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GEW und VBE zum Absturz bei der IQB-Studie: Die Länder haben die Grundschulen vernachlässigt – und das ist jetzt die Quittung!

BERLIN. Lehrerverbände haben mit Empörung auf die Ergebnisse des IQB-Bildungsvergleichs reagiert. Die GEW warf den Ländern vor, dass sie die Grundschulen sträflich vernachlässigt haben. Der VBE schlug in die gleiche Kerbe: „Wer Ressourcenverweigerung zum bildungspolitischen Prinzip und finanzpolitischen Kalkül macht, braucht sich wirklich nicht über die Ergebnisse wundern“, sagte VBE-Bundesvorsitzender Udo Beckmann. Deutschlands Viertklässler haben sich laut Studie innerhalb der vergangenen fünf Jahre im Schnitt in Mathematik, beim Zuhören und in Rechtschreibung verschlechtert. Auch der Philologenverband hat sich zu Wort gemeldet.

Absturz: Der aktuelle IQB-Viertklässler-Test ist schlechter ausgefallen als der von 2011. Illustration: Shutterstock

Absturz: Der aktuelle IQB-Viertklässler-Test ist schlechter ausgefallen als der von 2011. Illustration: Shutterstock

„Das größte Problem ist doch: Vom Messen allein wird sich nichts verändern. Wer ein Haus baut, sollte eben nicht nur messen, wie viele Türen fehlen, sondern erst einmal Geld für die Anschaffung bereitstellen“, sagte Beckmann. „Die zunehmende Heterogenität der Schülerschaft wird bei der finanziellen und personellen Ausstattung der Schulen und Fortbildung der Lehrkräfte nicht ausreichend mitgedacht. Deshalb können die Kinder nicht ihren Fähigkeiten und Fertigkeiten entsprechend gefördert werden.“

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Es erstaune ihn nicht, so der VBE-Chef, dass sich dies gerade im Grundschulbereich besonders auswirke – hier mache sich der seit Jahren zunehmende Lehrermangel bemerkbar.  Im Grundschulbereich seien inzwischen in einigen Bundesländern über die Hälfte der Neueingestellten keine originär ausgebildeten Lehrkräfte. Beckmann fordert deshalb: „Wir brauchen konkrete Maßnahmen, wie der Lehrermangel behoben werden kann. Aber das, was die KMK in diesem Zusammenhang habe verlauten lassen, sei an Unverbindlichkeit kaum zu übertreffen. „Wenn es uns nicht gelingt, schnellstmöglich wieder auf originär ausgebildete Lehrkräfte in den Schulen zugreifen zu können, wird sich der festgestellte Negativtrend weiter verstärken“, sagt Beckmann voraus.

„Lehrermangel ist hausgemacht“

„Die Länder haben sich zu wenig darum gekümmert, dass ausreichend Lehrkräfte ausgebildet werden“, so meint auch Ilka Hoffmann, GEW-Vorstandsmitglied für den Schulbereich. Schulleitungsstellen an Grundschulen seien teilweise über Jahre hinaus nicht besetzt worden. „Der aktuelle Lehrkräftemangel ist hausgemacht, weil die Länder den Grundschullehrer-Beruf nicht attraktiv gestaltet haben: Sie haben weder für gute Arbeitsbedingungen noch eine gute Bezahlung gesorgt. Jetzt müssen dringend mehr Lehrkräfte eingestellt, die Ausbildungskapazitäten erhöht und die Rahmenbedingungen verbessert werden“, befand Hoffmann.

„Die Grundschulen müssen endlich die Aufmerksamkeit erhalten, die ihnen als ‚Schule für alle Kinder‘ zusteht“, forderte die Gewerkschafterin. „Wir brauchen nicht mehr Tests, sondern eine bessere personelle Ausstattung, kleinere Lerngruppen, mehr Angebote qualitativ hochwertiger schulinterner Fortbildung sowie eine Steigerung der Attraktivität des Berufs. Und: Die Grundschullehrkräfte müssen endlich genauso bezahlt werden wie die vollausgebildeten Lehrkräfte an den anderen Schularten.“ Die GEW-Expertin machte deutlich, dass sich die soziale Situation in den Klassenzimmern in den vergangenen Jahren zugespitzt habe, ohne dass in der Lehrerbildung oder durch die Entwicklung tragfähiger Unterstützungssysteme für die Schulen darauf reagiert wurde.

