Sinkende Schülerzahlen machen Mädchen- und Jungenschulen zu schaffen

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MÜNCHEN. Rund 100 reine Jungen- oder Mädchenschulen gibt es derzeit noch in Bayern. Doch ihre Zahl ist in den letzten Jahren stark zurückgegangen. Besonders wegen sinkender Schülerzahlen öffnen sich immer mehr Schulen dem anderen Geschlecht.

In vielen bayerischen Städten gibt Mädchen- oder Bubenschulen – jedoch nimmt ihre Zahl in den vergangenen Jahren stetig ab. Waren im Schuljahr 2011/12 noch etwa 125 Schulen entweder für Jungen oder für Mädchen ausgerichtet, waren es 2016/17 noch etwa 100 Schulen, wie ein Sprecher des Kultusministeriums mitteilte. Etwa 80 davon waren Mädchenschulen. In Osterhofen im Kreis Deggendorf haben sich im Herbst die Mädchen- und die Knabenrealschule zusammengeschlossen. Grund sei ein «dramatischer Rückgang der Schülerzahlen» gewesen, sagte der stellvertretende Schulleiter Gregor Schießl.

An der Koedukation scheiden sich die Geister, doch die Zahl  getrenntgeschlechtlicher Schulen geht stetig zurück. Foto: Reinhard Ferdinand / WIkimedia Commons (CC-BY-SA 4.0)
An der Koedukation scheiden sich die Geister, doch die Zahl getrenntgeschlechtlicher Schulen geht stetig zurück. Foto: Reinhard Ferdinand / WIkimedia Commons (CC-BY-SA 4.0)
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Das sei in vielen Fällen der Grund, weswegen sich die Schulen für das jeweils andere Geschlecht öffnen, sagte der Ministeriumssprecher. In Osterhofen habe der Realschulstandort durch die Fusion erhalten werden können. Ein ähnliches Beispiel gibt es im schwäbischen Günzburg. Dort unterrichten die Buben- und die Mädchenrealschule nun auch Mädchen beziehungsweise Buben. Der Sprecher verwies darauf, dass es jedoch immer schon Ausnahmen an den betreffenden Schulen gab, die auch einzelne Kinder des jeweils anderen Geschlechtes unterrichtet hätten.

Schießl zieht kurz vor dem Schulhalbjahr eine positive Bilanz. Beide Schulen hatten etwa 300 Schüler und 25 Lehrer. Die katholische Mädchenrealschule zog in das Gebäude der staatlichen Bubenrealschule mit ein. Um den Raumbedarf auszugleichen, gibt es eine Containerlösung, ein Neubau ist geplant. Getrennte Toiletten mussten eingerichtet werden und im Lehrerzimmer hieß es: zusammenrücken. Der Schulleiter der Mädchenschule ging in Pension und seine Stellvertreterin ist weiterhin in der Schulleitung.

In den unteren Klassen würden die Schüler schon gemischt unterrichtet, berichtete Schießl. In den höheren Jahrgangsstufen seien die bisherigen Klassen weitgehend erhalten worden, vor allem um lange bestehende Freundschaften nicht auseinanderzureißen. Nicht einmal ein Dutzend Mädchen habe die Fusion nicht mitgemacht und sei an eine andere Mädchenrealschule in einem der umliegenden Orte gewechselt. Von den Jungen sei aufgrund der Zusammenlegung keiner weggegangen.

«Wir haben versucht, das Beste aus beiden Schulen zusammenzuführen», sagte Schießl. So habe es einen Adventsmarkt und eine Adventsfeier gegeben. Das kirchliche Profil der Mädchenschule gehe also nicht verloren. Bei Eltern und Schülern habe das großen Anklang gefunden. Außerdem seien sich in einer kleinen Stadt wie Osterhofen die Kinder ja nicht alle fremd. «Sie kennen sich von der Bushaltestelle oder aus der Grundschule.» Zudem gebe es seit Jahren ein gemeinsames Schulsanitäter-Projekt. Hierfür seien sie schon ausgezeichnet worden.

Aus Sicht des Bayerischen Lehrerinnen- und Lehrerverbandes (BLLV) ist ein vielfältiges Schulangebot – wie zum Beispiel kirchliche oder Waldorfschulen – durchaus zu begrüßen, wie Präsidentin Simone Fleischmann sagte. «Wenngleich das immer auch ein Stück weit eine Konkurrenz zu den staatlichen Schulen darstellt.» Welche Vor- oder Nachteile getrenntgeschlechtlicher Unterricht habe, lasse sich schwer sagen. «Da scheiden sich die Geister.» Wichtig sei, dass Eltern für ihr Kind die jeweils passende Schule fänden.

Im Schuljahr 2016/17 gab es im Freistaat rund 4600 allgemeinbildende Schulen, darunter 3600 staatliche, an denen insgesamt etwa 1,7 Millionen Schüler unterrichtet wurden. Rund 80 Prozent der getrenntgeschlechtlichen Schulen stehen in kirchlicher Trägerschaft. 63 Prozent davon sind Realschulen und gut 20 Prozent Gymnasien. (dpa)

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