VERA-Daten (für Berlin) zeigen das ganze Ausmaß des Grundschul-Desasters – und wer soll schuld sein? Die Lehrer

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BERLIN. Dass die Vergleichsarbeiten VERA 2017 für die Drittklässler in Deutschland alles in allem nicht gut ausgefallen sind, ist bekannt – viel mehr allerdings nicht: Die meisten Bundesländer zogen es vor, die Ergebnisse nicht zu veröffentlichen. So auch Berlin. Jetzt allerdings, nachdem ein Abgeordneter unter Verweis auf ein aktuelles Urteil des Bundesverfassungsgerichts zu den Auskunftsrechten von Parlamentariern auf die Herausgabe der VERA-Daten pocht, werden sie in der kommenden Woche veröffentlich. Dem „Tagesspiegel“ liegt die Auswertung für die Bundeshauptstadt bereits vor. Die Ergebnisse sind desaströs.

Neunjährige sind bei VERA 3 getestet worden. Foto: Shutterstock
Neunjährige sind bei VERA 3 getestet worden. Foto: Shutterstock

Rund 24.000  Berliner Grundschüler waren im vergangenen Jahr in Deutsch und Mathematik getestet worden. Die aktuellen Ergebnisse von VERA 3, so heißt es in dem Bericht des “Tagesspiegels”, zeigten ein bestürzendes Maß an Fehlleistungen. Drei Viertel der im Schnitt Neunjährigen würden nicht den von der Kultusministerkonferenz gesetzten Regelstandard im Bereich der Rechtschreibung schaffen (Stufe drei von fünf). Die Hälfte bleibe dabei sogar unter den Mindestanforderungen – sie lägen somit auf der untersten der fünf Kompetenzstufen. Ein weiteres Viertel erreiche nur den „Mindeststandard“, also Stufe zwei.

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Auch wenn man allein die Kinder mit deutscher Herkunftssprache betrachte, sehe das Bild kaum besser aus: Von ihnen lägen immer noch 40 Prozent auf der schlechtesten Stufe – und nur fünf Prozent schaffen den „Optimalstandard“, lägen also in der Leistungsspitze. Bei den Kindern anderer Herkunftssprachen lägen 60 Prozent unter dem Mindeststandard. „Ein Großteil der Drittklässler hat somit schlechte Chancen, innerhalb des einen verbleibenden Jahres die KMK-Lernziele zu erreichen: Die Basiskenntnisse fehlen“, so heißt es in dem Bericht.

Beim Lesen sehe es etwas besser aus: Hier blieben 30 Prozent unter Stufe drei, dem Mindeststandard. Immerhin 18 Prozent erreichten die beste Stufe. In Mathematik würden nicht einmal zehn Prozent der Schüler zur Spitzengruppe gehören – mehr als ein Drittel hingegen schaffe nicht mal die einfachsten Aufgaben (bei den nicht-deutschsprachigen Kindern sogar die Hälfte).

Inkompetente Grundschullehrer?

Für konservative Medien wie die „Welt“ ist die Verantwortung für das Desaster bereits klar: Die (Grundschul-)Lehrer sind schuld. So berichtet das Blatt: „Bildungsexperten führen die schlechten Rechtschreibkenntnisse deutscher Schüler auf eine zu lange Anwendung der Methode ‚Schreiben lernen nach Gehör‘ zurück. Sie wurde vor einigen Jahren in allen Bundesländern eingeführt und erlaubte den ABC-Schützen in den ersten Grundschuljahren, statt ‚Butter‘ ‚Buda‘ zu schreiben, statt ‚Tor‘ ‚Toa‘.“ Weiter heißt es in dem Bericht: „Eltern sollten nicht korrigieren, damit die Kinder nicht die Lust verlieren. Dass die Kinder das Bewusstsein für die richtige Schreibweise verlieren beziehungsweise gar nicht erst erlangen, wurde Lehrern erst allmählich klar.“

CDU-Bildungspolitiker wie die Baden-Württembergische Kultusministerin Susanne Eisenmann und Schleswig-Holsteins Bildungsministerin Karin Prien stoßen bereits seit Wochen in das gleiche Horn (ungeachtet der Tatsache, dass sich Schleswig-Holstein in den letzten Vergleichstests verbessert zeigte). Wie eine Methode aus den 70-er Jahren schuld daran sein kann, dass sich einzelne Bundesländer seit 2011 drastisch verschlechtert haben (die davor aber zum Teil Spitzenleistungen aufwiesen, wie überhaupt die deutschen Grundschulen bei ILGU und TIMSS noch vor fünf Jahren zur Weltspitze gehörten), dazu gibt es keine Erklärung – auch im aktuellen „Welt“-Bericht nicht. Kein Wort ist dort auch zu den durch die Inklusion, die Integration und den Lehrermangel in den vergangenen Jahren massiv gestiegenen Belastungen für die Kollegien zu  lesen. bibo / Agentur für Bildungsjournalismus

CDU schürt Empörung der Eltern gegen „Schreiben wie Hören“ – und zettelt so einen Kulturkampf gegen die Grundschule an

 

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60 KOMMENTARE

  1. Die Wirtschaft wollte viele billige Arbeitskräfte mit der Folge, dass der Alleinverdienerhaushalt nicht mehr tragfähig ist, die Verwechsler von Gleichstellung und Gleichberechtigung ebenso. Jetzt haben die Schüler den Salat, in 10-15 Jahren auch die Wirtschaft.

  2. Aber hier steht es amtlich, dass alle Berliner Grundschulen Ganztagsschulen sind:
    https://www.berlin.de/sen/bildung/schule/bildungswege/grundschule/
    Wo bleibt also deren Nutzen? Außerdem preist man das jahrgangsübergreifende Lernen (JÜL) an. Und es gibt die Rhythmisierung und andere Neuerungen wie
    “mehr Zeit zum Lernen”, “schneller beim Lernen”. Der für Klasse 4 angegebene Grundwortschatz umfasst 700 Wörter. Das ist ja wohl an der unteren Grenze des üblichen.

    • Praktiziert werden offenen Unterrichtsmethoden mit Schüler gesteuertem Lernen, offene Materialangebote , sowie eine Steuerung der Lerninhalte individualisiert durch den Schüler selbst.
      Hinzu kommen Elemente des jahrgangsübergreifenden Unterricht in Form der flexiblen Eingangsphase, ohne Sitzenbleiben verbleibt man in der selben Lerngruppe. Also der gesamte pädagogische Müll aus der Laborschule in Bielefeld. So richtig nach den Wünschen der Pseudonyme Anna, Palim etc.

      • na, herr wrobel, nach der methode “lesen durch schreiben” nun doch noch einen neuen sündenbock namens “laborschule” gefunden? ^^

        • unverzagte
          Na, die Ergebnisse der VERA-Vergleichsstudien ergeben, ebenso wie die IQB-Studien und andere Studien , ein eindeutiges und desaströses Ergebnis .
          Aber Sie werden unverzagt einfach weiter machen wie bisher, jedenfalls äußern und Sie sich und der übrige Teil ihrer Netzunterstützer so ziemlich eindeutig positiv zu dem gesamten reformpädagogischen Ansatz, der inzwischen eine weite Verbreitung gefunden hat.

          • herr wrobel, reformpädagogische ansätze haben nicht annähernd den einfluss bzw. eine derartige macht und schon gar nicht die verantwortung für sog. desaströse ergebnisse…aber machen sie sich ruhig ihre welt, wie sie ihnen gefällt.

          • unverzagte
            Alles zu leugnen ist die einfachste Variante sich aus der Verantwortung zu stehlen.

