Ist Milch gesund? Oder macht sie krank? Eine Bestandsaufnahme

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BERLIN. Millionen von Kinder in Deutschland werden allmorgendlich mit Schulmilch versorgt. Klar ist: Sie liefert wertvolles Eiweiß und Vitamine. Richtig ist aber auch: Milch hat mehr Kalorien als Cola: Ernährungswissenschaftler zählen sie deshalb zu den Nahrungsmitteln, nicht zu den Getränken. Über die Vor- und Nachteile der Milch – eine Bestandsaufnahme.

Um die Milch ranken sich viele Legenden – was stimmt? Illustration: Pixabay

Wie viel Milch trinken die Deutschen?

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Im Durchschnitt verzehren Deutsche 83,7 Kilogramm Milch und Milchprodukte pro Jahr. Das entspricht etwa 230 Gramm pro Tag, also etwa einem Glas Milch oder einem Päckchen Quark.

Woher kommt eigentlich die Milch?

Allein in Deutschland werden zur Milchgewinnung 4,2 Millionen Kühe gemolken. Pro Tag geben sie im Durchschnitt 20 Kilogramm Milch. Etwa ein Drittel von ihnen werden vorzeitig geschlachtet, weil sie dem Produktionsdruck nicht standhalten und krank werden. Oft sind ihre Euter entzündet, oder sie sind vom vielen Melken ausgezehrt.

Ist es schädlich, Milch von Kühen zu trinken, die entzündete Euter haben?

Nicht, wenn sie pasteurisiert wurde. Milch wird regelmäßig auf ihren Keim- und Zellgehalt untersucht. Bei Entzündungen im Euter, der sogenannten Mastitis, finden sich mehr Zellen in der Milch. Ab einem gewissen Zellgehalt bekommt der Betrieb weniger Geld für die Milch; er hat also auch ein wirtschaftliches Interesse daran, dass seine Herde gesund ist. Milch, die stark verkeimt ist, darf nicht verkauft werden.

Geht es «Bio-Milchkühen» denn besser als konventionell gehaltenen?

Milchkühe in Bio-Betrieben haben unter anderem mehr Platz. Allerdings sind sie praktisch genauso häufig krank wie ihre konventionell gehaltenen Artgenossen. Mitunter werden sie mit homöopathischen und pflanzlichen Medikamenten behandelt, deren Wirksamkeit oft nicht nachweisbar ist.

Kann man rohe Milch bedenkenlos trinken?

Nein, und deshalb darf Rohmilch nur in Ausnahmefällen in Deutschland verkauft werden. Bis in den USA flächendeckend pasteurisiert wurde, verursachte Rohmilch dort nach Schätzungen etwa 25 Prozent aller Lebensmittelvergiftungen. Durch den Konsum von Rohmilch kann man sich unter anderem mit Typhus- und Diphterie-Erregern, mit Salmonellen und EHEC infizieren. Forscher der Universität Hohenheim haben erst kürzlich einen Fall untersucht, in dem zwei Menschen Käse aus Ziegenrohmilch aßen und dazu Rohmilch tranken. Die beiden erkrankten danach an FSME, einer Hirnhautentzündung, die durch einen Virus ausgelöst wird. Übrigens: Wer gekaufte Rohmilch selbst abkocht, verliert mehr Vitamine als beim Kauf von Frisch- oder H-Milch.

Ist H-Milch weniger gesund als Frischmilch?

Ultrahocherhitzte Milch, auch H-Milch genannt, enthält etwas weniger Vitamine als Frischmilch. Der Unterschied beträgt im Durchschnitt aber nur ein paar Prozent. Frischmilch ist keine rohe Milch: Sie wird nach dem Melken pasteurisiert, also auch wärmebehandelt – nur eben nicht bei so hohen Temperaturen wie H-Milch. Die Vitamine A, D, E, B2 und B5 bleiben bei beiden Verfahren fast vollständig erhalten. Eine Ausnahme bildet Vitamin C: Dessen Gehalt liegt bei Frischmilch um bis zu 20 Prozent höher als bei H-Milch. Der größte Vitamin-C-Killer ist allerdings nicht die Haltbarmachung, sondern eine lange Lagerzeit.

Schützt Milchkonsum vor Krebs?

Vor manchen Krebsarten ja, vor manchen nicht. Milchtrinker erkranken Studien zufolge seltener an Dickdarmkrebs. Andere Untersuchungen zeigen aber auch, dass Männer umso häufiger Prostatakrebs bekommen, je mehr Milch sie trinken. Ernährungswissenschaftler empfehlen Männern deshalb einen moderaten Milchkonsum.

