Rausschmiss von Haubitz nach nur acht Wochen sorgt für Empörung bei Verbänden

2

DRESDEN. Die Entlassung des ehemaligen Philologen-Chefs Frank Haubitz aus dem Amt des sächsischen Kultusministers nach nur acht Wochen schlägt bundesweit Wellen. „Hier wurde fachliche Expertise ganz offensichtlich einem politischen Kalkül geopfert“, so erklärte die Bundesvorsitzende des Verbands, Susanne Lin-Klitzing. „Mit seiner Personalentscheidung hat Ministerpräsident Kretschmer nun die CDU-Fraktion hinter sich, aber den sächsischen Lehrerinnen und Lehrern einen Hoffnungsträger genommen“, meinte der Vorsitzende des Sächsischen Lehrerverbands, Jens Weichelt.

Der neue sächslische Kultusminister kommt direkt aus dem Schuldienst: Frank Haubitz. Foto: Sächsisches Staatsministerium für Kultus
Haubitz kam direkt aus dem Schuldienst an die Spitze des Bildungsressorts. Foto: Sächsisches Staatsministerium für Kultus

Gestern hatte der neue sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) sein Kabinett vorgestellt – und insbesondere mit einem Wechsel an der Spitze des Bildungsressorts für einen Paukenschlag gesorgt. Der parteilose Frank Haubitz, bis vor seiner Berufung an die Spitze des Bildungsressort Leiter eines Gymnasiums und sächsischer Landeschef des Philologenverbands, wurde durch den bisherigen parlamentarischer Geschäftsführer und stellvertretenden Vorsitzenden der CDU-Fraktion, Christian Piwarz, ersetzt.

Anzeige


Der Deutsche Philologenverband bedauert in einer Presseerklärung die Entscheidung, den erst Ende Oktober zum Kultusminister ernannten Haubitz zu entlassen und „durch den Juristen Christian Piwarz zu ersetzen“, wie es spitz heißt. „Angesichts des großen Problems des Lehrkräftemangels in Sachsen wäre Haubitz mit seiner Erfahrung und Sachkenntnis eine Chance für das Land auf dem Weg zur Aufarbeitung und Lösung dieses Problems gewesen“, befand Lin-Klitzing. Es sei zudem fraglich, ob es der sächsischen CDU mit diesem Schritt gelingen werde, ihre angestrebte Konsolidierung zu erreichen, wenn die Unzufriedenheit im Lande über die mangelnde Lehrerversorgung zunehmen wird. Haubitz hätte dem bestens als kompetenter Minister mit Fachautorität entgegenwirken können.

„Zur Befriedung der CDU-Fraktion geopfert“: Ex-Philologenchef Haubitz nach nur acht Wochen als Kultusminister gefeuert

Haubitz‘ Entlassung führe „zu Unverständnis, Empörung und Resignation in den Lehrerzimmern, denn er stand für einen glaubhaften Richtungswechsel in der Personalpolitik“, so heißt es beim Sächsischen Lehrerverband (slv). „Der Wechsel an der Spitze des Staatsministeriums für Kultus kam auch für mich überraschend. Frank Haubitz hat viel Zustimmung aus den Lehrerzimmern erfahren, weil er den Lehrerberuf in Sachsen generell aufwerten wollte.“, erklärt slv-Chef Jens Weichelt.

„Die Aufbruchstimmung in den Lehrerzimmern und das Signal an potentielle Bewerber muss der neue Staatsminister für Kultus aufgreifen, fortführen und verstärken. Nur so kann der Mangel an Bewerbern mit vollständiger Lehrerausbildung behoben und die Lehrerversorgung im Freistaat langfristig sichergestellt werden“, appelliert Weichelt an Haubitz‘ Nachfolger Piwar – und richtet konkrete Forderungen an die Landesregierung: Entwicklungsperspektiven durch motivierende Höhergruppierungsmöglichkeiten in allen Schularten und ein Ausgleich zum Einkommen verbeamteter Kollegen, eine verbesserte Eingruppierung für Grundschullehrer sowie Entlastungen zur Bewältigung der stetig steigenden Aufgaben.

Haubitz hatte mit einem offenbar nicht mit dem Ministerpräsidenten abgestimmten Vorstoß zur Verbeamtung von Lehrkräften für Unmut in der CDU-Fraktion gesorgt.

Anzeige


2 KOMMENTARE

  1. Ich bin ehrlich froh, nicht Lehrer in Sachsen zu sein. Thüringen scheint da im Vergleich noch das kleinere Übel… der berüchtigte “Sachsen-Filz” nimmt einfach kein Ende und schadet dem Bundesland!

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here