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Der Befund, dass Kinder aus armen Verhältnissen und Zuwanderfamilien weniger Lernfortschritte als ihre Mitschüler aus wohlhabenden Elternhäusern zeigen, sei so alt wie das Bildungsmonitoring. „Offensichtlich ist es bis heute nicht ausreichend gelungen, Sprachförderung in allen Unterrichtsfächern zu implementieren. Es fehlen auch weiterhin Lehrkräfte für Deutsch als Zweitsprache und für die Herkunftssprachen“, unterstrich Hoffmann.

Sie warnte vor der Gefahr, dass sich die Lernergebnisse angesichts des zunehmenden Lehrkräftemangels weiter verschlechtern könnten. Auch die Zahl geflüchteter Kinder in den Schulen werde sich erhöhen. „Auf diese Situation müssen die Schulen vorbereitet werden. Dafür müssen zusätzliche, gut aus- und fortgebildete Lehrkräfte eingestellt werden. Zudem brauchen wir mehr multiprofessionelle Teams, Teams in denen Sozialpädagogen und –arbeiter, Schulpsychologen und Lehrkräfte zusammenarbeiten. Die GEW ist bereit, an der Entwicklung entsprechender Strategien mitzuarbeiten.“ News4teachers

 

Philologenverband: Schmerzhafter Weckruf

BERLIN. Als „schmerzhaften Weckruf“ hat der Vorsitzende des Deutschen Philologenverbandes, Heinz-Peter Meidinger, die unerfreulichen Ergebnisse des neuen IQB-Bildungstrends bezeichnet. Der negative Trend, was die Leistungen von Grundschülerinnen und Grundschülern in Deutschland insbesondere in den Bereichen Rechtschreibung und Mathematik angeht, bestätige den Eindruck, den viele Gymnasiallehrkräfte hinsichtlich des sinkenden Leistungsniveaus von Übertrittsschülern in den letzten Jahren gehabt hätten, so der Verbandsvorsitzende.

„Mit Sicherheit haben die Leistungsabfälle auch mit dem stark gestiegenen Anteil von Kindern mit Zuwanderungsgeschichte zu tun. Es gibt aber offensichtlich Länder, denen es trotz hohen Migrationsanteils besser gelingt, diese zu guten Leistungen zu bringen, als andere. Wir müssen jetzt genau hinschauen, um zu sehen, was machen die Siegerländer besser als die abgehängten“, betonte Meidinger. Er wiederholte seine Vermutung, dass Länder, bei denen eine besonders starke Segregation von Flüchtlingskindern in einzelnen Klassen stattfinde, besonders schlecht abschneiden und erneuerte seine Forderung, für eine ausgewogenere Verteilung von Kindern mit Migrationshintergrund zu sorgen, insbesondere dann, wenn es sich um Kinder handele, bei denen zuhause kein Deutsch gesprochen werde.

Falsche Prioritäten

Der Philologen-Chef äußerte die Befürchtung, dass die derzeitige Praxis einiger Bundesländer wie insbesondere von Sachsen und Berlin, jetzt massiv nicht ausreichend nachqualifizierte Seiteneinsteiger als Grundschullehrkräfte einzustellen, den Abwärtstrend dort bei den nächsten Vergleichsstudien noch verstärken werde. Skeptisch äußerte sich der Verbandschef auch dahingehend, ob die Einführung des Schreibens nach Gehör an zahlreichen Grundschulen wirklich sinnvoll war oder nicht dem Verfall der Orthographie sogar Vorschub geleistet habe. Auch sei er der Auffassung, die ausreichende Stundenausstattung der Fächer Deutsch und Mathematik an Grundschulen sei eigentlich wichtiger als der Ausbau des frühen Fremdsprachenunterrichts. Man habe da in einigen Bundesländern in den letzten Jahren falsche Prioritäten gesetzt.

„Der IQB-Bildungstrend 2016 muss ein Weckruf sein, ein Weckruf dahingehend, dass endlich alle Bundesländer erkennen, dass mehr in Bildung investiert werden müsse, das gilt für den Grundschulbereich genauso wie für Gymnasien und andere weiterführende Schularten“, bekräftigte Meidinger.

