Islamismus-Experte Mansour: Intoleranz ist das Kernproblem in vielen muslimischen Familien

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BERLIN. Nach Todesdrohungen muslimischer Schüler gegen eine Zweitklässlerin in Berlin fordert der Psychologe und Islamismuskenner Ahmad Mansour ein grundlegendes Umsteuern an Schulen: Reden statt totschweigen.

Sieht den Antisemitismus nur als Teil des Problems: Ahmed Mansour. Foto: Dontworry / Wikimedia Commons (CC BY-SA 4.0)

Mobbing aus religiösen oder kulturellen Gründen nimmt nach Einschätzung des Berliner Psychologen und Islamismus-Kenners Ahmad Mansour an Schulen deutlich zu. «Mit der Radikalisierung von Jugendlichen hat sich auch ein bestimmtes Islamverständnis breit gemacht», sagt Mansour im Gespräch. Die Konflikte aus den Heimatländern von Schülern würden nun in deutschen Klassenzimmern ausgetragen.

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Antisemitismus spiele dabei eine große Rolle, sei aber Teil eines noch größeren Problems: der Intoleranz muslimisch geprägter Kinder und Jugendlicher. «Die Konflikte nehmen auch zu, weil Schulen keine Antwort auf solche Probleme finden», so Mansour. Als Lösungsansatz forderte er eine grundlegende Schulreform.

Mansour, Jahrgang 1976, wuchs als junger Palästinenser in Israel auf, studierte in Tel Aviv und Berlin und lebt seit 13 Jahren in Deutschland. Über sich selbst sagt er, dass er als Jugendlicher beinahe radikaler Islamist geworden wäre. Inzwischen hat er das Buch «Generation Allah» geschrieben und ist Geschäftsführer der Initiative «Mind Prevention für Demokratieförderung und Extremismusbekämpfung».

Angst vor der Freiheit

An einer Berliner Grundschule wurde jüngst eine Zweitklässlerin von älteren Schülern aus muslimischen Familien als Jüdin beschimpft. Ein Mitschüler soll gedroht haben, sie umzubringen, weil sie nicht an Allah glaube. Es war kein Einzelfall. «Natürlich ist Antisemitismus in vielen muslimischen Elternhäusern ein Riesenproblem – als Teil der Erziehung», sagte Mansour. «Das hat sicher eine religiöse Dimension. Aber wenn wir ein bisschen tiefer ansetzen, dann merken wir, dass Antisemitismus nur ein Teil des Problems ist.»

Im Kern gehe es um Intoleranz gegenüber Menschen, die den Islam anders lebten und auch gegenüber Menschen anderen Glaubens. Es gebe Schüler, die gemobbt würden, weil sie nicht fasteten – oder Mädchen, weil sie kein Kopftuch trügen. «In dieser Intensität sehe ich Intoleranz als Problem muslimisch geprägter Kinder und Jugendlicher», sagte Mansour. «Bei Grundschülern können wir davon ausgehen, dass die Erziehung im Elternhaus ihr Weltbild prägt. Wenn ich mein Kind zur Toleranz erziehe, kommt es in Schulen sicherlich nicht zu solchen Bedrohungssituationen.»

«Das heißt nicht, dass es woanders keine Konflikte gibt», betonte Mansour. «Natürlich werden auch Flüchtlinge gemobbt.» Der religiöse und kulturelle Hintergrund von Bedrohungen an Schulen sei aber nicht zu unterschätzen. «Diese Freiheit und Emanzipation in Deutschland macht enorm vielen Flüchtlingsfamilien Angst – vor allem den Männern. Um ihre Kinder zu schützen, werten sie die kulturellen Werte hier ab – als etwas, das nicht in Ordnung ist.» Das führe dazu, dass auch ihre Kinder Menschen mit einem anderen Lebensstil ablehnten.

Konflikte thematisieren

Religiös oder kulturell geprägtes Mobbing bei Kindern hält Mansour für deutlich mehr als eine unpolitische Provokation. «Das hat viel mit Werten zu tun, die Kinder im Elternhaus oder bei ihren Freunden mitbekommen haben. Das müssen wir absolut ernst nehmen.» Das heiße nicht, Kindern mit Bestrafung zu drohen. Es gehe darum, diese Konflikte zum Thema zu machen. Es gehe um Perspektiven, Denkanstöße und Alternativen.

«Ich bin froh, dass wir endlich darüber reden. Wir müssen etwas anbieten, um gegenzusteuern», sagte Mansour. «Wir brauchen eine grundlegende Schulreform.» Lehrer müssten ganz anders ausgebildet und vorbereitet werden. «Wir brauchen neue Lerninhalte über Werte, Toleranz und Streitkultur, vor allem über das Aushalten von anderen Meinungen. Wir müssen schon mit Grundschulkindern über Werte sprechen. Über Männlichkeit, über Sexualität, über Erziehung, über Streitkultur und über Ängste.»

Nötig sei auch eine ganz andere Elternarbeit, Eltern müssten Teil einer Schule sein. «Wir brauchen Sozialarbeit, die Konflikte früh erkennt und zum Thema macht. Und wir brauchen keine Schulleitungen, die Konflikte klein reden, damit ihre Schule nicht als Problemschule gilt», sagte Mansour. dpa

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56 KOMMENTARE

  1. Interessanter Artikel.

    ZITAT: “«Ich bin froh, dass wir endlich darüber reden. Wir müssen etwas anbieten, um gegenzusteuern», sagte Mansour. «Wir brauchen eine grundlegende Schulreform.» Lehrer müssten ganz anders ausgebildet und vorbereitet werden. «Wir brauchen neue Lerninhalte über Werte, Toleranz und Streitkultur, vor allem über das Aushalten von anderen Meinungen. Wir müssen schon mit Grundschulkindern über Werte sprechen. Über Männlichkeit, über Sexualität, über Erziehung, über Streitkultur und über Ängste.»”

