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AfD-Chef Gauland fordert ein neues Geschichtsbild für Deutschland – „Wir haben das Recht, stolz zu sein auf die Leistungen deutscher Soldaten in zwei Weltkriegen“

BERLIN. Jetzt kann zumindest keiner mehr behaupten, er hätte es nicht gewusst. In einer bislang weitgehend unbeachteten Rede hat AfD-Spitzenkandidat Alexander Gauland ein neues Geschichtsbild für Deutschland gefordert. „Man muss uns diese zwölf Jahre nicht mehr vorhalten. Sie betreffen unsere Identität heute nicht mehr. Und das sprechen wir auch aus. Deshalb haben wir auch das Recht, uns nicht nur unser Land, sondern auch unsere Vergangenheit zurückzuholen“, sagte er mit Blick auf die NS-Herrschaft. Was Gauland konkret damit meint, machte er unmissverständlich klar: Der 76-Jährige forderte eine Neubewertung der Taten deutscher Soldaten in beiden Weltkriegen.

Teilt gerne aus: AfD-Vize Alexander Gauland. Foto: Metropolico.org / flickr (CC BY-SA 2.0)

Teilt gerne aus: AfD-Vize Alexander Gauland. Foto: Metropolico.org / flickr (CC BY-SA 2.0)

Damit folgt Gauland einer Linie, die der AfD-Rechtsaußen Björn Höcke vorgegeben hat – und die die Schulen in Deutschland mit ihrer Erinnerungskultur und ihrem Geschichtsunterricht direkt betreffen. „Anstatt die nachwachsende Generation mit den großen Wohltätern, den bekannten, weltbewegenden Philosophen, den Musikern, den genialen Entdeckern und Erfindern in Berührung zu bringen, von denen wir ja so viele haben, …vielleicht mehr als jedes andere Volk auf dieser Welt…, und anstatt unsere Schüler in den Schulen mit dieser Geschichte in Berührung zu bringen, wird die Geschichte, die deutsche Geschichte, mies und lächerlich gemacht“, sagte Höcke, Vorsitzender der AfD-Fraktion im Thüringer Landtag und selbst Geschichtslehrer von Beruf, unmittelbar vor dem Holocaust-Gedenktag am 27. Januar auf einer Veranstaltung in Dresden. Mit Blick auf das Holocaust-Mahnmal in Berlin meinte Höcke: „Wir Deutschen, also unser Volk, sind das einzige Volk der Welt, das sich ein Denkmal der Schande in das Herz seiner Hauptstadt gepflanzt hat.“ Bis jetzt sei der deutsche Gemütszustand der „eines brutal besiegten Volkes“.

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Kurz darauf legte Höcke, der für sein Landtagsmandat vom Schuldienst freigestellt ist, nach. Er störe sich nicht nur am Umgang mit dem Leid, das die deutsche Bevölkerung und die Kriegsgefangenen erfahren hätten, so erklärte er gegenüber dem US-amerikanischen „Wall Street Journal“, sondern auch am Umgang mit Adolf Hitler selbst: „Das große Problem ist, dass Hitler als absolut böse dargestellt wird. Aber wir alle wissen natürlich, dass es in der Geschichte kein Schwarz und kein Weiß gibt.“ Auch für die Frage der Kriegsschuld hat Höcke eine eigenwillige Interpretation der Geschichte parat: Der AfD-Politiker glaubt laut „Wall Street Journal“, dass der Zweite Weltkrieg als lokaler Konflikt begann, in dem Hitler verständlicherweise versucht habe, die nach dem Ersten Weltkrieg verlorenen Gebiete zurückzuerobern.

60 bis 70 Millionen Kriegsopfer

Jetzt, auf einem „Kyffhäuser-Treffen“ der AfD Thüringen, äußerte sich Gauland (der Höcke unlängst als „Teil der Seele der Partei“ bezeichnet hat) zum Thema Erinnerungskultur: „Wenn die Franzosen zu Recht stolz auf ihren Kaiser sind und die Briten auf Nelson und Churchill, haben wir das Recht, stolz zu sein auf die Leistungen deutscher Soldaten in zwei Weltkriegen.“ Stolz? Der Zweite Weltkrieg hatte am 1. September 1939 mit dem Überfall Nazi-Deutschlands auf Polen begonnen und endete in Europa am 8. Mai 1945 mit der bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht. Historiker schätzen de Zahl der Kriegsopfer auf weltweit 60 bis 70 Millionen. Die Wehrmacht wird für zahlreiche Kriegsverbrechen verantwortlich gemacht – auch für eine Beteiligung am Judenmord.