          • Sie negieren den Einfluss der von Ihnen beschriebenen Methoden auf die desaströsen Ergebnisse der bundesweiten Vergleichsstudien, aber dabei praktizieren sie selber ständig diese Methoden, zum Beispiel durch die permanente, einseitige Anwendung der karolingischen Minuskeln.
            Orthographie, Syntax und Etymologie scheinen für Sie keine große Bedeutung zu haben, und in dem Sie dieses Ihren Schülern vorleben, so motivieren Sie diese auch nicht dazu, diese Schreibstrategien zu erlernen und anzuwenden.
            Die Verleugnung der Anwendung bei gleichzeitiger Anwendung dieser weit verbreiteten Methoden scheint die neue Strategie der Elfenbeinturm-Pädagogen zu sein. Vorher wurde die Anwendung einer zieldifferenten und individualisierten Lernmethodik für scheinbar gute Ergebnisse ausgemacht.
            Eine Verschlechterung der Rechtschreibung wurde und wird von Brügelmann et all immer negiert, weil es keine Längsschnittuntersuchungen, außer der von Professor Steinig, gab.
            Allein der Eindruck, den langjährig berufstätige Lehrer in den weiterführenden Schulen haben, ist ein anderer.
            Ebenso der Eindruck der Industrie und Handelskammern, der Universitäten und Ausbildungsbetriebe.
            Auch sprechen Anna und Sie sich immer wieder für die heterogene Durchmischung der Klassen durch die Inklusion und die Integration schulunreifer Kinder , sowie sprachlich schlecht präparierter Kinder von Migranten aus.
            Und solange man den Schriftspracherwerb als einen natürlichen Vorgang ansieht , wie das Laufen Lernen, das Klettern Lernen, oder andere physiologisch angelegte Lernprozesse, und so lange man wenig strukturiert und nicht systematisch die Vermittlung dieser Kulturtechniken vermittelt, so lange werden die Ergebnisse der Vergleichsuntersuchungen auch nicht besser werden.

    • Ja, Ganztagsschulen – ein Link ist hinterlegt.
      Auf nachfolgender Seite wird erklärt:
      ” Jede Grundschule in Berlin ist eine verlässliche Halbtagsgrundschule, das heißt, die Kinder werden von 7:30 bis 13:30 Uhr auf jeden Fall verlässlich in der Schule betreut – auch wenn der Unterricht schon früher beendet sein sollte. Dieses Angebot ist für die Eltern kostenlos.”

      Anschließend wird erläutert, dass über 80% offene Ganztagesschulen sind.
      Frühbetreuung und Nachmittagsbetreuung sind ein ANGEBOT, dass genutzt werden kann und finanziell unterstützt werden muss.
      Dass bedeutet auch, dass der Unterricht weiterhin am Vormittag stattfindet – an über 80% der Schulen! Unter 20% der Schulen sind also Ganztagesschulen, dazu gehören die Europa-Schulen (mit deren Konzept ich mich bisher nicht beschäftigt habe).

      Zum Anteil der Schulen, die JÜL anbieten oder die Flexible Eingangsstufe, wird gar keine Aussage getroffen. Unter “Schulanfangsphase” wird verstanden, dass der Unterricht in Klasse 1+2 eine Einheit bildet. Auch das ist absolut klassisch und wird seit Jahrzehnten vermutlich überall so gehandhabt. Früher hieß es: “Für das Erreichen der Lehrgänge hat das Kind 2 Jahre Zeit.” Erreicht das Kind die Ziele nicht, bleibt es in Klasse 2 … oder eben beim JÜL in der bekannten Lerngruppe, aus der einige Kinder in Klasse 3 wechseln, während andere die Schule beginnen.

      Unter “Rhythmisierung” wird dargelegt, dass die Schule selbst ihren Tag in Phasen des Unterrichts und Pausenzeiten unterteilen kann. Früher nannte man das schlichtweg “Stundenplan”. Hat Ihre Schule das etwa nicht?

      “Gleitender Beginn” bedeutet, dass die Kinder sich nicht vor der Schule versammeln, aufstellen und gemeinsam das Gebäude betreten, sondern in ihre Klassen gehen, wo sie sich beschäftigen können. Dazu gibt es eine Auswahl an Materialien. Man kann diese Zeit als “freie Lernzeit” oder “Übungszeit” ausgestalten. Es gibt auch Schulen, die in diese Zeit, also VOR den regulären Unterricht, Förderunterricht legen – zumindest dem Konzept nach hat Berlin dafür Personal.

      “Aktive Pausen” bzw. ein Schulhof mit vielfältigen Anregungen, sich zu bewegen, bieten Grundschulen im ganzen Land an. Interessant finde ich, dass es in Berlin offenbar Erzieherinnen an den Schulen gibt, da sie dort erwähnt werden.
      Aufmerksam werde ich auch, wenn ich lese, dass in Berlin alle Kinder bis September eingeschult werden UND Kinder bis MÄRZ des Folgejahres als Kannkinder eingeschult werden können, sofern kein sprachliches Defizit vorhanden ist. Die meisten Kinder, die in Berlin zur Schule kommen, sind also etwa 1 Jahr jünger als im Rest der Republik.
      Von Methoden kann ich so gut wie gar nichts finden, auch nichts von der Laborschule. Die Wochenstundentafel entspricht weitestgehend der, die auch in meinem Bundesland gilt.

      @I.W.
      Dass Sie meine Wünsche so gut zu kennen meinen, erstaunt mich immer wieder. Sie müssen ein begnadeter Arzt sein, wen Sie Ihren Mitmenschen jegliche Wünsche von den Augen ablesen können… und das im Internet sogar ohne persönlichen Kontakt schaffen.

      • Aber woran mag das Desaster denn nun liegen, wenn alle Details doch so gut durchdacht sind? Haben Sie dazu eine Meinung, Palim?
        “Ganztag”: Die Schulsenatorin verkündet die Meinung, alle Grundschulen seien Ganztagsschulen. Wie hoch die Teilnahme am offenen Ganztag ist, wissen wir allerdings nicht. Weiß es jemand? Eine Verpflichtung zum Ganztag gegen den Willen der Leute ist ja vielleicht auch problematisch. Die GroKo will auch nur einen Rechtsanspruch, aber keine Verpflichtung.
        “JÜL”: Ja, eine 2-jährige Schuleingangsphase. Wer nicht mitkommt, bleibt wohl erstmal darin, aber sitzenbleiben ist ja abgeschafft.
        “gleitender Beginn”: Schon zu meiner Schulzeit war es selbstverständlich, dass ab 7:30 geöffnet war und alle nacheinander eintrafen. Das hatte aber nicht diesen hochtrabenden Namen auf der Reklame-Seite.
        “Rhythmisierung”: Das ist mehr als Stundenplan, das gilt als eine pädagogische Wunderwaffe gerade an Ganztagsschulen, siehe hier:
        http://www.bw.ganztaegig-lernen.de/Häufige%20Fragen%20%28FAQ%29/was-bedeutet-rhythmisierung
        “frühere Einschulung”: Dafür hat man ja eine 6-jährige Grundschule. Und bei Tests für 15-Jährige war Berlin den anderen nie überlegen, obwohl doch diese schon ein Schuljahr mehr hatten als die anderen. Merkwürdig,
        der Nutzen der 6-jährigen GS ist nie empirisch belegt worden. Mit der Laborschule hat das alles allerdings wohl nichts zu tun. Es ist allenfalls der “pädagogische Geist” derjenigen, die das alles gestalten, in Berlin jahrzehntelang die SPD-Genossen.

        • “Aber woran mag das Desaster denn nun liegen, wenn alle Details doch so gut durchdacht sind?”
          Ich habe gar nicht behauptet, dass die Details gut durchdacht sind.
          Mein Beitrag sollt darlegen, dass _neue Begriffe_ nicht gleichbedeutend mit _neuen Strukturen_ sein müssen und man sich die Konzept samt Bedingungen genau anschauen muss, wenn man daraus etwas ableiten möchte.

          Rhythmisierung kann IM GANZTAG etwas anderes bedeutet, ist aber letztlich doch die Aufteilung des Tages in Arbeits- und Erholungsphasen. Was anderes ist ein Stundenplan?
          Zudem ist Ihr Link aus BW, dort kann “Ganztagesschule” etwas völlig anderes bedeuten als in Berlin – wo doch ALLE Schulen Ganztagesschulen sind, aber über 80% davon gar keinen ganztägigen Unterricht haben, sondern ein nachmittägliches Betreuungsangebot.