    Da möchte ich widersprechen. Ein guter Lehrer lässt jeden Tag die Erziehung zu Toleranz, das Aushalten anderer Meinungen u.dgl. in seine Arbeit einfließen. Das ist immer wieder bei jedem Unterrichtthema und jedem Pausenthema aktuell. Manche nennen es den “heimlichen Lehrplan”. Das sind die Dinge, die wir den Kindern vermitteln, ohne dass sie im Lehrbuch eigens thematisiert werden, durch jedes Unterrichtsgespräch, durch unser Auftreten usw.

    Manche Kinder lernen womöglich durch den heimlichen Lehrplan mehr als durch den offiziellen. 🙂

    • ZITAT 2: “Nötig sei auch eine ganz andere Elternarbeit, Eltern müssten Teil einer Schule sein. «Wir brauchen Sozialarbeit, die Konflikte früh erkennt und zum Thema macht. Und wir brauchen keine Schulleitungen, die Konflikte klein reden, damit ihre Schule nicht als Problemschule gilt», sagte Mansour. dpa”

      Nein. Es ,muss auch nicht alles anders gemacht werden. Es wird schon vieles getan und es wird auch vieles gut getan.

      Wir brauchen aber auch Lehrer, die bei Konflikten nicht einfach sagen: “Klärt das unter euch!” (und dann regiert das Faustrecht.) Sowas höre ich oft. Wir brauchen auch Lehrer, die sich der Probleme annehmen und einschreiten. Und wir brauchen wieder mehr und einfachere Möglichkeiten einzuschreiten (Schulgesetze und Verordnungen). Und wir brauchen Schulleitungen, Schulaufsichten, Gerichte, Gesetzgebung, Politiker, Medien, die uns dabei den Rücken stärken und uns nicht in selbigen fallen.

      • “Nein. Es ,muss auch nicht alles anders gemacht werden. Es wird schon vieles getan”
        Ja, stimmt.
        Ich finde es auch übel, wenn man aus solchen Artikeln liest, dass noch nichts gemacht würde.

        Aber dennoch scheint es ja nicht auszureichen.
        Wenn diese Probleme so massiv sind, braucht es vermutlich nicht nur Lehrer, die einschreiten (können und dürfen), sonderen eben doch weitere Hilfe.

        In vielen Grundschulen wird zur Prävention ein Programm hinsichtlich “Sozialen Lernens” durchgeführt. Dies ist wichtig, weil diejenigen, die im Verhalten auffällig sind oder werden, häufig die Gefühle anderer gar nicht _wahrnehmen_ können UND weil den SuS die Worte fehlen, um Konflikte zu bewältigen, UND weil ihnen häufig auch die Ideen (oder Vorbilder) fehlen, wie das möglich ist. Deshalb wird es geübt: an Beispielen, bei denen sie selbst NICHT betroffen sind, erkennen, worum es geht, überlegen, wie man vorgehen kann und auch das Formulieren von Sätzen.

        Das ist etwas anderes, als tagtäglich bei Streitigkeiten als Lehrkraft die Klärung zu begleiten, was darüber hinaus auch notwendig ist … und zum Teil mit Rückgriff auf oben geschilderte Übungen und Verhaltensmuster erfolgen kann.

        Die Probleme, die im Artikel beschrieben werden, gehen in eine ähnliche Richtung, sind aber weit gravierender, weil kulturelle Hintergründe einen großen Anteil nehmen.

        Und wieder ist es ein Beispiel dafür, dass es Forderungen an “Schule” gibt, was alles beachtet und “gelöst” werden sollte. Dabei gehört aber der Faktor Zeit und Ressourcen mit auf den Tisch.
        Wenn die Aufarbeitung dieser Probleme oder Konflikte mit in den Schulalltag gehören, dann braucht es dafür auch Zeit und Personal, ansonsten geht es zu Lasten des sonstigen Unterrichts.
        Und wenn es mehr Elternarbeit, Netzwerke und weiteres braucht, dann braucht es auch dafür Zeit und Personal, denn ansonsten ist es Mehrarbeit, die zu Lasten der Lehrkräfte geht und letztlich dann auch zu Lasten des sonstigen Unterrichts.

    • Ihren beiden Kommentaren möchte ich ausdrücklich zustimmen, sofawolf. Es kommt tatsächlich auf den “heimlichen Lehrplan” ohne Lehrbuch an. Bei ihm greifen Lehrer Konflikte der Schüler auf, mischen sich ein, beziehen klar Stellung und ducken sich nicht weg, wenn es gilt, klare Kante zu zeigen.
      Das ist gelebte Erziehung, die auch gefühlt wird und viel tiefer geht als die Unterrichtsstunden-Erziehung mit ihren weitgehend theoretischen Erörterungen und Belehrungen.
      Es stimmt auch, dass die Lehrer dazu unbedingt mehr Rückenstärkung brauchen. Wer immer befürchten muss, dass er selbst auf die Ankagebank gerät, wenn er “durchgreift” und persönlich Stellung bezieht, kann den “heimlichen Lehrplan”, den konkrete Situationen des Schullebens vorschreiben, nicht durchführen und zieht sich gern auf lehrbuchmäßigen Moralunterricht zurück, der unangreifbar ist, aber wenig bewirkt.
      Danke für Ihre wichtigen Beiträge!

  2. @Palim um 11:53
    Das Programm “Soziales Lernen”, das bei seiner Einführung Hand in Hand ging mit der Ächtung sogenannter “Sekundärtugenden”, steht doch inzwischen seit Jahrzehnten auf der Agenda. Und was hat es gebracht außer immer neuen Enttäuschungen und weiteren leeren Versprechungen?

    Wirkliche Erziehung (auch in Elternhäusern) lebt von der Vorbildfunktion der Erzieher, ihrem beherzten Eingreifen bei Fehlverhalten und auch von knackigen statt weitschweifenden Belehrungen, die zur Situation passen.

