Kolumne „Die Bildungswoche“: Sind Lehrer der zerstrittenste Berufstand der Welt? Der Eindruck kommt bisweilen auf

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BERLIN. Krach um „A13 für alle“, Streit um Lorz – und ein konsternierter Spaenle! Was in dieser Woche Schlagzeilen machte: aufgespießt und in einen Zusammenhang gesetzt von News4teachers-Herausgeber Andrej Priboschek.

Der Bildungsjournalist Andrej Priboschek. Foto: Tina Umlauf

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Sind die Lehrer der zerstrittenste Berufsstand der Welt? Der Eindruck kommt bisweilen auf. Jüngstes Beispiel: der Vorstoß von Philologen-Chefin Prof. Susanne Lin-Klitzing gegen „A13 für alle“. Seit Jahren trommeln die GEW und der VBE dafür, Grundschullehrkräfte finanziell aufzuwerten – und alle Lehrerinnen und Lehrer einheitlich nach A13 (bei Beamten) oder E13 (bei Angestellten) zu bezahlen. Jetzt werden erste Erfolge der Kampagne sichtbar: Nach Berlin und Brandenburg hat vor zehn Tagen auch Sachsen beschlossen, Grundschullehrer nach A13 zu bezahlen – und plötzlich schießt der Philologenverband quer. So erklärte die Vorsitzende Prof. Susanne Lin-Klitzing in dieser Woche: „Ich halte eine einheitliche Besoldung für den falschen Weg.“ Gymnasiallehrkräfte sollten weiterhin mehr verdienen, denn sie trügen eine größere Verantwortung, weil sie die Schüler auf Studium und Beruf vorbereiteten.

Philologen-Chefin gegen „A13 für alle“ – sie meint: Gymnasiallehrer tragen eine größere Verantwortung (und müssen deshalb mehr verdienen)

Wie sagten noch die alten Römer? „Divide et impera“ – also: Immer schön Streit sähen unter denen, die mir potenziell gefährlich werden könnten. Dann bleiben die mit sich beschäftigt und lassen mich in Ruhe herrschen. Das Prinzip wirkt noch immer, wie sich an den Lehrerverbänden erkennen lässt. Integration? Inklusion? Lehrermangel? Unterfinanzierung? Gründe, der Politik gemeinsam auf die Pelle zu rücken, gäbe es durchaus genug. Aber solange in der organisierten Lehrerschaft immer noch die Partikularinteressen überwiegen, fehlt es eben an Schlagkraft – und die Kultusminister dieser Republik können sich gemütlich zurücklehnen.

Wie der hessische Kultusminister Alexander Lorz (CDU). Lehrerkollegien hatten ihm in den vergangenen Jahren Hunderte von Brandbriefen und Überlastungsanzeigen geschickt. Lorz hat die Schreiben auch alle gelesen – sagt jedenfalls sein Sprecher. Zu antworten hielt der Minister allerdings nicht für nötig. Er reichte die Briefe laut Sprecher ans jeweils zuständige Schulamt zur Bearbeitung weiter, wo sich die Schreiben dann gestapelt haben dürften. Nun mag das der behördlich korrekte Weg sein. Guter Stil ist es nicht. Selbst wenn, was jeder weiß, ein Schulminister nicht mal eben Lehrer herbeizaubern kann, wo keine Stellen und/oder Bewerber sind, so hätte doch eine freundliche und empathische Antwort für das Gefühl bei der Lehrerschaft sorgen können, wenigstens mit ihren Sorgen wahrgenommen zu werden. Jetzt wirkt Wiesbaden so mitfühlend wie Mordor.

Hunderte von Schulen schicken Brandbriefe und Überlastungsanzeigen an Lorz – und der antwortet nicht mal

Als Opfer einer dunklen Macht dürfte sich in dieser Woche auch Bayerns nunmehr ehemaliger Kultusminister Ludwig Spaenle gefühlt haben – galt er doch bislang als enger Vertrauter des neuen Bayernkönigs Markus Söder. Dass der ihn dann in dieser Woche eiskalt und offenbar ohne Vorwarnung abservierte, damit hatte Spaenle erkennbar nicht gerechnet. Der bis dato dienstälteste Kultusminister in Deutschland zeigte sich konsterniert.

