Gerlinde Kretschmann: «Gemeinsames Singen fördert Zusammenhalt»

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ROTTWEIL. Gerlinde Kretschmann (70), die Ehefrau von Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne), bedauert, dass mit Kindern heute zu wenig gesungen werde.

«Gemeinsames Singen fördert den Zusammenhalt in der Gruppe, stärkt das Immunsystem und wirkt antidepressiv», sagte die Vorsitzende der Stiftung Singen mit Kindern. Bei einer Feierstunde am Donnerstag zeichnete die First Lady des Südwestens 16 angehende Erzieherinnen und Erzieher an der Edith-Stein-Schule in Rottweil aus. Sie sind die ersten Absolventen des neuen Ausbildungsprogramms «Singen mit Kindern», einer Kooperation der Schule mit der Stiftung Singen mit Kindern.

Gemeinsames Singen hat viele positive Effekte. Foto: SupportPDX / flickr (CC BY 2.0)
Gemeinsames Singen hat viele positive Effekte. Foto: SupportPDX / flickr (CC BY 2.0)
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«Obwohl das Singen wissenschaftlich belegt und für jeden spürbar wohltuend auf Körper und Geist wirkt, ist es uns in den letzten Jahrzehnten hier in Deutschland in der Kindererziehung doch fast abhandengekommen», sagte Kretschmann laut einer Mitteilung der Stiftung. Sie hoffe, dass die nun geehrten Erzieher «in den Kindertageseinrichtungen nicht nur die Kinder zu fröhlichem Singen ermuntern, sondern auch ihre Kolleginnen und Kollegen.» (dpa)

Intelligenzförderung durch Musikalische Früherziehung: Wie Musik das kindliche Gehirn beeinflusst

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75 KOMMENTARE

  1. Soso, die First Lady….
    Leider ist in BaWü unter der Rot-Grünen Regierung mit dem neuen, innovativen Lehrplan 2016 der Musik- und Kunstunterricht in der weiterführenden Schule zugunsten der Medienbildung gekürzt worden. Man muss halt seine Priritäten setzen…

    • warum sollte ausgerechnet medienbildung das praktizieren von musikalischer gestaltung in diesem fall ein lied verhindern? das eigentliche problem ist vermutlich ganz anders gelagert: zu oft höre ich von kolleginnen, deren damalige musiklehrkraft sprach ihnen jegliche singfähigkeit ab…betroffene schülerschaft musiziert also bestenfalls mit einem cd-recoder etc., wenn überhaupt.

      • Ahso. Jetzt kapier ich… da die Kolleginnen von der damaligen Lehrkraft jegliche Singfähigkeit abgesprochen bekommen haben, wurde vom roten KuMi 2016 Kunst und Musik gekürzt. Logisch! Deshalb jetzt mehr Medienbildung: weniger Musik, dann aber mit CD-Rekorder.

        • dieser rote kumi hat eben 2016 schon erkannt, dass ein fach wie medienbildung auch ohne cd-rekorder und notfalls sogar komplett talentbefreit unterrichtet werden kann.

          • Das ist richtig, aber der Not geboren, weil es nicht genug Informatiklehrer gibt. Außerdem verwechseln die Bildungspolitiker viel zu oft Informatik mit Computerbenutzung.

          • @xxx Ich würde Medienerziehung auch nicht von Informatiklehrkräften erteilen lassen, schon gar nicht in der Grundschule. Das hat mit Not nichts zu tun.
            Für Unterricht über Bücher, Zeitungen, Hörspiele, Musik oder Internetnutzung braucht es keine Informatiker.

