Beckmann: “Schule allein kann nicht der Reparaturbetrieb der Gesellschaft sein”

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BERLIN. Udo Beckmann, Bundesvorsitzender des Verbands Bildung und Erziehung, kritisiert eine zunehmende Schieflage in der Debatte um wachsenden Antisemitismus unter Schülern. Die Schule allein könne nichts bewirken, wenn Gesellschaft und Politik nicht mitzögen.

Udo Beckmann ist Bundesvorsitzender des Verbands Bildung und Erziehung. Foto: Sibylle Ostermann
Udo Beckmann sieht die Schulen auf verlorenem Posten. Foto: Sibylle Ostermann / VBE

„Die antisemitischen Vorfälle an Schule zeigen das Keimen einer gefährlichen Saat. Das Sprießen des Unkrauts zu beklagen, ist aber nicht mehr als ein Reflex. Die gesamtgesellschaftliche Verantwortung muss es jedoch sein, den Blick auf die Gärtner zu richten”, sagt Beckmann und betont: “Den Schulen die Schuld zuzuschieben und die Schulleitungen zu Sündenböcken zu machen, löst nichts. Es gibt eine gesamtgesellschaftliche Verantwortung, unsere freiheitlich demokratische Grundordnung zu schützen, Intoleranz nicht zu akzeptieren und als gutes Vorbild voranzugehen. Klar ist: Schule ist auf verlorenem Posten, wenn unsere Bemühungen durch das Verhalten mancher Eltern und von Teilen der Gesellschaft konterkariert werden.“

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Beckmann hatte bereits in der letzten Woche eine konstruktive Debatte angemahnt und angemessene Bedingungen für gelingende Integration an Schulen eingefordert. Hierzu gehört neben kleineren Klassen, der Unterstützung durch multiprofessionelle Teams und der gezielten Förderung von Schulen in sogenannten „Brennpunkten“ auch das Angebot von islamischem Religionsunterricht unter deutscher Schulaufsicht.

Der VBE Bundesvorsitzende unterstützt das Ansinnen von Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU). Diese hatte in einem Brief an den Präsidenten der Kultusministerkonferenz, Helmut Holter (Linke), vorgeschlagen, gemeinsam gegen Antisemitismus und Mobbing aus religiösen Gründen an Schulen vorzugehen. Zudem bewertet er die Aussage der neuen Integrationsbeauftragten Annette Widmann-Mauz (CDU) positiv, dass Bedrohungen im Rahmen religiösen Mobbings in der Gesellschaft nichts zu suchen haben. Beckmann stellt heraus: „Wichtig ist, dass die Politik einsieht, dass wir es mit einem gesamtgesellschaftlichen Problem zu tun haben, das nicht allein an Schule gelöst werden kann. Schule allein kann nicht Reparaturbetrieb für die Probleme der Gesellschaft sein!“ News4teachers

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34 KOMMENTARE

  1. In der Debatte um Antisemitismus in Schulen ist es m.E. wenig hilfreich, mit dem Zeigefinger auf Politik, Teile der Gesellschaft und Eltern zu zeigen. Es ist auch nicht hilfreich, die Schulen auf verlorenem Posten darzustellen. Niemand hat den Schulen Schuld gegeben, und niemand hat Schulleiterinnen und Schulleiter zu Sündenböcken gemacht.
    Anstatt gebetsmühlenartig alte Forderungen zu stellen, Verantwortung zurück zu spielen und Schulen pauschal als unfähig hinzustellen, sollten Schulen die vorhandenen Möglichkeiten schon jetzt aktiv ausschöpfen, um die hohen Werte im Zusammenhang mit Demokratie, Freiheit und Toleranz ihren Schülerinnen und Schülern zu vermitteln. Abzuwarten bis Forderungen und Bedingungen erfüllt sind, das ist der falsche Weg.

