Linke kritisiert Aufweichung des Pensionsalters für Lehrer in Hamburg

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HAMBURG. Hamburgs Bildungssenator Thies Rabe will dem Lehrermangel begegnen indem er Lehrern erlaubt, über die Altersgrenze hinaus zu arbeiten. Hilflos und realitätsfern nennt das die Linken-Fraktion in der Bürgerschaft. Die Statistik deute vielmehr jetzt schon auf eine zu hohe Arbeitsbelastung hin.

Die Linke in der Hamburger Bürgerschaft hat sich gegen Pläne des Senats gestellt, Lehrern zu erlauben, über die Altersgrenze hinaus zu arbeiten. Bei den Lehrern gebe es weder diesen Wunsch, «noch würde das sinnvolle Entlastungen bringen», teilte die Schulexpertin der Fraktion, Sabine Boeddinghaus, mit. Diese Pläne seien im Kampf gegen den Lehrermangel hilflos und realitätsfern.

Hoher Erholungsbedarf. 68 Prozent der Hamburger Lehrer gehen vorzeitig in Ruhestand. Foto: Rainer Sturm / pixelio.de
Hoher Erholungsbedarf. 68 Prozent der Hamburger Lehrer gehen vorzeitig in Ruhestand. Foto: Rainer Sturm / pixelio.de
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Boeddinghaus verwies auf aktuelle Zahlen aus ihrer Anfrage an den Senat. Demnach arbeiteten 2016 über alle Schulformen hinweg nur rund 32 Prozent der Lehrkräfte bis zum Renteneintritt. Der Rest gehe bereits vorzeitig in Ruhestand. Aus der Antwort des Senats auf die Anfrage geht aber auch hervor, dass in den Jahren zuvor der Anteil derer, die bis zur Regelaltersgrenze arbeiteten, noch geringer war. So lag er 2012 bei 21,3 Prozent.

Hamburger Lehrer sollen künftig länger arbeiten dürfen

Von einer brauchbaren Strategie könne bei diesen Plänen daher keine Rede sein. «Die Zahlen sprechen im Gegenteil deutlich für die hohen Belastungen der schulischen Arbeit», kritisierte Boeddinghaus. Hamburgs Schulsenator Ties Rabe (SPD) hatte Ende Januar in einem Interview angekündigt, Lehrern im Kampf gegen den Lehrermangel zu erlauben, über die Altersgrenze hinaus zu arbeiten. «Wer länger arbeiten möchte, wird dabei nicht mehr blockiert», sagte Rabe demnach. (dpa)

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4 KOMMENTARE

  1. Ich weiß jetzt nicht, was dagegen sprechen soll, dass Lehrer über die gesetzliche Altersgrenze hinaus arbeiten dürfen, wenn sie wollen und der Schulleiter es will (und ein entsprechendes Gutachten schreibt). Ich kenne nicht viele, aber zumindest in einem Fall weiß ich von dem Kollegen, dass er gerne noch 1-2 Jährchen unterrichtet hätte.

  2. ZITAT: “Demnach arbeiteten 2016 über alle Schulformen hinweg nur rund 32 Prozent der Lehrkräfte bis zum Renteneintritt. Der Rest gehe bereits vorzeitig in Ruhestand.”

    Würden alle diese Lehrer bis zum offiziellen Renteneintrittsalter arbeiten, würde das sicher ein Beitrag zur Verminderung des Lehrermangels sein. Mehr Geld würde sie wohl nicht locken, denn sie verzichten ja alle auf Geld.

    Liegt es vielleicht doch eher an den Belastungen im Berufsalltag? Welche Entlastungen sind denn da von der Linken geplant?

    • Was tut die Linke dort, wo sie mitregiert (Thüringen, Brandenburg), um die Belastungen so zu senken, dass wieder mehr Lehrer gerne (!) bis zum offiziellen Renteneintrittsalter arbeiten?

  3. Vorausschauende Lehrerbedarfsplanung sieht anders aus. Dagegen, dass der eine oder andere Lehrer “noch 1-2 Jährchen” weitermacht, ist nichts zu sagen, zumal es vielen Spaß macht und sie viel Erfahrung mitbringen. Das müssen aber Ausnahmen bleiben, die auch als solche gekennzeichnet werden. Die Mehrzahl der Lehrer – ähnlich wie Erzieherinnen in Kindergärten oder Pflegekräfte – erreicht im Beruf gar nicht mehr das Rentenalter. Deshalb muss eine umfassende Lösung her, die durch eine weit bessere Personal- und Sachausstattung langfristig Belastungen abbaut, damit die Mehrzahl überhaupt wieder die Chance hat, den Beruf mit Freude bis zur Rente auszuüben (oder in begrenztem Maße und als ergänzende Kräfte darüber hinaus). Diese Notwendigkeit zuzugeben scheut sich die Politik offensichtlich, weil hier viel mehr Geld in die Hand genommen werden muss als die Verantwortlichen bislang wahr haben wollen. Aber wo, wenn nicht in der Bildung, wollen wir für die Zukunft investieren?

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