            NRW hat seit Jahren ein Medienkonzept, dabei geht es um alltäglichen Umgang, um Teilnahme-, Reflexions- und Urteilskompetenzen. Siehe http://www.lehrplankompass.nrw.de/Lehrplankompass/Grundschule/

          • Danke für den Link. Ich habe großen Respekt vor Ihnen, wenn Sie die in Niedersachsen ein ähnliches Kompetenzraster umsetzen können. Ich könnte es nicht, weil es weit über alles sinnvolle und in der Grundschule überhaupt notwendige hinausschießt. Beispielsweise weiß ich nicht, weshalb man mit Grundschülern schon Textverarbeitungssoftware oder allgemeiner mit der Tastatur behandeln sollte, wenn sie gleichzeitig noch nicht vernünftig mit der Hand schreiben können. Nur Computer hochfahren, Programm starten und “Hallo Welt” tippen, kann da ja schon 60 Minuten oder noch länger dauern. Aus diesem Grund habe ich nicht viel mehr Respekt vor Ihnen, wenn Sie Ihr Medienkonzept im praktischen Unterricht so weit herunterfahren und analogisieren, dass Sie keinen Ärger mit der Schulleitung bekommen.

          • Ganz konkret:
            Wir haben vor etlichen Jahren in NRW abgeschrieben und ein schönes Medienkonzept mit vielen Bausteinen erstellt.
            Da es aber keine Stunden hierfür gibt, sondern immer alles mit in die Fächer gesteckt werden soll, ist die Umsetzung schwierig, wenn auch z.T. durch die Curricula vorgegeben.

            Tatsächlich steht in den CuVo für Deutsch, dass man Textverarbeitungsprogramme nutzen soll. Man zeigt, wie man einen Text überarbeitet und welche Vor- und Nachteile eine Rechtschreibkorrekturfunktion hat.
            Warum das Einschalten und Tippen von 10 Zeichen 60 min dauern soll, ist mir allerdings ein Rätsel.
            Auch weiß ich nicht, wobei ich da Ärger mit der SL bekommen sollte (Stand VOR DGSVO!)

            Deutlich auch am Medienkonzept in NRW ist doch, dass es um Rezeption geht. Das ist in weiten Teilen das, was man unter LESEN versteht, zusätzlich zur Reflexion von Medienkonsum und Nutzungsverhalten UND dem Wissen um Gefahren moderner Kommunikationsmöglichkeiten (wird zum Teil auch durch die Prävention der Polizei aufgegriffen).

  2. In der Grundschule steht Singen noch im Bildungsplan 2016, aber irgendwie mehr theoretisch:
    http://www.bildungsplaene-bw.de/site/bildungsplan/get/documents/lsbw/export-pdf/depot-pdf/ALLG/BP2016BW_ALLG_GS_MUS.pdf
    Kleine Kostprobe: “kontrollierte Atmung, bewusste Artikulation, Ausgleich zwischen Kopf- und Bruststimme”, “Wie erfahren die Kinder das tägliche Singen unter Berücksichtigung
    stimmbildnerischer Prinzipien?” Von “fröhlichem Singen” steht da nichts mehr.
    In der Sek I steht auch noch was von Singen drin, es geht aber fast unter in der Flut all des anderen. Und es heißt: “Lieder unterschiedlicher Stile, Zeiten und Kulturen singen und gestalten: Rock und Popsongs, Schlager, Volkslieder, politische und religiöse Lieder, Sprechstücke.” Ob Frau Kretschmann an Rock- und Popsongs gedacht hat?

    • bildungspläne sind in den allermeisten fächern theorielastig fern von “fröhlichkeits”-zielen.
      abseits von schlagern und volksliedern, was erwarten sie von einem zeitgemäßen musikunterricht?

      • Was spricht denn gegen die Vermittlung von Liedern “Im Frühtau zu Berge”,,”Die Gedanken sind frei”, “Das Wandern ist des Müllers Lust”, “Auf unserer Wiese Geht was” und so weiter. Singen dient der Vermittlung der Sprache mit einem eingängigeren Medium aus Melodie und deutscher Sprache. Au werden im deutschen Liedgut die meisten sprachlichen Regeln eingängig vermittelt.

        • Ich weiß etwas: Das Lied “Das Wandern ist des Müllers Lust” ist schwer sexistisch, weil die Müllerin nicht genannt wird.

