Erziehermangel – VBE-Chef beklagt: Bildungsauftrag in den Kitas kaum erfüllbar

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DÜSSELDORF. „Alle Kinder verdienen die gleiche Chance auf Bildung und Erziehung. Dem steht in vielen Kitas leider der unzureichende Betreuungsschlüssel im Weg. Gleichzeitig sind Erzieherinnen und Erzieher eine Mangelware auf dem Arbeitsmarkt. Ein Grund ist die Bezahlung, die mit dem hohen Anspruch des Berufs nicht vereinbar ist“, erklärt Stefan Behlau, Landesvorsitzender des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE) NRW, anlässlich der Einschätzung des Deutschen Beamtenbundes (dbb), wonach in ganz Deutschland rund 130.000 Erzieherinnen und Erzieher fehlen.

Aus Sicht des VBE wird die frühkindliche Bildung zu sehr vernachlässigt. Stefan Behlau: „Das Fundament der Bildung muss gestärkt werden. Es ist ein Fehler der Bildungspolitik, den Fokus oft nur auf den Schulabschluss zu richten. Diese Denkschranke muss durchbrochen werden.“

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Der VBE fordert deshalb: einen angemessenen Betreuungsschlüssel, mehr Personal, auch aus anderen Professionen (Therapeuten, Sozialpädagogen…), eine gerechtere Bezahlung, verbindliche Standards für mehr Chancengleichheit sowie ausreichende Fort- und Weiterbildungen. News4teachers

Der VBE in Nordrhein-Westfalen hat eine neue Spitze: Stefan Behlau löst Udo Beckmann ab

 

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14 KOMMENTARE

  1. Dass der Bildungssektor unterfinanziert ist, wissen wir seit Jahren, wenn nicht Jahrzehnten.
    Dass wir – nicht nur durch den Rechtsanspruch auf einen Kitaplatz ab 1 Jahr – jetzt einen katastrofalen Pädagogenmangel haben, war also vorhersehbar. Alle Hinweise wurden gründlichst missachtet.

    Der Beruf der Erzieherin ist zu einem der unattraktivsten Berufe geworden: die Bezahlung, die in einem eklatanten Missverhältnis zu den Anforderungen und der langen Ausbildungszeit steht, wurde schon erwähnt. Dazu kommen ständige Überstunden, Arbeiten auf “Abruf”, extremste gesundheitliche Belastungen durch Lärm (Schallschutz häufig Fehlanzeige), ständig kranken Kindern (die ihr Immunsystem ja erst noch entwickeln müssen), Sitzen auf Kleinkindmöbeln, in der Krippe: viel Tragen, Heben…., permanentem zeitlichem Stress da Zeiten für Vor- und Nachbereitungen, Elterngespräche, Teamgespräche, Fortbildungen usw. überhaupt nicht berücksichtigt werden, um nur das Wichtigste zu nennen. Von den unerfüllbaren, tw. widersprüchlichen Erwartungen von Trägern, Kita-Leitungen, Eltern, Kolleginnen gar nicht zu reden. Ach ja, und Schließzeiten werden mehr und mehr abgeschafft. So werden die dringend notwendigen Erholungszeiten immer weiter verkürzt.
    So ein “dickes Fell” kann gar keine päd. Fachkraft haben, um all das auszuhalten und trotz allem jeden Tag auf’s Neue den Kindern emphatisch und positiv zu begegnen.

  2. Dabei haben die Erzieher (mit Realschule und 3jähriger Ausbildung) doch erst vor 2 Jahren eine saftige Gehaltserhöhung erstreikt. Waren es nicht über 10 %? Da kann man doch nicht meckern, oder?

    • Das ist eher ein Zeichen, wie katastrophal das Gehalt vorher war. Heutzutage sind es im Schnitt auch nur rund 2600€ brutto in Vollzeit. Wie viele tatsächlich nach Vollzeit bezahlt werden, weiß ich allerdings nicht. Für den Träger haben Teilzeitstellen (mit bezahlten Überstunden) erhebliche kostensenkende Vorteile z.B. während der Betriebsferien im Sommer oder “zwischen den Jahren”. Aus Sicht der Arbeitnehmer sind solche Verträge aber eher ausbeuterisch.

      Quelle: https://www.gehaltsvergleich.com/gehalt/Erzieher-Erzieherin

    • Doch kann man. Denn das wesentliche was das Problem ist, ist nicht das Gehalt sondern der Betreuungsschlüssel. Jeder der mit 19 Kindern mal allein gearbeitet hat weiß das. Hinzu kommt das jetzt noch der Fakt hinzu kommt das die ErzieherInnen viele Flüchtlingskinder in den Gruppen haben. Bei uns sind es die Hälfte aller Kinder. Während Lehrer s.g. Integrationslotzen bekommen haben, müssen ErzieherInnen dies alleine packen. Wenn 6 Kinder in einer Gruppe dazu gebrochenes Deutsch sprechen und 4 zusätzlich gar keins, ist das ein erheblicher Mehraufwand. Man kann dies ignorieren, doch dann werden die Krankenstände noch mehr steigen und die mittlerweile 180.000 ErzieherInnen werden noch mehr. Was wäre den wenn es diesen Beruf gar nicht gäbe? Mal darüber nachgedacht? Was sind uns unsere Kinder wert?

