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Schulform unter Druck? – BIBB ermittelt Chancen und Risiken für Berufsschulen

BONN. Der Trend zum Studium, die sich zunehmend beschleunigende technologische Entwicklung der Arbeitswelt, der Zug der jungen Menschen in die Städte, Integration und Inklusion: Die Probleme der dualen Ausbildung in Deutschland sind gleichermaßen Probleme der Betriebe, wie der Berufsschulen. In einem wissenschaftlichen Diskussionspapier hat das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) eine Bestandsaufnahe vorgenommen, wie sich Berufsschulen den Herausforderungen stellen.

Wie es um die duale Ausbildung in Deutschland steht, ist nicht einfach zu beantworten. Noch immer ein vielbewundertes Erfolgsmodell, steht das System vor vielfältigen Herausforderungen. Der demografische Wandel, der Trend zu höheren Schulabschlüssen und zum Studium, wie die fortschreitende Digitalisierung der Arbeitswelt und die Differenzierung von Berufsbildern fordern erhebliche Anpassungsleistungen von Betrieben und Ausbildungswilligen ebenso wie von den Berufsschulen. Hinzu kommen Aufgaben der Inklusion und der Integration von Flüchtlingen, die nicht zuletzt dazu führen, das sich Berufsschulen verstärkt mit einer heterogenen Schülerschaft konfrontiert sehen.

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Angesichts von Lehrermangel und besonders in strukturschwachen Gebieten bereits spürbarem Rückgang der Schülerzahlen sind vielerorts Bestrebungen im Gang dem Wandel zu begegnen. Grund Genug, für das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) in einem wissenchaftlichen Diskussionspapier eine Sichtung der aktuellen Situation und der unterschiedlichen Herangehensweisen in den Bundesländern vorzunehmen. Zusammengefasst zeigten sich dabei folgende Befunde:

Der Rückgang der Schülerzahlen habe bereits zu Schließungen von Klassen und Berufsschulen geführt. Ihre Zahl ist von 2006 bis 2015 um rund 6,6% auf 1.552 gesunken, die Zahl der Klassen um über 8.000 (9,7%) auf rund 75.200. Je nach Ausbildungsgang werde eine wohnortnahe Beschulung zunehmend schwieriger. Davon seien besonders Standorte in Ostdeutschland betroffen.

Die Zeichen stehen auf Baustelle. Mit der Ausbildung wandelt sich auch die Berufsschule. Foto: Ewald Judt (CC BY 4.0)

Die Zeichen stehen auf Baustelle. Mit der Ausbildung wandelt sich auch die Berufsschule. Foto: Ewald Judt (CC BY 4.0)

Durch die verstärkte Differenzierung von Ausbildungsberufen werde es für die Schulen zudem zunehmend schwieriger, eine Beschulung nach Fachrichtungen im letzten Ausbildungsabschnitt zu gewährleisten. Hinzu komme eine sehr unterschiedliche Zusammensetzung der Berufsschulklassen, sei es mit Blick auf die schulische Vorbildung der Schüler, die unterschiedlichen Branchen sowie die unterschiedlichen Betriebsgrößen, in denen die Jugendlichen ausgebildet werden. Neben dem Lehrermangel in klassischen Schulfächern wie Deutsch und Geschichte stelle auch die Gewinnung von Lehrkräften für den berufsspezifischen Unterricht ein wachsendes Problem dar, besonders in gewerblich-technischen Berufen.

So unterschiedlich wie die Situation in einzelnen Ländern, Regionen und in einzelnen Ausbildungsberufen zeigten sich den Forschern zufolge auch die Lösungsoptionen. Übergreifend ließen sich dennoch bestimmte Herangehensweisen festhalten, die sich insbesondere auf zwei Bereiche beziehen: Die Rekrutierung und Aus- und Weiterbildung des Lehrpersonals sowie die Notwendigkeit einer intensiven Lernortkooperation, also einer guten Abstimmung zwischen den beiden Lernorten Betrieb und Berufsschule. Gerade diese sei entscheidend, der dynamischen technologischen Entwicklung in der Wirtschaft folgen zu können. In allen untersuchten Fallbeispielen sei dabei seitens der Schulen und der Lehrer eine große Offenheit zur Zusammenarbeit auf fachlicher Ebene zu beobachten gewesen.

Zur Personalgewinnung, könnten, so die BIBB-Analyse, länderübergreifende Beschulungskonzepte hilfreich sein, um fachspezifischen Unterricht zu gewährleisten. Insbesondere in der Lehrerweiterbildung könnte nach Meinung der Experten über einen Beitrag des Bundes, zur Finanzierung oder ein Sponsoring eine qualifizierte Weiterbildung in technischen Domänen finanziert werden. Gleichzeitig gelte es, das Lehramt an Berufsschulen wieder attraktiver zu machen, Qualifizierungsbedarfe zu decken und den Personalmangel zu lindern.

Weitere Lösungsoptionen könnten laut dem Diskussionspapier die Gestaltung standortübergreifender Schulentwicklungsplanung, die Schaffung von Informations- und Kommunikationsstrukturen, moderne E-Learning-Angebote, die Einrichtung jahrgangsübergreifender Fachklassen und die Entwicklung individualisierter Unterrichtskonzepte sein.

Die Untersuchung beruht auf vorhandenen Daten, Literaturrecherchen, Sekundäranalysen und Fallstudien mit Experteninterviews aus Kultusministerien und Berufsschulen. Sieben Berufe wurden exemplarisch für die genauere Betrachtung der Beschulungssituation ausgewählt: Maurer, Konstruktionsmechaniker, Verfahrensmechaniker für Kunststoff- und Kautschuktechnik, Fachinformatiker, Hotelkaufmann, Revierjäger und Modist. (zab, pm)

• Diskussionspapier: „Berufsschule im dualen System – Daten, Strukturen, Konzepte“ (BIBB)

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