          Auch bin ich mir nicht sicher, wie genau VERA 8 erhoben wird: Wird dies in Berlin in Klasse 9 geschrieben, um mehr SuS einzubinden, die bereits 15 sind? Oder wählt man aus Klasse 8 nur diejenigen, die das Alter erreicht haben? Oder hatten die SuS gar nicht ein Jahr länger Unterricht?
          Bei VERA3 weiß ich sicher, dass es die Kinder betrifft, die im 3. Schuljahr sind, gleich ob sie 2, 3 oder 4 Jahre die Schule besuchen. In Berlin ist das Einschulungsalter seit Jahren am geringsten (https://de.wikipedia.org/wiki/Einschulung#Einschulungsalter_der_Bundesl%C3%A4nder), entsprechend jünger sind die Kinder zu den Vergleichsarbeiten in Klasse 3.

  3. Der Artikel wirft den “konservativen Medien” vor, sie beschuldigten die Lehrer, schuld zu sein. Nun habe ich diese Texte nicht gelesen. Das Zitierte weist allerdings die Schuld eher den Didaktikern oder den Richtungsentscheidungen der Schulpolitiker zu. Junge Lehrer machen in aller Regel erst mal das, was man ihnen an den Unis beibringt.
    Ich hoffe, es wird nun immerhin endlich geglaubt, was wir an den weiterführenden Schulen erleben: die Kinder können in Klasse 5 nicht mehr so viel wie früher. Und das ist ein Problem!

    • Ich hoffe, es wird nun immerhin endlich geglaubt, was wir an den Grundschulen erleben:
      unter derzeitigen Umständen und mit derzeitigen Kindern ist die Arbeit weit schwieriger, als sich viele vorstellen.

      Der sich seit langem anbahnende und angemahnte und nun real existierende Lehrermangel wird die Lage weiter verschärfen und Quereinsteiger, die auch und gerade in Berlin in Grundschulen eingesetzt werden, werden dazu führen, dass u.U. immerhin genügend Erwachsene in Grundschulen sind, dass der Kernunterricht erteilt werden kann.

      Die Kinder können nicht mehr so viel wie früher, sie bringen weit mehr Schwierigkeiten mit.
      Die Eltern können nicht mehr so viel wie früher unterstützen. Manche bringen zusätzliche Schwierigkeiten mit.

      Und das alles ist ein Problem!
      Ein großes Problem!
      Es wird nicht helfen, weitere Testmanuale oder Evaluationen zu installieren.
      Es wird nicht reichen, eindimensional Aspekte zu betrachten und schnelle Hilfe in Aktionismus oder kostengünstigen Einzelmaßnahmen finden zu wollen.

      • “unter den derzeitigen Umständen und mit den derzeitigen Kindern ist die Arbeit weit schwieriger……”, also sind es nach ihrer Auffassung doch wieder die Kinder, mit denen bessere Lernerfolge nicht mehr erreichbar sind.
        “Die Kinder können nicht mehr so viel wie früher, sie bringen weit mehr Schwierigkeiten mit.” Sie verabsolutieren hier vollkommen, ein Verhalten, dass sie an anderer Stelle anderen immer wieder vorwarfen.
        Vielleicht sind einige der angewandten Methoden für einen Teil der Schüler nicht geeignet und Sie haben uns sehr wohl einen Einblick in die von Ihnen benutzten Methoden gegeben.
        Und Vergleichsstudien sollten dann wohl auch eingestellt werden, damit , wie in Berlin geschehen , die desaströsen Ergebnisse erst gar nicht an die Öffentlichkeit gelangen können. Na, das nenne ich mal eine lustige Antwort auf das gesamte sich abzeichnende Desaster, und dann immer so weiter machen wie bisher.
        Ein Teil des Problems bleibt aber die Überforderung der bekannten Risikogruppen mit den Methoden des selbst erforschenden Lernens der Schüler mit offenen Unterrichtsmethoden im eigen initiativen Lese- und Schrifterwerb mit Anlaut-Tabellen und ohne eine strukturierte Vermittlung der Lerninhalte im Anfangsunterricht.
        Und das ist Ihre Baustelle!

        • “Und das ist Ihre Baustelle!”
          Ja, stimmt. Meine Baustelle. Täglich. Tatsächlich ist das mein Beruf.

          ““Die Kinder können nicht mehr so viel wie früher, sie bringen weit mehr Schwierigkeiten mit.” Sie verabsolutieren hier vollkommen,”
          Sie bestreiten also einen Anstieg der Therapien, einen Anstieg an emotional-sozial auffälligen Kindern, einen Anstieg an Kindern mit Lernschwächen, Lernschwierigkeiten, Beeinträchtigungen, die man dank diagnostischer Möglichkeiten besser einordnen kann, einen Anstieg an Kindern mit Hör- und Sehhilfen, einen Anstieg an inklusiv beschulten Kindern?
          Woher nehmen Sie denn Ihre felsenfeste Erkenntnis, dass die heutige Schülerschaft bei erheblich früherer Einschulung weiter bessere kognitive sowie motorische Voraussetzungen mit sich bringen?
          Ist Ihnen ein Fachgebiet bekannt, in dem sich Kriterien oder Risikofaktoren VERÄNDERT haben oder bestehen Sie auch da auf immer gleiche Statuen: “Weil das früher gut war, muss es heute auch so sein?”
          Wie bewerten Sie denn die (bei uns massiv gestiegene) Notwendigkeit an Sprachförderung vor der Einschulung sowie Frühförderung oder die veränderten Kriterien der ärztlichen Einschulungsdiagnostik im Zusammenhang mit dem verminderten Einschulungsalter? (ihr Metier!)

          Aber während die einen schreiben: “Alles zu leugnen ist die einfachste Variante sich aus der Verantwortung zu stehlen.”, nehmen die anderen täglich die Notwendigkeiten wahr, weil es “ihre Baustelle” ist und haben die Aufgabe, die Lernausgangslage zu diagnostizieren, zu dokumentieren und entsprechend zu fördern UND zu fordern.

          “Ein Teil des Problems bleibt aber die Überforderung der bekannten Risikogruppen”
          Ja. Da stimme ich bis genau hierher zu.
          Und meiner Meinung nach ist diese Risikogruppe inzwischen an etlichen Schulen weitaus größer als früher, dabei die Bedingungen aber andere (kein Förderunterricht, keine FöS-KollegInnen, keine Klassenteilung am Morgen oder Mittag…, dafür erheblich genauere Erhebung der Lernausganglage)
          Aber während die einen schreiben: “Alles zu leugnen ist die einfachste Variante sich aus der Verantwortung zu stehlen.”, setzen sich andere täglich mit den Bedingungen und Gegebenheiten auseinander, nehmen jedes einzelne Kind wahr, statt allen das gleiche zu verabreichen, und sind bemüht, den Anforderungen einer heterogenen, inklusiven Schülerschaft das Lernen zu ermöglichen.
          Allen! Nicht einzelnen!
          Und sie können unterscheiden, ob jemand sich mit Unterricht in diesen Lerngruppen sowie mit Methoden auskennt, ob er DARÜBER schreibt oder ob jemand eine bestimmte Methode EINSETZT. Es ist ja auch ein Unterschied, ob Sie über ein Medikament SCHREIBEN, es EINSETZEN oder es selbst EINNEHMEN…

          Wie wäre es mit einer allgemeinen Erhebung der Lernausgangslage?
          Gibt es schon? Ja, gibt es.
          Und Tests, die angeblich die Lernerfolge spiegeln?
          Gibt es schon? Ja, gibt es.
          Statt aber Bildungseinrichtungen entsprechend auszustatten, in Frühförderung zu investieren, Ärzten das Verschreiben von Therapien für Kinder zu ermöglichen, alles dran zu setzen, den SuS von Beginn an einen guten Start zu ermöglichen,
          SPAREN wir lieber an Förderstunden, an Betreuung, an Therapien, an Lehrkräften, an Sprachförderung vor der Einschulung, an Teilungsstunden für junge Schüler, an Teilungsstunden für große Klassen, an Förderschullehrkräften oder Therapeuten in Schulen.
          Ebenso sparen wir auch an zusätzlichem Personal in der Schule, sowohl auf Seiten der Pädagogik als auch der Verwaltung.

