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Warum sich ein Jahr an einer US-Uni für deutsche Studenten immer noch lohnt – trotz Trump

WASHINGTON. Seit Donald Trump Präsident ist, zieht es weniger deutsche Studenten in die USA. Trotzdem kann sich ein Studienjahr dort lohnen. Wer sich dafür interessiert, sollte aber mindestens ein Jahr vorher mit der Planung beginnen – und sich auf viel Papierkram einstellen.

Dies ist das offizielle Porträt des neuen US-Präsidenten Donald Trump. Foto: White House

Dies ist das offizielle Porträt des neuen US-Präsidenten Donald Trump. Foto: White House

Amerika, das war mal eine Topadresse für deutsche Studenten: Die Unis hatten einen exzellenten Ruf, dort zu studieren galt als Glanzlicht im Lebenslauf. Und jetzt? Sind die USA noch ein Traumland? Offenbar nicht für jeden: Seit die Amerikaner Donald Trump zum Präsidenten wählten, ging das Interesse an einem Austauschjahr dort deutlich zurück. «Viele Studierende schauen sehr genau auf die politische Situation in den USA», berichtet Nina Lemmens vom Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD).

Ein Stipendium für die USA? Etliche Bachelor- und Masterstudenten winken da mittlerweile ab. Für das Studienjahr 2018/2019 sank die Zahl der Bewerber beim DAAD um ein Fünftel. «So einen Rückgang gab es zuletzt nach den Anschlägen vom 11. September 2001», erzählt Lemmens. Auch damals verschärften die USA ihre Einreiseregelungen. Doch die Leiterin des New Yorker DAAD-Büros sagt auch: «Gerade US-Unis sind eigentlich sehr liberal eingestellt und auf internationale Studierende angewiesen.»

Prof. Markus Thiel kann das bestätigen. Der Deutsche leitet den Bereich Europastudien an der Florida International University (FIU) in Miami. Zwei Drittel der Studenten an der FIU hätten lateinamerikanische Wurzeln, berichtet er. «Da bei uns viele Latinos und Einwanderer studieren, ist Trumps Politik immer wieder ein Thema.» Für republikanische Positionen gebe es auf dem eher städtisch-progressiv geprägten Campus wenig Unterstützung: «Vor allem mit ihrer Migrationspolitik hat sich die Regierung hier keine Freunde gemacht.»

Deutschen Studenten rät Thiel, mit dem Studium in Amerika bis zum Master zu warten: «Für ein Bachelor-Studium würde ich die USA nicht empfehlen, da das Niveau relativ niedrig ist.» Die Lehre sei in der Regel ziemlich verschult. Aufbaustudiengänge seien dagegen sehr viel intensiver, sie dauerten meist nur ein Jahr. Da sei es sinnvoll, gleich den gesamten Master in den USA zu machen. «Ein Auslandsjahr lohnt sich für deutsche Studierende besonders, wenn sie Studiengänge finden, die es so in Deutschland nicht gibt.»

So gesehen hat Florian Daase alles richtig gemacht: Der 24-Jährige studiert seit diesem Jahr an der Georgetown University in der amerikanischen Hauptstadt Washington. Master of Science in Foreign Service heißt sein Studiengang. Der Schwerpunkt Außenpolitik ist für den Studenten aus Heidelberg, der bereits einen Bachelor-Abschluss im Fach Politik hat, eine willkommene Spezialisierung.

«Ich wollte nicht mit Erasmus ins Ausland, weil es für mein Studienvorhaben keine attraktiven Partner-Unis gab», erzählt er. In Washington sei das anders, erzählt er. «An DC begeistert mich die Nähe zu den politischen Institutionen: Hier wird Weltpolitik gemacht.» Das sei auch für Praktika oder Studentenjobs perfekt.

