Meidinger fordert Kurswechsel bei der Inklusion – sonst droht ein Scheitern

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BERLIN. Eine gemeinsame Kraftanstrengung aller Bundesländer hat der Präsident des Deutsche Lehrerverbands, Heinz-Peter Meidinger, gefordert, um ein Scheitern des nach seinen Worten “großen gesellschaftlichen Projekts Inklusion” zu verhindern.

Zeigt sich besorgt angesichts des Lehrermangels: Heinz-Peter Meidinger, Präsident des Deutschen Lehrerverbands. Foto: Deutscher Philologenverband
Sieht die Schulen in Sachen Inklusion überfordert: Heinz-Peter Meidinger, Präsident des Deutschen Lehrerverbands. Foto: Deutscher Philologenverband

Meidinger kritisiert, dass nach wie vor viele Bundesländer eine Inklusionspolitik betrieben, die rein an Quoten und am Gießkannenprinzip anstatt an Qualität und bestmöglicher Förderung orientiert sei. Er sagt: „Die Inklusion von Behinderten in die Gesellschaft ist ein hohes, erstrebenswertes Ziel. Leider behindert eine falsch verstandene Inklusionspolitik, die Förderschulen schließt, ohne Regelschulen entsprechend inklusionsgerecht auszustatten, genau dieses Ziel der späteren angemessenen Teilhabe von Behinderten am gesellschaftlichen Leben! Auch hier gilt: Qualität ist wichtiger als Quantität!“

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Der DL-Präsident weist darauf hin, dass sich die übergroße Mehrheit der Lehrkräfte mit Idealismus dieser Herausforderung der Inklusion gestellt habe, sich ein beträchtlicher Teil davon aber heute wegen der fehlenden Ressourcenausstattung massiv überfordert und frustriert fühle. Letztlich seien aber eine verfehlte Bildungs- und Schulpolitik und nicht die Lehrkräfte daran schuld, dass Inklusion in der Gesellschaft inzwischen überwiegend als großes Problem und nicht als Chance wahrgenommen werde.

Der Verbandschef bezeichnete es auch als Fehler, dass in einigen Bundesländern die Fachlichkeit der Lehrerbildung im Bereich der Förderschulpädagogik stark zurückgefahren worden sei. Er betont: „Es ist ein großer Irrtum zu glauben, man könne durch ein zusätzliches Inklusionsmodul in allen Lehramtsstudiengängen die Fachkompetenz der bisherigen Förderschulpädagogen ersetzen.“

Meidinger wiederholte im Hinblick auf die Inklusion an den Schulen seine Forderung nach einem Moratorium. Er betonte: „Moratorium heißt nicht Rückabwicklung oder Stopp. Moratorium heißt Nachdenkpause, um zu überprüfen, was verändert werden muss – aber auch, um festzustellen, was gut läuft und auszubauen ist. Grundsätzlich muss es aber eine ehrliche Bestandsaufnahme geben, und die wird um die Frage nicht herumkommen, ob Inklusionsklassen an Regelschulen ohne dauerhafte Ausstattung mit Zweitlehrkräften erfolgreich sein können. Landesregierungen, die weiter Förderschulen schließen, ohne die Ressourcen an Regelschulen massiv zu erhöhen, handeln verantwortungslos. Wahlfreiheit und Kindeswohl gehören zusammen!“ News4teachers

Wir brauchen jetzt eine breite Debatte über die Inklusion – sonst droht ihr das Schicksal von G8

 

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85 KOMMENTARE

  1. Ich finde dieses Mal vieles gar nicht falsch, was Meidinger sagt: Wie es ist, ist es nicht tragbar. Es braucht entweder mehr Ressourcen in den Regelschulen oder die Inklusion ist nicht zu leisten.
    Erwartungen und Ansprüche passen nicht mit einem Alltag zusammen, in dem die Lehrkraft allein vor Inklusionsklassen steht und Kinder unterschiedlichster Beeinträchtigungen gemeinsam mit allen andern unterrichten und fördern wie herausfordern soll, dabei aber weder Förderschullehrkräfte noch Therapeuten, Sozialpädagogen oder andere pädagogische Assistenzen zum Team gehören.

    Was mich stört, ist der Begriff “NachdenkPAUSE”, wobei es hier ja schon als Bestandsaufnahme umrissen wird. Althusmann in Nds. hatte einen ähnlichen Begriff und immer hat man den Gedanken, man solle die I-Kinder für 1 Jahr in den Flur stellen.

  2. I-Kinder ist in Hessen zu einem bösen Wort erklärt worden. InHessen ist man schon soweit, dass man Zeit hat, über Begriffe zu streiten. Alle anderen Probleme sind scheinbar schon gelöst

  3. Vor Jahren kam ich mit Lehrerinnen der Matthias-Claudius-Schule zusammen, einer Bochumer Schule, die mit dem zentralen Anliegen des gemeinsamen Unterichts für Behinderte und Nichtbehinderte gegründet wurde, lange bevor “Inklusion” Staatsziel, Menschenrecht und Zankapfel wurde.
    Die Kolleginnen erzählten, dass ihre Schule ständig darum kämpfen müsse, das durchgängige Prinzip “zwei Lehrer in einer Klasse” (die Erfolgsgrundlage ihres Unterrichts) behalten zu dürfen. Ständig wollte die Verwaltung ihnen das wegkürzen. Wie es wohl heute dort läuft?

  4. Erfahrungen in multiprofessionellen Teams hat so gut wie keine hessische Ressource. Nur störend ist dabei, dass die Herren der Regierungsparteien das nicht mitbekommen haben und immer wieder auf diese hinweisen. Kommt vermutlich daher, dass man bei “Schulbesuchen” a) immer besondere Schulen besucht und b) vorher alle Fragen und Antworten in Schriftform eingereicht bekommen will.

  5. Glaubt jemand ernsthaft, für die Inklusion könnten die Rahmenbedingungen geschaffen werden, die sie braucht? Woher sollen sowohl das Personal als auch die enorm hohen finanziellen Mittel kommen?
    Ich wundere mich immer wieder, dass in diese hoffnungsvolle Richtung überhaupt noch gedacht wird.
    Die Inklusion war von Anfang an ein faules, aber verbal überhöhtes, überaus schön gefärbtes Ei.

  6. Luk schrieb: “Die Inklusion war von Anfang an ein faules, aber verbal überhöhtes, überaus schön gefärbtes Ei.”

    Exakt! Und das haben inzwischen sogar die ersten unter den ehemals hartnäckigsten Befürwortern der Radikalinklusion begriffen, z.B. die Grünen im Osnabrücker Kreistag.

    Zitat: “Christoph Ruthemeyer (CDU) zeigte sich überrascht über ‘den Purzelbaum der Grünen’. Schließlich habe die CDU sich stets für den Erhalt der Förderschulen eingesetzt und die Grünen hätten auf Landesebene für das aus seiner Sicht überstürzte Auslaufen der Förderschulen Lernen gesorgt. Annette Specht (Grüne) entgegnete: ‘Die Grünen im Landkreis waren immer ein kleines gallisches Dorf. Wir haben die Probleme in der Region gesehen und haben intern darauf hingewiesen.’ Zudem hätten auch die Grünen in Georgsmarienhütte die Resolution zum Erhalt der Comeniusschule mitunterschrieben.”
    https://www.noz.de/lokales/osnabrueck/artikel/992917/kreispolitik-streitet-ueber-foerderschulen-lernen#gallery&0&0&992917

  7. Und im Unterschied zu Herrn Meidinger, der ja sogar noch sagt, “…sonst scheitert die Inklusion”, gehen andere mittlerweile längst einen Schritt weiter – z.B. der Kommentator der NWZ:

    Zitat: ” Es gibt nur wenig bildungspolitische Beispiele, die so eindrücklich politisches Versagen belegen wie die g e s c h e i t e r t e Inklusion in Schulen. Dass der Deutsche Lehrerverband erst jetzt die Reißleine zieht und ein Moratorium fordert, ist da fast schon verwunderlich.

    Politischer Aktionismus hat seit 2009 Schüler, Eltern und Pädagogen in die Sackgasse manövriert. Man hätte es eigentlich wissen müssen und auch können, denn Warner gab es genug: Ohne ausreichende finanzielle Ausstattung werde die Inklusion krachend scheitern, hieß es schon vor Jahren. Genauso ist es gekommen. Statt die Schulen, namentlich die Grundschulen, personell und finanziell ausreichend auszustatten, wurden voreilig schon mal Förderschulen geschlossen und Fakten geschaffen, die jetzt vor allem Lehrer und Schüler ausbaden.”
    https://www.nwzonline.de/kommentare-der-redaktion/aktionismus_a_50,0,3448741318.html

  8. Der Bildungsausschuss des Landkreises Osnabrück reagiert auch dementsprechend e i n s t i m m i g.

    Zitat: “Der Bildungsausschuss des Landkreises Osnabrück hat die Kreisverwaltung einstimmig beauftragt, die Fortführung der fünf bestehenden Förderschulen mit dem Schwerpunkt Lernen zum August zu beantragen, wenn an diesen Schulen ausreichend Schüler vorhanden sind.”
    https://www.noz.de/lokales/osnabrueck/artikel/1021471/landkreis-osnabrueck-will-fuenf-foerderschulen-erhalten

    • P.S. Auf der Didacta 2018 gab es am 23.2. im Forum Bildung eine Podiumsdiskussion zur Inklusion. Im Ankündigungstext stand: “Die schulische Inklusion gilt gemeinhin als gescheitert.”