9 Kommentare

  1. Es ist interessant, nein manchmal sogar lustig, wie Lehrerverbandsvertreter auf Vergleichstest-Ergebnisse reagieren. Als vor 10 Jahren bei den Vorgängerstudien IGLU und Co die deutschen Grundschulen recht gut abschnitten, hieß es bei GEW und VBE, dies zeige, dass erstens die Grundschullehrkröfte die besseren Pädagogen seien und zweitens, dass man die Grundschulzeit verlängern müsse, damit auch die älteren Schüler in den Genuss dieser „Gesamtschule“ mit den tollen Leistungsergebnissen kämen.
    Jetzt angesichts des massiven Leistungsabfalls sind natürlich nicht die Lehrer schuld (sie sind es übrigens tatsächlich nicht!), sondern die schlechtere Bezahlung der Grundschullehrer und der Lehrermangel (der by the way bei Durchführung der Studie vor eineinhalb Jahren noch gar nicht so dramatisch war).

    Es kommt halt immer auf die passende Interpretation an. Das gilt analog natürlich auch für andere Verbände und Bildungspolitiker iunsgesamt.

  2. Ist das jetzt nicht schon der 3. Artikel, der gerade zu diesem Thema hier veröffentlich worden ist?

  3. Noch vor wenigen Jahren hat Frau Ministerin Schavan postuliert „die besten Köpfe sollen Lehrer werden“. Sie hatte auch mitgeteilt, wegen des demografischen Wandels müsse man nun leider Schulen schließen, weil die Kinder fehlten.
    Beides war Unsinn: Die Schulen sind heute voller denn je, und die besten Köpfe unter den Abiturienten denken gar nicht daran, ein Lehramt anzustreben, schon gar nicht an Grundschulen mit viel Inklusion.
    Bei der Debatte um die Gemeinschaftsschulen ohne das berüchtigte „Sortieren“ der Kinder nach Klasse 4 wurde übrigens immer wieder gesagt, seht her, die Grundschulen sortieren nicht, und die sind bei allen Schultests besser. Das stimmte leider nur bei einer bestimmten internationalen Studie. Aber jetzt zeigt sich, dass auch eine inklusive Schule mit viel Heterogenität keine Wunder vollbringen kann. Man fällt von den illusionären Wolken auf den harten Boden der Realität. Autsch! Vielleicht doch lieber sortieren?

  4. ZITAT (Cavalieri):

    „Noch vor wenigen Jahren hat Frau Ministerin Schavan postuliert „die besten Köpfe sollen Lehrer werden“. Sie hatte auch mitgeteilt, wegen des demografischen Wandels müsse man nun leider Schulen schließen, weil die Kinder fehlten.“

    Dem stimme ich zu.

  5. Die Besoldung der Lehrer/innen hat nichts mit den Leistungen der Kinder zu tun. Seit den 1950er Jahren ist die Besoldung so, wie sie jetzt ist, aber früher lernten die Kinder wenigstens noch Lesen, Schreiben und Rechnen, weil man darauf Wert legte. Heute legt man Wert auf anderes („soziale Kompetenzen“), das Sitzenbleiben ist abgeschafft, Leistungsorientierung gilt als ganz schlecht, Diktate werden vermieden, das kleine Einmaleins muss man nicht mehr auswendig können (es gibt ja Taschenrechner) usw. usw.
    Die Lobbyisten der Lehrerverbände glauben doch selbst nicht, dass eine Besoldungserhöhung hier Wunder wirken würde. Besser wäre eine Reduktion der Pfichtstundenzahl für Lehrer und vor allem eine Reduktion der Bürokratie, mit der sich Lehrer so beschäftigen müssen. Und mit allzu geringen Deutschkenntnissen sollten Schulkinder nicht in normale Klassen. Da ist der Misserfolg vorprogrammiert.

    • Reduktion von Pflichtstundenzahl und Bürokratie…. volle Zustimmung. Dazu mehr Assistenzkräfte für die vielen zusätzlichen Erziehungs-, Inklusions- und Betreuungsaufgaben, die eine veränderte Gesellschaft/Kindheit den Schulen aufgebrummt hat. Nicht zu vergessen die Grundschulleitungen, die übervollgepackten Lastesel der Schulentwicklung… Aber hier fehlt der Weitblick von Bildungspolitik komplett 🙁

  6. @ Cavalieri, GRenner,

    „Die Lobbyisten der Lehrerverbände glauben doch selbst nicht, dass eine Besoldungserhöhung hier Wunder wirken würde. Besser wäre eine Reduktion der Pfichtstundenzahl für Lehrer und vor allem eine Reduktion der Bürokratie, mit der sich Lehrer so beschäftigen müssen.“

    Genau mein Reden !!!

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