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Am Kyffhäuser-Denkmal hatten sich laut „Welt“ am 2. September die Anhänger der völkisch-nationalen AfD-Strömung „Flügel“ zum bereits dritten Mal getroffen. Am diesjährigen Treffen nahmen dem Bericht zufolge neben Höcke und Gauland auch Parteichef Jörg Meuthen sowie AfD-Bundesvorstandsmitglied André Poggenburg aus Sachsen-Anhalt teil. Ebenfalls anwesend sei Andreas Kalbitz, Landesvorsitzender der AfD in Brandenburg, gewesen. Kalbitz sagte laut „Welt“ in seiner Rede beim Kyffhäuser-Treffen über die Mitglieder der 68er-Bewegung: „Wir werden auf ihren Gräbern tanzen.“ Weiter sagte er: „Die AfD ist die letzte evolutionäre Chance für dieses Land. Danach kommt nur noch ‚Helm auf’. Und das möchte ich nicht.“ Heißt wohl: Wenn die AfD nicht in absehbarer Zeit die Regierung übernimmt, gibt es Krieg. News4teachers

 

Wehrmacht und Nationalsozialismus

AfD-Spitzenkandidat Alexander Gauland hat gefordert, „stolz zu sein auf die Leistungen deutscher Soldaten in zwei Weltkriegen“. Was das bedeutet, machen zwei Zitate von damaligen Befehlshabern anschaulich:

„Wehrmacht und Nationalsozialismus sind desselben geistigen Stammes. Sie werden weiter Großes für die Nation leisten, wenn sie dem Vorbild und der Lehre des Führers folgen, der in seiner Person den echten Soldaten und Nationalsozialisten verkörpert.“ (Generalfeldmarschall und Oberbefehlshaber des Heeres Walther von Brauchitsch in seinem Erlass des Jahres 1938 über die Erziehung des Offizierskorps)

„Der Soldat ist im Ostraum nicht nur ein Kämpfer nach den Regeln der Kriegskunst, sondern auch ein Träger einer unerbittlichen, völkischen Idee und der Rächer für alle Bestialitäten, die deutschem und artverwandtem Volkstum zugefügt wurden. Deshalb muss der Soldat für die Notwendigkeit der harten aber gerechten Sühne am jüdischen Untermenschentum volles Verständnis haben. Sie hat den weiteren Zweck, Erhebungen im Rücken der Wehrmacht, die erfahrungsgemäß stets von Juden angezettelt wurden, im Keime zu ersticken. […] Immer noch werden heimtückische, grausame Partisanen und entartete Weiber zu Kriegsgefangenen gemacht […] und wie anständige Soldaten behandelt und in die Gefangenenlager abgeführt. […] Ein solches Verhalten der Truppe ist nur noch durch völlige Gedankenlosigkeit zu erklären.“ (Befehl des Generalfeldmarschalls Walther von Reichenau vom 10. Oktober 1941)

Die Zitate sind der Seite „Zukunft braucht Erinnerung“ entnommen, die systematische Verbrechen der Wehrmacht dokumentiert.

35 Kommentare

  1. ZITAT: „Wir haben das Recht, stolz zu sein auf die Leistungen deutscher Soldaten in zwei Weltkriegen“

    Uuuuh ….. nee. Das ginge mir denn doch zu weit. Davon muss ich mich hier distanzieren.

  2. „Wir waren damals keine besseren oder schlechteren Menschen als unsere Väter, die 25 Jahre zuvor in den Krieg gezogen waren, oder unsere Nachkommen, die heute über uns urteilen.“
    (Richard von Weizäcker, ehemaliger Bundespräsident, aus seinen Memoiren „Vier Zeitenerinnerung“ über die Verunglimpfung des deutschen Wehrmachtssoldaten)

    • Und deshalb muss man stolz auf die Weltkriege sein? Was für ein Quatsch, der – mal wieder – das rechtsradikale Gesocks erfreuen soll. Nett, wie sich die AfD an die braune Mischpoke heranwanzt.

