Baden-Württemberg war beim letzten bundesweiten VERA-Vergleichstest abgestürzt. Bei der vom Berliner Institut für Qualität im Bildungswesen (IQB) entwickelten Bundesländer-Ranking,war der einstige Primus auf hintere Ränge gefallen: Von Platz zwei im Fach Deutsch beim Zuhören landen die Neuntklässler im Land jetzt auf Platz 14, beim Lesen rutschten sie von Platz drei auf Platz 13 und bei der Orthografie vom zweiten auf den zehnten Rang.
“Enormer Einfluss”
Eisenmann hatte in der vergangenen Woche angekündigt, die Qualität des Unterrichts verbessern zu wollen – auf der Basis wissenschaftlicher Daten, die den Schulen über ein neues Institut für Bildungsanalysen sowie eine neue Fortbildungsagentur vermittelt werden sollen. Gut und schön sei das, meint nun der VBE. Sein Sprecher Michael Gomolzig betont aber auch: „Nicht außer Acht lassen darf man den enormen Einfluss, den Eltern auf die Bildungsbiographie ihrer Kinder haben.“ Wenn Unterricht generell gestört werde, weil etliche Kinder nicht erzogen seien, wenn kontinuierliches Arbeiten nicht möglich sei, weil ständig Unterrichtsmaterialien fehlten, nützten auch neue Institute wenig.
Schwarzer Peter – ein Kommentar zum VBE-Vorstoß, Eltern stärker in die Pflicht zu nehmen
„Natürlich ist bei der Bildung der Staat gefordert, der die Schulpflicht gesetzlich verankert hat. Trotzdem dürfen Eltern nicht aus ihrer Erziehungspflicht entlassen werden, die sogar im Grundgesetz so festgeschrieben ist“, moniert der VBE-Sprecher. Zuallererst seien bei der Bildung und Erziehung der Kinder die Eltern gefordert, „dann unterstützen Kindergärten und Schulen diese bei ihrem heute sicher nicht einfachen Erziehungsauftrag“. Was in frühester Kindheit aus Nachlässigkeit oder Unwissenheit von den Eltern versäumt werde, lasse sich später – wenn überhaupt – nur mit Kraftanstrengung und hohem finanziellen Aufwand wieder ausbügeln. Deshalb müsste nach Auffassung des VBE-Sprechers sinnvollerweise auch dort angesetzt werden, wo man am meisten bewirken kann: bereits beim Kleinkind.
In den Schulen sollte wieder mit „Disziplin“ gelernt werden können. Es dürfe nicht sein, dass täglich kostbare Zeit verschwendet werde, weil in vielen Klassenzimmern von den Lehrern grundsätzlich zunächst einmal die für den Unterricht notwendige Arbeitsruhe hergestellt werden müsse, mahnt Gomolzig („eigentlich Selbstverständliches“) an. Bereits PISA habe gezeigt, dass das Einfordern von Leistung für den Lernerfolg effektiver sei als der Verzicht darauf, betont der VBE-Sprecher. Ohne Anstrengung, ohne die richtige Mischung aus Motivation und Üben, lernten die Schüler zu wenig. Das werde gerade bei den Kulturtechniken Lesen, Schreiben und Rechnen deutlich, die ohne Fleiß und beharrliches, eigenständiges Üben nicht zu bewerkstelligen seien – auch bei Ganztagsschulen zuweilen daheim im Elternhaus.
Gomolzig: „Die früh einsetzende Erziehung der Kinder durch engagierte Eltern bietet eine solide Basis für den Schulerfolg. Elternhaus und Schule sollten sich bei der Bildung und Erziehung der Kinder als verlässliche Partner sehen und entsprechend achten.“ Das ist aus Sicht des VBE offenbar viel zu selten der Fall. bibo / Agentur für Bildungsjournalismus
Zum Kommentar von News4teachers-Herausgeber Andrej Priboschek: Schwarzer Peter!