  9. Schämen soll sich Herr Meidinger! Herr Meidinger droht Kurswechsel bei der Inklusion! Ist es nicht seine Aufgabe für Bildung zu sorgen?Er vertritt die Meinung, dass Wahlfreiheit und Kindeswohl zusammen gehören! Ich bezweifle es als Mutter eines schwerstbehinderten Kindes. dass er sich mit dem Thema Förderschulen Schwerpunkt geistige Entwicklung befasst hat. Hier erhalten die Kinder Anfang des Schuljahres nicht Mal ein Malbuch oder ein Bilderbuch.Soll das Kindeswohl sein?Deutschland zeigt sich in der Welt humanitär und spendet an armen Ländern Schulbücher.Wie sollen behinderte Menschen für ihre Rechte kämpfen, wenn ihnen nicht das Lesen und Schreiben beigebracht wird. Deswegen haben behinderte Menschen in Deutschland auch keine Lobbyisten, die ihre Rechte vertreten!!!! Inklusion, die UN Behindertenrechtskonvention ist in Deutschland seit 2009 in Kraft getreten. Wir haben 2018 und man kann nicht mehr die Meinung vertreten, dass Deutschland mit Inklusion ÜBERRASCHT oder überrumpelt wurde !!!!! ÜBERRASCHT wurde Deutschland als die Mauer fiel, ÜBERRASCHT wurde Deutschland als die Aussiedler und die Flüchtlinge nach Deutschland kamen! Hier plädierten alle Politiker zu Solidarität. Wo ist diese Solidarität auch in der Behindertenpolitik?Als die Mauer fiel, da fehlten in ganz Ostdeutschland Tausende von Pädagogen weil die Schüler von 12 auf 13 Schuljahren umgestellt worden sind.Die Pädagogen im Ostdeutschland haben sich dem Schulsystem aus dem Westen angepasst! Da hat kein Politiker der CDU in die Welt gerufen “Integration der Bürger Ostdeutschland ist gescheitert” oder “die Integration der Aussiedler oder Flüchtlinge ist gescheitert.!”Hier wurde ein Solizuschlag eingeführt! Hier haben Politiker der CDU (Bundeskanzlerin Angela Merkel, Herr Altmeyer) in Deutschland dafür plädiert die Flüchtlinge UNTER den deutschen Bürgern zu integrieren! Sie haben sich gegen den Aufbau von Ghettos ausgesprochen, damit die Flüchtlinge INMITTEN der Gesellschaft integriert werden!Ich bewundere diese Haltung der Bundeskanzlerin sehr! Wo bleibt aber diese vorbildliche Haltung auch in der Behindertenpolitik. Dadurch ,dass die CDU und die AFD sich gegen Inklusion, die UN Behindertenrechtskonvention ausgesprochen haben, hatten viele Pädagogen auch keine Motivation Inklusion in Schulen zuzulassen! Bei den Bundestagswahlen in Nordrhein Westfallen, Niedersachsen und Schleswig Holstein, da riefen die Politiker der CDU Inklusion aufs Eis zu legen. Wir hatten in Europa Terroranschläge gehabt. Hatten Politiker der CDU in die Welt gerufen die Grenzen zu schließen? Solange man behinderte Menschen an den Pranger stellt, als ein Problem an dem Deutschland scheitert und dies MORALISCH und FINANZIELL nicht unterstützt, kann Inklusion die UN Behindertenrechtskonvention nicht durchgesetzt werden! Im Sommer 2017 erschien in den Kinos ein Film zum Thema Inklusion. Der Filmemacher ein Sozialpädagoge, will dem Volk durch diesen Film vermitteln, dass Kinder mit erhöhtem Förderbedarf ein Problem für Deutschlands Schulen sind. Bei der Premiere dieses Filmes war der Saal voll mit Pädagogen. Ovationen kamen auf den Filmemacher zu. Eine CDU Politikerin gratulierte dem Filmemacher und überreichte ihm ein riesen Blumenstrauß. Am nächsten Tag erschien in den Zeitungen ein Bericht über diesen Film mit der Überschrift” Frau….(Lehrerin) schafft es nicht mehr!”Versuchen sollte man sich dieses Szenario zum Thema Flüchtlinge und CDU Politiker vorzustellen! Stellen sie sich mal vor ein Film über Flüchtlinge. Ein Kino voll mit Soldaten und eine Überschrift in der Zeitung “Frau/Herr…… Grenzsoldat, Sachbearbeiter bei der Aufnahmestelle, Tafel Mitarbeiter, … schafft es nicht mehr!” Und eine CDU Politikerin würde diesem Filmemacher ein Blumenstrauss überreichen und Ovationen kämen auf diesen Filmemacher zu. Wie hätten die Bundestagswahleergebnisse in der Vergangenheit ausgesehen, hätte man von einer gescheiterten Integration der Flüchtlinge gerdet?Aber, mit den Rechten behinderten Menschen geht man in Deutschland schonungslos damit um! Hier haben Politiker der CDU keine Hemmungen! Wo bleiben die Milliarden Euro auch für die behinderten Menschen in Deutschland damit sie INMITTEN der Gesellschaft integriert werden? Viele Kinder, die Förderschulen verlassen, landen später ohne Bildung in Behindertenwerkstätten, wo ihnen nicht mal ein Grundsicherung ausgezahlt wird. Sie sind immer noch auf die Hilfe des Staates angewiesen.Seien wir doch ehrlich, hätte man in Deutschland nur Schulen für Aussiedler oder Flüchtlinge eingerichtet, so hätten viele Pädagogen sich gegen die Aufnahme dieser Schüler ausgesprochen. Als Grund hätten sie angegeben, dass diese Kinder vom Krieg traumatisiert wären und sie mit deren Probleme nicht umgehen können. Vielen ist es nicht Bbewußt: Wer sich gegen Inklusion, die UN Behindertenrechtkonvention stellt, stellt sich gegen seine eigene Rechte und die seiner Nachkommen. In der Zukunft wird jeder zweite in Deutschland pflegebedürftig sein. So gesehen wird jeder zweite in Deutschland ein Behindertenausweis mit sich tragen und ein Pflegegrad haben. Inklusion umfasst nicht nur Thema Schule! Inklusion, die UN Behindertenpolitik umfasst auch Themen wie Pflegepolitik und Rentenpolitik. Dadurch dass Politiker der CDU ,und seit einem Jahr auch die der AFD ,sich gegen Inklusion stellen, stellen sie sich auch gegen die Pflegepolitik. Hier geht alles auch nur schleppend voran!In ganz Deutschland fehlt Pflegepersonal nicht nur in Heime sondern auch was die häusliche Pflege(das würde Inklusion bedeuten) betrifft. Jeder Mensch möchte doch in in seinen eigenen vier Wänden sein Alter verbringen wo er selber Tag für Tag bestimmen kann welche Mahlzeiten er zu sich nehmen darf ! Was würde Herr Meidinger sagen, wenn er irgendwann auf Pflege angewiesen wäre und in der Zeitung lesen würde “Kurswechsel bei der Pflegepolitik!” oder eine “Forderung nach einem Moratorium in der Pflegepolitik!”. Haben wir seit 2009 nicht Zeit genug in Deutschland für Moratorium gehabt? Dadurch dass Politiker der CDU sich gegen Inklusion , die UN Behindertenrechtskonvention gestellt haben und Pädagogen Hoffnung gemacht haben nach der Devise”wählt unsere Partei, denn dann müsst ihr kein Inklusion in Regelschulen zulassen!” hat man kaum in Schulen investiert damit Inklusion auch funktionieren kann! Hier haben Politiker der CDU nichts anders anscheinend verfolgt als an die behinderten, pflegebedürftigen Menschen in Deutschland zu sparen, nämlich an das eigen Volk zu sparen! Deutschland Politiker sollen sich dafür schämen! WO BLEIBEN DIE MILLIARDEN EURO AUCH FÜR DIE BEHINDERTEN,PFLEGEBEDÜRFTIGE MENSCHEN IN DEUTSCHLAND DAMIT SIE AUCH EINE CHANCE HABEN INMITTEN DER GESELLSCHAFT INTEGRIERT ZU WERDEN?

    • Ihre Empörung in Ehren, aber Ihre Vorstellungen scheinen mir doch arg inspiriert von den schönen Märchen (auch über die UN-Behindertenrechtskonvention), die zur Inklusion geführt haben, unter der nicht zuletzt auch behinderte Kinder leiden.
      Es genügt nicht, sich moralisch aufzuplustern und edle Gesinnung herauszukehren. Unter dieser Flagge wird und wurde viel Unheil angerichtet. Eine Inklusion ohne Sinn und Verstand ist nur ein Beispiel dafür.
      Es stimmt, was der Kommentator der NWZ schreibt: “Dass der Deutsche Lehrerverband erst jetzt die Reißleine zieht und ein Moratorium fordert, ist da fast schon verwunderlich.”
      Herr Meidinger sollte sich wegen seiner Forderung also nicht schämen, wie Sie so vollmundig und moralisch aufgeladen behaupten. Er sollte sich eher fragen, warum er nicht schon früher die Reißleine gezogen hat.

      • Warum die Forderungen in Niedersachsen jetzt gestellt werden?

        a) Niedersachsen hat die Umsetzung der Inklusion vor Jahren mit den Stimmen der SPD und CDU unter der Führung von Althusmann (CDU) als Kultusminister beschlossen. Ausgehandelt war damals, dass die Inklusion 2018 auf den Prüfstand kommen solle – in der übernächsten Legislaturperiode, in der wir nun sind. Es wäre also ohnehin in 2018 zu einer Bestandsaufnahme gekommen.

        b) Entsprechend des gemeinsamen Beschlusses wurden in den letzten Jahren die Förderschulen im Grundschulbereich geschlossen. Kinder mit den Bedarfen Lernen, ESE und z.T. Sprache, mussten verpflichtend die Grundschulen besuchen. Standorte von Förderschulen wurden mangels Schüler geschlossen.
        Daran hat auch die jetzige GroKo nicht gerüttelt und darüber nicht diskutiert.
        Die Kinder sind inzwischen in Klasse 4 der Grundschule und wechseln in diesem Sommer in die weiterführenden Schulen. Damit kommt ein großer Schwung von Kindern mit Unterstützungsbedarf in den 5. Klassen an, die zuvor in der Grundschule inklusiv unterrichtet wurden.

        c) Nach altem Beschluss sollten die FöS Sek I auch auslaufen. Schon einige Jahre lang wurden in der 5. Klasse keine SuS mehr aufgenommen, sondern auch diese mussten inklusiv in den Regelschulen beschult werden.
        Die neu gewählte Landesregierung, eine GroKo, hat sich darauf geeinigt, dass bestehende FöS SekI auf Antrag nun doch weitergeführt werden können, sofern der Schulträger einen Antrag stellt.
        Dort, wo die FöS Sek I noch bestehen, wollen etliche Landkreise das tun und die FöS erhalten.

        d) Wir haben einen neuen Kultusminister, der Gesprächen gegenüber offen steht und sich bereits in den ersten 100 Tagen auf die Forderungen der Philologen zu ihren Gunsten eingelasen hat. Da wird man natürlich gerne weitere Forderungen stellen.

    • Ich bin ein wenig ratlos, welche Position Sie vertreten. Beklagen Sie die nicht radikal genug durchgeführte Inklusion, eine falsch durchgeführte Inklusion oder die Bedingungen, unter denen derzeit zwangsläufig inkludiert wird?

      • Meidinger bleibt doch in diesem Beitrag selbst eine klare Position schuldig.
        Auch wenn in der Überschrift von “Kurswechsel” die Rede ist, steht dort nicht, ob Inklusion zurückgenommen und FöS generell erhalten oder neu eröffnet werden sollen oder ob die Inklusion in den Regelschulen besser ausgestattet werden soll.

        Deutlich sind seine Worte dahingehend, dass unter derzeitigen Bedingungen in der Regelschule die Inklusion nicht zu leisten ist und scheitern wird.

        • Was Meidinger wie viele Befürworter des klassischen GY meinen ist doch:

          Wenn schon Inklusion, dann aber bitte an dafür geeigneten Schulen der SekI und II.
          DAs kann ganz einfach erreicht werden, GY wandeln entweder keine Lehrerstellen in Sozialarbeiterstellen um, beantragen Soz.-Päd.-Stellen bei den Kommunen und schreiben auch keine Son.-Päd.Stellen aus. So könne sie begründen, dass sie aufgrund des vorhandenen Personals abgesehen von einigen “Rollis” keine Kinder mit anerkanntem Förderbedarf individuell fördern können. Der Schulträger – die Kommune – verteilt die wenigen Soz.-Päd. im Gegenzug auf die “Schulen des längeren gemeinsamen Lernens” – und schon sind die für die Aufnahme von Kindern mit Förderbedarf prädestiniert. Um die Stellenausschreibung für Son.-Päd. dürfen sich die Schulen dann selbst kümmern oder sie stellen eigene Lehrkräfte für die ZusatzqualifikationVBSOF frei.