      • Keiner muss stolz sein auf die Weltkriege, im Gegenteil.
        Sie wollen offensichtlich mal wieder falsch verstehen, Bernd, und überall „rechtsradikales Gesocks“ und „braune Mischpoke“ sehen.
        Gehört jetzt auch unser hochangesehener Ex-Bundespräsident Richard von Weizäcker dazu, von dem das Zitat stammt?

        • @ E.S.,

          inwiefern ist denn das Weizsäcker-Zitat eine Unterstützung der Gauland-Aussage?

          Ich betrachte die deutschen Soldaten in beiden Weltkriegen eher als Werkzeuge der damaligen Machthaber. Man kann und muss mehr dazu sagen, aber so ganz pauschal und verkürzt werfe ich ihnen nichts vor – sie wurden missbraucht und/oder sie haben sich missbrauchen lassen (ich weiß, die Rolle des Einzelnen kann dabei sehr unterschiedlich gewesen sein). Ja, insofern waren sie nicht besser und nicht schlechter als alle Soldaten aller Zeiten in allen (Angriffs-)Kriegen.

          Aber worauf bitte soll man denn stolz sein? Was für „Leistungen“ sind denn da gemeint?

  3. @sofawolf
    Ihre sachliche Frage ist berechtigt und ich antworte gern.
    Gauland sagte, wenn Franzosen und Briten stolz auf ihren Kaiser oder den Kriegspremier Winston Churchill seien, „haben wir das Recht, stolz zu sein auf Leistungen deutscher Soldaten in zwei Weltkriegen“.
    Ich habe das Buch des renommierten israelischen Militärexperten Martin van Creveld gelesen mit dem Titel: „Kampfkraft: Militärische Organisation und Leistung der deutschen und amerikanischen Armee 1939-1945“. Es ist zwar etwas langatmig geschrieben, aber interessant. Falls Rezensionen Sie interessieren, können Sie sie hier anklicken.
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    Man kann Gaulands Bemerkung jetzt wieder nur als rechtsradikale Naziaussage verstehen oder im Sinne Martin van Crevelds, der als Israeli weiß Gott keinen Grund hatte, die deutsche Wehrmacht zu loben, es sei denn, er hätte sie nur unter dem Regime-Aspekt gesehen wie Sie.
    Ich verstehe Gaulands Aussage auch nicht als Lob auf das Naziregime, sondern als nüchterne und zugleich vehemente Feststellung, dass die deutsche Wehrmacht überaus tüchtig war und wenn andere Länder stolz sind auf ihre Soldaten, wir das auch sein können.
    Übrigens haben sich einige namhafte europäische Politiker wie z.B. der französische Präsident Mitterand auch nicht gescheut, die deutsche Wehrmacht zu loben. Und garantiert wollten sie damit nicht den politischen Drahtzieher, die Nazis, loben.
    Von Helmut Schmidt, unserem Ex-Kanzler, stammt dieses Zitat:
    „Wir haben in den vergangenen Jahren anhand einer Wanderausstellung erlebt, wie einige die Millionen deutscher Soldaten des zweiten Weltkriegs in braunen, schwarzen und feldgrauen Uniformen in einen Topf geworfen haben. Dergleichen linksextremistische Meinungen sind nicht verboten, sie sind gleichwohl gefährlich.“
    (Helmut Schmidt in der „Welt am Sonntag“ vom 21.12.1997)

    • Mein Anfangssatz im zweiten Abschnitt ist mssverständlich. er müsste lauten: „Man kann Gaulands Bemerkung jetzt wieder nur als rechtsradikale Naziaussage verstehen oder im Sinne Martin van Crevelds, der als Israeli weiß Gott keinen Grund hatte, die deutsche Wehrmacht zu loben, besonders nicht, wenn er sie ausschließlich unter dem Regime-Aspekt „Nazi“ gesehen hätte.

      • Ja, genau, das hatte mich auch verwundert, dass dort steht „… wie Sie“. 🙂

      • Wie kann man stolz auf einen Angriffskrieg sein, welcher der Vernichtung und der Versklavung der Juden,der Slaven, der Sinti und Roma diente um Land im Osten zu erobern (Blut und Boden) mit der Folge von 60 Millionen Toten und dem moralischen und geistigen Untergang Deutschlands im Nationalsozialismus.
        Schmitt und von Weizäcker waren ihrer Verantwortung zu sehr bewusst, als dass sie auf den Missbrauch deutscher Soldaten auch noch stolz gewesen wären.
        Die Cerebralsklerose dieses Herrn G. scheint weiter voranzuschreiten, so dass alte Ideale wieder aus den Niederungen seines Unterbewusstseins wieder auftauschen.
        Man kann sich nur nochübergeben, bei diesem Auswurf an verbalen Injurien.