          Und wenn wir ein GANZ SCHLANKES – sprich kostengünstiges! – System mit schönen Wörtern verkaufen (Ganztagesschule, gleitender Beginn, …) und dann GANZ SCHLANKE Ergebnisse bekommen, geben wir denen, die in Schule übrig geblieben sind, die Schuld!
          Sie hätten sich ja einfach mal ein bisschen mehr Mühe geben können!

          • “… ist diese Risikogruppe inzwischen an etlichen Schulen weitaus größer als früher,…”

            Ist schon mal jemand auf die Idee gekommen, die “Risikoschüler” als solche zu erkennen und dann verpflichtend (!) zu zusätzlichen Übungen in Lesen, Schreiben und Rechnen heranzuziehen, auch am Nachmittag? Beim bisherigen Ganztag ist ja immer alles freiwillig. Wenn aber die Risikoschüler am Nachmittag unter Aufsicht Fußball spielen oder turnen, wird das nicht viel bringen. Sie müssten unter Aufsicht Lesen, Schreiben, Rechnen üben. M.a.W.: Die Freiwilligkeit müsste dort enden, wo die Leistungen eine bestimmte Schwelle unterschreiten.
            Es sieht irgendwie so aus, als hätte in unserem jetzigen System jede(r) das Recht, je nach Gusto auch nichts zu lernen (das bezieht sich natürlich nicht auf die tatsächlich Behinderten, sondern auf die Gesunden). Anstrengen müssen sich immer nur die Lehrer, die Betreuer usw. Das ist eigentlich absurd. Die Anstrengungen müssten von den Schülern gefordert werden.

          • “Ist schon mal jemand auf die Idee gekommen, die “Risikoschüler” als solche zu erkennen und dann verpflichtend (!) zu zusätzlichen Übungen in Lesen, Schreiben und Rechnen heranzuziehen, auch am Nachmittag? ”

            Ja, ist schon mal jemand.

            Aber Eltern kann man beraten, man kann ihnen Übungen an die Hand geben, danach muss man hoffen.

            Auch kann man sie zu Ärzten schicken, danach muss man hoffen.

            Und Ehrenamtliche darf man sich nicht in die Schulen einladen, die Gründe kann ich nicht darlegen, weil sie mir nicht plausibel sind.

            “Förderunterricht”, der nichts anderes bedeutet als eine Verpflichtung, wurde vor vielen Jahren schon gestrichen (damit die Zahlen für die Unterrichtsversorgung hübscher aussehen und die Kosten geringer bleiben).

            Auch darf man ja die Kinder nicht stigmatisieren und in den Erlassen unseres Bundeslandes steht, dass die Kinder max. 2 zusätzliche Stunden Förderung erhalten dürften.

          • Man kann auch Gesetze ändern und gewisse Dinge verpflichtend machen, auch gegen den Willen der Eltern. Der Wehrdienst war ursprünglich auch nicht freiwillig. Der Schwimmunterricht ist auch nicht freiwillig, usw. Schulpflicht kann man dehnbar auslegen, die Juristen schaffen das. Mit nur max. 2 Stunden Förderung erreicht man eben auch einen max. 2-Stunden-Effekt. Das erinnert an “Gesundbeten”. Am Ganztag wäre das übrigens nicht “zeitlich zusätzlich”, sondern “statt anderer Betreuungsangebote”. Die Gesamtzahl der Stunden würde sich nicht erhöhen.
            Zumindest bei armen Eltern müssten die Zusatz-Übungen natürlich kostenlos sein, sonst ist es unfair. Wahrscheinlich scheitert’s mal wieder am Geld.

          • Wieso schafft man sich das Problem der Bildung heterogener Gruppen durch die Beschulung schulunreifer Kinder, sowie fünfjähriger, schulunreifer Schüler, die Inklusion, die unvorbereitete Hereinnahme von Migrantenkindern ohne Deutschkenntnisse, den jahrgangsübergreifenden Unterricht, kurz gesagt, die Mischung unterschiedlich starker Schülergruppen, um dann anschließend die Probleme nicht mehr in den Griff zu bekommen.
            Es wurde ständig am Schulsystem herumexperimentiert und ohne größere Felduntersuchungen die Probe zum generalisierten Ernstfall für alle. Da liegt die Verantwortung in der Hand der sich profilierenden wollenden sogenannten Bildungspolitiker aller politischen Couleur.

          • Herr Wobei,
            Ihre Frage ist völlig korrekt!
            Ich frage mich nur, warum Sie hier auf die Grundschullehrer einschlagen, ganz offensichtlich ohne deren Alltag zu kennen, und nicht statt dessen der Politik klarmachen, was sie fabriziert! Dann wäre Ihre Wut beim Richtigen und würde nicht ständig die Falschen treffen!

          • Emil
            Die benannten Bildungspolitiker sind jene, gegen die sich die Hauptkritik richtet, weil von diesen das gesamte Desaster seit Jahren eingeleitet wurde, mit dem Wunsch von Einsparungen im Bildungsbereich und mit der Einführung von etwas Neuem im Bildungssystem, um sich zu profilieren.
            Die Profilsucht hat dertiges hervorgebracht und man hat sich von den falschen Leuten beraten lassen.
            Und so stammen die Anregungen dazu aus den Elfenbeintürmen der Schulpädagogik und es äußern sich hier zum Teil Personen,
            die sich mit dieser Art von Methodik , Inklusion, sowie für die Integration von Kindern ohne ausreichende Deutschkenntnisse und ohne vorherige und zusätzlich Sprachförderung, aussprechen.

          • …womit wir wieder bei der zentralen Feststellung von U.B. wären:

            “Vieles in der Schulpraxis wird [von Palim und den uns allen bekannten drei, vier anderen Namen] kritisiert und beklagt, weil bekannt und unbestritten, die ideellen Urheber und damit Verursacher der genannten Probleme aber verteidigt und deren Werbegedanken unbeirrt für gut befunden.
            Da komme mit, wer will. Ich nicht.”

          • Frau Pause, wenn Ihnen mal etwas Neues einfällt, vielleicht auch mal etwas Stilvolles, langweilen sich die Leser auch nicht mehr über sie. Und wie zitierten Sie neulich? Irgendwann merkt auch der letzte, dass das Spiel vorbei ist?

          • Das Problem ist doch tatsächlich die Bildungspolitik!
            In den letzten Jahren wurde (in Nrw) das Einschulungsalter abgesenkt, der Schulkindergarten aufgelöst, jegliche Rückstellung in den ersten zwei Schuljahren verboten, die Inklusion eingeführt, die Flüchtlinge eingeschult und, das Problem ist größer als allgemein bekannt, es kommen im Zuge der EU Unmengen an Bürgern ohne jegliche Deutschkenntnisse, deren Kinder dann auch auflaufen.
            Kein vernünftig denkender Mensch kann glauben, dass unter diesen Bedingungen die Leistungen gleich bleiben!!! Der Lehrer, weder in der Grundschule noch in einer anderen Schulferien, kann diese Fülle von Problemen mal eben auffangen.

            Ich kann aber hier auch gar keine Lehrer finden, die diese ganzen Probleme schönreden , eher welche, die mehr oder weniger regelmäßig versuchen darauf hinzuweisen, wo die Probleme liegen. Ich bin nach wie vor kein Freund von Reichen und Brüggelmann (nur als Beispiel), aber sie als Ursache des Problems herauszufiltern, ist naiv und viel zu kurz gegriffen.