    Dürften die Lehrer wieder konsequenter handeln (nein, der Rohrstock ist nicht gemeint!!) statt vorwiegend an den Verstand und die Einsicht zu appellieren, brauchten sie m. E. auch nicht ständig nach weiteren Hilfskräften zu rufen, sondern könnten wieder mehr aus eigener Kraft schaffen.
    Das täte auch ihrem Ansehen und dem positiven Respekt vor ihnen gut.

    • Die Einführung eines Programms zum “Sozialen Lernen” ging bei uns nicht mit der Ächtung der Sekundärtugenden einher. Wie kommen Sie darauf? Es geht, wie ich oben dargestellt habe, um konkrete Unterrichtsinhalte, die bereits umgesetzt werden, um Kindern Strategien zur Konfliktlösung zu vermitteln. Das ist etwas anderes als “weitschweifige Belehrungen” oder “lehrbuchmäßigen Moralunterricht”.
      Dabei kann ich keine Enttäuschungen und leere Versprechungen erkennen, wohl aber Fortschritte im Verhalten der SuS. Und ich kann am Verhalten der SuS auch erkennen, welche Lehrkraft genau diesen Unterricht nicht durchführt und sich auf ein “das mache ich ja jeden Tag” zurückzieht und damit die allgemeine Streitschlichtung meint.

      Zudem hatte ich bereits geschrieben, dass es die Erziehung im Alltag, das Vorbild und die Begleitung von Konflikten in der Situation ebenfalls braucht.
      Für mich bereichert das eine das andere.

      Warum Lehrkräfte nicht konsequent handeln dürfen, erschließt sich mir aus Ihrem Beitrag nicht.
      Welche konkreten Maßnahmen wünschen Sie sich denn, die sie “aus eigener Kraft” schaffen, zurzeit aber nicht umsetzen dürfen?

      Mein Erleben ist eher so, dass das alles bereits umgesetzt ist, bei den im Artikel genannten Problemen aber nicht ausreicht. Für genau diese Schulen sollte es Hilfen geben.

    • Genau. Ich kenne das “soziale Lernen”. Es gab regelmäßig Beschwerden von den “Referenten”, aber auch von den Kindern selbst, dass es dabei über Tische und Bänke ging. Es sind eben selbst keine Lehrer und sie wenden offensichtlich selbst dabei nur “sanfte Methoden” ( = Kuschelpädagogik) an, die ich z.B. ja als wenig hilfreich empfinde. Hilfreich vielleicht bei denen, die keine / kaum Sanktionen benötigen, aber nicht bei “den anderen”.

      Ich sehe die Lösung eher da, wo Maren sie beschreibt.

        • Menschenskind, Palim, stellen Sie das, was andere zu Ihrem Missfallen sagen, doch nicht immer in Frage, so als sei es ein Sonderfall oder unwahr.
          Maren und sofawolf haben völlig Recht. Ich selbst habe z.B. noch erlebt, wie vor Jahrzehnten im Zuge der Inthronisierung der “sozialen Kompetenz” als höchstes bildungspolitisches Lehr- und Lernziel plötzlich zwischen wertvollen “Primärtugenden” und weniger wichtigen “Sekundärtugenden” unterschieden wurde. Vorher gab es diese Zweiteilung nicht.
          Und was war das Resultat? Die “soziale Kompetenz” blieb ein Luftschloss und die Sekundärtugenden verkrümelten sich allmählich.
          Mit allen Tugenden, egal ob primär oder sekundär, ging es bergab trotz immer höherer Gewichtung des sozialen Lernens in Lehrplänen, Unterrichtseinheiten, Projekten…usw.

          Nur eins noch, obwohl es zu Ihrem Kommentar mehr zu sagen gäbe:
          Sie antworten Maren: “Warum Lehrkräfte nicht konsequent handeln dürfen, erschließt sich mir aus Ihrem Beitrag nicht.”
          Liegt das nicht auf der Hand? Muss das tatsächlich aufs Neue erschlossen und erklärt werden?
          Die Stärkung der Elternrechte auf Kosten der Lehrerrechte, zunehmende Beschwerden und Drohungen mit gerichtlichen Schritten bei Zurechtweisungen und Strafen, bei angeblichen Bloßstellungen und Seelenverletzungen, bei drastisch ausgemalten Ängsten vor Lehrern, die Kinder angeblich zu hart anfassten, usw und so fort!
          Aus berechtigten Selbstschutzgründen meinen heute viele Lehrer, sie dürften nicht “konsequent handeln”, auch wenn sie es theoretisch sollen.
          Und das alles wissen Sie nicht? Ihre Schule kann doch unmöglich abgeschnitten sein von dieser Realität.

          • Meine Nachfrage galt der Konkretisierung der These:
            Vielleicht sprechen sofawolf und ich einfach von etwas anderem, wenn wir über “Unterricht zur sozialen Kompetenz” schreiben, weil wir etwas anderes im Sinn haben?

            Beide schreiben wir, dass wir zum Thema “Soziale Kompetenz” in der Schule Erfahrungen haben.
            Ich schreibe über Unterrichtsinhalte, die in Grundschulklassen von den Klassenlehrkräften zur Stärkung der sozialen Kompetenz umgesetzt werden und damit auch gemeinsame Regeln an der Schule implementieren,
            sofawolf schreibt über “Referenten”.

            Und ich würde gerne wissen, was die (inhaltlich) gemacht haben und vielleicht auch, warum das so wenig erfolgreich war.

  3. Dass man Lehrkräften den Rücken stärken soll, habe ich nie bestritten.

    Aber die Frage bleibt dennoch bestehen: Welche konkreten Maßnahmen würden helfen?

    Im Artikel oben steht:
    “Wir brauchen Sozialarbeit, die Konflikte früh erkennt und zum Thema macht.”
    Ich habe erläutert, dass es in Grundzügen schon längst im Unterricht und in den Schulen implementiert ist. Es ist ja nicht so, dass Lehrkräfte sich darum nicht schon längst kümmern würden (siehe heutiger Bericht von Lehrkräften einer Brennpunktschule).
    Aber das reicht ja offenbar bei oben genannten Verhältnissen nicht aus.