      • Offenbar verstehen Sie Krieg als eine Art Sportveranstaltung, in der Soldaten „tüchtig“ sein können, und bei der die Ursache ihres Einsatzes keine Rolle bei der historischen Einordnung des Geschehens spielt. So gesehen, war die Wehrmacht äußerst tüchtig (im Überfallen anderer Länder), Genau das ist der Tabubruch der AfD: In Deutschland galt seit Kriegsende ein Konsens der demokratischen Parteien, den Angriffskrieg eben nicht losgelöst von der Nazi-Ideologie zu sehen, die ihm zugrundelag. Wer diesen Konsens aufbricht, banalisiert den Zweiten Weltkrieg. Und macht damit in letzter Konsequenz Krieg als Mittel der deutschen Politik wieder denkbar – wer hat schon gegen „tüchtige“ Soldaten etwas einzuwenden?

        Mal ganz abgesehen von der Geschichtsklitterung, zu der die AfD die Schulen in Deutschland zwingen will – ganz nach Diktatorenart: Erdogan lässt aktuell die Lehrpläne in der Türkei überarbeiten, um die osmanische und türkische Geschichte strahlender erscheinen zu lassen. Balsam für die Seelen neurotischer Nationalisten.

  4. @ E.S.,

    aus Diskussionen dieser Art halte ich mich gewöhnlich heraus. Es kann irgendwie nur schief gehen. Man kann in so wenigen Sätzen (und wer liest schon viele) nicht alles berücksichtigen. Allerdings lese ich in Ihren Ausführungen jetzt auch nicht, worauf genau man denn stolz sein kann bzgl. der deutschen Soldaten in beiden Weltkriegen? Klar gibt es immer diese und jene. Die, die sich trotz allem „anständig“ verhalten haben und andere, die grausam waren und grausamer als es irgendjemand befohlen hätte. Kann man daraus überhaupt einen „Durchschnitt“ bilden? Muss man das nicht sowieso immer differenzieren? Ich könnte sagen, letztendlich geschossen haben sie alle, also andere Menschen getötet, die sich dagegen wehrten, von ihnen erobert zu werden. Als Angreifer können sie sich ja schlecht auf Notwehr (Verteidigung) berufen. Aber selbst das trifft ja nicht auf jeden zu. Also was ist der „Durchschnitt“ und was haben die an Leistungen vollbracht, auf die man stolz sein kann? Oder was soll mit dem Stolz gemeint sein?

    Ich wäre auch auf den deutschen Kaiser nicht stolz. Ich wüsste nicht, warum. Was hat er denn geleistet (bleiben wir mal bei Kaiser Wilhelm II)?

  5. Ich frage mich schon, wieso wir stolz auf die Leistung deutscher Soldaten sein sollten.Stolz, weil so doof waren, um mehrheitlich den Führer zu wählen und ihm (in den Tod) folgten? Stolz, weil sie (im Gegensatz zu den Franzosen) einen Angriffskrieg ausführten? Stolz über die Verbrechen auch der Wehrmacht?

    Es ist eine Generation, die in ihrer Gesamtheit vollumfänglich versagt hat. Der Anblick deutscher Städte und der Zustand des deutschen Volks 1945 macht dies offensichtlich. Was gibt es da, über das man stolz sein könnte?

    Über die Generation davor, die unter dem Kaiser Deutschland in den Abgrund geführt hat, gilt das Gleiche.

    Aber in jeder Generation gibt es die dummen Schreihälse, die die Deutschen wieder auf den nationalen Weg führen wollen und auf dem Generationenversagen nichts gelernt haben.

    In der Weimarer Republik waren es Hitler und Göbbels, heute sind es Höcke und Gauland.

  6. @ alle

    Ich finde, es sollte möglich sein, ohne Hasstiraden und Wutanfälle darüber zu reden; ansonsten wüsste ich gar nicht, was es bringen soll – außer dass a) man sich gegenseitig beschimpft und beleidigt oder b) die Diskussion abbricht. Oder suchen hier manche nur Selbstbestätigung?