  3. Zitat: “«Obwohl das Singen wissenschaftlich belegt und für jeden spürbar wohltuend auf Körper und Geist wirkt, ist es uns in den letzten Jahrzehnten hier in Deutschland in der Kindererziehung doch fast abhandengekommen», sagte Kretschmann laut einer Mitteilung der Stiftung.”

    Ja, da hat sie wohl Recht, wenngleich das eher auf den Westen Deutschlands zutrifft. Dort war das Singen zeitweilig regelrecht verpönt. So hat man heutzutage viele Erwachsene und auch Lehrer, die meinen, sie könnten nicht singen und denen es vor allem peinlich ist.

    Im Osten – das kann man im Internet nachforschen – blieb das Singen im Musikunterricht im Besonderen und in der Schule im Allgemeinen Tradition.

      • Hat Ihre Frage irgend etwas mit dem Sachgehalt von sofawolfs Aussagen zu tun?
        Ich stimme seinem Kommentar voll zu.

        • “Im Osten – das kann man im Internet nachforschen – blieb das Singen … in der Schule im Allgemeinen Tradition.”
          Wenn das so traditionell und verbreitet ist, kann sofawolf ja mal darstellen, wie sehr es in seinem/ihrem Unterricht Eingang findet.

          Ansonsten wüsste ich gerne, wo im Internet stehen soll, dass das Singen im MU im Westen nicht eingesetzt gewesen wäre, ebenso im Unterricht in der Grundschule.

        • Wo man singt, da lass dich nieder……
          Wenn ich morgens früh aufstehe und zu meiner Arbeit gehe…
          Es macht einen riesen Spaß mit Vorschul- und Grundschulkindern deutsche Lieder zu singen.
          Warum hat man denn auf Betreiben der Reformpädagogen um Brügelmann derartige Lieder aus den Lehrplänen herausgestrichen ?

      • Wir singen gemeinsam im Auto mit Unterstützung von CDs Rolf Zuchowki und altes deutsches Liedgut, aber auch auf Radtouren , bevor es den Kindern langweilig wird.
        Der ältete Sohn sang bis zum Stimmbruch bei den Bielefelder Weihnachtskonzerten unter anderem die erste Stimme in der Oetker-Halle.
        Meine Kinder beherrschen mehr als vierzig deutsche Lieder, einschließlich deutscher Geburtstagslieder.

        • sehr geehrter herr wrobel,

          vermutlich hat es jetzt auch die letzte leserin begriffen, dass sie bevorzugt erziehungswissenschaftler wie h. brügelmann in gründlichster ausführlichkeit für schuldig an der großdeutschen rechtschreibmisere erklären möchten. ob es ihnen zukünftig gelingen mag, derartige missionsbemühungen zur rettung des schriftlichen anfangsunterricht – wenn sie es denn weiterhin für notwendig erachten – bitte nur in diskussionsforen zu wiederholen, die zumindest annähernd thematisch geeignet erscheinen?

          unverzagten dank für ihr verständnis

          p.s. probieren sie gern auch mal nichtdeutsches liedgut zu beherrschen, wenn ihnen und ihrer lieben familie dies gelingt, werden sie mit sicherheit noch mehr freude an der singerei entwickeln können.

          • @Unverzagte
            Vermutlich hat jetzt auch letzte die Leserin oder der letzte Leser begriffen, dass Sie eine vehemente Verfechterin des Spracherfahrungsansatzes und des selbst organisierten und selbst gesteuerten Lernens vom ersten Schultag an sind.
            Sie bestreiten also, dass es aus dieser politischen Richtung geradezu verpönt war, deutsches Liedgut zu vermitteln (unter den Talaren, der Muff von hundert Jahren , ja man bstätigt uns, dass man hinter diesen Liedern nationalistisches Dünkel vermutet.
            Ihre Aufgabe besteht darin Deutschen, Kindern mit Migrationshintergrund und aus spracharmen Elternhäasern die deutsche Sprache zu vermitteln.

          • Wenn Sie Frau Brinkmann sein sollten , bestimmt niemals, weil es gilt Ihren Einfluss auf die KMK deutlich zurück zu drängen.