            Ich würde mir wünschen, dass die Politik viel deutlicher die Rückmeldung bekäme, welchen Quatsch sie verzapft. Da Beamte es dabei ja schwer haben, ist aber auch klar.

            Wo bleiben eigentlich die öffentlichen Elterproteste? Wann stehen die endlich vom Sofa auf und gehen für eine vernünftige Bildungspolitik auf die Straße? ??? Dann würde sich vielleicht mal etwas bewegen….

          • Noch etwas,
            wer sich die heutigen Erstklässler mal anguckt, das sind echte Kleinkinder! Von Schulfähigkeit weit, sehr weit weg. Die können weder einen Stift Halten, keinen Schuh zumachen, sich nicht von den Eltern trennen, sich zeitlich nicht orientieren, nicht still sitzen, in keiner Weise zuhören, sich nicht emotional auf andere Kinder einstellen, keine Kritik vertragen, usw, usw, usw, usw, usw. Das erste Schulhalbjahr kann man völlig abschreiben!
            Und das sind nur die Deutschsprachigen Kinder ohne Inklusionshintergrund oder Migration….

            Und warum ist das so, liebe Politik?
            Weil Kinder, die wegen mangelnder Schulreife nicht eingeschult werden, weiterhin einen Kindergartenplatz benötigen. Der kostet aber Geld und es gibt sowieso viel zu wenig davon. Dann Schulen wir mal kräftig ein, auch gerne mit 5 Jahren, spart Geld. Und der Lehrer ist schuld? Das verstehe wer will …..

          • Emil, diese Zustände dürfen Sie aber nicht Ihnen selbst zuschreiben. Das sind in erster Linie Erziehungsdefizite und oft zu frühe Trennung der Kinder von der Familie oder zu starke Behütung.

            Die Politik hat den Lehrern leider jede Möglichkeit genommen, verbindliche Maßnahmen bei Schwierigkeiten durchsetzen zu können, es bleibt immer bei Appellen. Katastrophal für eine Schülergeneration, aber wohl notwendig, wäre einige Jahre knallharter Dienst nach Vorschrift, was insbesondere die Streichung der Arbeitsdauer über die 41 Stundenwoche (über das Jahr verteilt, also etwa 50 Stundenwochen bei arbeitsfreien Schulferien) hinaus betrifft.

          • Ich beurteile die Zusammensetzung der 1. Klassen ähnlich drastisch wie Emil.
            “und es äußern sich hier zum Teil Personen,
            die sich mit dieser Art von Methodik , Inklusion, sowie für die Integration von Kindern ohne ausreichende Deutschkenntnisse und ohne vorherige und zusätzlich Sprachförderung, aussprechen.”

            Tatsächlich gehöre ICH zu denen, die sich FÜR die FÖRDERUNG und HERAUSFORDERUNG von Kindern ausspricht.
            Ich gehöre zu denen, die eine heterogene Schülerschaft nicht verleugnet, die ist nämlich in meinen Klassen vorhanden und gänzlich unabhängig von meiner Meinung zur Schulpolitik.

            Da kann ich nicht auf “schönes Wetter” hoffen oder darauf warten, OB sich die Politik mal ein winziges Bisschen bewegt gegen den “Geiz-ist-geil”-Trend.
            Und ich MAG nicht, wie xxx es vorschlägt, Dienst nach Vorschrift auf Kosten von 2-3 Generationen machen, BIS sich die Politik wenn überhaupt einmal bewegt.

            Man kann doch die Zusammensetzung der Klassen nicht einfach leugnen und so tun, als sei das gar nicht so. Soll man die Augen fest schließen, während man vor den Klassen steht? Kommen Sie und zeigen mir, wie das gehen soll?
            Oder wo bleibt man mit all denen, die zu dieser heterogenen Gruppe mit vielen vielfältigen besonderen Anforderungen und Ansprüchen gehören, zu denen eben nicht allein die Flüchtlingskinder gehören, sondern auch die von Emil beschriebenen, 6 Jahre lang nicht beachtet und bedachten?
            Oder wie xxx es bezeichnet: “Erziehungsdefizite und oft zu frühe Trennung der Kinder von der Familie oder zu starke Behütung”.

            Wenn Schulen nur die Gebildeten bilden dürfen, werden von Ärzten sicher bald auch nur noch die Gesunden behandelt.
            Das ist prima. Dann müssen Tests und Evaluationen ja auch nur noch an deren Bildung und Genesung erfolgen – und alle sind glücklich und zufrieden und klopfen sich auf die Schulter.

          • Emil schrieb: “Frau Pause, wenn Ihnen mal etwas Neues einfällt, vielleicht auch mal etwas Stilvolles, langweilen sich die Leser auch nicht mehr über sie. Und wie zitierten Sie neulich? Irgendwann merkt auch der letzte, dass das Spiel vorbei ist?”

            1. Zu Ihrem ersten Satz genügt als Antwort Stefans Reaktion:

            “@Wilma Pause
            U.B.s Worte möchte ich dick unterstreichen. Genauso wie U.B. habe ich auch schon seltsam gefunden, was einige Lehrer hier äußern. Wer als Praktiker allgemein bekannte und unstrittige Kritik an den Arbeits- bzw. den Rahmenbedingungen vorbringt, kann doch nicht zugleich ‘die ideellen Urheber und damit Verursacher der genannten Probleme’ in Schutz nehmen und deren Ideen nach wie vor gutheißen und verteidigen
            Da komme ich auch nicht mit..”
            https://www.news4teachers.de/2018/02/gew-nimmt-sich-eisenmann-zur-brust-staendige-kritik-der-ministerin-demotiviert-die-grundschullehrer/

            2. Und zum Rest Ihres Statements einfach nochmal das korrekte Handke-Zitat: “Irgendwann merken auch die letzten, dass sie ein Spiel spielen, das es gar nicht mehr gibt.”

  4. Warum ist es nicht möglich, dass unsere Schüler einigermaßen gut lesen und schreiben lernen dürfen?
    Warum ist es nicht möglich, dass Kinder und Jugendliche, die nicht gut lesen und schreiben können, zusätzlich unterstützt werden? Warum ist das alles nicht möglich?

    • Ich fürchte, man legt inzwischen zu viel Wert auf anderes: Projektwochen, das “soziale Miteinander”, das “soziale Lernen”, den Spaßfaktor, neue pädagogische und didaktische Prinzipien, 1000 angestrebte Kompetenzen (z.B. interreligiöse Kompetenz) usw. usw., das gab’s so früher eben nicht.
      Da kann das “Kerngeschäft”, solide Lesen, Schreiben und Rechnen zu lernen, schon mal in den Hintergrund gedrängt werden. Offiziell predigt man die Wichtigkeit, dass die Migrantenkinder gut Deutsch lernen, und dann führt man Türkisch-Unterricht ein, um die “Wertschätzung der türkischen Kultur” zu betonen und damit die Integration zu fördern.
      Kurz: Alles macht inzwischen einen widersprüchlichen Eindruck. Es werden widersprüchliche Ziele formuliert. Die Schwachen sollen gefördert werden, aber nur maximal 2 Stunden pro Woche (hat oben Palim geschrieben). Und alles muss freiwillig sein, kein noch so sanfter Zwang bei dieser Förderung (in Finnland soll das übrigens anders sein). Wenn Kinder aus problematischen Verhältnissen an der Ganztagsschule besser aufgehoben sind, so strebt man gleich an, alle in die Ganztagsschule zu stecken, auch die, die es nicht nötig hätten. Es ist nicht erwiesen, dass an Ganztgsschulen mehr gelernt wird. Und Geld ist sowieso nie vorhanden für die vollmundigen Ankündigungen (“Bildung ist unser vorrangiges Ziel”).

      • 3 Anmerkungen:
        – Um den Sinn des Türkischunterrichts zu verstehen, sollte man sich mit Zweisprachigkeit und Halbsprachigkeit auseinandersetzen.