    • Ist eine ernsthafte Diskussion mit einer Partei, die Provokation und Beschimpfungen einzelner Menschengruppen zum Prinzip macht, möglich?

      Wenn alle Fakten gleich der Lügenpresse zugeschrieben oder sonstwie verdreht werden?

      • Weiß ich nicht. Keine Ahnung. Ich habe das noch nicht probiert, aber ich bleibe doch in allem lieber mir selbst treu (und meinen Werten und Idealen) und lasse mich von anderen nicht auf ein Niveau herabziehen, das meinen Werten und Idealen widerspricht. Dann wäre ich ja auch nicht besser.

        Zumindest versuche ich es. Siehe:

        Wolfgang Borchert

        Versuch es

        Stell dich mitten in den Regen,
        glaub an seinen Tropfensegen
        spinn dich in das Rauschen ein
        und versuche gut zu sein!

        Stell dich mitten in den Wind,
        glaub an ihn und sei ein Kind –
        laß den Strum in dich hinein
        und versuche gut zu sein.

        Stell dich mitten in das Feuer,
        liebe dieses Ungeheuer
        in des Herzens rotem Wein –
        und versuche gut zu sein!

  7. Heute ist im Focus über zunehmende Aggressionsdelikte bei Wahlveranstaltungen zu lesen: „…2250 Taten wurden bisher registriert. Mehrheitlich Sachbeschädigungen, Beleidigungen oder Propagandadelikte – doch auch 54 Gewaltdelikte wie Körperverletzungen zählen dazu. Das berichtet die „Welt am Sonntag“ unter Berufung auf ein BKA-Papier.
    Besonders betroffen seien Veranstaltungen der AfD. Dabei werden auch häufig Helfer oder Vertreter der Partei zu Opfern von Attacken…“

    Keine noch so große Aversion gegen die AfD rechtfertigt solche Angriffe, auch wenn sich die Täter dabei furchtbar edel vorkommen.
    Politiker anderer Parteien und Medien sind zum großen Teil mitschuldig an diesen Attacken. Ständig betreiben sie selbst verbale Brandstiftung, die sie anderen vorwerfen.
    Dadurch fühlen sich leicht erregbare „Demokratieverteidiger“ berufen, sowohl mit verbaler als auch sonstiger Gewalt gegen „rechtsradikales Gesocks“ und „braune Mischpoke“ vorzugehen.
    Auch hier bei n4t fallen mir immer wieder solche Hass- und Hetzbegriffe einiger Kommentatoren auf.

    • Das konnte man 1990 auch alles so bei der PDS erleben. Hmmm, naja, ich erinnere mich nicht an einen Aufschrei der Demokraten egal welcher Couleur.

      • Das ist ja leider fast immer so und wir können das auch hier bei den „Lehrerneuigkeiten“ beobachten. Wenn die Hasstiraden und Wutausbrüche jemanden treffen, den man auch nicht mag, dann sind all die hehren Ideale und Werte vergessen und es wird fleißig bis schadenfroh applaudiert.

    • Sie stellen sich als AfD-ler wieder als Opfer dar.
      Und alle sind einmal wieder auf Herrn Gauland hereingefallen, der es wieder einmal geschafft hat mit einem tagespolitisch irrelevanten Thema geschafft hat den Unmut der politischen „Feinde“ auf sich gezogen zu haben.
      Schließlich denken dann einige an den lieben Opa, der doch kein Kriegsverbrecher gewesen sein kann.
      Und dann gehen alle wieder auf die AfD los.

      Aber was hat dieser „obergärige Haufen“ an verdrehten Nekro-Politikern der Bevölkerung zu bieten als den Hass gegen Ausländer, Kriegsflüchtlingen und Asylbewerbern.
      Geschürt wird die Angst vor Überfremdung , dem Islam und der schizophrenen Angst als Deutsche eine Minderheit im eigenen Land zu werden.
      Aber wo wohnt die Mehrheit ihrer Wähler und wer wählt diese dieses rückwärts gepolte Sammelsurium an Deutschnationalen Chaoten?
      Der größte Teil ihrer Wähler sind Männer über 50 Jahre und erhält staatliche Transverleistungen und ist im Osten beheimatet.