    • Doch, es ist hilfreich und es muss unbedingt ” auf Politik, Teile der Gesellschaft und Eltern” gezeigt werden, weil es ganz richtig heißt: “Schule allein kann nicht der Reparaturbetrieb der Gesellschaft sein”.
      Seit Jahren und Jahrzehnten wird aber so getan, als sei die Schule der Alleskönner und Allesmüsser. Wenn sich dann zeigt, dass dies ein bequemes Märchen ist, ist es meist schon reichlich spät für den Fingerzeig auf andere.
      Schulen warten doch gar nicht ab und legen auch nicht die Hände in den Schoß, “bis Forderungen und Bedingungen erfüllt sind”, sondern versuchen möglichst viel aus eigener Kraft zu schaffen.
      Leider haben sie gelernt, dass es ein schlechtes Licht auf sie wirft, wenn sie “Hilfe!” rufen statt so zu tun, als hätten sie keine Probleme oder schafften sie allein aus der Welt.
      Im Gegensatz zu Ihnen bin ich der Meinung, dass die Schwierigkeiten noch viel schonungsloser und massiver offengelegt werden müssen. Nur so wird deutlich, dass auch andere in der Pflicht sind und schnellstens mehr tun müssen als fromme Worte auf ” Demokratie, Freiheit und Toleranz” zu dreschen.

    • Lieber Papa 51, das von Ihnen erwähnte „Märchen“ kenne ich nicht. Ferner geht es auch nicht darum, „fromme Worte auf Demokratie zu dreschen“. Zum besseren Verständnis: Schulen, Schulleitungen und Lehrkräfte schöpfen ihre Möglichkeiten m.E. bei weitem nicht aus. Namhafte Experten werfen den Schulen und Lehrkräften vor, Vorfälle zu bagatellisieren, massive Probleme aus Image-Gründen unter den Tisch zu kehren und letztlich den Kopf in den Sand zu stecken. Mit Blick auf diesen vielfach festgestellten Zustand gibt es für Schulen viele ungenutzte Möglichkeiten, den beschriebenen Problemen wie beispielsweise Ausländerfeindlichkeit, Antisemitismus und Terrorverherrlichung zu begegnen und Lösungen zu realisieren.
      Dazu gehören u.a. intensive Aus- und Fortbildung der Lehrkräfte in Sachen interkulturelle Kompetenz, intensive Vermittlung von Regeln incl. reflexionsbegleitende Sanktionierung bei Verstößen sowie erhebliche Intensivierung und früheren Start der politischen Bildung, insbesondere mit dem Ziel, die Werte von Demokratie nachhaltig im Unterricht zu vermitteln. Zudem raten Experten den Schulen bzw. Lehrkräften, die Schulsozialarbeit um Mithilfe zu bitten und sich konsequent hinter die Opfer zu stellen und in schwierigen Vorfällen nicht zu zögern, institutionelle Hilfen hinzuzuziehen, beispielsweise Einbindung von Schulpsychologen im Schulamt oder in krassen Fällen auch Polizei.

      • Sie meinen: “Schulen, Schulleitungen und Lehrkräfte schöpfen ihre Möglichkeiten m.E. bei weitem nicht aus. ” Wie kommen Sie darauf?
        Der Beitrag unten lässt es erahnen.

        Namhafte Experten (und solche, die sich dafür halten) werfen den Schulen ständig alles mögliche vor und stellen auch gleich Forderungen auf, was noch alles zu leisten sei, was Schulen ausbügeln müssen, worauf zu achten sei.
        Unterstützung für Schulen oder bessere Bedingungen, die Geld kosten würden, fordern viel zu wenige. Es ist einfach und natürlich kostenlos, den Schwarzen Peter generell in Schulen, bei Lehrkräften, abzuladen.

        “Dazu gehören u.a. intensive Aus- und Fortbildung der Lehrkräfte in Sachen interkulturelle Kompetenz,”
        Das gibt es schon, vielleicht nicht für alle Lehrkräfte intensiv genug. Aber es hat auch etwas mit dauernder Überlastung zu tun, dass die pädagogische Arbeit, dazu gehört auch die Beschäftigung mit der Schülerschaft, leidet.

        “intensive Vermittlung von Regeln incl. reflexionsbegleitende Sanktionierung bei Verstößen”
        Wird von Klasse 1 oder 2 an umgesetzt, braucht aber SuS, die gewillt sind, sich darauf einzulassen und sich nicht generell auf “weiß ich nicht” oder Lügen zurückziehen, und Eltern, die diesen Weg mitgehen, weil es ihnen wichtig ist.
        Und es braucht ZEIT zur Begleitung genau dieser Aufarbeitung. Zeit, die die Lehrkraft irgendwoher nehmen muss.