          • @unverzagte
            Warum sollte sich Herr Wrobel denn entschuldigen?
            Wollen Sie jetzt auch noch ihm rechtsextremes Gedankengut unterstellen?
            Sie scheinen auf typische Art Ihres Klüngels auch noch gegen ihn die rhetorische Frage zu hegen, wo er denn politisch stehe, um ihn in eine Entschuldigungs- oder Verteidigungshaltung zu drängen.

          • @i.wrobel was für sie “gilt” mag für sie auch weiterhin gültigkeit haben, bemerken sie ihre anmaßungen?

          • Dann eben nochmals die Gegenfrage: Warum sollte sich Herr Wrobel denn entschuldigen, wenn Sie ihn fragen, ob er (mit seinem Kommentar um 17:33) gerade seine nächste Entschuldigung anmelde?

          • @unverzagte
            Nein, ich bemerke zu Weilen,
            ohne im Text zu verweilen,
            ihren wilhelminischen Unterton.
            Der gehört zu jeder Antwort in ihrem Ton.
            Meine Antworten brachte ich ohne Spot und Hohn,
            die bringen Sie sich selber als nachfolgenden Lohn,
            auf Arbeit , die Sie machten,
            sich auch noch kritikunfähig erachten,
            weil Sie verlachten,
            was andre einbrachten.
            In die Diskussion.
            Die Antwort , die komme schon.

          • Nein, aber es erweitert auch noch die Fremsprachenkenntnisse.

            Mein Gott, wie komplexbeladen muss man sein, um aus jedem Pups eine nationalistische Frage zu machen?

          • @U.B. in ihrer frage steckt bereits die antwort: wie schade, dass sie sich nur begrenzt freuen können!

          • Diese Frage hat er/sie/es Anna gestellt. Und man weicht von ihrer Seite bewusst einer Antwort aus und unterstellt anderen nationalistische Gedanken zu hegen, wenn nach der Gewichtung der Sprache der Lieder gefragt wird.
            Haben Sie sich nicht darüber beklagt, dass Ihr Schülerklientel zum Teil nicht die Mindestanforderungen an die deutsche Sprache erfüllt. Und dann sollen die noch englischsprachige Lieder singen ?
            Am Ende hätten die se dann noch Spaß an subversiven Liedern wie “Die Gedanken sind frei….” oder ” eindeutig Männer dominierten Liedern wie “Das Wandern ist des Müllers Lust”, in der die Frau Müllerin schlecht weg kommt. Das geht ja gar nicht., oder ?

          • @Anna
            Wir sind gemeinsam unterwegs,
            auf einer Reise durch die Zeit.
            Wir steuern unser kleines Schiff,
            durchs große Meer der Ewigkeit.
            Und am Ende endlich,
            kommen wir im Hafen an,
            beladen mit Erinnerung…

  4. unvollständige zitate gleichen fremdem federschmuck, beide wirken fragwürdig: wählte herr zuckowski keinen titel für seine lyrik?

    • @Unverzagte
      Das ist ein Kinderlied von Rolf Zuckowski , Titel “Gemeinsam unterwegs” auf der CD” Sommerfest”, geht über mehrere Strophen und drückt mehr aus , als Sie vielleicht vermuten.
      Mit Iggy Pops Punkrockmusik können meine Kinder, grade die älteste mit einer auditiven Wahrnehmungsstörung, sehr wenig anfangen. Die hört gerne Mozart, Vanhal, Myslevecic und Haydn.
      Da hilft sehr gut Tomatis-Therapie mit sehr leiser Musik von Mozart und anderen Musikern der Wiener Klassik. Diese Kinder müssen zunächst noch ihr Gehör trainieren und ihre Konzentrationsfähigkeit mit der Tomatis-Therapie steigern. Da ist Punkrock von Iggy Pop ” Krach” für deren Ohren und wirkt sich schädigend aus, weil die Sinneswahrnehmung übersteuert wird.
      Gut kommt “Pathfinder” von Beggars Opera , “The Valentine Suite” von Collosseum oder die Strawbs mit “Grave New World” an.