    Im Artikel oben steht:
    Es brauche Elternarbeit zu diesem Thema.
    und
    “Das heiße nicht, Kindern mit Bestrafung zu drohen. Es gehe darum, diese Konflikte zum Thema zu machen. Es gehe um Perspektiven, Denkanstöße und Alternativen.”

    Mansour schreibt, dass diese Aufgabe Lehrkräfte übernehmen sollen, schließlich spricht er von anderer Ausbildung und Vorbereitung der Lehrkräfte und von anderen Unterrichtsinhalten.
    Und ich frage: Können Lehrkräfte das leisten im normalen Unterricht?

    Wenn Lehrkräften so etwas “aufgetragen” wird, sie damit aber allein gelassen werden, ist dies nur eine von vielen anderen Forderungen an “Schule”, was alles beachtet und “gelöst” werden sollte.
    Mir wäre daran gelegen, dass Schulen und Lehrkräfte nicht fortwährend zum Nulltraif mit weiteren Aufgaben überfrachtet werden, weil eine Menge Menschen in der Gesellschaft meinen, dass Lehrkräfte das alles “so nebenbei” erledigen und man sich darum nicht weiter kümmern müsse.

    • Sie sagen: “Mir wäre daran gelegen, dass Schulen und Lehrkräfte nicht fortwährend zum Nulltraif mit weiteren Aufgaben überfrachtet werden.”
      Für mich ist das ein Widerspruch in sich selbst. Überfrachtung bedeutet Überlastung und gesundheitliche Gefährdung. Die aber muss abgeschafft und nicht bezahlt werden. Das gehört zur Fürsorgepflicht des Arbeitgebers, also der Landesregierungen.
      Auch der GEW sollten entsprechende Forderungen wichtiger sein als Plädoyers für höhere Lehrergehälter. Wer überlastet ist, braucht Erleichterung, aber nicht mehr Geld.

      • Den Nulltarif habe ich so verstanden, dass nicht dies auch noch den Lehrern aufgebürdet wird, sondern es mehr Unterstützungspersonal gibt, in dem Fall am besten Sozialarbeiter. Für mehr Unterstützungspersonal plädiert Palim schon immer, wenn man die Beiträge liest.

        Vielleicht sollte man einmal endlich diese Gehaltsdebatte trennen von den Belastungen. Hier hat niemand von mehr Geld geschrieben.

        • @ ysnp,

          das geht aber eben nicht und das sollte man aus meiner Sicht begreifen, weil – wie ich immer sage – wir nicht alles haben können und glauben können, die sprudelnden Steuereinnahmen seien nur für die Lehrer da.

          Unsere Gehälter sind gut (sonst würde ich da auch für Erhöhung plädieren, wie z.B. bei anderen Berufsgruppen); wir brauchen jetzt in erster Linie Entlastungen, z.B. mehr Unterstützungspersonal, wie Sie es nennen (z.B. an jeder Schule 2 Vollzeit-Sekretärinnen).

          Warum mögen Sie die Zusammenhänge nicht sehen?

        • Und schon wieder sind wir bei sofawolfs Lieblingsthema…

          … und kommen gar nicht mehr dazu, andere Antworten zu suchen:
          Können Lehrkräfte das leisten?
          Was setzen Lehrkräfte schon längst um?
          Womit haben Lehrkräfte schlechte Erfahrungen gemacht?
          Welche Hilfestellungen könnten angebracht sein?

          • Na, schreiben Sie doch Ihre anderen Antworten. Ich hindere Sie nicht.

            Aber ich muss doch nicht die Augen vor der Realität verschließen, nur weil Sie es tun?

  4. Oh, ich danke Beate S., Sie haben Dinge auf den Punkt gebracht. Es ist auch ermutigend, dass das mal andere sagen.

    (1) ZITAT: “Die Stärkung der Elternrechte auf Kosten der Lehrerrechte, zunehmende Beschwerden und Drohungen mit gerichtlichen Schritten bei Zurechtweisungen und Strafen, bei angeblichen Bloßstellungen und Seelenverletzungen, bei drastisch ausgemalten Ängsten vor Lehrern, die Kinder angeblich zu hart anfassten, usw und so fort!
    Aus berechtigten Selbstschutzgründen meinen heute viele Lehrer, sie dürften nicht “konsequent handeln”, auch wenn sie es theoretisch sollen.
    Und das alles wissen Sie nicht? Ihre Schule kann doch unmöglich abgeschnitten sein von dieser Realität.”

    (2) ZITAT: “Überfrachtung bedeutet Überlastung und gesundheitliche Gefährdung. Die aber muss abgeschafft und nicht bezahlt werden. Das gehört zur Fürsorgepflicht des Arbeitgebers, also der Landesregierungen.
    Auch der GEW sollten entsprechende Forderungen wichtiger sein als Plädoyers für höhere Lehrergehälter. Wer überlastet ist, braucht Erleichterung, aber nicht mehr Geld.”

    Genau so sehe ich es auch.

      • Ich verstehe es einfach nicht, dass sie ständig die Belastung mit dem Geld in Zusammenhang bringen. Ständig – bei jeder Gelegenheit – schieben Sie die Gehaltsdebatte an. Wollen Sie damit Reaktionen provozieren, die Grundschullehrer in schlechtes Licht rücken oder wirklich “Ihre Botschaft” immanent verbreiten?

        Natürlich ist es wichtig, zu entlasten. Und das hat auch der neue bayerische Kultusminister erkannt, wie ich in der Zeitung lesen konnte. Allerdings hoffe ich, dass er seinen Worten auch Taten folgen lässt.

  5. Schon Ihre Kernthese, Beate S., kann ich nicht nachvollziehen. Sie behaupten: “Die “soziale Kompetenz” blieb ein Luftschloss und die Sekundärtugenden verkrümelten sich allmählich. Mit allen Tugenden, egal ob primär oder sekundär, ging es bergab trotz immer höherer Gewichtung des sozialen Lernens in Lehrplänen, Unterrichtseinheiten, Projekten…usw.”