        “sowie erhebliche Intensivierung und früheren Start der politischen Bildung, insbesondere mit dem Ziel, die Werte von Demokratie nachhaltig im Unterricht zu vermitteln.”
        Ja. Das sehe ich auch so. Das hat etwas damit zu tun, dass Schulen “soziales Lernen” umsetzen. Da kommen hier von anderen Vorwürfe, man wolle Moralpredigten halten und indoktrinieren.
        Wenn aber Schulen von Beginn an in heutiger Gesellschaft, die eher dagegen arbeitet als mitzuhelfen, soziale Grundsätze vermitteln soll, braucht es auch dafür ZEIT.

        “Zudem raten Experten den Schulen bzw. Lehrkräften, die Schulsozialarbeit um Mithilfe zu bitten”
        Das würde erwarten lassen, dass Schulen Schulsozialarbeiter haben. Die gibt es aber nur sehr selten.

        “und in schwierigen Vorfällen nicht zu zögern, institutionelle Hilfen hinzuzuziehen, beispielsweise Einbindung von Schulpsychologen im Schulamt”
        Das würde erwarten lassen, dass es flächendeckend Schulpsychologen gibt, die unbürokratisch zur Verfügung stehen und sich, ebenso wie Sie es von Schulen+Lehrkräften fordern, gemeinsam hinter die gleichen Regeln stellen, die die Schule gesetzt hat und vermittelt.
        Und auch das braucht wieder eine Menge Zeit, wie auch Klassenkonferenzen etc.

        Wenn dann die Erfahrung zeigt, dass Beschlüsse bei Widerspruch sofort vom Tisch gewischt werden, beginnen Schulen, sich den immensen Aufwand zu sparen – mit allen daraus resultierenden Konsequenzen.
        Wenn der Aufwand am Ende zu nichts führt, da die Konsequenzen nicht gebilligt werden, und deshalb kein nutzloser Aufwand mehr betrieben wird, sieht es so aus, als wolle sich keiner kümmern.

        Anders herum wird ein Schuh daraus:
        Wenn Schulen diese vielfältigen Probleme und gesellschaftlichen Aufgaben übernehmen sollen, benötigen sie dafür Ressourcen. Ohne diese kann es nicht mehr gelingen. Und diese Ressourcen im Sinne von Personal müssen in jeder Schule generell vorhanden sein, mit zum Team gehören. Und die Aufgabe, die als Arbeit zu sehen ist, muss in jeder Schule anerkannt sein und braucht Zeit, Zeit die den Schulen und dem Team hierfür zur Verfügung gestellt wird.

        Wenn eine Schule Hilfe benötigt, weil das o.g. Team trotz Ausstattung an Grenzen stößt, sollte es in jedem Bundesland mehrere Möglichkeiten geben, diese zeitnah und möglichst unbürokratisch zu erhalten.

        Will man das nicht investieren, sind die Forderungen nur vorgeschoben.

      • In vielem stimme ich Ihnen zu, Palim, doch hier nicht. Sie schreiben zur Bekämpfung des Antisemitismus mancher Schüler: “Dazu gehören u.a. intensive Aus- und Fortbildung der Lehrkräfte in Sachen interkulturelle Kompetenz…”
        Meiner Meinung nach gehört dazu vor allem Mut und Entschlossenheit, gegen antisemitische oder auch antichristliche Gewalt vorzugehen, Mobbingopfern den Rücken zu stärken, sie zu beschützen und klar Stellung zu beziehen.
        Wer erst “Aus- und Fortbildung in Sachen interkulturelle Kompetenz” braucht, bei dem stimmt was nicht. Der zieht sich feige auf das Argument “Dafür fehlt mir die Fortbildung” zurück.

        • Die Forderung nach Fortbildung kam nicht von mir, ich hatte sie nur aufgegriffen.
          Meines Erachtens braucht es durchaus Kenntnis über Kulturen und Religionen, wenn man Hintergründe und Beweggründe verstehen möchte. Und das braucht man, wenn man soziale Themen im Unterricht aufgreifen will.
          Man braucht es auch, um Äußerungen einschätzen zu können, wie sie motiviert sind, warum sie so beleidigend sind und ob sie nachgeplappert oder durchdacht sind.
          Und es ist hilfreich, wenn man Hintergründe verschiedener Konfessionen kennt.
          Haben Sie dies alles für alle erdenklichen Religionen und Kulturen die Sie umgeben oder die Sie Montag in der Schule erwarten könnten erfasst?
          Warum z.B. gibt es seitens der Ministerien keine Abfassungen dazu, sodass Lehrkräfte sich schnell, aber fundiert informieren können?
          Warum ist das Beantragen einer Dolmetscherin/eines Sprachmittlers so kompliziert? Weshalb stehen diese einer Schule, die ja auch die Funktion einer Behörde ausübt, nicht unentgeltlich zur Verfügung?

