Studie: Familien werden durch Kita-Beiträge ungleich belastet

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GÜTERSLOH. Wieviel Eltern für die Kita zahlen, hängt stark vom Wohnort ab. Einkommensschwache Haushalte belastet die Gebühr übermäßig, lautet das Fazit einer Bertelsmann-Studie. Familienministerin Giffey hat Verbesserungen schon ins Auge gefasst.

Hohe Kita-Gebühren belasten nicht nur einkommensschwache Familien.                        Foto: Marco Verch / flickr / CC BY 2.0

Einkommensarme Familien sind einer Studie zufolge bei Kita-Beiträgen überproportional stark belastet. Zwar sind die Gebühren vielerorts nach Einkommen gestaffelt – Haushalte unterhalb der Armutsrisikogrenze müssen aber dennoch durchschnittlich einen nahezu doppelt so hohen Anteil ihres Einkommens für die Kita aufwenden wie finanziell besser gestellte. Das geht aus der jetzt von der Bertelsmann-Stiftung in Gütersloh veröffentlichten Erhebung «ElternZoom 2018» hervor. Außerdem fallen die Gebühren für die Kindertageseinrichtungen je nach Bundesland stark unterschiedlich aus. Die finanzielle Belastung der Familien variiere je nach Wohnort, kritisierte Stiftungsvorstand Jörg Dräger.

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Armutsgefährdete Eltern, die über weniger als 60 Prozent des durchschnittlichen Einkommens verfügen, geben monatlich fast 10 Prozent ihres gesamten Haushaltsnettoeinkommens – im Mittelwert 118 Euro – für die Kita aus. Bei Familien oberhalb der Armutsgrenze sind es «nur» 5 Prozent – 178 Euro. Hinzu kommen laut Studie Zusatzgebühren etwa für Mittagessen, Hygieneartikel oder Ausflüge – rund 45 Euro im Schnitt.

Die finanzielle Belastung sei ungerecht verteilt, bemängelte die Stiftung – und forderte Kita-Beitragsfreiheit für armutsgefährdete Familien. Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) bekräftigte in Berlin das Ziel einer Kita-Beitragsfreiheit. Hohe Elternbeiträge könnten eine Hürde sein, sagte sie laut Mitteilung. «Das Einkommen der Eltern darf aber nicht darüber entscheiden, ob und wann Kinder in eine Kindertageseinrichtung gehen. Eine zentrale Säule unseres Gute-Kita-Gesetzes ist deshalb der Einstieg in die Beitragsfreiheit.» In dieser Wahlperiode fließen der Ministerin zufolge 3,5 Milliarden Euro in die Kindertagesbetreuung.

Je nach Bundesland schlagen die Kita-Gebühren laut Studie unterschiedlich stark zu Buche: Am meisten geben Eltern in Schleswig-Holstein mit 8,9 Prozent ihres Nettoeinkommens für die Kita aus, gefolgt von Mecklenburg-Vorpommern (7,8), Niedersachsen (7,3) und dem Saarland (7,2). Besonders wenig zahlen Familien in Berlin (2,0), Rheinland-Pfalz (4,0) und Hamburg (4,3). Das bevölkerungsreichste Bundesland Nordrhein-Westfalen liegt – wie Bremen – mit 6,6 Prozent leicht über dem Bundesschnitt. Ähnlich sieht es in Hessen (6,7), Baden-Württemberg (6,5), Brandenburg (6,2), Thüringen (6,1) und Bayern (5,9) aus.

Qualität ist den Eltern wichtig: Eine bundesweite Mehrheit von 53 Prozent der einkommensschwachen und 59 Prozent der finanzkräftigeren Eltern würde für mehr Personal und bessere Ausstattung nach eigenen Angaben auch höhere Beiträge akzeptieren.