    So ein Unsinn. Die Jugendkriminalität ist in den letzten zehn, 20 Jahren drastisch heruntergegangen. Wir liegen bei der Jugendarbeitslosigkeit so niedrig wie niemals zuvor in der BRD – und das wäre kaum so, wenn die sozialen Kompetenzen junger Menschen “ein Luftschloss” wären. Wer die Shell-Jugendstudie liest, bekommt einen Einblick von einer höchst pragmatischen, aufgeschlossenen, tatkräftigen jungen Generation, auf die man stolz sein kann. Und wer mit offenen Augen durch eine Schule geht und die vielen tollen Kinder und Jugendlichen sieht, der weiß, wofür er sich (manchmal) aufreibt.

    Natürlich gibt es auch Probleme – die Verhaltensauffälligkeiten nehmen zu, keine Frage. Aber das ist doch kein Wunder. Die familiären Strukturen sind heute fragiler, der Medienkonsum ist heute ein anderer. Dazu kommt Migration, die für die betroffenen Kinder ja auch nicht nur lustig ist, und ein stärkeres Arm/Reich-Gefälle (Armut gab’s immer schon – das Protzen mit Reichtum über die sozialen Medien nicht). Kindheit heute ist mit der Kindheit vor 30, 40 Jahren nicht mehr zu vergleichen. Angesichts dieser komplexen Phänomene können Lehrerinnen und Lehrer es nicht mehr alleine schaffen, jedes Kind mitzunehmen. Auch das ist wahr.

    Aber das ist doch noch lange kein Grund, ins Dauerjammern zu verfallen. Der VBE-Vorsitzende Udo Beckmann hat völlig recht, wenn er fordert: “Anpacken – nicht nur aufregen!” Das gilt zweifellos für die Politik, aber durchaus auch für die Kolleginnen und Kollegen.

    • PS. Und wieder, Sofawolf, Beate S. und Maren, kommt von Ihnen hier die Forderung, dass “Lehrer wieder konsequenter handeln dürfen (nein, der Rohrstock ist nicht gemeint!!)” (O-Ton Maren) – aber wenn man nachfragt, was denn damit gemeint ist, dann gibt’s als Antwort nur Geschwurbel. Deshalb hier nochmal gefragt: Wobei dürfen denn Lehrer nicht konsequent handeln? Und wie sähe solches “konsequente Handeln” aus, wenn sie es dürften?

        • Volle Zustimmung, (aber bitte nach dem Komma weiterlesen und ggf. später zitieren), wenn wir unterbezahlt wären. Sind wir aber nicht.

        • @ Redaktion, ich frage dann jetzt auch mal im Stile unserer missis., wie lange wir uns Beleidigungen von Anna noch gefallen lassen müssen (Stichwort: Geschwurbel)?

          Warum müssen wir Annas Geschwurbel ertragen, wenn sie doch selbst nicht bereit ist, das Geschwurbel anderer zu ertragen?

        • @ Anna, es gab auch schon konkretere Beispiele. In der Regel wird nicht so nett danach gefragt, weil man das gerne wissen würde, sondern weil man es auch einfach nur verreißen will.

      • Anna: “Und wie sähe solches “konsequente Handeln” aus, wenn sie es dürften?”
        Da müsste man bei jenen Ländern nachschauen, bei denen doch hinsichtlich der Schulen angeblich alles besser ist und wo die Lehrer größere Erfolge haben (wenn man unseren Bildungsforschern folgen möchte). Finnland ist das gelobte PISA-Land, aber gleichzeitig gehen die Kinder dort besonders ungern zur Schule. Die Türkei hat schlechte PISA-Werte, aber eine autoritäre Schule, was dann die türkischen Migranten irritiert, wenn sie bei uns das genaue Gegenteil von “autoritär” erfahren. Die Schweiz hat gute Werte rundherum, wie machen die das nur? Und wie macht man das in Frankreich mit dem “idealen” Schulsystem: Vorschule, Ganztagsschule, einheitliche weiterführende Schulen ?
        Übrigens: Negativbeispiele werden bei n4t unter “sollten Lehrer Migranten alles durchgehen lassen ?” genannt, nämlich die “interkulturellen Trainer”, die offenbar gewisse Unverschämtheiten der Schüler auch noch gegen die Lehrer zu wenden wissen (Rassismus-Vorwurf) und ihnen so alles aus der Hand schlagen, was man normalerweise tun würde (nämlich zumindest verbal contra zu geben).
        Beispiel: Ein Schüler sagt zu einer Lehrerin, sie könne ihm gar nichts befehlen, weil sie eine Frau sei.
        Mögliche Reaktion (vielleicht in Anwesenheit eines männlichen Kollegen):
        1. Hör mal her, wir sind hier in Deutschland und nicht anderswo.
        2. In Deutschland gelten die deutschen Gesetze, keine anderen.
        3. Im Grundgesetz steht klar, dass Frauen und Männer gleichberechtigt sind, also auch Lehrerinnen und Lehrer.
        4. Es ist also egal, ob eine Lehrerin was befiehlt oder ein Lehrer.

    • Danke für den Klartext, Anna! Endlich sagt den Lehrern mal jemand, welch “tolle Kinder und Jugendliche” wir haben, wie sehr wir es zu tun haben mit “einer höchst pragmatischen, aufgeschlossenen, tatkräftigen jungen Generation, auf die man stolz sein kann?”
      Wie Sie weiter sagen, war die junge Generation früher viel krimineller und offenbar auch arbeitsscheuer, denn die “Jugendarbeitslosigkeit ist so niedrig wie niemals zuvor”.
      Zu Recht, liebe “Kolleginnen und Kollegen”, fordert Anna, dass ihr aufhört mit dem grundlosen “Dauerjammern”. Es gilt die Devise “Anpacken – nicht nur aufregen!”
      Warum Anna trotzdem meint, die Lehrer seien überlastet und unterbezahlt bei Kindern und Jugendlichen, auf die man noch nie so stolz sein konnte wie heute, ist mir trotz aller bekannten Eklärungen dann doch wieder ein Rätsel.