  8. ZITAT (Küstenfuchs):

    „Es ist eine Generation, die in ihrer Gesamtheit vollumfänglich versagt hat.“

    Diese Aussage z.B. finde ich sehr selbstgerecht. Woher wissen Sie, dass Sie sich damals anders verhalten hätten (ohne die Konsequenzen zu kennen !!!)? Die NSDAP ist außerdem in keiner normalen Reichstagswahl von mehr als der Hälfte der Deutschen gewählt worden. Das heißt, sie unterschlagen da mal eben so die andere Hälfte (die sicherlich sehr „bunt gemischt“ war, von christlich-konservativer über sozialdemokratische bis hin zu kommunistischer Klientel). Sie unterschlagen mit ihrem „Vollumfänglich“ auch all jene, die sich trauten, Widerstand zu leisten (offen oder versteckt), die Verfolgten halfen oder sie versteckten bei Gefahr an Leib und Leben; die desertierten, weil sie nicht auf andere Menschen schießen wollten und damit ihr Leben aufs Spiel setzten und und und ……..

    Und sicherlich gab „das andere Verhalten“ neben dem bekannten Befehlsgehorsam und den Grausamkeiten auch in der Wehrmacht. Deshalb frage ich ja: Worauf soll man stolz sein? Was meinen die, die das sagen? Darauf kommt es an.

    • Ich kann nicht behaupten, dass unsere Generation es besser gemacht hätte. Ich kann nicht behaupten, dass ich persönlich es besser gemacht hätte. Wie sollte das auch gehen, dieser Beweis ist unführbar.

      Die Aussage, dass diese Generation vollumfänglich versagt hat, ist doch nicht zu leugnen angesichts der von ihr herbeigeführten Schäden an Menschenleben, Gesundheit und materiellen Dingen.

      Mit ist bekannt, dass die NSDAP nicht über 50% der Stimmen hatte. Aber schließlich sind andere Parteien mit Hitler eine Koalition eingegangen. Musste es für die Wähler der DNVP eine Überraschung sein, dass diese eine Koalition mit Hitler einging? Nein, indirekt haben diese Wähler mit ihrem Kreuz Hitler ganz bewußt mitgewählt. (Beispiel: Wer heute FDP wählt, darf nicht überrascht ein, wenn diese mit Merkel koaliert).

      Das vollumfänglich bezieht sich doch eindeutig auf das Versagen der Generation in ihrer Gesamtheit. Natürlich gab es Widerstandskämpfer und es gab ehrenwerte Bürger, das ist eine Binsenweisheit.

      Und um jetz wieder zu Gauland zu kommen: Worauf sollen wir bitte stolz sein, wenn wir die Zeit 1933-45 betrachten? Wenn man einzelne Personen betrachtet, sich (z.B. ich bin Stolz auf meinen Opa, weil er auf die Gefahr eines Todesurteils Juden gerettet hat oder was auch immer).

      Aber als Land müssen wir uns die Taten der Nazis vorhalten lassen, wie andere Länder ihre Taten auch (siehe z.B. die Türkei mit ihrem Völkermord in Armenien). Das ist noch keine 100 Jahre her, die letzten Überlebenden sind noch am Leben und die Konsequenzen für Einzelne noch da. Da kann man doch nicht sagen, dass ist alles Schnee von gestern.

    • @sofawolf
      Mit Ihrem Kommentar sprechen Sie mir aus der Seele. Ich frage mich seit Jahren immer wieder, wie ich selbst gedacht und empfunden hätte, wenn ich als Erwachsener (von den Kindern ganz zu schweigen) in der NS-Zeit gelebt hätte. Und dieser Gedanke hat mich ganz schön beunruhigt. Es gehört nicht viel Fantasie dazu, sich vorzustellen, was ein perfekt organisierter Propagandaapparat mit einem machen kann. Damals gab es zur Eigeninformation kein Internet, keine zugelassenen Zeitungen und Radiosendungen mit anderer Meinung als dem des NS-Mainstreams. Ich wäre nicht so sicher wie Küstenfuchs, dass ich nicht auf die Mainstream-Meinung reingefallen wäre, die auch noch mit entsprechenden „Studien“ unterfüttert wurde für kritische Geister, die den Beweis brauchten.
      Helmut Kohl sprach von der „Gnade der späten Geburt“, was bei manchen nicht so gut ankam. Ich fand immer, dass er absolut Recht hatte.
      Sie fragen: „Deshalb frage ich ja: Worauf soll man stolz sein? Was meinen die, die das sagen? Darauf kommt es an.“
      Ich erkläre mir das so: Die Sodaten waren Bürger ihrer Zeit und somit dem NS-Mainstream ausgesetzt. Und dieser sprach nicht von Angriffs-, sondern von Verteidigungskrieg nach dem Motto: Wir wissen, dass Polen uns überfallen will. Wir können uns dagegen nur wehren mit einem Erstschlag.
      Die Propaganda sorgte also dafür, dass der Angriff für Verteidigung gehalten wurde, usw.
      Im Laufe der Kriegsjahre kamen höheren Offiziersrängen immer mehr Bedenken gegen das Regime und seine Behauptungen. Die maßgeblichen Widerstandskämpfer kamen nicht zuletzt aus dem Wehrmachtsbereich.