  3. Lieber Emil: die Ausbildung einer Erzieherin/eines Erziehers ist in den Bundesländern unterschiedlich geregelt (bekanntlich ist Bildung Ländersache). Aber in keinem Bundesland wird man mit einem Abschluss der Mittleren Reife nach 3 Jahren Erzieherin.
    In Hamburg beträgt die Ausbildungszeit (in Vollzeit!) 5 Jahre. Wer den Realschul-Abschluss hat, macht eine 2- oder 3-jährige Ausbildung entweder als SPA (Sozialpädagogischer Assistent) oder in einem anderen Ausbildungsberuf und macht erst dann an einer Fachschule für Sozialpädagogik den Erzieher.
    Der Abschluss eines staatlich examinierten Erziehers entspricht dem Niveau 6 im DQR (Deutscher Qualifikationsrahmen), welches 8 Niveaustufen hat.
    Niveau 6 beschreibt Kompetenzen zur Planung, Bearbeitung und Auswertung von umfassenden fachlichen Aufgaben- und Problemstellungen sowie zur eigenverantwortlichen Steuerung von Prozessen in Teilbereichen eines wissenschaftlichen Faches oder in einem beruflichen Tätigkeitsfeld. Die Anforderungsstruktur ist durch Komplexität und häufige Veränderungen gekennzeichnet.

    Aber wie schon erwähnt, die Bezahlung und damit die Wertschätzung des Berufes ist das eine, die extrem schlechten Arbeitsbedingungen sind das andere. Die physischen und psychischen Belastungen sind dermaßen extrem, denn die Arbeit findet unter ständigem Mangel statt: zu wenig Raum für zu viele Kinder, zu wenig Personal und noch weniger geeignetes Personal (nicht jede ausgebildete Kraft ist für jede Stelle geeignet). Gerade im Krippenbereich sind Fähigkeiten und eine Haltung gefragt, die nicht in wenigen Sätzen dargestellt werden können.

  4. Diee lieben Erzieherinnen und Erzieher in den KITAs haben doch einen Superjob! Sicher Stress morgens und abends wenn die kleinen Racker kommen und gehen, aber ansonsten, – alles cool, schöner Verdienst, bei gutem Wetter bezahlte Spaziergaenge und ansonsten Lesestunde und “lass sie mal machen”. Echt, wer hat einen angnehmeren Job? Jedes Wochenende frei, keine Schichtarbeit, alles wie andere Menschen ihren Urlaub verbringen möchten. Und den ewig Meckernden kann man nur empfehle: – gehtdoch zu NETTO und Co. und setzt euch hinter die Kassen, aber dann muesste man ja arbeiten!

    • Irgend wie haben Sie eine falsche Auffassung von den Aufgaben und Tätigkeiten einer Erzieherin der heutigen Zeit und das Arbeitsprofil wird sich durch eine erweiterte Ausbildung noch deutlich verbreitern.
      Sollten Sie allerdings mit jener Ehefrau des ehemaligen Staatsratsvorsitzenden verwandt sein , so kann ich mir Ihre Äußerungen schon eher erklären.
      Als Auffrischung des Allgemeinwissens empfehle ich Ihnen den Besuch in einer Kita in Duisburg, Essen oder Dortmund, denn dort werden Ihnen dann die Unterschiede zu den seeligen DDR-Zeiten deutlich vor Augen geführt.

      • Lieber Herr Wrobel, der im Artikel angeführte Bildungsauftrag wird nicht durchgesetzt, weil offensichtlich andere Prioritäten von der Regierung gesetzt werden in NRW. Das ist sehr schade. Zu dem von Ihnen als “seeligen DDR-Zeiten” benannten Zeitabschnitt gab es in der DDR Kindergarten- und Krippenplätze für alle Kinder, Vollbeschäftigung für die Mütter und die kleinen Racker waren mit andertalb Jahren “sauber” und nicht mehr eine Zielgruppe für die Windelindustrie. Gerne komme ich nach Duisburg, Essen und Dortmund und sehe mir mal vor Ort an, um wieviel weiter man dort gekommen ist. Vielleicht sind Sie ja auch da? Mit freundlichen Grüßen aus Wandlitz, Ihre Margot Honecker

  5. Dort in den Industriemetropolen und in den meisten andren Großstädten hat man es mit der Situation zu tun, dass kaum ein Kind ohne Migrationshintergrund ist , ihrem Erziehungsauftrag nicht nachkommen und die Kinder hinter Fernsehgerätenoder an Videokonsolen sich selbst überlassen. Da wird weder Deutsch gesprochen noch inder Herkunftssprache gelesen. Die Heterogenität ist deutlich größer.

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