Und tschüss! Söder schmeißt Spaenle aus dem Kabinett

Zehn Jahre hatte Spaenle an der Spitze des bayerischen Kultusministeriums gethront, rekordverdächtig in einer Zeit, in der Schulminister (hat mal jemand ausgerechnet) gerade noch einen durchschnittlichen Verbleib von zwei Jahren im Amt aufweisen können. Den Schnitt nach unten gezogen hat zweifellos der sächsische Kultusminister a. D. Frank Haubitz – der gerade mal acht Wochen im Amt zubringen durfte, bis er von seinem Chef gefeuert wurde (nein, nicht Trump – Kretschmer).

Rausschmiss von Haubitz nach nur acht Wochen sorgt für Empörung bei Verbänden

Philologen-Chefin Prof. Susanne Lin-Klitzing würdigte mit Blick auf das nunmehr von Sachsen beschlossene 1,7-Milliarden-Paket gegen den Lehrermangel und der darin enthaltenen Verbeamtung neuer Lehrkräfte Haubitz‘ Rolle beim Zustandekommen – der Kollege (Haubitz war vor seinem Wechsel ins Kultusministerium sächsischer Philologenchef) habe sich damit dauerhafte Verdienste erworben, erklärte sie spitz in Richtung Kretschmer. Dass das Paket eben auch „A13 für alle“ vorsieht, erwähnte Lin-Klitzing dabei ausdrücklich nicht. Warum, das wissen wir jetzt – siehe oben. Agentur für Bildungsjournalismus

Wow! Sachsen legt 1,7 Milliarden-Programm gegen den Lehrermangel auf – darunter: mehr Geld für Grundschullehrer

 

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11 KOMMENTARE

  1. Gebt ihnen halt A14 und allen anderen A13. Vielleicht können sie von den 200 netto mehr einen Füllfederhalter kaufen, der ihrer “Verantwortung” für erwachsene Menschen entspricht.

  2. ZITAT 1: “Wie sagten noch die alten Römer? „Divide et impera“ – also: Immer schön Streit sähen unter denen, die mir potenziell gefährlich werden könnten. Dann bleiben die mit sich beschäftigt und lassen mich in Ruhe herrschen. ”

    Ist das nicht ein bisschen selbstgerecht? Könnte man nicht ebenso von “Teile und herrsche” sprechen, wenn eine kleine Berufsgruppe, die jetzt schon zu den Gutverdienern gehört, darüber larmentiert, nicht noch besser zu verdienen, also sprich rund 4500 statt 4000 Euro brutto monatlich, während andere Menschen im Lande mit ihrem Monatsverdienst nicht auskommen und beim Jobcenter aufstocken müssen und wieder andere sich ihre Lebensmittel bei den Tafeln holen?

    ZITAT 2: “Das Prinzip wirkt noch immer, wie sich an den Lehrerverbänden erkennen lässt. Integration? Inklusion? Lehrermangel? Unterfinanzierung? Gründe, der Politik gemeinsam auf die Pelle zu rücken, gäbe es durchaus genug. Aber solange in der organisierten Lehrerschaft immer noch die Partikularinteressen überwiegen, fehlt es eben an Schlagkraft – und die Kultusminister dieser Republik können sich gemütlich zurücklehnen.”

    Ja, eben. Das sind unsere Probleme: Inklusion, Lehrermangel, Unterfinanzierung (Ausstattung), Klassengrößen, Bürokratie, Ausbrennen, zu hohes Stundensoll ……….., aber in der “organisierten Lehrerschaft” geht es fast nur darum, mehr Geld ins eigenen Portmonee zu kriegen und man flüstern den Verantwortungsträger ins Ohr, dann würde alle Lehrer wieder glücklich und zufrieden sein. Wenigstens in der laufenden Legislaturperiode. Und Sie befördern das doch noch (siehe Artikelüberschriften wie “Ist das kollegial? …”, obwohl doch guter westlicher Journalismus auf Meinungsmache verzichtet, Fakten präsentiert und das Urteil dem Leser überlässt – aus historischen Gründen übrigens, aus denen man gelernt haben will.).

  3. “aber in der “organisierten Lehrerschaft” geht es fast nur darum, mehr Geld ins eigenen Portmonee zu kriegen und man flüstern den Verantwortungsträger ins Ohr, dann würde alle Lehrer wieder glücklich und zufrieden sein.”

    Dieser penetrant wiederholte Unfug – oder soll ich es schlöicht eine Lüge nennen – wird durch nicht besser, wenn man es immer wieder hört.