          Die Kenntnisse über Hintergründe gelten übrigens nicht nur für Religionen und Kulturen, sondern auch für weitere Themen, bei denen Menschen als “anders” wahrgenommen werden. Denn auch unter anderen Schülern kommt es durchaus zu Konflikten und es braucht Eingreifen und Schlichtung.
          Und bei anderen Themen kommt es auch dazu, dass Eltern Urteile fällen und Kinder diese übernehmen und “andere” unreflektiert ablehnen oder sie somit zum Ziel von Aggressionen oder Übermut werden.

          Sie fragen, warum der Eindruck entsteht, warum Lehrkräfte sich nicht kümmern würden. Meine Antwort darauf ist: Es hat mit der Erfahrung der Lehrkräfte zu tun, dass das Vorgehen unendlich viel Zeit raubt, am Ende aber nichts dabei herauskommt, eben auch, weil vorgesetzte Dienststellen oder Gerichte die Möglichkeiten immer weiter beschränken.
          Und das ist m.E. unabhängig von Religionen.

        • @Palim
          Beim Antisemitismus werden Menschen nicht nur als “anders” wahrgenommen. Er ist blanke religiöse oder ideologische Feindschaft gegen Juden auf Grund permanenter Einflüsterung durch das persönliche Umfeld.
          Mir ist wichtig, dass von diesem Problem nicht abgelenkt wird mit dem Hinweis auf Konflikte durch andre Ursachen, auf Sprachschwierigkeiten (Dolmetscher) oder auch auf sonstige Schüler mit anderen “Streitereien”.
          Beim Antisemitismus geht es nicht um “Streitigkeiten”, sondern um einseitige Agressionsakte. Daraus einen Streit zu machen, heißt, auch dem jüdischen Kind Schuld zuzuschieben.
          Ansonsten kann ich mich nur wiederholen: Lehrer brauchen vor allem Zivilcourage, wenn ein Kind in Not ist und sofortigen Schutz und klare Kante braucht. Hier scheint mir der Hase im Pfeffer zu liegen, wenn ich höre, dass Schulen zum Bagatellisieren und Wegschauen neigen, um nicht offenlegen, eingreifen und muslimischen Schülern auf die Füße treten zu müssen.

          • Hilft alles nichts, wenn man sich mangels Dolmetscher nicht verständigen kann.
            Im übrigen sehe ich Konflikte zwischen Sunniten und Schiiten oder zwischen Muslimen und Jeziden ähnlich.

          • @Palim
            Ach so, dann ist der muslimische Hass auf Juden und Christen ja nicht so schlimm, wenn es auch intermuslimische Feindschaften gibt.
            Und Schutz für jüdische Kinder in brenzlichen Situationen geht nur mit Dolmetscher, der fein erklärt und für Verständigung sorgt.
            Reichen Lehrern nicht Mimik, Tonfall und entschlossenes Eingreifen, um erstmal Hilfe zu leisten und Angreifer in die Schranken zu weisen?
            Verstehen muslimische Kinder außerdem keinerlei Deutsch?

            Wenn ich das mal so sagen darf, Palim: Sie eiern mir zu sehr um den heißen Brei herum.

          • Anders herum kann man auch sagen:
            Dann brauchen ja nur Schulen mit jüdischen Kindern Hilfe mittels Sozialpädagogen und Dolmetschern.
            Wollten Sie das ausdrücken?

          • “Reichen Lehrern nicht Mimik, Tonfall und entschlossenes Eingreifen, um erstmal Hilfe zu leisten und Angreifer in die Schranken zu weisen?”

            Nein. Sie reichen eben nicht aus.
            Wenn man diese Probleme dauerhaft in den Blick nehmen und lösen will, braucht es weit mehr.
            Die Verkürzung auf EIN Problem und EINEN, der handeln soll, ist eine Verkürzung zu Lasten der Lehrkräfte, die wiederum allein gelassen werden, und zu Lasten derer, die Ziel der Aggressionen werden.
            Der Konflikt als solcher ist ja nicht gelöst, wenn die Lehrkraft in diesem Moment eingreift. Gefordert wurden in den Beiträgen auch Konsequenzen, Sanktionen, Reflexionen, Unterricht zum Thema uvm. Alles das muss auch von Lehrkräften begleitet oder vorbereitet und durchgeführt werden.