        – Die genannten 2 Stunden pro Woche Förderung kommen keinem allgemeinen Förderunterricht zu Gute, den es nämlich GAR NICHT gibt, sondern müssen darauf verwandt werden, die Beschulung von Kindern mit Beeinträchtigungen oder drohenden Beeinträchtigungen zu organisieren. Eigentlich sind daran so viele Auflagen gebunden, dass für die Arbeit am Kind von diesen 2 Stunden nichts übrig bleibt.

        – Wenn Sie meinen, dass nicht erwiesen sei, dass Kinder an Ganztagesschulen mehr lernen, finde ich, dass das bei den genannten Gar-nicht-wirklich-Ganztagesschulen mit gar nicht wirklich mehr Unterricht auch gar nicht wirklich Auswirkungen haben kann. Die in Berlin aufgezeigte Stundentafel ist nahezu gleich mit der Stundentafel einer Halbtagesschule. Wo also soll da ein Unterschied entstehen … in welche Richtung auch immer?

        • “Sinn der Türkisch-Unterrichts”:
          Ich frage mich, warum man eigentlich nicht nach der Zuwanderung so vieler Gastarbeiter Schulunterricht in Italienisch, Jugoslawisch, Griechisch usw. eingerichtet hat, sondern warum Türkisch bevorzugt wird, und das erst jetzt. Ist das nun ein Zeichen für Integration oder eher für Desintegration? Was ist denn mit der Wertschätzung der griechischen Kultur? Altgriechisch und Neugriechisch sind sehr wohl zu unterscheiden.

          “Wenn Sie meinen, dass nicht erwiesen sei, dass Kinder an Ganztagesschulen mehr lernen, …”
          Es ist offenbar nicht erwiesen, das sagt sogar der “Bildungsexperte” E.Klieme, Chef des DIPF:
          http://www.zeit.de/2018/07/pisa-studie-oecd-politik-eckhard-klieme/komplettansicht
          Aber warum gibt es dann die Hype um Ganztagsschulen, auch von der GroKo usw.? Man hält Ganztagsschulen offenbar für besser als Halbtagsschulen, auch wenn nicht mehr unterrichtet wird. Man hält das für einen großen Fortschritt.
          Ich hatte nur gemeint, man könne doch die Nachmittagsbetreuung nutzen, damit die “Risikoschüler” ihre Defizite aufholen. Ohne sanften Zwang wird das nicht gehen, die werden sonst lieber Fußball spielen.

          • Meist ist es so, dass “Ganztagesschulen” im Sinn von _ganztägigem Unterricht_ gepriesen werden, dann aber das Geld nicht ausgegeben wird und Ganztag-light eingeführt wird, siehe Berlin (80% light!).

            Zu den Möglichkeiten der NAchmittagsbetreuung sollte man sich die Bedingungen ansehen, zu denen die dort tätigen MitarbeiterInnen eingestellt werden. Auch da wird zunächst von Vielfalt und Angeboten gesprochen, dann ist der finanzielle Rahmen aber so gering, dass z.B. Musikschullehrkräfte nicht eingestellt werden können. Eher wird auf Übungsleiter oder Ehrenamtliche gesetzt, die Sport/ Musik anbieten sollen.
            NachmittagsBETREUUNG kann man dann eher mit “AUFSICHT durch Angebot” umschreiben und es ist nicht überall einfach, Personal zu finden.

          • Ich kann nur empfehlen, mal in den StEG-Bericht hineinzuschauen, eine Studie zu “Bildungsqualität und Wirkungen außerunterrichtlicher Angebote” mit Beteiligung zahlreicher wichtiger Institutionen:
            http://projekt-steg.de/sites/default/files/StEG_Brosch_FINAL.pdf
            Gleich am Anfang heißt es vollmundig:
            “Der flächendeckende Ausbau von Ganztagsschulen war und ist eine der größten Reformen im deutschen Schulwesen.” Donnerwetter!
            “Durch die Teilnahme an schulischen Ganztagsangeboten werden die Schülerinnen und Schüler im Sinne ganzheitlicher Bildung nachhaltig in ihrer Entwicklung von kognitiven und sozialen Kompetenzen gefördert”. Bravo!
            Schon auf Seite 5 heißt es eher kleinlaut:
            “Fazit: Ganztag dient vor allem der psychosozialen Förderung.” Später werden zahlreiche Details mitgeteilt.

      • Zitat:
        “Ich fürchte, man legt inzwischen zu viel Wert auf anderes: Projektwochen, das “soziale Miteinander”, das “soziale Lernen”, den Spaßfaktor, neue pädagogische und didaktische Prinzipien, 1000 angestrebte Kompetenzen (z.B. interreligiöse Kompetenz) usw. usw., das gab’s so früher eben nicht.”
        Die Kritik in Bezug auf Projektwochen /Projekte ist berechtigt. Von der Schulentwicklung her wird von oben immer wieder “Action” erwartet und sogar von höherer Stelle angeboten. Viele interessensgruppen versuchen zudem, so Einfluss in der Schule zu gewinnen.
        Die Schule, die möglichste viele Projekte durchzieht, steht nach außen gut da. Das betrifft allerdings nicht nur die Grundschulen, sondern alle allgemein bildenden Schulen. Mich stört es als Lehrkraft ebenso, wenn ein kontinuierlichs Lernen immer wieder durch Aktionen und Projekte unterbrochen wird, wo man gezwungen ist, mitzumachen. Hier wäre wesenlich mehr Augenmaß angebracht.
        Nicht einverstanden bin ich mit der Kritik in Bezug auf das soziale Miteinander. Wo sollen Kinder heute dies noch lernen? Sie haben in der Gesamtheit diesbezüglich wesentliche mehr Defizite als früher – viele sind ichbezogen – wer anders kann dies aufarbeiten, als die Schule? In einer Klasse entsteht immer wieder Konfliktpotential und das muss heute mehr denn je nachhaltig mit Lerneffekt aufgearbeitet werden. Das ist der Beginn der Demokratieerziehung.
        Spaß ist mir zu abwertend. Als Pädagoge sehe ich schon meine Aufgabe, den Schülern eine gewisse Freude an Schule und Lernen zu vermitteln. Wer motiviert lernt, hat Spaß und Freude daran und quält sich nicht durch.
        Neue pädagogische bzw. didaktische Prinzipien können Dinge optimieren oder auch nicht. Das ist eben zu prüfen oder auch einmal auszuprobieren. Sie aber grundsätzlich abzulehnen hemmt jede Weiterentwicklung.

        • Sie scheinen den Unterschied zwischen Spaß und Freude nicht zu kennen. Spaß ist kurzfristige Lustbefriedigung ohne langfristige Wirkung, wie sie mit den Aktionen, Projekten usw. erreicht werden kann. Freude wirkt langfristig, ist aber auch schwieriger zu erhalten – gerade bei der ichbezogenen und ungeduldigen Schülerschaft dieser Tage. Spaß und Freude sind aber beide nicht zwingend notwendig zur Erreichung des Schulabschlusses, wenngleich besonders Freude Schülern und Lehrern das Ganze einfacher macht.

          • Na ja, da muss man sich erst einmal über die Begriffsdefinition einigen. Wiki sagt dazu: “Heute wird mit etwas macht Spaß eine Tätigkeit beschrieben, die gerne gemacht wird, die Freude, wobei diese meist nachhaltiger ist, bereitet.” (Quelle: wikipedia)
            Spaß ist nicht negativ und man kann doch auch einmal an etwas, was man gerade in der Schule macht, Spaß haben. Das können, wie Sie schreiben, Aktionen sein, aber auch ein aktuelles Unterrichtsthema. Spaß und Freude sind etwas Positives und drücken Motivation aus. Ist nicht positive Motivation das, was wir anzustreben zu erreichen, um Schüler für einen Unterrichtsstoff zu begeistern? Warum kann und darf nicht ein Unterricht Spaß machen? Wenn ich Spaß habe, habe ich nachhaltig Freude daran. Bedürfnisbefriedigung und Spaß im Unterricht gleichzusetzen ist mir fremd. Ich kann doch keinen Unterricht nach einer Bedürfnisbefriedigung der Schüler planen. Allerdings muss ich mir u.a. zu anderen zu berücksichtigenden Aspekten immer Zugang zum Schüler verschaffen, das hat man schon vor 30 Jahren nach Heimann-Otto-Schulz u.a. im Studium gelernt.