          Gleichzeitig dürfen dann diese Schulformen die Integration von Flüchtlingen stemmen, da vielerorts nicht genügend oder gar keine Hauptschulangebote mehr existieren.

          • Ist das in NRW so? (Umwandlung von Stellen, Einstellung an den Schulen etc.?)
            Könnten sich dann nicht ALLE Schulen weigern, die notwendigen Bedingungen für Inklusion selbst herzustellen und entsprechend die SuS mit Unterstützungsbedarf abweisen?

  10. Es geht nur mit 2 Lehrer in einer Klasse !
    Die eine muss eine besondere pädagogische Ausbildung haben, um behinderte Kinder lehren zu dürfen, die jedoch vorher mindestens 2 Jahre im Voraus auf einer heilpädagogischen Einrichtung gearbeitet hat, um ersteinmal Erfahrung zu haben !!! Sonst geht das ganze nicht, weil es eine enorme psychologische Herausforderung ist. Außerdem muss die Bezahlung beamtentechnisch mindestens eine Besoldungsstufe höher sein ! Wer soll sonst soviel Verantwortung übernehmen wollen !

  11. Ich vermisse die emotionalen Beiträge von den Inklusionsverfechtern, die trotz Warnungen von vielen Seiten ihre ideologieverfäbte oder -verklärte Haltung durchdrücken wollten.

  12. In keinem anderen Land werden Kinder so extrem aussortiert wie in Deutschland. Flächendeckende Inklusion und Integration, was eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein sollte, funktioniert leider nicht. Förderschulen gehören aus meiner Sicht abgeschafft, genauso wie Hauptschulen, weil diese die Kinder mit Behinderung bzw. Beeinträchtigung nicht fördern, sondern nur stigmatisieren und sozial und schulisch ausgrenzen. Insbesondere die Förderschulen mit Schwerpunkten soziale und emotionale Entwicklung und Lernen sind überflüssig und sorgen konsequent für Ausgrenzung und Stigmatisierung der betroffenen Kinder und deren Eltern. Diese Kinder sollten im Regelschulsystem ggf. in Kooperation mit außerschulischen Unterstützungssystemen ( Ergotherapie, Verhaltenstherapie o.Ä.) gefördert werden und nicht abgeschoben werden. Zudem ist es neben vorliegenden wissenschaftlichen Studien auch für jeden Nichtpädagogen klar, dass Kinder mit derselben Beeinträchtigung in einer Klasse kaum Vorbilder haben und kaum Chancen auf eine gute soziale und schulische sowie berufliche Entwicklung haben. Stellen Sie sich eine Klasse mit 15 verhaltensauffälligen oder lernbehinderten Kindern vor. Wie sollen sie sich weiterentwickeln? ALLE Kinder sollen aus meiner Sicht miteinander und voneinander lernen und den anderen so akteptieren wie er ist. Soziale Probleme könnten mit speziellen Sozialkompetenzteainings und Verstärkungsprogrammen behoben werden. Was mir auffällt, das an meisten Förderschulen nur Hauptschulabschluss oder nur Förderschulabschluss möglich ist. Das heißt, es wird davon ausgegangen, dass ein Schüler mit emotionalen und sozialen Problemen oder Lernbeeinträchtigung keine Chance auf einen Realschulabschluss oder Gymnasialabschluss haben. Das ist falsch und diskriminierend! Stattdessen sollten diese “Förderschulen”, die aus meiner Sicht “Ausgrenzungsschulen” konsequent abgeschafft werden. Dies tun bereits manche Bundesländer. Sie könnten z.B. in Regelschulen mit Förderklassen bzw. Integrationsklassen umstrukturiert werden, in denen zwei Pädagogen gleichzeitig unterrichten oder eine Lehrkraft mit max. 12 Kindern pro Klasse. Solche Regelschulmodelle existieren bereits vereinzelt (in NRW oder Kooperationsklassen in Bayern).
    Um diese Klassen und Kinder nicht zu stigmatisieren, sollte auf die expliziten Bezeichnungen “Inklusionskind”, ” Kind mit sonderpädagogischem Förderbedarf” aus meiner Sicht ganz verzichtet werden. Die zweite Fachkraft könnte im Übrigen auch eine Sozialpädagogin, Erzieherin oder eine angehende Lehrkraft
    ( Student/in) o.Ä. sein. Es ist wohl allen klar, dass auch eine engagierte, kompetente und erfahrene Lehrerin in einer Klasse mit 25- 30 Kindern mit unterschiedlichem Unterstützungsbedarf, sei es soziale, emotionale, sprachliche oder Lernprobleme, Inklusionsanforderungen nicht erfüllen kann! Da hat Herr Meidinger Recht. So versuchen die überforderten Pädagogen mit allen Mitteln anstrengende Kinder loszuwerden, indem Gutachten zur Überweisung in die Förderschulen erstellt werden oder Kinder mit Verhaltendauffälligkeiten bereits im Grundschulalter als unbeschulbar erklärt und ausgeschult werden. Das sind leider keine Einzelfälle mehr. Das Horrorszenario habe ich als Mutter eines ADHS- Grundschülers und selbst Pädagogin hautnah erlebt.
    Ich habe selbst im Teamteaching erwachsene junge Flüchtlinge an einer bayerischen staatlichen Schule unterrichtet. Die jungen Männer waren nicht nur “verhaltensoriginell”, sprich gewaltbereit oder traumatisiert, sondern auch bildungsfern- teilweise Analphabeten in ihrer eigenen Muttersprache, da sie nie oder nur 3-4 Jahre eine Schule besucht haben. Für diese Flüchtlinge hat die Regierung nicht nur das Geld für zwei Lehrer, sondern auch für einen Sozialpädagogen, der sich nur um diese Klasse kümmert. Für eine zweite Lehrkraft oder für Sozialpädagogen an Grundschulen oder weiterführende Schulen für deutsche Kinder hat die Regierung aber kein Geld. Wie kann das sein? Mein Sohn, der intelligent und wissbegierig ist, jedoch aufgrund der ADHS Symptomatik schulisch und sozial beeinträchtigt ist, sollte jedoch gegen unseren elterlichen Willen und trotz zahlreicher von uns eingeleiteter Fördermaßnahmen und deutlicher Verbesserungstendenzen von bayerischen Pädagogen in eine Förderschule mit Schwerpunkt soziale und emotionale Entwicklung und Lernen abgeschoben werden, besucht inzwischen eine private Regelschule mit kleinen Klassen und engagierten Pädagogen, er wird individuell gefördert und bekommt gute Noten. Ein Haken nur, dass die Schule viel Geld kostet, das die Regierung nicht ausgeben will. Außerdem musste ich leider die Erfahrung machen, dass einigen (verbeamteten) Lehrern mit langjähriger Berufserfahrung einfach an notwendigem Engagement und an Menschlichkeit sowie Liebe zu Kindern fehlt.

    • Der Knackpunkt bleiben die Bedingungen.
      Kinder mit Beeinträchtigungen, ob man sie so nennt oder nicht, benötigen Förderung, ebenso wie auch eine ganze Reihe anderer Kinder die eingeschult werden und dem Schulalltag aus verschiedenen Gründen nicht folgen können oder nicht gewachsen sind.

      Während es in BY Förderung und Unterstützung und eine Menge mehr Schulpsychologen gibt, sieht es in anderen Bundesländern anders aus. Die Abschaffung der Förderschulen mag nach einem Segen klingen, wenn man den Eindruck hat, Schüler würden abgeschoben, wenn es aber keine Wahl mehr gibt und die Regelschulen die Aufgabe zusätzlich übernehmen, ohne dafür ausgestattet zu sein, muss man überlegen, ob dies als “günstig” zu bewerten ist.
      Als Lehrkraft nahezu ohne Unterstützung einer Förderschulkraft Kinder mit unterschiedlichsten Bedarfen ab Klasse 1 zu unterrichten, dabei aber weder Therapeuten noch Sozialpädagogen oder Erzieherinnen oder pädagogische Mitarbeiterinnen an die Seite gestellt zu bekommen, ist eine extreme Herausforderung.
      Jedem, der Kinder mit Lernschwierigkeiten oder Beeinträchtigungen kennt, sollte schnell klar sein, dass diese Kinder zusätzliche Förderung benötigen. Natürlich gibt es verschiedene Modelle, wie dies erfolgen kann, aber OHNE Förderung geht es in der Regel nicht und im allgemeinen Unterricht sind die Möglichkeiten begrenzt. Je mehr Kinder mit Schwierigkeiten in einer Klasse sitzen, um so schwieriger wird es.
      Hinzu kommt, dass manche Eltern offenbar gar nicht begreifen, was da passiert. Ich glaube, sie gehen davon aus, dass die Einführung der Inklusion beschlossen wurde und “die Schule” deshalb auch in der Lage ist, das umzusetzen – auch OHNE Förderstunden oder Förderschullehrkräfte.
      Die Umsetzung, die Voraussetzungen, die Bedingungen – alles ist, zumindest in meinem Bundesland, absolut intransparent. Da hätte ich mir von Beginn an bessere Vorbereitung, klarere Vorgaben und bessere Kommunikation gewünscht: für Eltern, für Lehrkräfte, für Ärzte, für Therapeuten, für Ärzte im Gesundheitsamt (Einschulungsuntersuchung) …

    • @ Frank: Ein guter Beitrag, danke. Seit Jahren wünsche ich mir eine zweite Lehrkraft im Klassenzimmer, um ALLEN Kindern besser gerecht werden zu können. Das bleibt wohl für immer Utopie. Dagegen ist es schon hart von Ihnen, Lehrern mangelndes Engagement und Liebe zu den Kindern zu unterstellen. Mangelndes Engagement – der Eindruck kann entstehen, wenn Lehrer einfach nicht mehr können. Nach jahrelangem Engagement, arbeiten an den Wochenenden usw. gibt es genug Lehrer, die kurz vor dem burnout stehen und vllt. mal so etwas wie Achtsamkeit sich selbst gegenüber an den Tag legen. Man sieht nie dahinter. Die Bedingungen für SuS und LuL sind schlecht, darüber sind wir uns einig.

      • @Mississippi
        Wie wahr: “Das bleibt wohl immer Utopie”, wie auch die Darstellung der Inklusion als Selbstläufer, weil die Kinder angeblich voneinander lernen und nur Regelschulen Teilhabe am gesellschaftlichen Leben bieten.
        Etwas so Gravierendes wie die Inklusion mit leichtfertig geschönten Argumenten einzuführen und die traurige Realität für Schüler und Lehrer außer Acht zu lassen, ist schon ein starkes Stück von Politikern und Lobbyisten.

        Ich muss aber auch sagen, dass ich viele Lehrer nicht verstehe, die sich so leicht hinters Licht haben führen lassen und noch immer so tun, als sei alles nur eine Frage von Ausstattung und Geld.
        Sie hätten es besser wissen müssen und flüchten sich m. E. jetzt mit ihren unerfüllbaren Hilfsforderungen in faule Ausreden bezüglich ihrer moralisch zwar lobenswerten, ansonsten aber unprofessionellen, realitätsfernen Vorstellungen.