            Papa51 hatte es weiter oben schon geschrieben: “Schulen warten doch gar nicht ab und legen auch nicht die Hände in den Schoß, “bis Forderungen und Bedingungen erfüllt sind”, sondern versuchen möglichst viel aus eigener Kraft zu schaffen.”

            Aber “Schulen” – also Lehkräfte sind jetzt an einem Punkt, an dem das, was ihnen möglich ist, nicht ausreicht.

            Dann muss man Verbesserungen fordern (und auch bekommen!) oder deutlich sagen, dass man diese Aufgabe unter gegebenen Umständen trotz aller bisheriger Bemühungen nicht leisten kann.

            Den Lehrkräften als Aufforderung zu sagen, sie sollten umgehend “entschlossen Eingreifen”, dann würde schon alles gut werden, ist mir nicht genug.

          • “Erstmal Hilfe” bedeutet natürlich nicht “dauerhaft”. Weiter schreiben Sie: “Der Konflikt als solcher ist ja nicht gelöst, wenn die Lehrkraft in diesem Moment eingreift.”
            Das ist doch selbstverständlich: bei erster Hilfe geht es nie um eine Dauerlösung. Warum weichen Sie also aus, wenn von “erstmal Hilfe” die Rede ist, die jedes Kind bei Mobbing braucht? Natürlich muss da von Lehrerseite erstmal beherzt und “entschlossen” eingegriffen und nicht abgewartet werden, bis es mit Hilfe von Dolmetschern, Sozialkräften, gutem Zureden etc. hoffentlich gelingt, eine dauerhafte Einsicht bei den Tätern zu erreichen?

            Warum reden Sie immer wieder von “Streiterei” oder “Konflikt”, wenn ein antisemitisch denkender und fühlender Schüler ein anderes Kind angreift, nur weil es Jude ist? Da ist kein Konflikt zwischen zwei Personen, sondern nur Aversion und Angriffslust von einer Seite.

            Die Augen richten sich im Moment auf den muslimischen Antisemitismus und seine Opfer. Es scheint Sie zu stören, dass er so deutlich wahrgenommen wird und zur Sprache kommt. Jedenfalls lenken Sie ab durch den Verweis auf andere Mobbingursachen, Täter und Opfer, welche längst bekannt und zur Sprache gekommen sind.
            Ist es so schlimm, dass diesmal der islamisch bedingte Antisemitismus am Pranger steht und jüdische Kinder sowohl per “erste Hilfe” durch Lehrkräfte als auch per “Dauerlösung” durch Hilfskräfte von außen vor ihm geschützt werden?

          • Ich verstehe nicht, warum ich “muslimischem Antisemitismus” sehr viel Aufmerksamkeit geben muss und an dieser Stelle entschiedenes Eingreifen fordern soll, bei anderem Anitsemitismus, bei Mobbing, bei sexuellen Übergriffen aber nicht.

            Ich habe gar nicht von “Streiterei” gesprochen und es ist für mich eine Haarspalterei, ob Sie es “Konflikt” oder “aggressiven Übergriff” oder sonst wie nennen. Alles davon braucht Aufmerksamkeit, immer muss man reagieren. Aber ich unterscheide doch nicht _nach Religion_, ob ich einem Kind helfe oder nicht.

            Wenn andere Mobbingursachen für Sie längst zur Sprache gekommen sind, frage ich, an welcher Stelle denn Schulen Hilfe in dieser Hinsicht erhalten haben.
            Und wenn Sie “erste Hilfe” von Lehrkräften einfordern, im Anschluss aber Dolmetscher und Sozialkräfte an der “Dauerlösung” arbeiten sollen oder ein Kind “durch Hilfskräfte von außen vor ihm [dem Antisemitismus] geschützt werden” soll, kann ich Ihnen sagen, dass dann NIE jemand an umliegenden Schulen eine Lösung finden würde, denn die zusätzlichen Kräfte gibt es gar nicht.