          • So wie Sie sehe ich das auch. Daher Danke für die Präzisierung. Nur können Sie davon ausgehen, dass die Projekte, Nachmittagsangebote, “neuen Unterrichtsmethoden” in erster Linie auf Außenwirkung und kurzfristige Bedürfnisbefriedigung abzielen. Langfristiges Lernen spielt wenn überhaupt nur eine Nebenrolle.

        • “In einer Klasse entsteht immer wieder Konfliktpotential und das muss heute mehr denn je nachhaltig mit Lerneffekt aufgearbeitet werden. ”
          Ja, das sehe ich auch so … und es ist ein großer Anteil an der Erziehungsarbeit in der Grundschule, auch präventiv.
          Wenn man da zu wenig hinsieht und zu wenig Zeit und Mühe investiert, hat man sehr bald ausufernde Gewaltkonflikte schon auf Grundschul-Schulhöfen und das Nachsehen haben wohl eher diejenigen, die sich an Regeln halten und aus betreuenden Elternhäusern kommen.

        • “das soziale Miteinander”
          Ich meinte nur eine Überbetonung zu Lasten des “Kerngeschäfts”.
          Eigentlich sollte man meinen, dass es darum geht, dass alle sich an Regeln halten, z.B. die Schulordnung. Mir scheint allerdings, dass “Sozialkompetenz” bei Grundschülern auch anders ausgelegt wird. Eine offizielle Definition habe ich nie gesehen.

          Unter “beste bildungsökonomische Doktorarbeit” hat Palim bei n4t am 4.3.2017 folgendes geschrieben, dabei ging es um Gruppenarbeit und dass viele der stärkeren Schüler die nicht mögen:
          “Ansonsten lässt sich feststellen, dass Leistungsstärkere häufiger meckern, wenn ihre sozialen Kompetenzen nicht ausreichen, und dass Schwächere sich in heterogenen Gruppen dann zurückziehen, wenn sie der Meinung sind, nichts beitragen zu können.”
          Was hat denn jetzt soziale Kompetenz mit Meckern oder mit Gruppenarbeit zu tun? Ich würde meinen, es fehlt bei denen an Sozialkompetenz, die im Unterricht harte Gegenstände durch die Luft werfen und viel lärmen. Man könnte ja argwöhnen, dass Sozialkompetenz je nach Kontext eine schillernde Bedeutung besitzt. Vgl. auch Palim oben: “… das Nachsehen haben wohl eher diejenigen, die sich an Regeln halten und aus betreuenden Elternhäusern kommen.” Wem fehlt es dabei an Sozialkompetenz?

          • Man legt es sich immer so aus, wie es der eigenen Ideologie am Besten nützt. Diversität und Heterogenität sind zwei solche Beispiele, nämlich hoher Migrantenanteil (genauer aus dem türkisch-arabischen Raum), wenn er positiv oder negativ besetzt werden soll.

          • Wen treffen denn die harten Gegenstände, die in der Klasse durch die Luft fliegen?

            Angemessenes Sozialverhalten in der Schule beinhaltet doch aber mehr, als dass man andere nicht gefährdet oder den Unterricht massiv stört. Für Niedersachsen gibt es Zeugnisbemerkungen zum Sozialverhalten und es ist inhaltlich abgesteckt, worum es geht: Neben dem Einhalten von Regeln auch Achtung anderer und Konfliktfähigkeit (u.a.)

            Dennoch ist eben davon in Klasse 1 nicht mehr auszugehen, wenn die Kinder, wie Emil erläuterte (14.2., 18:25), nicht schulreif oder schulfähig sind, dennoch aber das 1. Schuljahr besuchen.

            Wie soll es zu einem geregelten Unterricht kommen, wenn man das Einhalten von Regeln, das Verhalten im Unterricht und auf dem Schulhof, den Umgang miteinander nicht in den Focus rückt?

            Das hat mit einem hohen Migrantenanteil oder Inklusion zunächst einmal überhaupt nichts zu tun, sondern mit Erziehung, die nicht genossen wurde oder in die eine oder andere Richtung übertrieben wird, auch davon hatte Emil schon geschrieben.

          • Die Frage war, was eigentlich “Sozialkompetenz” bei Grundschülern bedeuten könnte. Einfach angemessenes Sozialverhalten? Auch das ist ein sehr dehnbarer Begriff. Was ist, wenn jemand gemobbt wird, weil er angeblich zu wenig Sozialkompetenz hat, etwa als sog. “Streber”?

          • Was wäre wenn?
            Wenn “einfach angemessenes Sozialverhalten” so leicht wäre, müsste man nicht täglich daran arbeiten.

            Wenn ein Schüler gemobbt würde, weshalb auch immer, hätte m.E. schon manch anderes nicht gegriffen, da Mobbing immer von einem längeren Zeitraum ausgeht. Die daran anschließende Intervention muss sich nach dem Fall richten und nach dem Alter der Kinder, in Klasse 1 ist es anders als in Klasse 4.

  5. Seit 20-30 Jahren verfolge ich die Stellenausschreibungen im Bereich Fachdidaktik Deutsch (für die Deutschlehrerausbildung) an den Unis. Früher war die Stellenbesetzung von Professuren Sache der einzelnen Bundesländer. Man wusste also: “Wir brauchen für unser Bundesland x-Professuren für den Bereich Lesen und Rechtschreiben.” Seit der sog. Hochschulautonomie (klingt eigentlich gut) geht dieser Überblick und die Verantwortung für eine ausreichende Deutschlehrerausbildung verloren: Jede Hochschule entscheidet für sich alleine, wer eine ausgeschriebene Professur erhält. Beispielsweise entscheidet die Berufungskommission der Universität X über die Neubesetzung der (einzigen) Professur für den Schriftspracherwerb (Sprachdidaktik Deutsch). Außer einem externen Gutachter ist keine/er weitere/r Sprachdidaktiker/in in der Besetzungskommission (denn es gibt in aller Regeln nur max. diese eine Stelle für den Schriftspracherwerb pro Uni). Dann denkt sich jede/r: “Hm, Rechtschreibung, das ist ja total unsexy. Machen wir doch lieber mal was anderes (Sprachentwicklung, Zuhören usw.).” UND DA DIESE FEHLENTSCHEIDUNGEN ÜBERALL SO ABLAUFEN, haben wir u. a. diese sich rapide verschlechternden Lese- und Rechtschreibleistungen. Es ist ein Kreislauf: schlechtere und billigere Deutschlehrerausbildung – schlechtere oder schwierige Rahmenbedingungen an den Schulen – schlechtere Schülerleistungen usw.

    • Da ist ganz sicher was dran. In diesem Sinne meinte ich auch meinen fast gleichzeitigen Kommentar darüber. Auch die Didaktik hat das “Kerngeschäft” aus dem Auge verloren und folgt gewissen Modeerscheinungen: Tests, Inklusion, das soziale Lernen, die Ganztagsbegeisterung usw.
      Wenn sich eine Mode erst mal ausbreitet, dann überall gleichzeitig. Und ebenso verschwindet sie dann ggfs. wieder, wenn der große Erfolg ausbleibt.

      • Über diese Tests, Neuentwicklungen usw. kann man Drittmittel generieren, sie liefern Material für Promotionen usw.. Ich gehe davon aus, dass diese Dinge eine wichtige Rolle spielen, weil mit dem von Ihnen zutreffend Kerngeschäft genannte ursprüngliche Didaktik kein oder kaum Geld verdient werden kann — weder die Hochschule selbst noch die Drittmittelgeber aus der freien Wirtschaft.

