Billig-Digitalisierung: Schüler sollen eigene Smartphones nutzen

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DÜSSELDORF. In den meisten Schulen müssen private Handys in der Tasche bleiben – bisher. Demnächst sollen Schüler ihr eigenes Smartphone im Unterricht nutzen. So stellen sich CDU und FDP den modernen digitalen Unterricht vor. Der Vorteil für das Land liegt auf der Hand: Das würde gewaltig bei der Ausstattung sparen.

Bei der Nutzung von Computerspielen und Internet zeigen sich bei Jugendlichen deutlich Geschlechtsunterschiede, die Mädchen anfälliger für Internetsucht machen als die Jungen. Foto: Jhaymesisviphotography / flickr (CC BY 2.0)
Das Smartphone spielt bei Schülerinnen und Schülern eine enorm wichtige Rolle – bald auch im Unterricht? Foto: Jhaymesisviphotography / flickr (CC BY 2.0)

Schüler an weiterführenden Schulen sollen nach den Plänen der NRW-Regierungsparteien künftig ihr eigenes Handy, Tablet oder Laptop im Unterricht einsetzen. Diesen Vorschlag zur Digitalisierung im Klassenzimmer machen sowohl die CDU-Landtagsfraktion als auch Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP). «Bring your own device» (BYOD) – «Bring dein eigenes Gerät mit» – heißt die Devise. Die Bildungsverbände halten allerdings wenig davon. Sie befürchten eine «digitale Spaltung» im Klassenzimmer – und eine weitere Kluft zwischen Arm und Reich.

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Lernvideos für Mathe auf Youtube? Englisch-Vokabeln schnell mal im Internet-Wörterbuch nachschlagen? Rollenspiele oder Versuche in Physik filmen? Nach Ansicht der CDU ist der Einsatz digitaler Medien in der schulischen Bildung eine «willkommene Ergänzung» klassischer Methoden, aber kein Ersatz etwa zum Füllfederhalter.

«Zumeist sind Schüler mit aktueller Hardware ausgestattet und kennen sich mit ihren eigenen Geräten am besten aus», heißt es in einem Positionspapier zur Digitalisierung, das die CDU-Fraktion auf einer Klausurtagung erarbeitet hat. Wer kein eigenes Gerät habe oder eines, das den Mindeststandards nicht entspreche, solle es zur Verfügung gestellt bekommen.

Auch FDP-Ministerin Gebauer hält es für vorstellbar, «für eine gewisse Übergangszeit» Schülern zu erlauben, ihr eigenes Smartphone im Unterricht zu nutzen. Grundsätzlich müsse aber der Staat die Schulen mit geeigneten Geräten ausstatten, sagte sie der «Rheinischen Post». Deshalb müsse der Digitalpakt Schule jetzt an den Start kommen. «Die Kommunen und Bundesländer warten auf das Geld und wollen loslegen.»

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) NRW warnte dagegen vor einer «digitalen Spaltung in den Klassenzimmern». Alle Schüler müssten «unabhängig vom Geldbeutel ihrer Eltern» ein digitales Endgerät mit gleichen Standards nutzen können, erklärte die stellvertretende GEW-Landesvorsitzende Maike Finnern. Der Vorschlag, dass die Schüler ihr eigenes Gerät mitbringen sollten, «zeigt doch nur das Versagen der Politik».

“Keine Lösung”

«Das kann im Sinne der Chancen- und Bildungsgerechtigkeit keine Lösung sein», sagte auch Stefan Behlau, Landesvorsitzender des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE). Vielmehr müssten Schulträger oder die Landesregierung entsprechende Medien zur Verfügung stellen. Es gebe bei der Verteilung der Finanzmittel auch große regionale Unterschiede, sagte Behlau. Und: «Wenn wir über “Bring your own device” sprechen, habe ich das Gefühl, dass da vor allem die Gymnasien in den Fokus gerückt werden», sagte Behlau. Andere Schulformen, die vor ganz anderen Herausforderungen stünden, würden außer Acht gelassen.