      • @g.h.
        Das war eine gute Reflektion auf eine viel zu euphemistische Sichtweise der heutigen Jugend. Leider sammelt man als Arzt im Notarztbereich ganz andere Erfahrungen, wie eine Zunahme an Aggression mit schweren Körperverletzungen durch Messerstichverletzungen, Tritte in den Gesichtsbereich bei am Boden liegenden Gegnern, typische Mittelhandfrakturen der Schlaghand mit dem entsprechenden Gegenkorrelat frakturierter Nasenbeine des männlichen Gegenparts.
        Die Vorbilder werden in Computerspielen geliefert.
        Mir ist schleierhaft , worauf ein/eine Anna sein/ihre Behauptungen stützt, dass die Kriminalität der Jugendlichen vor 30 bis 40 Jahren höher war als heute.
        Auch die Aufrüstung in den Schulen hat zugenommen, es bilden sich Gruppen heraus, die auf Grund ihrer schwierigen Sozialisation, ein echtes Problem für die normal sozialisierten Schüler darstellen, die versuchen andere Sicht- und Denkweisen anders verarbeiten als in der Freisetzung ungezügelter Gewalt gegen vermeintlich schwächere Personen.
        Gehen Sie einmal in die Krankenhäuser mit einem hohen Migrationsanteil.
        Dort gehören Sicherheitsdienste inzwischen zum Stammpersonal der Kliniken und es finden verbale und körperliche Übergriffe, wie das Anspucken und Treten gegen das weibliche Personal statt, wenn man nicht sofort zufriedenstellend bedient wird.
        Das kann man im Deutschen Ärzteblatt gerne nachlesen.
        Aber, wir schaffen das…..

        • @ Ignaz,

          Kuschelpädagogik eben (Anna). Wir kommen der Sache immer näher. Die Protagonisten liefern uns selbst die Beispiele, nach denen sie fragten. 🙂

          • Ja, “Kuschelpädagogik” – wenn Sie damit eine liebevolle und zugewandte Erziehung meinen – ist tatsächlich eine Ursache für den Rückgang der Jugendkriminalität (den Sie Superexperten für alles und jedes ja bestreiten).

            Aus der FAZ:

            “Die Jugendkriminalität ist in Deutschland im vergangenen Jahrzehnt stark gesunken. Zwischen 2007 und 2015 hat sich der Anteil der Tatverdächtigen im Alter zwischen 14 und 18 Jahren pro 100.000 Jugendliche halbiert, er ging um 50,4 Prozent zurück. Das zeigt eine neue Langzeitstudie im Auftrag des Bundesfamilienministeriums. Für die Autoren der Studie, die Kriminologen Dirk Baier, Christian Pfeiffer und Sören Kliem, ist das „ein historisch einzigartiger Rückgang“.”

            Weiter heißt es: “Dass die Jugendgewalt abgenommen hat, hat (…) auch mit veränderten Erziehungsstilen zu tun. Den Autoren zufolge gibt es immer mehr Jugendliche, die in Schülerbefragungen angeben, in ihrer Kindheit keine Gewalt erlebt zu haben. Zudem schenkten Eltern ihren Kindern mehr emotionale Zuwendung und bemühten sich um ein positives Verhältnis zu ihnen.”

            Quelle: http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/studie-jugendkriminalitaet-in-deutschland-stark-zurueckgegangen-15371908.html

          • Liebe Anna, danke für den Link. Die Überschrift mit dem Spiegelstrich machte mich schon stutzig. Nachlesen ergab die – allerdings noch nicht 100%-ig gesichterte Erklärung:

            “Zwischen den Jahren 2015 und 2016 nahm die Jugendgewalt allerdings wieder zu, um 12,3 Prozent. Grund dafür ist den Autoren zufolge vor allem der Zuzug von Flüchtlingen. Der Anteil der nichtdeutschen Tatverdächtigen habe sich innerhalb des entsprechenden Jahres um 21,4 Prozent erhöht, der Anteil von Deutschen sei bei einem Anstieg von 3,1 Prozent nahezu konstant geblieben.”

            Also, liebe Anna, wenn Sie schon zitieren, dann bitte vollständig.

          • Dabei formuliert der Spiegel wohlabgewogen und vorsichtig.

            Zitat: “In der Zwischenzeit haben wir festgestellt, dass diese Daten mittlerweile teilweise überholt sind: Aktuelle Statistiken zeigen, dass die Anzahl der Gewalttaten an Schulen in einigen Bundesländern seit 2015 gestiegen ist.

            Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen, und möchte[n] hier noch einmal auf die jüngsten Gewaltstatistiken einiger Landeskriminalämter hinweisen.

            Es gibt keine aktuelle Erhebung, die bundesweit Auskunft darüber gibt, ob die Gewalt an Schulen steigt oder sinkt. […]

            Dass der Zuwachs an Schülern mit Flucht- oder Migrationshintergrund der Grund für die gestiegenen Probleme ist, vermuten einige Wissenschaftler; aus der uns vorliegenden Polizeistatistik zu B e r l i n kann man diese These jedoch nicht ablesen.”

  6. Neben der umstrittenen Kriminalitätsrate leitet Anna auch von unserer niedrigen Jugendarbeitslosigkeit (6,6%) “tolle Kinder und Jugendliche” ab – “eine höchst pragmatische, aufgeschlossene, tatkräftige junge Generation”. Bernd hat an anderer Stelle denselben Nachweis für die hohen Qualitäten unseres Nachwuchses geführt.