            Solange aber alle diese Aufgaben allein bei Lehrkräften bleiben und Politik und Gesellschaft immer mehr dieser sozialen Aufgaben kostenneutral in Schulen abladen, statt sich auch selbst zu kümmern und statt Schulen entsprechend auszustatten, werden Lehrkräfte immer weniger in der Lage sein, entsprechend zu handeln, AUCH bei “muslimischem Antisemitismus”, aber eben nicht NUR.

          • @Palim
            Ich habe hier von keinem die Forderung gehört, dass Sie und andere Lehrer nur muslimisch bedingtem Antisemitismus oder Mobbing Aufmerksamkeit schenken sollen.
            IHM, der bisher weitgehend außer Acht gelassen oder von den Schulen verschwiegen wurde, aber eben AUCH!!
            Was ist daran so schwer zu verstehen?

  2. Ausschnitt aus dem Artikel „Was ist an den Schulen los?“:
    „Der Islam sei die beste Religion und stehe über dem Grundgesetz, heißt es (bei den Schülern). An dieser Mauer pralle ich ab – und zwar total. Nicht der Hauch einer Einsicht, dass man den Koran vielleicht nicht mehr auf heute beziehen kann, weil er historisch zu lesen ist. Nicht der Hauch. Nur geballter Widerstand.
    Für die Äußerungen, dass der Islam über dem Grundgesetz stehe, musste sich keiner der Schüler je bei der Schulleitung rechtfertigen. Allerdings wurde ich, die Lehrerin, zum Gespräch zitiert, weil ich gewagt hatte zu sagen, dass der Islam wie jede andere Religion auch kritisierbar sei.“
    https://www.emma.de/artikel/andrea-f-radikalisierung-334795

    • Schulleitungen und Lehrkräfte müssen gleichen Kurs fahren! Vor allem dann, wenn es um die Verbannung von Antisemitismus, Ausländerfeindlichkeit und Gewalt jeglicher Form geht.
      Ich hatte Folgendes erlebt: Ein Viertklässler aus meiner Klasse drohte einer Mitschülerin auf dem Schulhof mit Mord. Die Schülerin berichtete mir völlig außer sich und weinend von diesem Vorfall. Ich hatte daraufhin die Mutter des Schülers informiert und zu einem Gespräch einbestellt. Die Mutter, selbst als Grundschullehrerin tätig, beschwerte sich direkt bei der Schulleiterin. Im gemeinsamen Gespräch am runden Tisch mit Schulleiterin, Mutter und mir kamen Schulleiterin und Mutter überein, dass es keinen Grund zur Beunruhigung gebe. Begründung: Im Kindesalter dürfe man das nicht so hoch gewichten, Empathie sei da noch nicht vorhanden. Mein Ziel, eine adäquate pädagogische Maßnahme zu erwirken, lief ins Leere.
      Was lehrt das Beispiel? Es darf so nicht laufen! Wenn es um Drohungen, Beleidigungen, Beschimpfungen, Mobbing und dergleichen geht, vor allem dann, wenn Opfer sichtlich leiden, ist die rote Linie klar und deutlich überschritten. Es ist ein absolutes “No-Go”, wenn Schulleitungen in solchen Fällen ihre Lehrkräfte aufgrund fragwürdiger Motive im Regen stehen lassen.

    • Anna und Bernd würden der Schulleitung Recht geben, weil sich die Lehrerin aus dem emma-Artikel islamophob und rechtsradikal verhalten hatte. Die beiden sollten sich auch mal dazu äußern.

      Ähnliches gilt auch für Kotschenreuther. Leider sind Sie an eine ideologisch verbohrte Mutter und eine mutlose Schulleitung geraten. Letzteres möglicherweise, weil sie weiß, dass die Mutter weiß, wie sie der Schulleitung über das Dezernat Ärger bereiten kann.

    • In letzter Zeit hört man immer wieder, dass Schulen sich scheuen, Probleme mit muslimischen Schülern zuzugeben und offenzulegen. Dadurch werden die Schwierigkeiten zum Leidwesen anderer Schüler kleingeredet, geduldet und verschleppt.
      Warum herrschen solche Hemmungen, die im Nachhinein zu erheblichen Vorwürfen führen und Schulleitungen und Lehrkräfte in ein schlechtes Licht setzen?

      • Die Antwort ist ganz einfach: D
        Aufgrund der Haltung wie die von Bernd und Anna hier bei n4t in wichtigen Positionen würde Kritik am Islam gleich als Fremdenfeindlichkeit, Rassismus, Islamophobie und Rechtsradikalismus ausgelegt werden.