      Auf dies alles kann man noch immer nicht stolz sein. Ich verstehe Herrn Gauland darum auch nicht als Verherrlicher des Nazi-Regimes samt Wehrmacht, sondern als Absager an z.B. die Aussage von Küstenfuchs, eine ganze Genration in Deutschland hätte versagt und sich verbrecherisch verhalten. Dem versucht Herr Gauland die reine Tüchtigkeit der deutschen Armee entgegenzusetzen, der sogar Kriegsgegner Lob zollten.
      Er versucht m. E. zu sagen: Wenn andere Staaten stolz sind ihre Armeen, können wir es auch sein.
      Die AfD will meiner Beobachtung nach nicht die Nazi-Zeit mit ihrem Gedankengut neu beleben oder gar verherrlichen, sie will vielmehr, dass die Deutschen nicht auch heute noch in ständiger Selbstanklage verharren und alles an anderer Meinung und Ideen in der gegenwärtigen Politik niedergemacht wird mit Naziverweisen und -vorwürfen.

      Wenn ich jemanden in der Führungsriege der AfD mit einem deutlichen Hang zum Rechtsextremismus ansehe, dann ist das nicht Herr Gauland, sondern Herr Höcke.

      • Ich habe nicht gesagt, dass sich die ganze Generation verbrecherisch verhalten hat. Ich bitte doch sehr darum, genau zu lesen!
        Die Genmeration hat in meinen Augen aus folgendem Grund versagt:

        Sie (die20-45-Jährigen) hat 1920 ein am Boden liegendes Land übergeben bekommen. Und was ist am Ende 1945 herausgekommen? Ein Land, was Gebeitsverluste hinnehmen musste, das einen Völkermord begangen hat, das halb Europa (nicht wörtlich nehmen!) dahingerafft hat, Leute ermordet und versklavt hat, ein Land, dass vollständig in Trümmern lag.

        Und es ist ein entscheidender Unterschied in der Betrachtungsweise einer Armee, ob sie einen (verbrecherischen) Angriffs- und Vernichtungskrieg führt oder ob sie ihr Land verteidigt. Und wenn einige Briten auf Bomber-Harris, der in meinen Augen ein Kriegsverbrecher ist, stolz sind, bitteschön, aber das kann doch kein Vorbild für uns sein.

        Wenn 1920 jemand gedacht hatte, es könne nicht schlimmer kommen, der hat eine böse Überraschung erlebt.
        Um es noch einmal klar zu sagen: Die Generation umfasst die Deutschen eines bestimmten Alters als Gesamtheit, man schaut: Was habt ihr erhalten und was habt ihr draus gemacht?
        Das hat absolut nichts mit dem Individuum zu tun!

        • Naja, so gesehen hat aber die gesamte Menschheit bis jetzt versagt.

          Oder anders gesagt hat auch jede andere Generation vor jener aus der Nazi-Zeit in Ihrem Sinne versagt, denn die haben auch alle keine Kriege verhindert und was es nicht an Grausamkeiten in anderen Zeiten gab (Hexenverfolgungen, Sklaverei, Kolonialismus, diverse Kriege, Massaker, Folter …).

          Dann sind wir vielleicht die erste Generation, die nicht versagt? Naja, wohl doch, nur an andere Stelle (Klimawandel) und wer weiß schon, was noch kommt.

