werden.

Die schwarz-rot-grüne Koalition strebt an, in vier Jahren so viele Lehrer zu haben, dass der Unterricht rechnerisch zu 103 Prozent abgesichert ist. Die Reserve von drei Prozentpunkten soll Vertretungen sichern und Ausfälle durch Krankheit oder andere Fehlzeiten im Lehrerkollegium abpuffern.

In Sachsen-Anhalt wird seit Wochen über die Personalsituation an den Schulen diskutiert. Bildungsminister Tullner hatte versichert, dass im gerade gestarteten Schuljahr mehr Lehrer vor den Klassen stehen werden und die Unterrichtsversorgung besser wird. Konkret will er erst werden, wenn in einigen Wochen belastbare Zahlen vorliegen.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, der Grundschulverband und die oppositionelle Linke befürchten eine Verschlechterung der Situation an vielen Schulen. Sie werfen dem Bildungsministerium vor, die Zahlen schönzurechnen, indem den Schulen ein geringerer Bedarf zugebilligt wird. Sachsen-Anhalt konnte bisher 100 von 370 ausgeschriebenen Stellen nicht besetzen.

Im Vergleich zu anderen Bundesländern stehe Sachsen-Anhalt bei Ausstattung und Klassengröße gut da, sagte Haseloff dem Blatt. «Wir sehen gemeinsamen Handlungsbedarf bei den unbesetzten Stellen.» Der Bildungsminister werde weitere Stellen ausschreiben. «Der Markt ist aber bundesweit ziemlich abgeräumt», so Haseloff. Andere Bundesländer hätten die gleichen Probleme bei der Personalsuche. dpa

2 Kommentare

  1. Geht’s noch?
    Dann verbieten wir per Erlass doch einfach allen Lehrern krank oder schwanger zu werden und mit einem Schlag sind alle Probleme gelöst!

    Politiker, die so einen Quatsch äußern, sollten ihr Amt abgeben ….

  2. Oh man, eine Unterrichtsversorgung von 101% bedeutet also eine vollkommene Versorgung, wenn Krankheit und Schwangerschaft nicht wären? Da fällt mir doch die Phrase ein: „Traue keiner Statistik, die du nicht selber gefälscht hast.“
    Wie ist das denn in einem normalen Berufsfeld? Wenn jemand krank ausfällt, dann bleibt die Arbeit entweder liegen und muss später abgearbeitet werden oder es muss eine Vertretung besorgt werden. Bei kurzfristigen Krankheiten müssen einige Lehrkräfte unbezahlte Mehrarbeit leisten. Das wird gerne auch mal so kreativ eingesetzt, dass der Vertretungsplan am Monatsende zeitlich kurz vor knapp aufgestellt wird, um aus der Mehrarbeit keine bezahlte Mehrarbeit machen zu müssen. So sollte in meiner Stadt auch der zusätzliche Bedarf an Lehrkräften für die Integration von „internationalen Kindern“ bewältigt werden, aber diese „Reserve“ ging schon für den normalen Ausfall drauf. Zufälle gibts. Bei Schwangerschaft oder langfristiger Erkrankung gibt es nämlich erstaunlicherweise keine Aushilfskräfte. Der Ausfall wird von den anwesenden Lehrkräften getragen.
    Das sind dann auch die Lehrkräfte, die trotz voller Unterrichtsbelastung alle Aufgaben neben dem eigentlichen Unterrichten zu übernehmen haben. Da wundert es doch, dass trotz dieser hochwertigen Arbeitsbedingungen Menschen weiter krank werden. Wer da einen Zusammenhang sieht, muss Verschwörungstheoretiker sein.
    Aber um zum Thema Statistik zu kommen: Wie wird denn die Versorgung berechnet? In meiner Schule gibt es Kolleginnen und Kollegen, die aufgrund fortgeschrittenen Alters eine Unterrichtsreduzierung erhalten. Das ist wohl vollkommen normal, aber laut unserer Schulleitung handelt es sich auf dem Papier trotzdem um 100%ige Lehrkräfte. Die fehlenden Stunden werden dann von anderen Lehrkräften aufgefangen werden müssen. Vielleicht gibt es da noch weitere Beispiele, bei denen auf dem Papier vollständige Lehrkräfte anwesend sind, während im realen Leben Stunden fehlen, doch wer vom Ministerium interessiert sich für den Schulalltag, wenn die offiziellen Zahlen stimmen?
    Das ist ja wie beim Thema Inklusion. In NRW darf offiziell die Klassenrichtgröße reduziert werden, wenn ein Kind mit speziellem Förderbedarf die Klasse besucht. Dass aber der Schnitt der Klassengrößen bei der Berechnung des Lehrerbedarfs unverändert geblieben ist, wird verschwiegen. Offiziell sind also Klassen mit Inklusionskinder kleiner, wenn sie möchten, wenn dafür die Klassen ohne Inklusionskinder größer werden. Im Schnitt sind da zufrieden. Ja, Statistiken sind schon bewundernswert.

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