Viele Studierende kommen über eine Kooperation ihrer Hochschule mit einer US-Uni nach Amerika. Wer seinen Aufenthalt dagegen selbst plant, sollte das rechtzeitig tun. Sinnvoll sei, sich rund anderthalb Jahre vorher an einer Uni zu bewerben, empfiehlt Thiel. «Meiner Erfahrung nach gibt es häufig Probleme mit der Übersetzung und Anerkennung der deutschen Diplome.» Dadurch verzögern sich oft die Zusagen. Für die meisten Studiengänge müssen Bewerber außerdem Englischkenntnisse nachweisen und einen Eignungstest absolvieren.

Bei einer Bewerbung könne es helfen, im Vorfeld Kontakt mit den Verantwortlichen aufzunehmen, rät Thiel. «Eventuell macht es einen guten Eindruck, wenn man angibt, dass man mit bestimmten Personen im Fachbereich zusammenarbeiten möchte.» Auch Lemmens vom DAAD empfiehlt, sich intensiv mit dem Zulassungsprozess an der jeweiligen Hochschule zu befassen. «Amerikaner achten immer auf die gesamte Person – also auch auf ehrenamtliches Engagement und sportliche oder musikalische Leistungen.»

Ist der Studienplatz bewilligt, ist die größte Hürde bereits genommen. Die sogenannten International Offices der Unis helfen dann bei bürokratischen Angelegenheiten. «Deutsche Studierende sind in der Regel nicht vom Einreise-Bann für einige muslimische Länder betroffen», erklärt Lemmens. Schwierigkeiten könne es allenfalls geben, wenn ein Student eine doppelte Staatsbürgerschaft aus einem der Länder hat. Für alle anderen gilt: «Man sollte sich Zeit nehmen und den Visumsantrag sorgfältig ausfüllen, dann gibt es keine Probleme.»

Einer der größten Nachteile amerikanischer Unis sind die teils happigen Studiengebühren. «Ein Master über zwei Semester kann schon mal bis zu 50 000 Euro kosten», berichtet Daase. Ohne das Stipendium vom DAAD hätte er sich das Studium hier wohl nicht leisten können. Wer in Amerika studieren will, sollte sich deshalb rechtzeitig um eine Förderung kümmern. «Im Grunde muss man sich schon im zweiten Bachelor-Jahr um ein Stipendium bewerben.» Manchmal gewähren auch die US-Hochschulen selbst finanzielle Unterstützung.

Rund 5000 deutsche Studierende und Doktoranden in den USA förderte der DAAD vergangenes Jahr. Wer sich für das Stipendium bewirbt, muss neben einem Motivations- und einem Empfehlungsschreiben auch einen mehrseitigen Studienablaufplan einreichen. «Der Bewerber sollte gut begründen können, warum er ausgerechnet in den USA studieren möchte», sagt Lemmens. Außerdem braucht es gute Noten: Der Austauschdienst vergibt seine Stipendien nach der akademischen Qualität.

Sind die USA also noch ein Traumland? «Aus meiner Sicht ganz klar: nein», sagt Daase. Und führt etwa Mängel in der Gesundheitsversorgung an. Auf der persönlichen Ebene sei das aber etwas ganz anderes: «Die Leute sind unheimlich freundlich, das ist keine aufgesetzte Nettigkeit.» Alle Amerikaner seien ihm gegenüber immer sehr offen und interessiert gewesen. Da erhält auch ein Austauschstudent mal eine Einladung zu Thanksgiving. «Das ist ein großer Gegensatz zu dem, was in der politischen Arena passiert, wenn Präsident Trump Menschen anpöbelt und beleidigt.» Von Peter Neitzsch, dpa

Ein Kommentar

  1. Wieso „Trump“ etwas mit dem Studieren in den USA zu tun haben soll, ist mir unverständlich. Auslandfahrer dürften doch so viel Niveau haben, dass sie zwischen der Regierung eines Bundesstaates und den Lebensverhältnissen in einer amerikanischen Stadt differenzieren können. Zudem: Wie auch im Beitrag angedeutet, haben an fast allen amerikanischen Unis republikanische Ansichten keinerlei Chance (sagen meine amerikanischen Freunde jedenfalls).

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