          • Nein, die folgenden Generationen in Deutschland haben in diesem Sinne nicht versagt:
            – Es hat keinen Krieg mehr gegeben in und unmittelbar um Deutschland herum
            – Heute ist ein Krieg mit einem unserer Nachbarländer kaum vorstellbar
            – Es geht uns wirtsachaftlich erheblich besser als 1960/1970/1980
            – Heute können wir sogar ohne große Probleme gut eine Millionen Flüchtlinge aufnehmen.

            Die Generationen in Deutschland, die das Land ab 1945 übernommen haben, haben eine Leistung vollbracht, auf die auch Opa Gauland oder Bernd Höcke stolz sein dürfen. Die beiden Knaller besonders auf den letzten Punkt!

      • Welcher Deutsche „verharrt“ denn „in Selbstanklage“? Wenn hier jemand eine Psycho-Macke hat, dann sind es doch die Rechtsradikalen – warum bingen die das Thema Zweiter Weltkrieg denn sonst iimmer wieder Tapet. Die Bande der Nationalisten (= Menschen mit so schwachem Ego, dass sie jedes ihrer persönlichen Probleme auf Staat und Nation übertragen) hat Deutschland zwei Mal in den Untergang geführt – reicht das nicht? Den Idioten von der AfD offenbar nicht.

        „Die AfD will meiner Beobachtung nach nicht die Nazi-Zeit mit ihrem Gedankengut neu beleben.“ Wie schön. Meine Wahrnehmung ist da eine andere – siehe das Zitat von Herrn Kalbitz am Ende des Beitrags. Da wird doch schon wieder versucht, einen Krieg herbeizufabulieren. Krank.

      • Es gab in dieser schrecklichen Zeit der Verfolgung von 1933 – 1945 genug aufrechte Menschen, so wie Oskar Schindler und viele andere, die es schafften verfolgte Juden zu verstecken und zu retten.Darunter waren auch Geistliche beider Kirchen die sich in einen offenen Widerstand zum Regime befanden und zu Tode kamen.Auch auf diese Personen kann man stolz sein. Aber auf Soldaten, die in einem Angriffskrieg für ein nationalsozialistisches Terrorregime hingeschlachtet wurden und dessen Verbreitung noch ermöglichten , auf diese kann man nicht stolz sein.
        Alle jene, die inneren und äußeren Widerstand leisteten werden geehrt.Herr Gauland möchte am rechten Rand auf Stimmenfang gehen. Das ist der Grund seiner Provokation des Gewissens.

  9. Worauf man da stolz sein kann, ist mir allerdings auch schleierhaft. Ob sich jetzt der einzelne Soldat unter Umständen anständig verhalten haben mag oder auch nicht, spielt bei der Bewertung der Jahr ’33 bis ’45 meine Erachtens nach keine Rolle. Die Verbrechen der Wehrmacht sind ja nun wirklich hinlänglich dokumentiert, da muss man sich nicht bemühen, den Mythos der sauberen Wehrmacht aufrecht zu erhalten, das führt doch zu nichts. Und auch bei diesem Punkt sie mal gesagt, dass selbst ehemalige Bundeskanzler und -präsidenten irren mögen. Als Geschichtslehrer weiß ich wirklich nichts mit den Vorwürfen an den Lehrplan anzufangen. Wir machen uns im Unterricht nicht lächerlich über Deutschland. Fast ein ganzes Jahr thematisiert man den Weg vom Wiener Kongress hin zur Nation mit angemessener Würdigung für die Emanzipation eines orientierungslosen Volkes (sehr grob gesagt), jedoch werden auch Fehler, Rückschläge und Irrwege betrachtet und aufgearbeitet. Ich weiß jetzt wirklich nicht, wie ein Unterricht nach Gauland und Konsorten aussehen soll? Es ist auch nicht so, dass sich der Geschichtsunterricht vornehmlich mit der Zeit des Nationalsozialismus beschäftigt; in der Sek1 ist er in der 9ten Thema (G8) in der SekII in der Q2/1. Da frage ich mich, was soll man denn da noch kürzen? Ginge es nach mit, würde man noch mehr auf diese Zeit verwenden, auch wenn es manchem Neo-Nationalen weh tun mag. Aber vielleicht ist das in deren Sinne?

    https://www.youtube.com/watch?v=6ahV905r7pA

    😉

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