          • Das wollen Sie lieber nicht wissen. Wenn Sie die politischen Themen (insbesondere über den politischen Islam und den Rechtsextremismus) und die Inklusionsthemen hier verfolgen, werden Sie früher oder später in den Kommentaren auf solche Charaktere stoßen. Die “unverzagte” geht übrigens in dieselbe Richtung, falls Ihnen dieser Nick etwas sagt.

          • ach xxx, dass sie hier kurzerhand drei themen obendrein mit drei diskussionsteilenden durcheinander wirbeln bedarf keines weiteren kommentares. der kopf ist übrigens rund, damit das denken die richtung ändern kann, frei nach rosa luxenburg…wie wäre es also mit ein bisschen mehr differenzierung?

      • Zum gegenwärtigen Zeitpunkt ist davon offiziell noch nichts bekannt. Sie können aber durchaus recht haben, wie das Beispiel des Grundschulleiters zeigte, der aus falscher Rücksichtnahme die antisemitischen Vorfälle zunächst herunterspielte. Die Presse und die Polizei schweigen sich darüber (noch) aus, was aber in Verbindung mit dem bereits bestätigten deutlichen Verdacht auf einen Anschlag in Ihre Richtung tendiert.

  3. Gut, dass es dieses Forum gibt!
    Was ich gut finde: Eure konstruktiven Lösungsvorschläge wie z.B. Probleme offen ansprechen, Erfahrungen austauschen, Lösungen suchen, klare Haltung einnehmen und couragiert eingreifen.
    Was ich verstehe: Eure Hinweise auf mangelnde Personal-Ressourcen und Zeit, insbesondere Sprachbarrieren sowie fortschreitende Einschränkungen durch zunehmende Bürokratie und vorgesetzte Dienststellen und Gerichte.
    Was ich sehr bedauere: Wenn Lehrkräfte mit Blick auf die hier angesprochenen massiven Probleme resignieren.
    Was ich kritisiere: 1. Wenn Corinna schreibt: “muslimischen Schülern auf die Füsse treten”, “bei dem stimmt was nicht” (wenn er Aus-/Fortbildung in Sachen interkultureller Kompetenz fordert), und wenn Corinna einem Teilnehmer Ablenkung unterstellt, weil er von sprachlichen Verständigungsschwierigkeiten mangels Dolmetscher berichtet. 2. Wenn g.h. schreibt: “An dieser Mauer pralle ich ab”. Resignation? Dialog fortführen? Brücken bauen?
    Ich denke, für Lehrkräfte geht es in erster Linie um Folgendes: klare Haltung einnehmen, sensibel sein, hinsehen, bei Bedarf eingreifen, zur Verfügung stehende Möglichkeiten zur Konfliktbewältigung nutzen. Und zwar in allen Fällen, in denen es um Gewaltausübung geht, psychisch, physisch oder sexuell. Und zwar grundsätzlich. Herkunftsunabhängig, religionsunabhängig und ohne Ansehen der Person.

    • Mich stört an Ihrem gefälligen Beitrag, dass Sie einige Mitdiskutanten an die Wand nageln, deren Gesamtkommentare, denen sie einzelne Sätze entreißen, mir einleuchten und zusagen.
      Ansonsten habe ich an Ihren Ausführungen nichts auszusetzen.

      • Zumindest sollte man erkennen, dass g.h. aus der Zeitschrift “Emma” zitierte. Der Ausspruch, an dem Kotschenreuther sich aufhängt, wurde nicht von g.h. getätigt.

        • Wilma Pause: Bitte keine Unwahrheiten verbreiten. In Emma vom 5.4.2018 heißt es von g.h. bzw. Andrea F.: “Der Islam sei die beste Religion und stehe über dem Grundgesetz, heißt es. An dieser Mauer pralle ich ab – und zwar to­tal. Nicht der Hauch einer Einsicht, dass man den Koran vielleicht nicht mehr auf heute beziehen kann, weil er historisch zu lesen ist. Nicht der Hauch. Nur geballter Widerstand.”

          • Eben!
            Andrea F. sagt das, und die “Emma” schreibt es auf.
            g.h. wiederum zitiert Andrea F.s Aussage im Rahmen einer längeren Passage aus der “Emma”.

            Sie (Kotschenreuther) jedoch schrieben: “Wenn g.h. schreibt: ‘An dieser Mauer pralle ich ab’.”

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