        • “Ich muss aber auch sagen, dass ich viele Lehrer nicht verstehe, die sich so leicht hinters Licht haben führen lassen und noch immer so tun, als sei alles nur eine Frage von Ausstattung und Geld.”

          Vielleicht liegt es daran, dass diese Lehkräfte seit Jahren integrativ bzw. inklusiv arbeiten (müssen) und sie einschätzen können, was mit einer zusätzlichen (Lehr)kraft möglich wäre.

          Zudem greife ich auf, was mississipi schrieb: Man möchte “ALLEN Kindern besser gerecht werden”.
          Nach dem alten System waren die Kinder, die zur Sonderschule wechselten, in der Regel 3 Jahrein der Grundschule, bevor ein Überprüfungsverfahren abgeschlossen und der Übertritt zum Sommer erfolgen durfte. 3 Jahre, in denen diese SuS auch im Unterricht der Grundschule waren.

          Und selbst wenn Kinder mit festgestelltem Förderbedarf nicht mehr in den Grundschulklassen wären, säßen dort noch immer diejenigen, bei denen das Verfahren erst noch angestrengt werden muss (man muss mind. 1 Jahr warten und Daten sammeln), diejenigen mit anderen Schwierigkeiten und auch diejenigen, die gerne mal herausgefordert würden . Für ALLES wäre eine zweite Kraft in der Klasse hilfreich.

          • @ mestro: Der letzte Absatz Ihres Beitrags spricht mir aus der Seele! Jede(r) hätte es wissen müssen. Dazu hätte es schon genügt, die Beiträge von z.B. Otto Speck, Michael Felten, Konrad Paul Liessmann, Christoph Türcke oder Michael Winterhoff zur Kenntnis zu nehmen.

          • mestro schrieb (@ Mississippi): “Ich muss aber auch sagen, dass ich viele Lehrer nicht verstehe, die sich so leicht hinters Licht haben führen lassen und noch immer so tun, als sei alles nur eine Frage von Ausstattung und Geld.
            Sie hätten es besser wissen müssen und flüchten sich m. E. jetzt mit ihren unerfüllbaren Hilfsforderungen in faule Ausreden bezüglich ihrer moralisch zwar lobenswerten, ansonsten aber unprofessionellen, realitätsfernen Vorstellungen.”

            U.B. formulierte vor Kurzem an anderer Stelle hier im Forum folgendermaßen (@ Wilma Pause): “Sie beschreiben genau mein Verständnisproblem mit einigen Kommentaren von Palim, mississippi und auch ysnp. […]
            Vieles in der Schulpraxis wird kritisiert und beklagt, weil bekannt und unbestritten, die ideellen Urheber und damit Verursacher der genannten Probleme aber verteidigt und deren Werbegedanken unbeirrt für gut befunden.
            Da komme mit, wer will. Ich nicht.”

    • Ihre einleitenden Sätze über Förderschulen und Hauptschulen sind pauschalisierend, verallgemeinernd somit nichts sagend. Es sind die Menschen und deren Verhalten, dass diese Kinder ausgrenzt und nicht die Schulen an sich, zumal diese Schultypen sich spezifisch um einzelne Schülergruppen kümmern.
      Was bieten denn die Gesamtschulen und die Gemeinschaftsschulen jedem einzelnen Schüler mehr als die von Ihnen verdammten, und angeblich stigmatisierenden Schultypen. Werden etwa die Leistungen der Schüler dadurch besser, dass man diese in einer noch heterogeneren Schülerschaft unterrichtet.
      Dort dürfen diese Schüler dann ihre eigenen Schwächen noch mehr erfahren und eine direkte , strukturierte und geführte Lernhilfe ist nicht in dem Maße möglich , wie an den Förderschulen und den Hauptschulen. Meinen Sie etwa dass die Ergebnisse allein dadurch besser werden, dass man die Schüler alle gemeinsam beschult ? Allein das Gegenteil wurde bereits bewiesen.
      Es ist eine Utopie , dass starke Schüler von leistungsschwachen Kindern und umgekehrt im Lernzuwachs profitieren. Richtig ist , dass leistungsschwache Schüler deutlich mehr strukturierte Hilfen und gezielte Anleitungen benötigen als leistungsstärkere Schüler. Inklusion schadet allen Gruppen , indem sie die starken in ihrer Entwicklung bremst und den schwächeren die nötigen Hilfen versagt.

      • @Stephan
        Der obige Kommentar bezog sich auf Stefan.
        Man wird Ihnen keine weiteren Lehrer zur Verfügung stellen, und es ist utopisch an einen Sinneswandel der bildungspolitischen Sparpolitiker zu glauben.

    • Wie erklären Sie es denn, dass gerade bei den Förderschulen der Privatschulanteil (bezogen auf die Zahl der Schüler) mit 22,1 % besonders hoch ist?
      Quelle (Seite 19): http://library.fes.de/pdf-files/studienfoerderung/14189.pdf
      Ist nicht zu erwarten, dass nach Schließung staatlicher Förderschulen neue private Förderschulen entstehen werden? Privatschulen entstehen immer dort, wo der Staat eine Lücke hinterlässt.

  13. @Frank
    Wenn das eigene Kind Probleme hat, sind natürlich immer andere schuld, insbesondere Lehrer, denen es “einfach an notwendigem Engagement und an Menschlichkeit sowie Liebe zu Kindern fehlt”.
    Außerdem fällt mir auf, dass Sie das angebliche “Ausgrenzen” und “Stigmatisieren” durch Förderschulen wichtiger nehmen als die spezielle Hilfe dort für Ihr Kind durch kleine Lerngruppen und besondere Fachkräfte. Für diese kostenlosen Vorzüge bezahlen Sie jetzt an einer privaten Regelschule teures Geld und beklagen sich darüber.
    Bei der alles überragenden Devise “Hauptsache Regelschule!”, frage ich mich manchmal, ob es den Eltern wirklich um das Wohl des Kindes geht oder nicht vielmehr um das eigene Wohlbefinden. Fürchten sie oft nicht Ansehensverluste und schiefe Blicke für sich selbst, wenn ihr Kind eine Förder- statt Regelschule besucht?

      • Inklsusion ist ein weites Feld. Kinder mit Förderbedarfen Sprache, körperlich, motorische Entwicklung, Hören, Sehen oder auch Lerner sind doch nicht das Problem. Nur für die vormals als “schwer erziehbar” bezeichneten SuS, die dem Förderschwerpunkt ESE unterliegen, kann Regelschule zur Hölle werden bzw die ESE-Kinder dem Rest der Klasse einschließlich Lehrkräften das Leben zur Hölle machen.

        • “Kinder mit Förderbedarfen Sprache, körperlich, motorische Entwicklung, Hören, Sehen oder auch Lerner sind doch nicht das Problem. ”
          Doch. Sie sind dann ein Problem, wenn auch dabei die Bedingungen nicht stimmen.
          Dann sitzen da 24 Erstklässler, 1 hört wenig, 3 sprechen kaum, die Kinder können sich nicht verständigen und es kommt zu Missverständnissen und Streitereien. Gerade die Kommunikation muss bei vielen dieser Kinder unterstützt werden.
          Die “Lerner” verstehen nicht so schnell und lernen eben nicht so schnell, brauchen erheblich mehr Anschauung, die aber auch durch einen Erwachsenen gezeigt werden muss, sie benötigen Anleitung und auch darin Wiederholungen, bis es irgendwann verstanden, vergessen, erneut gelernt und dauerhaft gewusst wird. Bisher war es so, dass die Kinder auf der FöS Lernen in 4 Jahren den Stoff von 2 Grundschuljahren erlernt haben. Im inklusiven Unterricht verschwimmen die Grenzen, aber in den Teilbereichen, in denen die Kinder Mühe haben, passt diese große Richtschnur.
          Die GE-Kinder brauchen noch ganz andere Hilfen, von … bis, sie sind gerne orientierungslos, sie lernen vielleicht lesen und vielleicht rechnen, vielleicht auch noch lange nicht.
          Alle gemeinsam in einer Klasse zu unterrichten, zusätzlich zu den anderen Kindern, die auch Aufmerksamkeit benötigen oder Probleme haben können, bedeutet – je nach Zusammensetzung der Klasse – dass irgendwann irgendwelche Kinder zu kurz kommen müssen.

          ESE-Kinder bringen, das finde ich auch, die größte Unruhe mit sich, sie benötigen extrem viel Aufmerksamkeit und Aufwand und ja, das kann das Leben in der Schule “zur Hölle” werden lassen. Aber auch da finde ich deutlich: mit Hilfe und Unterstützung könnte es anders sein.

          • Ich bin SekI-Lehrkraft und mehr als 3 SuS mit anerkanntem Förderbedarf gibt es nicht je Klasse. So ist die Situation handhabbar.

          • Für mich handhabbar, für die Kommune als Schulträger der FöS bereichernd, da die Kosten für den Betrieb und die Instandsetzung der aufgelösten FöS wegfalen.

            In direkt aber auch bereichernd für mich und andere Kollegen und Kolleginnen. Zum einen gibt es für Tarifbeschäftigte die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall bis zu sechs Wochen und zum anderen die MAV-Vergütung für Vertretungsstunden (über die dritte hinaus), da immer mehr Lehrkräfte aufgrund der gestiegenen Anforderungen und Belastungen im Zuge der furchtlosen oder auch fruchtlosen Inklsusionsbemühungen krankheitsbedingt ausfallen.

          • Tja, dickebank, ich bin Grundschullehrerin
            und in meinem Bundesland findet man die Überprüfung VOR der Einschulung “entbehrlich”, obwohl ein Kind mit anerkanntem Förderbedarf auf die Klassengröße laut Erlass doppelt angerechnet würde.
            Wo kein Förderbedarf festgestellt ist, braucht es auch keine Anrechnung … und keine Zählung, selbst wenn vorab deutlich ist, dass manche Kinder bereits vor der Einschulung mehrere Jahre Frühförderung erhalten haben, Therapien benötigen und zusätzliche Unterstützung brauchen.
            Die Ärztin des Gesundheitsamtes schreibt in ihren Bericht: “Einschulung in die Grundschule unter Berücksichtigung der Teilleistungsschwäche”.

            Für die Grundschulklassen gibt es keine Quote. Da kann also kein Kind mit Förderbedarf sitzen … oder mehr als die Hälfte der Klasse Förderbedarf haben, der im Laufe von 4 Jahren Grundschule festgestellt wird. Und dann kann es eben auch dazu kommen, dass mehrere unterschiedliche Unterstützungsbedarfe in einer Klasse zu beschulen sind.

            Generell, festgestellt oder nicht, bekommen die Grundschulklassen in Nds. auch keine pro-Kopf-Zuweisung, sondern pauschal 2 Std. pro Woche + Klasse SOFERN Lehrkräfte vorhanden sind (sind sie nicht, also bekommt man weniger bis keine Stunden!), egal wie viele Kinder mit festgestelltem Unterstützungsbedarf in der Klasse sind (Gießkannenprinzip).
            Und die Lehrkräfte bekommen keine Entlastung, dürfen aber die Arbeit erledigen, auch die der nicht vorhandenen FöS-Kolleginnen.