    • D.Orie
      Wenn ich Sie richtig verstanden habe, dann schreiben Sie, das der wissenschaftliche Anspruch der Universitäten immer weiter herabgesetzt wird, weil man genehme Personen mit den selben Denkweisen einstellt, welche sich die Vorgesetzten auch noch unabhängig vom eigentlichen Bedarf, hier Fachdidaktik der Rechtschreibung, und ohne eine politischer Einflussnahme selbst aussuchen, um interessantere und Drittmittel generierende Methoden zu erforschen.
      Wo soll denn bitte eine Rechtschreibkultur entwickelt werden, wenn man dann dieser von Seiten der Professoren keine nennenswerte Bedeutung beimisst.

      • Ja, das sehen Sie richtig. Die Wertschätzung für den Bereich Rechtschreiberwerb ist gleich Null. Aber die späteren Lehrkräfte und die Schüler sollen alles können. Es ist absurd! Man kann es jedes Jahr aufs Neue beobachten, wie die entsprechenden Prof.-Stellen (max. 1-2 pro Jahr, plus 2-3 Jahre (!) Entscheidungsprozess), die eigentlich für den Schriftspracherwerb ausgeschrieben wurden, fachfremd besetzt werden. Ich kenne etliche Nachwuchswissenschaftlerinnen, die im Bereich Rechtschreiberwerb (auch DaZ und Rechtschreibschwierigkeiten/LRS/Legasthenie) viel geforscht, gelehrt und publiziert haben, sich seit Jahren auf Stellen bewerben, aber – schwupps – leider kriegen die Stellen andere, mit einem anderen Schwerpunkt. Da fast jede Hochschule – neben dem brutalen Sparen – so entscheidet, läuft auf Länder- und Bundesebene auch so viel schief. In den Ministerien der Länder geht man davon aus, dass alle Sprachdidaktik- Stellen auch fachlich adäquat besetzt sind. Da hat keiner den Durchblick, interessiert wohl auch nicht. Wahrscheinlich muss erst wieder eine teure Studie in Auftrag gegeben werden …?

  6. Vielleicht zeigt es doch Auswirkungen, wenn so viele Seiteneinsteiger aus Not an die Kinder herangelassen werden. Unsere Schule schneidet zumindest immer leicht überdurchschnittlich ab und wir sind alle grundständig ausgebildet.

    • Das wird erst noch kommen. Bei VerA 2017 gab es wohl noch gar nicht soooo viele Quereinsteiger. Die große Welle kam hinterher, im Anschluss an die große Flüchtlingswelle. Wir dürfen gespannt sein auf die Tests in 2018, 2019 usw.

  7. Vielleicht sollte man einmal wirklich die Vorgaben des Bundeslandes anschauen. Vor längerer habe ich mit einer Bekannten gesprochen, die in einer Berliner Grundschule unterrichtet. Zwei Dinge sind mir im Gedächtnis geblieben: Ich war sehr erstaunt (im Vergleich zu Bayern), wie wenig Arbeiten sie schreiben musste, wie viel Projektunterricht (irgendwelche Module) sie hatten und irgendwie gewann ich den Eindruck, dass doch weniger Inhalt gemacht wurde als hier bei uns. Projektunterricht in Modulen gibt es in Bayerns Grundschulen so gut wie nicht. (Ich hoffe, ich habe alles jetzt richtig wiedergegeben, war schon länger her.)
    Was aber sicher ist, dass am wenigsten die Grundschullehrer dafür etwas können, sondern es sind die Vorgaben und – wie oben schon mehrfach ausgeführt – die Voraussetzungen, die die Schüler mitbringen.

    • Genau diese Modulorientierung zielt auf die von mir kritisierte Spaßkultur ab. Speziell in Berlin könnte das neben der linksgrün gefärbten Gesamtschulpolitik auch der tendenziell bildungsferneren Schülerklientel geschuldet sein, bei der man stellenweise froh sein muss, wenn sie überhaupt ihrer Schulpflicht nachkommt.

      Die Lehrer tun wahrscheinlich nach bestem Wissen und Gewissen das bestmögliche, was sie aus der Situation (Schülerschaft und Vorgaben) machen können.

      • Modulorientierung muss doch nicht mit Spaßkultur gleichgesetzt werden.
        Ich kenne auch Lehrkräfte, die ähnlich arbeiten, z.B. im Jahrgangsübergreifenden Lernen.
        Die SuS bekommen Anleitung für einen Inhalt, sie üben mit verschiedenen Aufgabenformaten und kontrollieren ihre Fähigkeiten mit einem Test. Im Anschluss kann ein weiteres Modul gewählt werden.
        Die Kinder, die bereits lesen und schreiben können, lernen anderes, als die, die noch in den Anfängen stecken. Gleiches in Mathematik. Wie bei einem Lehrwerk bauen die Module nach und nach aufeinander auf.

        Es schafft für diejenigen, die erheblich weniger Zeit zum Lernen benötigen, Freiraum, sich um vertiefende oder weiterführende oder ausgefallenere Bereich zu kümmern. Für diejenigen, die mehr Übung benötigen, bis sie etwas beherrschen, sind innerhalb des Moduls diverse Übungsmöglichkeiten vorhanden, bis etwas sicher sitzt.

        So etwas würde ich mir im übrigen auch als Fortbildungsangebot (online) wünschen, sodass man Module auswählen kann, in denen man sich weiterbilden möchte, während man die auslässt (oder nur den Test absolviert), in denen man bereits versiert ist.

        Lernen muss nicht generell und immer so aussehen, es ist eine Möglichkeit von vielen, die in bestimmtem Rahmen erfolgreich sein kann. Es ist vielleicht wie beim Fernstudium: es liegt nicht jedem, dennoch können Menschen damit erfolgreich lernen und dennoch gibt es auch dabei Arbeitsgruppen oder Präsenzphasen.

        Mit Spaßfaktor hat das aber herzlich wenig zu tun. “Modul” und “Projekt” würde ich eher als Methode sehen und weniger als Spiel, Klamauk, Aktivität ohne Sinn und nur mit dem Ziel, etwas nach außen hin Aktives oder scheinbar Aktuelles darzustellen.

  8. Nicht die Grundschullehrer sind schuld, sondern die Zustände an den Grundschulen sind schuld.

    Davon ist vieles oben genannt worden. Hinzufügen möchte ich, dass in vielen Klassen aufgrund des Lärms und des Chaos, das Lehrer heutzutage zuzulassen müssen glauben oder sogar gut finden, Lernen gar nicht möglich ist.

    Dagegen können Lehrer aber heutzutage (sofern sie es überhaupt anstreben) kaum etwas tun. Von allen Seiten sind sie es, die angegriffen und deren Maßnahmen infrage gestellt werden und die ggf. vor den Kadi gezerrt werden.

  9. Die Berliner dürfen sich freuen (sie tun mir leid):

    AUSZUG: ” Senat will Schulleiter in die Pflicht nehmen – Berliner Schulen sollen Erfolgsziele vertraglich zusichern 27.04.18 | 10:17 Uhr
    Ob Schulschwänzer oder Noten in Vergleichsarbeiten: Bildungssenatorin Scheeres will die Qualität der Berliner Schulen enger kontrollieren. Schulleiter sollen künftig Verträge mit der Schulaufsicht über ihre Erfolgsziele schließen. Von Kirsten Buchmann”

    https://www.rbb24.de/politik/beitrag/2018/04/scheeres-schulen-qualitaetsvertraege-berlin-vergleichsarbeiten.html

    • Das riecht nach geschönten Noten und weiter unter den Teppich gekehrte Vorfälle unter den Schülern.

      Zitat aus dem Artikel: “Die Schulaufsichten hätten mehr Personal bekommen: zwölf Referentenstellen und zusätzliche Verwaltungsmitarbeiter.”

      Beim Wort Referent rieche ich wieder Parteibuchinhaberförderung, bei Verwaltungsmitarbeiter eher schlecht bezahlte und ausgebildete Hilfskräfte. Das Geld wäre besser in mehr Lehrer und / oder Sozialarbeiter direkt an den Schulen aufgehoben.

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