«Digitalisierung darf man auch nicht auf Youtube-Videos reduzieren», sagte Behlau. Es müsse auch einheitliche Betriebssysteme geben. Leider sei die geplante landesweite Lernplattform Logineo, die auch den Datenschutzrichtlinien entspreche, wegen technischer Mängel gestoppt worden. «Es ist dringend an der Zeit, dass da eine Lösung geschaffen wird, um sowohl Lehrkräfte als auch Schüler aus der Grauzone der Digitalisierung in den sicheren Bereich zu holen.»

Denn auch bei Lehrern ist der Einsatz ihrer eigenen privaten Rechner für den Unterricht umstritten. So sollen Lehrer seit kurzem eine Datenschutzerklärung unterschreiben, die sie zu Vorsicht beim Umgang mit Schülerdate verpflichtet. Die GEW fordert bereits seit langem dienstliche Computer für Lehrer, die durch IT-Fachkräfte gewartet werden müssten. «Das sind übliche Standards in Industrie und Verwaltung, aber offenbar nicht in den Schulen des Landes. Dazu fehlt das Geld.»

Nach Ansicht der Grünen NRW wird durch den Vorstoß zur Nutzung der eigenen Handys in der Schule die «skandalöse Tendenz» verstärkt, dass in Deutschland Bildungserfolg «viel zu stark vom Geldbeutel der Eltern abhängig» sei. Gebauer müsse dafür sorgen, dass «die Spaltung der Gesellschaft nicht auch noch im Klassenzimmer verschlimmert wird», erklärte der Grünen-Landesvorsitzende Felix Banaszak. Von Dorothea Hülsmeier, dpa

Kolumne “Die Bildungswoche”: Wie die Digitalisierung der Schulen vorangeht – und was uns Stephen Hawking hinterließ

 

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3 KOMMENTARE

  1. Bei allem Respekt: So viel Unsinn in einem Artikel zusammengemischt habe ich schon lange nicht mehr gelesen!
    1. Die Überschrift: auf Bild-Niveau und sehr reißerisch.
    2. Sehr viele Leute halten von BYOD sehr viel. Bis wir an Schulen so adäquate Hardware zur Verfügung gestellt bekommen, dass man damit auch vernünftig arbeiten kann (ich bin gespannt, wann das der Fall ist), ist es mir auch sehr Recht, dass die S ihre eigenen Geräte mitbringen. Wenn man Glück hat, hat die Schule alte Laptops, die mit Ach und Krach noch funktionieren.
    3. Was heißt “für eine gewisse Zeit Schülern erlauben, ihr eigenes Smartphone…” Ich erlaube es meinen Schülern bereits. Ein Blick in die Gesetzestexte verrät, dass Handys bereits jetzt schon im Unterricht verwendet werden dürfen.
    4. Weiter unten im Artikel wird der Begriff “Betriebssystem” mit “Lernplattform” gleichgesetzt. Das ist ein Unterschied.
    5. Zuletzt: Dienstlaptops für Lehrer? Nein danke! Die Vorstellung, eine langsame Laptop-Krücke mit Windows mit mir herumschleppen zu müssen, auf der ich nicht meine eigenen Programme installieren darf und ich von einem Admin abhängig bin? Gegen diese Abartigkeit der Zwangsdigitalisierung würde ich mich wehren.
    Hier stellt sich die Frage wer uninformierter ist: die Damen und Herren aus der Politik, die solche Vorschläge anbahnen, oder der Autor des Artikels.

  2. byod dürfte schon jetzt sporadisch eingesetzt werden, sei es als Taschenrechner, Lupe, Wörterbuch o. ä. Allerdings nicht in Einzelarbeiten oder Prüfungssituationen. Das ist nicht leistbar, weil nicht jede App auf jeder Plattform existiert. Dazu kommen die Kosten für das mobile Internet und ggf. die der App selbst.

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