    • 2015: Erfolgreiche Klage des Philologenverbands und der GEW gegen die Arbeitszeiterhöhung von Gymnasiallehrern in Niedersachsen
      2016: Gescheitere Klage des PhV gegen Arbeitszeit (Kosten für Verband vermutlich im unteren fünfstelligen Bereich)
      2016: Studie der GEW zur Arbeitszeit in Niedersachsen (Kosten vermutlich im oberen fünfstelligen Bereich)
      2018: Studie des Philologenverbands zur Arbeitszeit bundesweit (Kosten ca. 5000000 Euro)

      Und das sind nur die Dinge, die mir so als Nordlicht ohne zu googlen einfallen. Es ist schlicht gelogen zu behaupten, den Gewerkschaften und Verbände ginge es nur ums Geld. Egal ob GEW, PhV, VBE oder sonstwer: Keiner hat die Arbeitsbedingungen nicht auf dem Zettel!

        • Und die Fokussierung liegt eben doch auf dem Geld. Davon haben dann nämlich auch die Gewerkschaften was (höhere Beiträge).

          Warum wird nicht mal für die Senkung des Stundensolls um mindestens 2 Stunden gestreikt? Darf man nicht? Na und!

          • Nein, kann man nicht! Ich hab das doch schon mehrfach erklärt: Wenn es um Lohnzuwächse geht, können GEW, PhV oder VBE im Rahmen ihrer auch zahlenmäßig mächtigen Dachverbände agieren, da sitzt man mit Feuerwehr, Kindergarten und Pflegepersonal usw. in einem Boot. Das ist dann relativ leicht durchzusetzen.
            Ein Sonderfall ist A13 für alle, weil wir momentan viel zu wenig Grundschullehrer haben UND weil jetzt die Studiengänge in der Wertigkeit des Abschlusses gleich sind und es somit keinen beamtenrechtlichen Grund mehr für eine Ungleichbezahlung gibt. Es ist Kernaufgabe einer Gewerkschaft, diese Forderung zu stellen.

            Einen zudem (nach momentanem Recht) unrrechtmäßigen Streik müssten wir Lehrer alleine durchziehen und was würde dabei rauskommen? Nichts, weil lange nicht alle mitmachen, das wissen sie genau so gut wie ich!

            Eine Reduzierung des Stundensolls muss man entweder auf politischem Weg oder juristischen Weg erreichen. Für den politischen Weg braucht man Daten, daher jetzt eine Reihe von wissenschaftlich begleiteten Studien.
            Der juristische Ansatz wäre: In den Landesgesetzen ist die Arbeitszeit für Beamte je mach Bundesland mit 40 oder 41 Stunden pro Woche festgeschrieben (1760/1804 Stunden pro Jahr). Wir arbeiten aber mehr!

          • Gut, nehme ich zur Kenntnis.

            Im Osten sind aber ganz viele Lehrer keine Beamte, also gilt für sie auch kein Beamtenrecht. Und in Sachsen wurde die Unterrichtsverpflichtung unlängst um 1 Stunde gesenkt.

            Es geht / ginge also mit dem notwendigen Druck, nur jetzt erwecken die Berufsverbände den Eindruck, die Lehrer seien zufriedenzustellen, indem sie mehr Gehalt bekämen.

            Sind wir aber nicht. Dann gehen nur noch mehr in Teilzeit und der Lehrermangel wird gravierender.

          • Zum Thema “Teile und herrsche” und die armen Lehrer, die dringend eine Gehaltserhöhung brauchen, um noch über die Runden zu kommen, finde ich gerade noch das hier:

            AUSZUG: “”Zur Sicherung der bundesweiten Versorgung mit Presseerzeugnissen für alle Haushalte – in Stadt und Land gleichermaßen – wird bei Minijobs von Zeitungszustellerinnen und Zeitungszustellern der Beitrag zur Rentenversicherung, den die Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber zu tragen haben, befristet für die Dauer von fünf Jahren bis zum 31. Dezember 2022, von 15 auf fünf Prozent abgesenkt.” ”

            https://daserste.ndr.de/panorama/archiv/2018/Koalitionsvertrag-Rentenkuerzung-fuer-Zeitungszusteller,zusteller124.html

    • Sie haben Recht! Allerdings unterstützen hier einige “Lehrkräfte” emsig das Bild, den Lehrern ginge es vor allem darum, “mehr Geld ins eigenen Portmonee zu kriegen”. Mit dieser Fixierung aufs Geld machen sie es den Verantwortungsträgern für Schule und Bildung enorm leicht.
      Trotzdem würde ich es begrüßen, wenn jetzt nicht gleich Sie, sofawolf, mit einem Kommentar kämen nach dem Motto: Meine ständige Rede! Stimmt zwar, kommt aber von Ihrer Seite schon zu den Ohren raus und sollte eher von anderen kommen.

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