Pech, Schlafmangel, Unkonzentriertheit, Kummer, Mobbing – Wissenschaftler suchen nach Ursachen von Schulunfällen

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FRANKFURT. Wissenschaftler der Frankfurt University of Applied Sciences haben aus Anlass der weltweiten Global Teen Health Week Daten aus einer Längsschnittstudie zu Unfällen und Verletzungen von Kindern und Jugendlichen ausgewertet. Zur Verbesserung der Unfallprävention kommt es demnach besonders auf das Schulklima an.

Im Jahr 2016 ereigneten sich mehr als 1,3 Millionen Unfälle und Verletzungen in der Schule oder auf dem Schulweg, 41 hiervon endeten tödlich. Wie die Längsschnittstudie Gesundheitsverhalten und Unfallgeschehen im Schulalter (GUS) der Frankfurt University of Applied Sciences (Frankfurt UAS) zeigt: Mehr als jeder fünfte Schüler gibt an, im vergangenen Jahr mindestens eine Verletzung in der Schule oder auf dem Schulweg erlitten zu haben, die eine medizinische Behandlung erforderte.

In der Schule und auf dem Schulweg sind Kinder zahlreichen Unfallrisiken ausgesetzt. Foto: Karl-Ludwig Poggemann / Flickr (CC BY 2.0)
In der Schule und auf dem Schulweg sind Kinder zahlreichen Unfallrisiken ausgesetzt. Foto: Karl-Ludwig Poggemann / Flickr (CC BY 2.0)
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„Zwar handelt es sich bei den weitaus meisten dieser Verletzungen um Prellungen, Verstauchungen oder Zerrungen und nur vergleichsweise selten um Frakturen oder andere gravierende Verletzungen, wie Gehirnerschütterungen“, erklärt Prof. Dr. Andreas Klocke, von der UAS, „dennoch ist das schon eine erhebliche Größenordnung und zeigt, welch große Rolle Unfälle und Verletzungen im Kindes- und Jugendalter spielen.“

Die Forscher befragen im Rahmen der von 2013 bis 2020 laufenden Studie jährlich rund 10.000 Schüler an rund 150 weiterführenden Schulen in 14 Bundesländern. Die wichtigste Frage ist die nach erlittenen Verletzungen im Schulkontext. Erfasst werden dabei die Verletzungen, die sich an einem Ort mit Schulbezug (z.B. auf dem Schulhof, im Schulsport und oder auf dem Schulweg) ereignet haben und die eine medizinische Behandlung erforderten.

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Aus ihren Daten versuchen die Frankfurter Wissenschaftler insbesondere, Impulse für die schulische Unfallprävention zu entwickeln. Ein Schwerpunkt liege daher auf der Erforschung der Unfallursachen. Tatsächlich zeigten sich dabei bereits erste Hinweise für systematische Einflüsse.

Auch wenn Pech und Zufall bei Schulunfällen eine entscheidende Rolle spielten, verletzen sich offenbar Kinder und Jugendliche häufiger, die vermehrt unter Konzentrationsstörungen leiden und sich häufiger traurig oder deprimiert fühlen. Auch der Schlaf spiele für Unfälle und Verletzungen eine wichtige Rolle: „Kinder, die weniger schlafen oder einfach schlechter schlafen – also beispielsweise angeben, nachts häufiger aufzuwachen und dann nicht direkt wieder einzuschlafen – tragen ein signifikant höheres Risiko von Schulunfällen und -verletzungen“, so UAS-Wissenschaftler Sven Stadtmüller. Schließlich spielte auch das schulische Umfeld eine Rolle. Demnach ereignen sich an Schulen, an denen Kinder häufiger von Mobbingerfahrungen berichten, vergleichsweise viele Unfälle und Verletzungen.

Sei es noch zu früh für Empfehlungen zu konkreten Präventionsmaßnahmen, werde dennoch aus den Daten ein Trend erkennbar: „Schon jetzt zeichnet sich ab, dass zukünftig ein Augenmerk auf die ‚Software‘ der Schule, das Schulklima, gelegt werden und nicht nur die ‚Hardware‘, der bauliche Zustand, im Blick sein sollte“, betont Klocke. (pm)

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