    • Danke für Ihre klare Meinung. Ich habe bewusst die Wörter “einige Lehrer” und “eigene Erfahrung” gewählt, um nicht allen Lehrern pauschal mangelndes Engagement oder mangelnde Liebe zu Kindern zu unterstellen. Ich bin ja selbst Pädagogin und kenne beide Seiten. Lehrer, die an Grundschulen hauptsächlich Frontalunterricht halten und nur Seite für Seite eines Buches abarbeiten und dabei erwarten, dass Erstklässler 4-5 Stunden stillsitzen, die mit kleinen Kindern wie Erwachsenen umgehen, die selbst während des Unterrichts Arbeiten korrigieren und die Grundschüler zum Stillsitzen zwingen, die elterliche Bitten und Vorschläge komplett ignorieren, die Erstklässlern völlig veraltete Arbeitsblätter mit der alten Rechtschreibung und verbotenen Wörtern wie etwa “Neger” zur Bearbeitung austeilen, was zeigt, dass eine gründliche Vorbereitung nicht stattgefunden hat, die kleine Kinder vor der ganzen Klasse bloßstellen oder hinter dem Rücken wahrheitswidrige Gerüchte in die Welt setzen, die auf elterliche Bitten um ein Gespräch nicht mal reagieren, die bereits nach 5 Wochen Schulbesuch – ohne Einleitung angemessener Fördernaßnahmen – äußern, dass das Kind in die Förderschule muss und ein Gutachten bereits innerhalb weniger Tage mit Förderschulempfehlung “zaubern”, ohne dass vorgeschriebene Tests und Miteinbeziehung der Eltern stattgefunden hat, die belegbare eigene Fehler mit Ausreden oder Totschweigen zu vertuschen versuchen, dürfte die meinerseirs geäußerte Unterstellung eines mangelnden Engagements berechtigt sein. Zudem war ich selbst kurze Zeit im Lehrerkollegium einer staatlichen weiterführenden Schule und konnte ebenfalls bei manchen Lehrkräften mangelndes Engagement und vorhandene Grundeinstellung zum Aussortieren beobachten. Individuelle Förderung oder Binnendifferenzierung war dort kein Thema.
      Fakt ist, dass im Falle unseres Sohnes kein Förderschulbesuch notwendig war – dies wurde durch die alte Schule, durch eine Kinderpsychologin, durch einen Kinderpsychiater sowie andere Pädagogen, die unser Kind kennen, bestätigt. Die kostenlose staatliche Förderschule, die für uns zuständig gewesen wäre, genießt leider einen sehr schlechten Ruf. Förderschule kann man also nicht mit einer privaten Regelschule mit kleinen Klassen und engagierten Lehrern vergleichen. Wohl gemerkt, dass Pricatschullehrer keine Beamtenorivilegien genießen können. In unserem Fall ging es also nicht um das Kindeswohl oder pädagogisch notwendigen Förderschulbesuch, sondern um das Wohl der Lehrerin und der Schulleiterin und Reduzierung einer hohen Zahl der Schüler. Unser Kind wollte ja weiter in dieser Klasse und in dieser Schule verbleiben. Eine Schule ist schließlich Ort des Lebens und der Gemeinschaft und nicht nur eine reine Wissensvermittlungsanstalt. Manche Pädagogen verkennen, dass das vertraute soziale und schulische Umfeld insbesondere für jüngere Schüler eine sehr große Rolle spielt. Die Kinder kann man nicht als Objekte betrachten, die hin und her geschoben werden können, nur weil sie von der Norm abweichen. Das hinterlässt bei vielen Kindern – auch bei unserem Sohn – nachhaltige seelische Schäden. Leider wird an Schulen zu wenig darauf geachtet. Leider haben Schulpolitiker und Pädagogen den Förderschulen selbst das schlechte Image verschafft. Der Rückweg von der Förderschule in die Regelschule gestaltet sich meist auch sehr schwierig. Die schon ohnehin überlasteten Regelschulen wollen keine Förderschüler aufnehmen. Und wenn viele Förderschulen schließen bzw. geschlossen haben, dann könnten die Sonderpädagogen aus geschlossenen Förderschulen an Regelschulen als erste/zweite Fachkräfte eingesetzt werden. Zudem könnten auch “normalen” Lehrkräften Sonderpädagogik- Schulungen angeboten werden.

      • Im übrigen entwickeln sich in NRW im Moment die Gemeinschaftsschulen zu den Restschulen mit dem selben Ruf wie die Hauptschulen. Wer kann , der meldet seine Kinder am Gymnasium oder in den Gesamtschulen an. Aber in irgend einem Schultyp werden diese 15 % der Schüler mit schlechten Lese- Rechtschreib- und Rechenkenntnissen hängen bleiben und durch Veränderungen der Schulstrukturen wird sich rein gar nichts an den Leistungen ändern. Aber diese chaotische Inklusion ist der Sprengstoff, der diese heterogene Struktur dieser Einheitsschulen auseinanderjagen wird.

        • In den Einheitsschulen kann die Differenzierung auch nach Fähigkeiten/Leistungen stattfinden, indem in den Hauptfächern z.B. in zwei Niveaukursen A und B unterrichtet wird. Zudem denke ich, dass alle Sekundarschulen einen oder zwei Schwerpunkte anbieten sollten, damit Schüler mehr nach ihren Stärken und Interessen gefördert werden und so bereits vom Anfang an auf das Berufsleben besser vorbereitet werden. Außerdem sollte die Grundschule in Einheitsschulen/Gesamtschulen integriert werden, 6 Jahre dauern (wie in Berlin und Thüringen) um unnötigen mit viel Stress und Verlust der vertrauten Umgebung und meist weiteren Schulwegen sowie Mehrkosten verbundenen Schulwechsel zu vermeiden. Gymnasien sollten aus meiner Sicht nur für besonders leistungsstarke Schüler vorbehalten sein.
          Aber diese bundesweite und kaum mehr überschaubare Vielfalt an Schulformen mit unterschiedlichen Lehrplänen – Hauptschule, Realschule, Mittelschule, Gesamtschule, Sekundarschule, Gemeinschaftsschule, Förderschulen, Gymnasium , Fachgymnasium, Fachoberschulen, Alternativschulen (Waldorf, Montessori, Jenaplan etc) verursacht nur Mehrkosten, unnötigen Stress und endlose schulpolitische und pädagogische Diskussionen und sind eher kontraproduktiv.
          Zudem könnte zwischen Schulen mehr Konkurrenz und Wettbewerb zugelassen werden, damit sich jede Schule – wie auch andere Dienstleistungsbetriebe und private Bildungseibrichtungen- mehr anstrengen. Ich weiß, das hören verbeamtete Lehrer nicht gerne und wollen keine Dienstleister sein. Schließlich wird eine gute Schule in erster Linie durch engagierte, faire, kompetente und kinderfreundliche Pädagogen definiert. Als freiberufliche in einer privaten Bildungseinrichtung tätige Lehrkraft (ohne soziale und finanzielle Absicherung und ohne beamtenrechtliche Privilegien) muss ich mich fachlich und menschlich sehr anstrengen und fast täglich in einer heterogenen Gruppe binnendifferenziert und abwechslungsreich unterrichten. Ich musste bereits erleben, wie einige Kollegen nach 2 Beschwerden wg. schlechten Unterrichts oder mangelnder Sozialkompetenz entlassen wurden. Zudem füllt die Schülerschaft Bewertungsbögen aus, in dem der Unterricht, soziale Kompetenz, Lehrmaterialien bewertet werden. Solche Bewertungsbögen kennen staatliche Schulen nicht. Warum eigentlich nicht?

          • “… indem in den Hauptfächern z.B. in zwei Niveaukursen A und B unterrichtet wird.”
            Es ist ein Charakteristikum der neuen Gemeinschaftsschulen in Baden-Württemberg, dass es solche “Niveaukurse” eben NICHT geben soll. Genau das unterscheidet diesen neuen Schultyp von den klassischen Gesamtschulen, die es seit 50 Jahren gibt.

          • Wollen Sie unbedingt missverstehen, dickebank, nur um mal wieder korrigieren und sich mit besserem Wissen schmücken zu können?

        • “Aber in irgend einem Schultyp werden diese 15 % der Schüler mit schlechten Lese- Rechtschreib- und Rechenkenntnissen hängen bleiben und durch Veränderungen der Schulstrukturen wird sich rein gar nichts an den Leistungen ändern. ”

          Ja, das sehe ich auch so.
          Aber man kann es über Jahre vertuschen, dass man keine zusätzlichen Mittel zur Förderung zur Verfügung stellen will, um diese SuS zu unterstützen und möglichst früh aufzufangen.

          • Im Moment ist es ein Leichtes für die Bildungspolitiker Gelder und Personal zurückzuhalten, da man sich durch die Inklusion Einsparungen in beiden Bereichen verspricht.
            Da kam die falsche Auslegung der UN-Resolution genau zum richtigen Zeitpunkt.
            Jetzt kommen eben noch die vielen fremdsprachigen Kinder durch die Migration hinzu. Und auf eine Differenzierung der Lehrmethodik nach der Leistungsstärke der Schüler wird von politischer Seite auch nicht geachtet. Die gehen schlicht davon aus , dass jeder Lehrer jeden Schüler unterrichten kann und sehen die Lehrmethodik sehr undifferenziert.

          • @I. Wrobel
            “Die gehen schlicht davon aus , dass jeder Lehrer jeden Schüler unterrichten kann…”
            Wahrscheinlich glauben die Bildungspolitiker selbst nicht an das, wovon sie ausgehen, aber die Taktik ist geschickt. Wenn von etwas ausgegangen wird, suggeriert das begründetes Wissen .

