Polizeigewerkschaft fordert Gewaltstatistik für Schulen – der Zentralrat unterstützt das

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BERLIN. Angesichts von Antisemitismus und religiösem Mobbing in Schulen fordert die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) eine bundesweite Statistik für Vorfälle dieser Art. «Wir brauchen ein “Bundeslagebild zur Gewalt an Schulen”. Darin müssen alle Fälle verbaler, körperlicher und von Waffen-Gewalt erfasst werden», sagte deren Bundesvorsitzender Rainer Wendt der «Bild»-Zeitung. Die Zählung müsse nach bundeseinheitlichen Standards erfolgen, damit die Fälle vergleichbar seien. «Nur so bekommen wir auch Klarheit über die tatsächliche Fallzahl», so Wendt.

Die eigenen Religion sollte nicht als höherwertiger angesehen werden.            Foto: Matthew Fearnley / flickr / CC BY 2.0

Hintergrund der Diskussion sind aktuelle Fälle aus Berlin. An einer Grundschule wurde eine Zweitklässlerin von älteren Schülern aus muslimischen Familien als Jude beschimpft. Ein Mitschüler soll gedroht haben, sie umzubringen, weil sie nicht an Allah glaube. So jedenfalls erzählte es der Vater des Mädchens einem Journalisten der «Berliner Zeitung». Demnach kursierte in einer WhatsApp-Gruppe der Grundschüler sogar ein IS-Enthauptungsvideo. Die Bildungsverwaltung und der Schulleiter bestätigten solche Vorfälle.

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Nötig sei eine gemeinsame Sitzung der Innenministerkonferenz und der Kultusministerkonferenz der Länder, so Wendt. Dann könne eine bundesweite Zählung noch mit dem Beginn des neuen Schuljahres im Herbst anfangen. Auch der Vorsitzende der KMK, Thüringens Bildungsminister Helmut Holter (Linke), sprach sich für eine Analyse der antisemitischen Vorfälle an Schulen aus. «Die Vorfälle sind erschütternd und wir sind alle aufgefordert, uns damit auseinanderzusetzen. Wir müssen schulische und gesellschaftliche Ursachen analysieren», sagte Holter der «Bild».

Der Präsident des Deutsche Lehrerverbands, Heinz-Peter Meidinger, sieht vor allem die Politik in der Pflicht. «Bis dato schaut diePolitik dieser Entwicklung nur tatenlos zu», sagte er der «Passauer Neuen Presse». «Besonders in Ballungsgebieten gibt es manche Schulen mit unerträglichen Zuständen für Lehrer und engagierte Schüler.» Schule sei das Spiegelbild der Gesellschaft, so Meidinger. Damit machten auch gesellschaftliche Konflikte nicht vor den Schultoren Halt.

Der Zentralrat der Juden unterstützt den Vorschlag, angesichts von Antisemitismus und religiösem Mobbing in Schulen eine bundesweite Statistik für Vorfälle dieser Art einzurichten. Sein Wunsch sei, dass ein Angebot geschaffen werde, «in dem ohne große bürokratische Hürden antisemitische oder auch entsprechend andere Gewaltvorgänge gemeldet werden können, um so ein besseres und klareres Bild zu bekommen», sagte der Präsident des Zentralrates, Josef Schuster, im ZDF-«Morgenmagazin». Schuster sagte, er habe das Gefühl, dass antisemitische Vorfälle zunähmen, besonders in großstädtischen Milieus. «Hier hat offensichtlich Berlin eine leider führende Rolle.» dpa

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