    Was ist dann auf die junge Generation in anderen EU-Ländern zu schließen, z. B. in Italien, wo die Jugendarbeitslosigkeit 31,4% beträgt, Frankreich 21,7%, Finnland 18,7% oder Schweden 16,9%?
    Warum steht sie vergleichsweise so schlecht da, wenn doch das Schulwesen in diesen Ländern (Gemeinschafts- bzw. Gesamtschule, inklusiver Unterricht etc.) ständig als mustergültig und nachahmenswert empfohlen wird – besonders in Finnland, wo sogar nur die besten der Besten Lehrer werden dürfen?

    Statistik von Januar 2018:
    https://de.statista.com/statistik/daten/studie/74795/umfrage/jugendarbeitslosigkeit-in-europa/

    • Ursula Prasuhn, Wilma Pause
      Danke für ihre ergänzenden Beiträge; verdeutlichen diese doch, dass erstens in den vergangenen Jahren keine Kriminalitätsstatistiken von Jugendlichen in Deutschland mehr geführt wurden und die Jugendarbeitslosigkeit hier zu Lande sehr niedrig ist, sogar weit niedriger als in Finnland ist.
      Weiter wird aufgezeigt, dass Migranten eine deutliche stärkere soziale Betreuung benötigen, um den Kindern eine andere Perspektive zu bieten. Da muss deutlich mehr investiert werden, denn ein wir schaffen das reicht eben nicht aus. Probleme im Sozialverhalten müssen erkannt und benannt werden, damit diese angegangen werden können. Davon darf keine Risikogruppe beschönigend ausgenommen werden, weil sonst diese eskalieren. Deshalb muss man denen auch deutlich Grenzen aufzeigen.
      Sonst geht es zu wie im “Herr der Fliegen” von Sir Wiliam Golding.

      • Die Bundeszentrale für politische Bildung (BPB)hat eine Statistik der Jugendkriminalität im Internet abgebildet, aus der hervorgeht, dass Jugendkriminalität ubiquitär verbreitet ist und war und dass diese sich im Rahmen der Reifung der heranwachsenden Jugendlichen ausbildet ,als Form, die eigenen Grenzen auszuloten, entwickelt, mit einem Maximum um das 20 Lebensjahr.
        Dabei sind Jungen weitaus häufiger betroffen als Mädchen. Das Maximum an erfasster Gewalt lag um 2008- 2010,soll bis heute auf einen hohen Wert abgenommen haben, der aber deutlich über Werten um 1990 lag.
        Der Artikel hier befasst sich aber mit einer einzelnen Gruppe aus einem von Kriegsgewalt geprägter Jugend, der kulturellen Abgrenzung von unserer liberalen Gesellschaft durch die Eltern und deren Förderung durch diese anders geprägten Elternhäuser aus einem ganz anderen Umfeld als unserem.
        Und da muss Sozialarbeit ansetzen, in dem man auf die Jugendlichen und Eltern direkt zugeht. Das ist aber keine primäre Aufgabe von Lehrern, sondern von zusätzlichen Sozialarbeitern.Es gehört selbstverständlich zu den Aufgaben von Lehrern, bei einem Fehlverhalten der Schüler direkt zu intervenieren und durch die Entwicklung einer offenen Diskussionsstils Kindern die Akzeptanz anderer Denkansätze zu vermitteln.

          • Das Problem der Schulen ist in der Tat das Versagen der Politik, bei entsprechender Zusammensetzung der Schulklassen mit einem hohen Anteil an Migranten , ihrer Fürsorgepflicht für die Lehrer, die Mitschüler und der betroffenen Schüler aus diesen Elternhäusern gerecht zu werden. Man war und ist sich der Probleme anscheinend nicht in ausreichendem Maße bewusst, sollte aber, wie es durch Herrn Meidinger zu Recht geschieht, die Probleme weiter offensiv ansprechen, damit Gelder in diese Richtung fließen, und nicht wie geplant, zu Bertelsmann in eine Digitalisierung des Unterrichts.
            Ich verknüpfe beides bewusst, weil Geld da ist, die Effektivität eines digitalisierten Unterrichts geringer ist, als die Einstellung weiterer Lehrer, Förderlehrer und Sozialarbeiter.
            So , wie bisher praktiziert, schaffen wir es nämlich nicht, die Probleme der Schulwelt zu lösen. Genauso wenig wie mit ständigen strukturellen Reformen im Schulbereich oder einer breitflächigen Digitalisierung. Erst muss die Basis für eine gute Unterrichtsqualität geschaffen werden, mit einer Erhöhung des Stammpersonals, einer differenzierten Unterrichtsmethodik in kleineren Einheiten.
            Und dazu gehört auch die Einbindung der Eltern, gerade derer aus den Problemgruppen, in dem man wie im Bericht über Dortmunder Grundschulen im Norden der Stadt, Orte der Begegnung schafft, um Vorurteile abzubauen. Das alles kostet Geld, bedeutet aber auch eine Investition in die Zukunft. Wir alle warten auf Antworten der Politik, Lehrer, wie Eltern und Schüler.

          • Der österreichische Philosoph Konrad Paul Liessmann (vgl. auch https://www.news4teachers.de/2017/12/philosoph-liessmann-es-geht-der-schulpolitik-nicht-um-bildung-sondern-nur-noch-um-effizienz/) beschreibt in seinen aktuellen Buch das “Problem der Schulen” (wie Ignaz Wrobel es nennt) folgendermaßen.

            Zitat: “Wer heute von Bildung spricht, glaubt an Wunder. Es gibt nichts, was man Schulen nicht zutraut. Chancengleichheit für alle und Elitenbildung, Hochbegabtenförderung und Integration aller Benachteiligten, soziales Miteinander und Wettbewerbsvorteile für jeden, Beschwörung der Kreativität und Normierung des Denkens, Aufruf zur Kritik und Anleitung zur Affirmation, Erwerb der Kulturtechniken bei gleichzeitiger Verabschiedung derselben, Kompetenzorientierung als Akklamation aller erdenklichen Inkompetenzen, Individualisierung als Standardisierung, Bestnoten noch für die Schlechtesten.