  14. Inklusion
    …steht drüber, ist aber selten drin.
    Ich bin eine betroffene Mutter und meine persönliche Erfahrung ist, dass es im Alltag immer mit den handelnden Personen funktioniert, oder zum Scheitern verurteilt ist.
    Die Schule
    hat das System Inklusion über gestülpt bekommen, die Lehrer sind weder fachlich noch personell dafür ausgestattet.
    Lehrer, die heute im Dienst sind, haben studiert, um zu lehren, sie sind eigentlich keine Pädagogen, jedenfalls nicht hauptsächlich.
    Viele Kinder mit Behinderung benötigen aber eher Pädagogen.
    Eine Doppelbesetzung der Klassen ist nur minimal vorgesehen.
    Gleichzeitig wurde das System
    Förderschule
    geschlossen. Dort befinden sich die Kinder, die als “Restposten” der Gesellschaft gelten.
    Mein Kind besucht eine Regelschule in NRW mit GL(gemeinsames Lernen).
    Die Klasse ist nur mit ca. 30% doppelt besetzt, zu den behinderten Kindern kommen noch “Fluechtlingskinder” und Kinder mit Migrationshintergrund.
    Die Lehrer sind überfordert, deshalb dauererkrankt, die Schule permanent kurz vor der Schließung.
    Das schlimmste Problem ist die Betreuung in der
    OGS.
    Dort arbeiten nur Pädagogen. Mein Kind ist das einzige behinderte Kind, nicht weil es keine mehr gibt, aber es wurde “über sehen” bei der Anmeldung- warum?
    Als Frühkindlicher August mit Förderbedarf Lernen und Sprache ist er unauffällig.
    Jetzt wird er von allen Ferien ausgeschlossen, dauerhaft darf er nicht vollumfänglich die OGS besuchen.
    Er benötigt in der Schule eine Integrationshelferin, diese begleitet ihn auch zum Mittagessen und während der Hausarbeiten.
    Beim Freispiel benötigt er keine Hilfe, die hatte er im Kindergarten auch nicht.
    Die Betreuer (Erzieherinnen und Sozialpädagogen) sagen:
    Wir brauchen mehr Personal, besorgen sie es uns über ihre Pflegekasse.
    Es wurden Aussagen getätigt wie ” Wir gehen auf dem Zahnfleisch, wir müssen uns schonen!; Hören Sie auf zu arbeiten und betreuen ihr Kind selbst!; An der Förderschule wäre er besser aufgehoben, wir empfehlen eine Abmeldung, ein Aufhebungsvertrag ist schnell gemacht!…
    Sicher sind die Mitarbeiterinnen überfordert, aber auf Kosten meines Kindes ( andere Kinder mit Behinderung gibt es ja nicht).
    UN- Behindertenrechtskonvention?
    Nie gehört!
    Wir als studierte und promovierte Eltern sehen zu, wie unser Kind ausgeschlossen wird und täglich Ausgrenzung erleidet.
    Hilfe ist nicht in Sicht, da sich die Behörden den schwarzen Peter zuschieben.
    Falls noch jemand eine Idee hat – wir sind für alles offen.

    • Vielen Dank für Ihren Beitrag, der einmal mehr sehr deutlich zeigt, welche Folgen die falschen Entscheidungen von Politikern (nicht von Lehrern!) gerade in diesem Bereich haben.
      Michael Felten hat es immer wieder präzise auf den Punkt gebracht, auch wenn es viele nicht hören wollten – und manche bis heute nicht hören wollen:

      “Keiner soll später sagen, er habe nichts davon gewusst – schließlich vollzieht sich das Brisante unter unser aller Augen. Immer öfter werden normal oder hoch begabte Kinder zusammen mit leicht oder auch schwer behinderten in einer Klasse unterrichtet, ohne dass die dafür nötigen Ressourcen und Kompetenzen vorhanden wären – und ohne dass der S i n n dieser Maßnahme grundsätzlich erwiesen wäre. Die Förderschulen, die diesen Schülern bisher eine besonders auf ihre Bedürfnisse zugeschnittene Bildungsmöglichkeit boten – und um die man Deutschland weltweit beneidet -, hofft man schrittweise e i n s p a r e n zu können.

      Ich hege durchaus große Sympathie für eine schulische Integration von Kindern, die besonderer Unterstützung bedürfen – wenn sie denn bei diesen Kindern s i n n v o l l ist, und sofern die personellen und sächlichen Bedingungen stimmen. Gleichwohl müssen die Probleme der derzeitigen Inklusionsentwicklung offen angesprochen werden – sonst fliegt dieses a n g e b l i c h e Menschenrechte-Projekt der Politik schon bald gehörig um die Ohren.

      Dabei geht es nicht nur um Unterfinanzierung und Minderqualifizierung, sondern um auch I r r t ü m e r und G r e n z e n des Konzepts ‘Gemeinsames Lernen’. [sic!]

      Als Motor der etwa in NRW zu beobachtenden radikalen, übereilten und unterfinanzierten Inklusionsentwicklung müssen Motive angenommen werden, die man nicht anders als k i n d e s w o h l f e r n bezeichnen kann. Die einen erhoffen sich Einsparpotentiale im Bildungssektor, andere missbrauchen die Inklusion vor allem als Türöffner für eine doch noch zu realisierende Einheitsschule; diesen gilt Inklusion als generelles Egalitätsprojekt im kalten Kapitalismus, jene vertuschen nur noch die Blamage eines administrativen Scheiterns. Solcher Unbildungspolitik gehört in die Speichen gegriffen – und dabei sind wir alle gefragt – Lehrer, Eltern, Bürger …

      Die UN-BRK fordert gerade n i c h t die Abschaffung unserer hochspezialisierten Förderinstitutionen, sondern verpflichtet primär zur Orientierung am Kindeswohl – unter Wahrung der elterlichen Verantwortung. Deshalb steht keineswegs an, das Schulsystem strukturell zu revolutionieren, sondern es ‘dual-inklusiv’ (Otto Speck) zu optimieren. Wir müssen um eine Inklusion mit Augenmaß ringen: um die ausgewogene und dynamische Kooperation von integrationsoffenen Regelschulen und ergänzenden Förderschulen. Die Devise kann nur sein: So viel hochqualitative Integration wie sinnvoll, so viel durchlässige Separation wie nötig! Jedes Kind soll an dem für es sinnvollsten Ort lernen können – und dies kann durchaus auch, wie weltweit üblich, zeitweise eine Spezialschule oder Separatklasse sein.”

      https://www.news4teachers.de/2017/05/gastbeitrag-zur-inklusion-nicht-eine-schule-fuer-alle-sondern-fuer-jedes-kind-die-beste/

    • Hallo,
      als ebenfalls betroffene (und mitfühlende) Mutter kann ich nur ein Gespräch mit Gemeinsam leben NRW (http://www.gemeinsam-leben-nrw.de/) empfehlen (die Kollegen in Hessen machen jedenfalls einen sehr guten Job) und einen Termin mit der Schulleitung und den betroffenen Lehrkräften und involvierten Pädagog*innen. Aber ganz vorsichtig (!) und mit viel Verständnis für die Lage und die besondere Belastung – um mal den Versuch zu wagen, etwas Konstruktives zu bringen, als nur die bekannte Leier von der verfehlten Politik…
      Weitere Ideen:
      Atmen Sie tief durch und behalten Sie die Nerven (Schokolade nicht vergessen!). Versuchen Sie, Ihr Kind genauer zu erklären und mal eine Anleitung mit “wenn – dann” zu erstellen. Menschen suchen immer Anleitungen und lesen ist oft einfacher als zuhören. Nochmal was nachlesen zu können, ist auch manchmal schön. Ihnen selbst werden beim Schreiben Dinge auch deutlicher, die für Sie als Eltern sonnenklar sind, anderen aber nicht. Das könnte helfen und beruhigen. Stellen Sie sicher, dass Ihre “Anleitung” auch gelesen wird oder schicken Sie diese bestenfalls vor dem Termin schon zu, damit diese im Gespräch durchgegangen und ggf. noch angepasst werden kann. Vergessen Sie Ihre Mobilnummer(n) und Mailadresse nicht auf der Anleitung. Es sollte keinen Grund geben, Sie nicht zu erreichen.
      Ihr akademischer Hintergrund hilft hier nicht weiter, sondern könnte eher noch als intellektuelle Bedrohung wirken (hatten wir schon alles in unserer Initiative)….
      Ob Ihr Kind das einzige Kind mit Förderbedarf ist, ist weniger relevant, als dass Sie DIE EINE Lehrkraft oder Betreuung brauchen, die sich mal was zutraut und nicht angstgeladen ist, wie so viele. Ist Ihr Kind das einzige, ist es angeblich schwierig, weil es das einzige ist – sind es aber mehrere, wird man sagen, man hat zu viele, um die man sich besonders kümmern muss…
      Die Pflegekasse ist natürlich überhaupt nicht zuständig, aber auf der Suche nach Ressourcen, ist das natürlich zumindest mal eine kreative Idee!! Doch die Zahlungen der Verhinderungspflege dienen eigentlich noch immer der Entlastung der Familie und nicht der Pädagog*innen (nun muss ich doch auch mal lachen! 🙂 Echt witzig!).
      Checken Sie doch mal, ob es nicht auch die Chance auf einen FSJ-ler gibt, den vielleicht eine Stiftung/Förderverein der Schule (wenn Sie Geld beischaffen können) bezahlen würde. Das sind meines Wissens 400€ im Monat und könnte eine Entlastung sein. Wir hatten einen in unserer Grundschule als Springer, bezahlt über den Förderverein (Geld beschafften verschiedene Eltern, die Beziehungen hatten) – das war hilfreich.
      Ansonsten schauen Sie auf Ihr Kind und überlegen Sie, was für Ihr Kind wirklich das Beste ist, denn KEINER ausser Ihnen, wird das wirklich ehrlich tun.
      Wir haben uns mit den aktuellen Lehrkräften ein stückweit abzufinden und wenn man “die Falschen” erwischt hat, wird es schwierig – insbesondere, weil die Chancen gut stehen, solche zu erwischen. Gerade gestern sprach ich mit einer Professorin über das Thema: selbst die Lehrkräfte sagen “50% der Kolleg*innen kannst Du echt vergessen” und 25% bemerken bereits im Rahmen des Studiums, dass sie nicht für den Job als Lehrer taugen, aber sie studieren weiter, weil verbeamtet zu sein und “Sicherheit” zu haben, das oberste Ziel ist. Es gibt leider auch viele, die nicht mal gern mit Kindern arbeiten – das macht es natürlich nicht leichter und führt dann zum Burnout.
      In unserer Schule z.B. funktioniert in der einen Klasse etwas völlig selbstverständlich, was schon in der Parallelklasse für ein anderes Kind als “völlig utopisch” abgetan wird – die Schulleitung hat ja heute auch keine ernstzunehmende Macht mehr.
      Ich bin absolut gegen Lehrer-Bashing, aber habe mir mal die Mühe gemacht für ein Event um das Thema Inklusion, die Motivation für die Ergreifung des Lehramtes zu googeln, die Fehlzeiten von Lehrern mit anderen Beamten zu vergleichen und das Interesse an der Arbeit mit Kindern. Insbesondere, wenn in Finnland nur jeder 10. Interessent auch für das Studium zugelassen wird, wohingegen hier alles Lehrer*in werden darf. Da wird man schon etwas nachdenklich und beginnt vielleicht auch mal wieder zu beten… 🙂
      In jedem Fall wünsche ich Ihnen alles Gute für Sie und Ihr Kind. Gerade erst gelesen, dass ein Kind, das die Lehrer der Regelschule gern zur Förderschule abschulen wollten, später selbst Lehrer wurde. Alles ist möglich, wenn man den längeren Atem hat! Halten Sie durch! 🙂

  15. @Palim um 17:40
    Wenn Sie es so sagen, verstehe ich die Position. Darum danke!
    Um es noch einmal klar zu sagen: Mir ist unverständlich, dass manche Lehrer sich so schwer tun, die Radikalinklusion als ideologischen Irrweg zu verurteilen. Gerade sie müssten es doch besser wissen und nicht weiterhin so tun, als sei die Auflösung der Förderschulen und der damit einhergehende Zwang zum Regelschulbesuch im Prinzip richtig.
    Man muss sich als Lehrer doch nicht dumm stellen und jede hehre Schnapsidee unterstützen, um durch irrationale Maßstäbe als menschlich, engagiert und kinderlieb zu gelten.
    Ich vermisse klare Kritik am radikalen Inklusionsgedanken selbst und nicht nur an dessen Ausführungsbedingungen. Ansonsten betreiben die Lehrer Rufmord an sich selbst, weil die Wunschbedingungen illusorisch sind und jeder Lehrer letztlich an dem gemessen wird, was er allein schafft oder nicht schafft trotz widrigster Umstände.
    Wie das läuft, sehen Sie an Franks Kommentar. Er/Sie schimpft zwar auch über die Rahmenbedingungen, kommt aber dennoch zu dem Schluss, dass es “Lehrern mit langjähriger Berufserfahrung einfach an notwendigem Engagement und an Menschlichkeit sowie Liebe zu Kindern fehlt.”