Schützt Milch vor Osteoporose?

Milch liefert zumindest Kalzium, das sich positiv auf die Knochendichte auswirkt. Vor allem in jungen Jahren ist es wichtig, genug Kalzium zu sich zu nehmen. Mehrere Untersuchungen deuten zudem darauf hin, dass Milch das Wachstum bei Kleinkindern und Jugendlichen fördert. Das gilt allerdings nur für Milch, nicht für Milchprodukte. Forscher errechneten, dass 245 Milliliter Milch pro Tag zu mehr Längenwachstum von 0,4 Zentimetern pro Jahr führt.

Stimmt es, dass Milch für den Menschen eher ungeeignet ist, weil sie ja für Kälber gedacht ist?

Nein – jedenfalls nicht, wenn man Laktose verträgt. Das Argument, dass Milch nicht für den Menschen gemacht ist, ließe sich ja auf jedes natürliche Nahrungsmittel übertragen. Auch Nüsse und Bohnen, Äpfel und Tomaten sind von den Pflanzen nicht für den menschlichen Verzehr entwickelt worden.

Gibt es viele Menschen, die keine Milch vertragen?

Weltweit kann nur eine Minderheit der Menschen Milch gut verdauen. Je nach Schätzung produzieren zwei Drittel bis 90 Prozent der Weltbevölkerung nicht genug von dem Enzym Laktase, mit dem der Körper den Milchzucker verdaut. Trinken sie dennoch Milch, können Bauchschmerzen, Durchfall und Übelkeit die Folge sein. In Deutschland haben aber nur sieben bis acht Prozent der Bevölkerung solche Symptome. Sie leiden an einer sogenannten Laktoseintoleranz. Von Jan Ludwig, dpa

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4 KOMMENTARE

  1. ” In Deutschland haben aber nur sieben bis acht Prozent der Bevölkerung solche Symptome. Sie leiden an einer sogenannten Laktoseintoleranz.”

    Rein logisch betrachtet ist dieser Satz falsch und die Laktoseintoleranz keine Krankheit, an der man leiden könnte. Eher sind die 92-93% der Bevölkerung Deutschlands Mutanten.

  2. Was hier fehlt, ist die Kaseinunverträglichkeit – d.h., man verträgt das Milcheiweiß nicht – das ist bei mehr Menschen der Fall als man vermutet.

    • Milch deckt als Grundnahrungsmittel alle wichtigen fettlösliche Vitamine (A,DE,K), Calcium, Proteine ,sowie leicht verwertbare Fette ab und stellt Disacharide als Lactose in einer angemessenen Dosierung zur Verfügung.
      Die Lactose-Intoleranz entwickelt sich im Dünndarm erst mit dem Heranwachsen der Kinder und macht sich in Form von Durchfällen bemerkbar. Asiaten sind deutlich häufiger betroffen als Eurasier.
      Zu verwechseln ist die Lactoseintoleranz in ihrer Symtomatik mit der Sprue, auch als Zöliakie benannte Glutenunverträglichkeit, bei der die Eiweiße der Getreidesorten, außer Mais, an die Dünndarmzotten andocken und als Folge einer autoimmunologische Reaktion gegen diesen Komplex, es zur Zottendegeneration kommt, die mit einer Abnahme der Zottenhöhe und deren Degeneration, mit Gewichtsverlusten durch mangelnde Nahrungsaufnahme, teilweise Durchfällen und einer generellen Gedeihstörung einhergeht.

      Hochkalorische und Zucker enthaltenden Limonadengetränke schaden langfristig durch eine Gewöhnung der Kinder an einen hohen Glukosegehalt in der Nahrung von frühen Kindertagen an und sind diese sind ein Wegbereiter des Diabetes mellitus Typ 2b, der hyperalimentären Volkskrankheit , die zudem mit Übergewicht und der arteriellen Hypertonie vergesellschaftet ist.

      • Nachtrag: in der Folge der Zottendegeneration bei Sprue, des Untergang der Dünndarmzotten mit der Verkleinerung der Nahrungsaufnahmefläche, kann sich eine sekundäre Lactoseintoleranz entwickeln, weil das den Disacharid spaltende Enzym, nicht mehr ausreichend von der Dünndarmschleimhaut hergestellt wird.

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