            Da die Wirklichkeit vor diesem Glauben und seinen Zumutungen aber regelmäßig versagt, muss eine Schulreform die andere jagen, denn von jeder verspricht man sich endlich die Einlösung aller Versprechen, die Erfüllung der unterschiedlichsten Wünsche, die Erlösung von allen Übeln.

            Gesamtschule, Gemeinschaftsschule, Projektunterricht, autonomes Lernen, Flipped Classroom, Lernbegleiter, zentrale Reifeprüfungen, reformierte Lehrpläne und innovative Organisationsformen lösen als Dernier Cri des Reformfurors einander im Jahresrhythmus ab, und wenn alles nicht mehr hilft, ertönt der Ruf nach neuen Medien im Unterricht.

            Wer heute von Bildung spricht, glaubt an Wunder. […]
            Um Bildungsfragen entbrennen Glaubenskriege, dogmatische Wahrheiten, die nicht angezweifelt werden dürfen, dominieren den Diskurs, die OECD, Testkonsortien und die Bertelsmann-Stiftung erscheinen als Bildungskirchen, deren Vertreter und Adepten als Priester und Propheten predigend durch die Lande ziehen, um ihre Heilsbotschaft zu verkünden.”

            Quelle:
            Liessmann, Konrad Paul: Bildung als Provokation. Wien: Paul Zsolnay Verlag 2017 (S. 36-38)

          • Danke Ihnen beiden, Palim für die positive Rückmeldung und Wilma Pause für den treffenden Kommentar.

          • “Das Problem der Schulen ist in der Tat das Versagen der Politik”
            Das sehe ich genauso wie Sie, Herr Wrobel..
            Aber woher die vielen zusätzlichen Lehrer, Förderlehrer oder Sozialarbeiter nehmen, die von heute auf morgen nicht zu haben sind, egal, wie viel Geld für sie bereitgestellt wird?
            Hinzu kommt, dass die Zuwanderung noch immer sehr groß ist und relativ wenig dagegen getan wird. Wahrscheinlich wird sich die missliche Lage an den Schulen also künftig noch ausbreiten und verschärfen.
            Es ist einfach, mehr Lehrer und Sozialarbeiter zu fordern, sie auf die Schnelle in großer Anzahl zu “backen” und Lust für diese Berufe zu wecken, ist das Problem

          • @realo
            Wir als Betroffene müssen deshalb trotzdem den Finger in die klaffende Wunde legen und brauchen nicht einseitig eine Schuld für schlechtere Leistungen allein bei Lehrern suchen, sondern müssen weiter eine bessere Ausstattung von der Politik einfordern.
            Allein um weiteren Einsparversuchen zu begegnen, ist es hilfreich, auf Missstände hinzuweisen. Bisher beschränkte sich Schulpolitik auf die von Wilma Pause beschriebenen Strategien, mit ständigen strukturellen Reformversuchen, von denen man sich Verbesserungen versprach, Verbesserungen im Outcome der Schüler zu erreichen. Dazu zählen allerdings auch wenig hilfreiche Selbstlernmethoden im Anfangsunterricht ohne eine strukturierte Unterstützung. Schule funktioniert aber anders und deren Erfolg ist stark vom Lehrer, einer differenzierten Methodik bei ausreichend großer Klassengröße abhängig.

          • Bessere Ausstattung mit Sozialarbeitern wurde auch vor der sog. Flüchtingswelle schon gefordert, wenn auch in viel kleinerem Maße.
            Das war für mich ein weiteres Zeichen, dass in der Gesellschaft, in vielen Elternhäusern und an Schulen etwas gewaltig schief läuft, so dass nach Sozialarbeitern als Feuerwehr gerufen werden muss.
            Obwohl ich zustimme, dass sich die Lage durch die unverantwortlich hohe und noch immer anhaltende Zuwanderung (vornehmlich aus islamischen Ländern) zugespitzt hat und weiter zuspitzt, wäre es ein Fehler, dabei die vorher schon vorhandene und durch eine zerstörerische Bildungsideologie verursachte Schieflage mit den Aufklebern “Modernisierung” und “Fortschritt” zu vergessen.

            @Wilma Pause
            Herzlichen Dank auch von mir für all Ihre Kommentare, so auch den letzten mit den treffenden Zitaten von Konrad Paul Liessmann.

  7. Mansour ist weder Moslem noch Islamismus-Experte.
    Er ist jemand, der den Islam hasst und ihn bekämpft.
    Grund dafür könnte sein, dass er sich schlecht behandelt wird.
    Aber in Deutschland wird meistens jeder beklatscht der schlecht über den Islam redet.
    Somit ist er ein Radikaler. Komisch das er eine Bühne findet und die anderen nicht.

    • “Er ist jemand, der den Islam hasst und ihn bekämpft.”
      Das halte ich für Unsinn. Im Gegenteil, er kritisiert niemals Religion als solche (nach allem, was ich von ihm gehört habe), sondern immer nur Auswüche davon. Er meint doch, wir wären dafür zuständig, den Jugendlichen den “richtigen” Islam beizubringen, also jedenfalls nicht den der Salafisten. Er ist eher eine Art von “Islam-Reformer”. Ob er dabei richtig liegt, ist eine andere Frage.
      Ich würde ihm sogar entgegenhalten: “Warum wagen Sie es nicht zu fragen: wozu brauchen wir eigentlich den Islam? Was haben Jugendliche positiv davon?”

      • Anscheinend will man die Jugendlichen für altbackene, antiquierte Ansichten aus der Sicht alter Männer begeistern, in der die Jungen frei ihren Gefühlen nach leben, während die Mädchen schon früh lernen die “Ehre der Familie” hoch zu halten und sich unterwürfig in ihr Schicksal als dienende Frau der Familie einfügen sollen, die selbst aufopfernd die Kinder groß zieht, auf eigene Berufsausübung verzichtet und dem Familienoberhaupt ehrfürchtig untergeordnet ist, so wie zu Kaisers Zeiten.

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