    • Ist das, was bisher in vielen Bundesländern umgesetzt wurde, “Radikalinklusion”?
      Die Abschaffung der FöS Lernen ist mir bisher nur aus Niedersachsen bekannt.
      In welchen Bundesländern haben Eltern freie Wahl der Schule und wo sind Grenzen gesetzt?

      Immer bleibt auch die Frage nach Normalität und Ausnahme.
      Kann ein Schulsystem so gut ausgestattet sein, dass eine sehr hohe Quote von Kindern mit Beeinträchtigungen in den Regelschulen gut gefördert werden kann?
      Ist ein Schulsystem gelungen, wenn Förderschüler und Schüler mit Schwierigkeiten in anderen Gebäuden unterrichtet werden und nur im Ausnahmefall eine Regelschule oder -klasse besuchen?

      Ebenso, wie sie nicht verstehen, dass man “Radikalinklusion” verteidigt, verstehe ich nicht, dass man den inklusiven Ansatz generell für alle SuS ausschließt und sozusagen “Radikalexklusion” fordert.
      Immer steht auch die Frage im Raum: Für welches Kind ist welche Möglichkeit zu einem bestimmten Zeitpunkt die bessere.

      Von der ideellen Debatte abgesehen, geht es häufig auch um den Alltag, der in Klassenzimmern herrscht: In der Regel sucht man sich die Kinder, die dort sitzen nicht aus und eine Quote, wie dickebank es beschreibt, gibt es nicht in allen Schulformen/Ländern. Wenn dort also Kinder inklusiv zu beschulen sind, kann man diese wohl kaum in die Ecke setzen und sich selbst überlassen.

  16. mestro schrieb: “Mir ist unverständlich, dass manche Lehrer sich so schwer tun, die Radikalinklusion als ideologischen Irrweg zu verurteilen.”

    Genau d a s ist der Punkt! Und das sage ich, w e i l ich lange mit psychisch Kranken gearbeitet habe.

  17. Hat eigentlich irgendjemand sich Gedanken gemacht, was Inklusion für die betroffenen Kinder bedeutet? Gerade, wenn es um die kognitiven Fähigkeiten geht. Sind sie glücklich, wenn sie ständig erfahren müssen, dass sie immer die letzten sind in der Klasse?

    • Ja und? – Das führt dann über Prügeleien mit ernsthaften Verletzungen der Opfer aus erheblichem Frust zu mindestens 14 Tagen schulfrei, wenn die SL Gebrauch macht von ihrem Recht, SuS bis zu zwei Wochen vom Unterricht auszuschließen. Die Regel verletzenden Inkludis werden dann eben zeitweise exkludiert:)

      • Wenn die L- Schüler nicht aus der Benotung herausgenommen werden – was bei uns etwas schwieriger ist – dann sind sie immer hinten in der Leistungshierarchie, weil wir keine differenzierten Lernkontrollen schreiben dürfen. Die Hoffnung besteht anscheinend immer, dass man sie so weit fördern kann, dass ihre Leistungen akzeptabel sind, was bei den meisten reine Illusion ist.

        • Diese Frage ist ein klassisches Beispiel dafür, dass es eben doch um Bedingungen geht …

          In Nds. werden die L-Schüler mit festgestelltem Förderbedarf in der Regel zieldifferent beschult. Sie werden aus der Benotung herausgenommen. Sie bekommen auch in Klasse 3+4 Berichtszeugnisse, wie die Zeugnisse in Klasse 1+2, die die Lernstände beschreiben, sodass man für jedes Kind aufführen kann, was es gelernt hat.
          Die Kinder werden bisher nach den Richtlinien der FöS unterrichtet. Konkret: Der Stoff von Klasse 1+2 Grundschule verteilt auf 4 Jahre.
          Sie haben in der Regel andere Materialien, mit denen sie lernen und üben, vor allem in Deutsch und Mathematik, können aber auch mit Grundschulmaterial beschult werden, wenn sie z.B. in einem Fach bessere Leistungen erbringen.
          In den anderen Fächern (Su, Ku, Mus, Rel, Sp, Textil/Werken) können diejenigen, die ich bisher unterrichtet habe, nahezu alles mitmachen. Englisch ist eher schwierig.
          Es gibt Inhalte, die leicht zu differenzieren sind (z.B. Buchvorstellungen, Gedichte lernen, Lesetexte, manche Aufsatzformen), sodass auch die i-Kinder im Unterricht sehr ähnliches machen, und andere, wo es schwieriger ist und man auf komplett andere Materialien zurückgreifen muss.
          In diesem Rahmen haben die Kinder m.E. nicht das Empfinden, immer die letzten zu sein, was sie auch gar nicht immer sind. Der Frust, den dickebank beschreibt, kommt gar nicht auf.

          Viel schwieriger ist es, wenn man von Beginn an weiß, dass das Kind eines mit Schwierigkeiten oder Förderbedarf ist, dann aber an den Erlassen vorbei gesagt wird, man könne den Förderbedarf noch nicht feststellen/ das Kind solle zuerst wiederholen/ man müsse über mindestens 1 Jahr die Lernstände dokumentieren, Förderpläne erstellen etc. … auch wenn man in den ersten Wochen schnell merkt, dass das Kind nicht in der Lage ist, den Anforderungen entsprechend zu lernen.
          Gleiches gilt für Kinder, die bereits vor der Einschulung augsgesprochen auffällig sind, dann aber gesagt wird, die Überprüfung sei vorab “entbehrlich”.

          • Diese Art geht aber nur bei kleinen Klassen und einer Doppelbesetzung. Alles andere ist Flickwerk und/oder eine Überstrapazierung der eigenen Ressourcen. Bei meinen 26 Schülern und alleine undenkbar!

      • In diesem Fall atmen bestimmt alle Beteiligten mit Ausnahme der Eltern der Inkludis auf, weil dann vorübergehend wieder richtig gearbeitet werden kann.

        • Womit Sie beide Förderbedarf Lernen mit Förderbedarf ESE gleichsetzen.

          Die ESE-Kinder, die mir wirklich den letzten Nerv rauben, sind aber nicht die Kinder mit Förderbedarf Lernen, sondern die mit erheblichen psychischen Störungen, konkret z.B. Pflegekinder, die ihre ersten Lebensjahre knapp überlebt haben, bevor sie aus ihren Familien genommen wurden.

    • Diese wichtigen Fragen stelle ich mir auch immer wieder!!
      Darüber scheinen sich die glühenden Inklusionsbefürworter tatsächlich keine Gedanken zu machen. Das nenne ich phantasielos und einfühlungsarm, obwohl ständig so getan wird, als drehten sich alle Gedanken nur um das Wohlergehen der Kinder.

      • Früher hat man in der Förderschule (den aktuellen Stand kenne ich nicht) pädaogische Noten gegeben. Da waren die Schüler, die dorthin wechselten, endlich einmal froh, bessere Noten zu schreiben und alles war viel stressfreier und entspannter für diese Schüler, zumindest vom Leistungsgedanken her.

        • @ysnp
          Und wieder kann ich Ihnen nur zustimmen. Ich habe in meinem Berufsleben die Erfahrung gemacht, dass Kinder auf der Förderschule für Lernen regelrecht aufblühten und anfingen, Selbstbewusstsein zu entwickeln.
          Der Übergang war jedoch meist nicht einfach, vor allem wegen der Scham der Eltern. Aber auch sie machten nach einiger Zeit einen viel zufriedeneren Eindruck als früher, weil sie merkten, dass die Förderschule ihrem Kind guttat und es endlich unbeschwert zur Schule ging.
          Ich weiß das alles, weil ich das Ergehen meiner Förderschulkinder verfolgt und die Eltern gefragt habe, ob ich sie von Zeit zu Zeit anrufen oder im Beisein des Kindes besuchen dürfe. Auch als Lehrer(in) macht man sich ja so seine Sorgen, ob die Entscheidung richtig war.
          Bei nur einem Fall bin ich mir bis heute im Zweifel. Das Kind brauchte nach meinem Dafürhalten und auch fachmännischer Prüfung besondere Lernhilfe durch eine Förderschule. Nach langem Hin und Her willigten die Eltern ein. Meine folgenden Anrufe und etwas widerwillig gewährten Besuche sorgten jedoch für Zweifel. Die Eltern kamen nicht davon los, dass sie sich jetzt nur noch schämen müssten.
          Als ich mich mit dem Kind allein unterhalten durfte, ergab sich ein zwiespältiges Bild. Der Junge meinte, dass er sich auf der neuen Schule eigentlich wohl fühle, aber merke, dass die Eltern mit ihr nicht klar kämen. Außerdem machten Oma und Opa ihnen wegen der “Idiotenschule” dauernd Vorwürfe.
          Noch immer beschäftigt mich dieser Fall und ich frage mich, welche Entscheidung richtig ist, wenn Eltern und auch Großeltern so fixiert sind auf die Meinung, dass eine Förderschule für die gesamte Familier nur beschämend und diskriminierend sei. Wie es dem Kind geht, spielt so gut wie keine Rolle.
          Vielleicht ist ein Regelschulbesuch in solchen Fällen wirklich die bessere Lösung, weil das Kind unerträglichen Schuldgefühlen am Unglück der geliebten Eltern und Großeltern ausgesetztzt ist, die vermutlich schwerer wiegen als sein Wohlgefühl an der Förderschule.

  18. Eine Inklusion, die versucht qualitativ hochwertig zu sein, ist doch längst wieder aus den Köpfen der Politiker verschwunden.
    Aktuell heißt es Digitalisierung. Das war wohl auch der Grundtenor der Didacta 2018. Damit lässt sich Geld verdienen. Grundschulen müssen ein ausführliches Medienkonzept erstellen.
    Mit der Inklusion werden sie alleine gelassen. Das, was in dieser Hinsicht geschehen ist, ist längst nicht ausreichend, sondern ungenügend.
    Zugute halten kann ich den Politikern nur, dass im Augenblick das Personal fehlt. Es ist wie bei der Altenpflege. Für sozial härtere Aufgaben gibt es kaum Personal. Und es ist nicht von der Hand zu weisen, dass die Inklusion eine Verschärfung der Bedingungen des Lehrerberufs beeinhaltet.

  19. @mestro 3. März 2018 at 17:21
    Vollkommen richtig! Dazu auch Max Frisch, der meinte:
    “Es sind immer die Moralisten, die das meiste Unheil anrichten.”