Die Ergebnisse beruhen laut Bertelsmann auf zwei bundesweit teilweise in Kooperation mit Infratest-dimap erhobenen separaten Befragungen von insgesamt rund 10.490 Eltern. dpa

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8 KOMMENTARE

  1. Wie man doch durch die Art der Berichterstattung den inhaltlichen Fokus verändern kann!

    N4t meldet unter der Überschrift “Studie: Familien werden durch Kita-Beiträge ungleich belastet”:

    “Wieviel Eltern für die Kita zahlen, hängt stark vom Wohnort ab. Einkommensschwache Haushalte belastet die Gebühr übermäßig, lautet das Fazit einer Bertelsmann-Studie.” (Vgl. Artikel oben)

    In diesem Bericht hier liest sich das folgendermaßen:

    Überschrift: “Niedersachsen: Viele Eltern wollen bessere statt kostenlose Kitas”

    “Qualität vor Beitragsfreiheit – diese Präferenz haben laut der Befragung die meisten zahlenden Eltern in Deutschland – egal ob sie arm oder reich sind.
    Für Projektleiterin Kathrin Bock-Famulla ist daher klar: ‘Politiker in Niedersachsen und Bremen politisieren am Wunsch der Eltern vorbei.’“
    https://www.noz.de/deutschland-welt/niedersachsen/artikel/1235432/niedersachsen-viele-eltern-wollen-bessere-statt-kostenlose-kitas

    Und das Interessanteste ist: Beide Artikel verweisen auf die dpa als Quelle, sind aber offensichtlich redaktionell völlig unterschiedlich bearbeitet worden.

      • Palim, Palim, merken Sie, wie Sie sich immer mehr entblättern? Was macht es so schwierig, die schöne Position der kinderliebenden und -interessierten Grundschullehrerin aus NS konsequent beizubehalten, die an nichts mehr interessiert ist als an einer Verbesserung der Arbeitsbedingungungen für Lehrer durch viel mehr Hilfspersonal; die aber an keiner Änderung fragwürdiger politischer und GEW-getragener Entscheidungen Anstoß nimmt, die ganz wesentlich für Missstände mitverantwortlich sind, sondern diese hartnäckig gutheißt.
        Das wünschte ich mir auch: Alle Managementfehler wie das Inklusionsgesetz befürworten zu können und dafür Beifall für meine sympathische Mitmenschllichkeit zu ernten. Wenn’s in der Praxis dann aber nicht klappt, alles auf fehlndes Hilfspersonal schieben zu können, dessen Vermehrung sich auch die GEW sehnlichst wünscht, bedeutet sie doch auch mehr Mitglieder und noch mehr Macht für Einflussnahme.
        Sie haben mir immer schon Rätsel aufgegeben, Palim, in letzterZeit verstärkt sich allerdings der Eindruck, dass Sie vor allem der GEW das Wort reden.
        Das würde mir natürlich gefallen, wenn ich die GEW nicht so kritisch sähe.

      • Die Braunschweiger Zeitung formuliert folgendermaßen.

        Überschrift: “Viele Eltern wollen bessere statt kostenlose Kitas”

        “Mehr Betreuer, gesünderes Essen, bessere Spielsachen: Die meisten Eltern, die zurzeit für den Kindergartenplatz bezahlen, sind bereit, mehr Geld für bessere Kitas auszugeben. Das ist das Ergebnis einer Studie der Bertelsmann-Stiftung.”
        https://www.braunschweiger-zeitung.de/niedersachsen/article214415971/Viele-Eltern-wollen-bessere-statt-kostenlose-Kitas.html

  2. Nun ja, für die Eltern, die ewig warten müssen und dennoch keinen Platz bekommen, ist die Diskussion nebensächlich.

  3. Nicht anders als bei anderen kommunalen Gebühren oder Hebesätzen auch. Grund- und Gewerbesteuerhebesätze sowie Gebühren für kommunale Dienstleistungen differieren bundesweit und vor allem innerhalb eines Bundeslandes sehr stark. Ebenso ist es mit der Höhe der Aufwendungen für Hilfen zum Lebensunterhalt und zur Grundsicherung im Alter, manche Städte oder Gemeinden sind stärker belastet als andere. Und wie gerade hier im Forum jeder wissen müsste, sind nicht einmal die Besoldungshöhen von Landesbeamten mit gleicher Eingruppierung in den 16 Bundesländern gleich.

    Auch in den Tarifgebieten z.B. der IGM differieren die Löhne und Gehälter sehr stark, da das gezahlte Entgelt ja durchaus über den tariflich vereinbarten Mindestsatz einer Gehaltsstufe aufgrund von Sonderzahlungen hinaus gehen kann.

    Kurzum, die Kaufkraft in den einzelnen Regionen ist sehr unterschiedlich.

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