    Prof. Dietrich Schwanitz schrieb in seinem Bestseller “Bildung”, dass nirgendwo so viel gelogen werde wie im Bildungsbereich und dass sich die Parteien die Schulpolitik zur Beute gemacht hätten für ihre ideologischen Zwecke.
    Ideologien haben eins gemeinsam: Ihr Gerüst besteht vorwiegend aus Moral, weshalb Meinungsgegner bequem mit der Moralkeule bedroht und ins Abseits geprügelt werden können – egal wie berechtigt ihre Einwände bei rationaler Betrachtung auch sind.

    Die Inklusion ist bestes Beispiel für das Unheil, das immer wieder im Namen von Anstand, Menschlichkeit und Güte – kurz: im Namen von Moral – angerichtet wird.
    Bekanntlich lohnt es sich – besonders im Bildungsbereich – hehre Gewänder mit Vorbehalt zu betrachten und ihr moralisches Anspruchs- und Empörungspotential genauer unter die Lupe zu nehmen.
    Bei der Inklusion scheint das gar nicht so schwer, zumal es von Anfang an genügend mutige und sachverständige Stimmen gegen eine zu weit gehende Inklusion gab, die eine Schließung möglichst aller Förderschulen vorsah.
    In Niedersachsen wurde dieses Horrorszenario für Schüler und Lehrer schon weitgehend Wirklichkeit. Es bleibt jetzt zu hoffen, dass in anderen Bundesländern dem widersinnigen und damit auch inhumanen Treiben einer Inklusionslehre mit fragwürdigen Moralansprüchen Einhalt geboten wird. Es braucht Zeit zur Besinnung und sachlicher Prüfung der bisherigen Ergebnisse. Herr Meidinger hat hier absolut Recht.

    Glühenden Inklusionsanhängern wird natürlich jedes Stocken im Inklusionsprozess missfallen, weil Nachdenken und Prüfen ihren schönen Behauptungen widersprechen könnte. Sie würden die Dinge lieber im Galopp und ohne bedrohliche Schnaufpausen durchgezogen sehen.

    • Ich glaube, dass die “glühenden Inklusionsanhänger” finden, dass man bald 10 Jahre nach Inkrafttreten einer UN-BRK nicht mehr von “Galopp” oder “über’s Knie brechen” reden kann. Die UN-BRK gab es seit 2006, Deutschland hat sich mit der Zeichnung viel Zeit gelassen (natürlich nur, wenn man 3 Jahre ‘viel’ findet) – auch hier waren mal wieder andere Länder schneller. Ich empfinde, dass in Deutschland bald gar nichts mehr geht: wir können keinen Bahnhof (Stuttgart 21), wir können keinen Flughafen (Berlin), Banken gehen noch immer Pleite (Hamburg/SH) und 10 Jahre gilt in Schule noch als zu kurz für Fortbildung und Erstellung von Konzepten. Das Leben geht derweil aber weiter. Hätten wir die viele Zeit in den letzten Jahren für die Inklusion sinnvoll genutzt, würden wir heute “nur noch” von der Herausforderung mit geflüchteten Schulkindern sprechen. Nun aber werfen wir alles in einen Topf, finden Teppiche von Lehrkräften mit Burnout und wollen ernsthaft und wie selbstverständlich die Zeit zurückdrehen und HEUTE beginnen, das jetzt mal in Ruhe zu beleuchten…. und alle wissen schon vorher, was das Ergebnis der Überlegungen sein wird, denn die Zeitungen sind längst voll davon.

      • @Wilma Pause
        Danke für den Tipp! Endlich wird mir einiges klarer. Die Abschaffung der Förderschulen als angeblich gute Tat für Kinder mit Behinderungen habe ich nie verstanden.

        • Somit werden die Chancen auf hohe Bildungsabschlüsse für diese Personengruppen auf null gesenkt. Kinder mit Trisomie 21, es gibt diese, auch wenn Sie es nicht glauben, werden nicht mehr Medizin studieren.
          Es lebe der hochmoralische Anspruch der ewig gestrigen Reformeiferer, der neuzeitlichen Bilderstürmer der Bildungspolitik.
          Wieder einmal wurde auf dem Altar der Gutmenschlichkeit ein Opfer dargebracht, um den Reformhunger bildungspolitischer Diletanten zu stillen und dieses neue Konzept der inklusiven Beschulung wurde als Erfolg dem Volke dargeboten.
          Es ging einzig darum , Geld zu sparen, bewirkt aber die Destabilisierung des gesamten Schulsystems mit desaströsen Leistungsabfallen in den Vergleichsstudien. Und ewig werden neue Reformvorhaben von den Bildungspolitikern kreiert, wie die Digitalisierung des Unterrichts, angefangen in den Kindergärten und Grundschulen, damit wieder gut Geld verdient werden kann, ohne dass ein positiver Effekt auf das Lernverhalten dabei herausspringt.

      • Die Frage der Inklusion ist ja (auch hier bei n4t) bereits ausführlich diskutiert worden. Das scheint tatsächlich eine Frage der Grundeinstellung zu sein, so wie auch andere Fragen auch (Ganztag, Gemeinschaftsschule, Digitalisierung etc.).
        Grundsätzlich übersehen Bildungsreformer gerne die möglichen Schattenseiten ihrer Reformen, und seien es nur die Mehrkosten oder fehlendes (qualifiziertes) Personal. Sowohl eine “richtige” Inklusion wie eine “richtige” Ganztagsschule würden eben wesentlich mehr Lehrkräfte erfordern. Die Einführung eines flächendeckenden Kita-Angebots erfordert ebenso wesentlich mehr Betreuungskräfte. Und die sind nicht vorhanden. Auch ohne Inklusion und ohne Ganztag würde die Zahl der Lehrer nur knapp ausreichen, und Erzieher für die Kitas werden jetzt händeringend gesucht, das steht heute in der Tagesschau:
        http://www.tagesschau.de/inland/erziehermangel-101.html
        Wohin man auch blickt: der Mangel ist unübersehbar. Aber noch nie hat man was von einem Mangel an Reklame- bzw. Werbeleuten gehört, der zu einer Einschränkung von Reklame/Werbung hätte führen müssen. Da gibt’s immer genug Geld und genug Leute.

  20. Vieles kann ich verstehen und nachvollziehen und überlege seit Jahren fieberhaft, wie man unser Schulsystem (auch völlig abseits von Inklusion) noch retten kann: Die Gebäude marode, Lehrermangel: daher darf auch jeder Lehramt studieren (anders in Finnland: http://www.sueddeutsche.de/bildung/lehramtsstudium-aussuchen-statt-ausbrennen-1.2467149).
    Meidinger schreibt, “dass sich die übergroße Mehrheit der Lehrkräfte mit Idealismus dieser Herausforderung der Inklusion gestellt habe” – hat sie nicht. Weil sich hier so gut wie keiner gern “einer Herausforderung stellt” – egal ob Digitalisierung oder Inklusion oder oder.
    Aber insofern freue ich mich über die “ehrliche Bestandsaufnahme” und würde mich noch mehr freuen, sie wäre tatsächlich “ehrlich” und wir fänden “des Pudels Kern”.
    In unserer IGS haben wir die mantramäßig geforderte “”Doppelsteckung. Mit dem Erfolg, dass wir dadurch die Chance haben, dass zumindest mal EINE Lehrkraft auch tatsächlich vor der Klasse steht. Wenn es halt 2 sind, nimmt sich der/die Kolleg/in auch gern mal länger raus (ist ja einer da). Das hab ich leider bei einem Gespräch unter Lehrkräften auf dem Flur mitgehört…
    Es ist nicht einfach, aber nicht erst seit der Inklusion. Schule schafft es, sich Veränderungen völlig selbstverständlich NICHT zu stellen und lieber in Selbstmitleid zu versinken. Konzepte? Ideen? Leider nicht. Ich finde es traurig – und das nicht nur, weil ich ein behindertes Kind habe. Die Eltern von anderen Kindern warten auch nur darauf, dass “Schule endlich vorbei ist”…
    Ich hab meine Schulzeit anders erlebt… und wünschte mir Lehrkräfte wie meine damals – aber die waren allesamt Angestellte und hatten sowas wie einen ‘Servicegedanken’ und wollten wirklich noch das Beste für das Kind. Schule braucht eine Reform – keinen erneuten Stillstand oder Moratorien – und vor allem Leute, die das tatkräftig unterstützen, Eltern ins Boot nehmen und gemeinsam am Besten für das Kind arbeiten. Das machen die in Schweden oder NL oder Dänemark. Die können auch Kinder und Karriere besser vereinbaren, was hier nicht geht. Hier geht einfach ZUVIEL IMMER NICHT. Andere machen’s einfach – auch Inklusion, aber mit einer anderen Haltung eben.

    • Sie bezweifeln Herrn Meidingers Aussage, “dass sich die übergroße Mehrheit der Lehrkräfte mit Idealismus dieser Herausforderung der Inklusion gestellt habe”.
      Im Gegensatz zu Ihnen glaube ich, dass er weitgehend Recht hat. Allerdings haben sich viele Lehrkräfte in ihrem “Idealismus” mit falschen Vorstellungen füttern lassen und merken erst allmählich, dass die Realität sie nicht nur fordert wie erwartet, sondern überfordert. Der Idealismusbegriff ist deswegen vielleicht nicht ganz angebracht.
      Ich stimme Ihnen zu, dass Idealismus hinterfragt werden muss und wohlfeil ist, wenn jemand nur auf die schöne Theorie abfährt und damit zu glänzen versucht.

        • Vielleicht nicht die Inklusion an sich, aber schon die Radikalität, die Umsetzung, die ideologische Verfechtung und das eigentliche Motiv dahinter (Kostenersparnis durch Schließen von Förderschulen)

  21. An alle Inklusionsverfechter hier

    Gerade laufen die Paralympics! Warum fangen wir bei der Inklusion nicht mal bei den Erwachsenen an, schaffen die Paralympics ab (eine unglaubliche Diskriminierung, die Behinderten so komplett auszugrenzen!), lassen fortan alle gemeinsam trainieren und wenn das nicht funktioniert, sind natürlich die Trainer schuld!!!

    • nicht nur trainieren, auch gemeinsam antreten. die ese(l) – Behinderung fehlt übrigens völlig, eine weitere Diskriminierung.

    • Beim Sport gelten immer andere Gesetze, da kommt es primär auf Leistung an und nicht auf soziale Kompetenzen. Schließlich gibt es auch — vollkommen unangefochten von den Befürwortern der “einen Schule für alle” — Sport-Eliteschulen (man spricht von der “dualen Karriere”), bei denen es Aufnahmeprüfungen gibt, wo also der bloße Elternwille nicht reicht:
      https://www.morgenweb.de/mannheimer-morgen_artikel,-sport-eliteschulen-des-sports-werden-gestaerkt-_arid,1217046.html
      Man spricht davon, es solle “das vorhandene Potenzial stärker ausgeschöpft werden, indem klare Qualitätskriterien und Zielprofile für jede Schule ein- und umgesetzt werden.” Von Inklusion ist nicht die Rede, die gilt nur für das gemeine Volk, aber nicht für den Leistungssport.

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