      • @ i.wrobel folgende niederdeutsche klugheit verweist wertfrei auf unterschiedliche geschmacksempfindungen “watt den eenen sin uhl is, is den annern sin nachtigall”

        • Richtig. Warum gehören Sie dann zu den Verfechterinnen, die aus Eulen durch geeignete Beschulung Nachtigallen oder vielleicht passender per Gesetz aus Hühnern Langstreckenflieger machen können wollen?

          • @xxx verleitet sie ein zwanghaft anmutendes korrekturbestreben zu derart vergaloppierten “gleichnissen”?

          • Als Lehrer muss man halt ständig korrigieren. Das sollten Sie aber auch wissen. Da Sie aber gemerkt haben, was ich damit meinte, scheine ich einen sehr wunden Punkt und damit voll ins Schwarze getroffen zu haben.

        • Tomatis-Therapie fußt auf der unterschwelligen Stimulation des Gehörorgans und der nachgeschalteten Nervenverarbeitung. Kinder mit auditiven Wahrnehmungsstörungen müssen die Hörverarbeitung erst noch lernen, sind in ihrer akustischen Konzentrationsfähigkeit stark eingeschränkt und benötigen zuweilen einfach Hörpausen. Das hat nichts mit Geschmack zu tun, sondern stützt sich auf die Kenntnisse neurophysiologische Reizverarbeitung.
          Wenn man in früher Kindheit eine Schalleitungsstörung, eine Reizleitungsstörung oder andere akustische Beeinträchtigungen erfahren hat trainiert man das Gehör nicht mit Hartrock oder anderen lauten Musikformen , wie Mahlers 8 etc.

  5. empfehlenswerte aufnahme des vienna art orchestra mit “”mozart ist hip” für entsprechend trainierte gehörgänge.

    • @Unverzagte
      Mnozil Brass haben wir in Dortmund gesehen. Absolut empfehlenswert mit einem hohen Unterhaltungswert, Clownerie und Spaß.Es ist ein reines Blasorchester mit bis zu 8 Wiener Musikern besetzt.

  6. @ Palim,

    ich sprach vom Musikunterricht. Im Musikunterricht wird heutzutage alles Mögliche gemacht, aber kaum noch gesungen (auch wenn das sicherlich nicht auf alle und jeden zutrifft).

    • Sie haben geschrieben
      “Im Osten – das kann man im Internet nachforschen – blieb das Singen im Musikunterricht im Besonderen und in der Schule im Allgemeinen Tradition.”

      … und daraufhin habe ich Sie gefragt, wann Sie denn zuletzt mit SuS gesungen haben, denn “in der Schule im Allgemeinen” betrifft ja offenbar NICHT den Musikunterricht.

      Der Musikunterricht hat ansonsten Vorgaben, in denen das Singen und weitere Aufgaben aufgeführt sind, dazu gehört “heutzutage” sicherlich anderes als früher. In den alten RRL stand bis 2006, dass an Hörbeispiele per Plattenspieler anbringen sollte, allein ein Plattenspieler war kaum aufzutreiben.

    • @sofawolf singen, die stimme ansich ist zwar ein ganz besonderes instrument aber bei weitem nicht das einzig zu thematisierende, d.h. ein musikunterrichts muss nicht als minderwertig erklärt werden, wenn er sich alternativen zum singen widmet. qualifizierte musikkolleginnen werden seit jahren händerringend gesucht: es bedarf also eher mehr wert-, als geringschätzung.

      • Ich habe nicht gesagt, dass andere Themen im Musikunterricht minderwertige Themen sind. Ich habe nur zu erklären versucht, warum sich viele heutzutage mit dem Singen in der Schule schwertun bzw. dass es einen Unterschied zwischen Ost und West gibt. Es ist ihnen “im Westen” quasi ausgetrieben/abgewöhnt worden. Die, denen das “ausgetrieben/abgewöhnt” wurde, sind aber inzwischen die Lehrkräfte (die Musik oft fachfremd unterrichten und sich vor allem davor scheuen, gemeinsam mit den Kindern zu singen).

        Siehe meine Zitate dazu unten.

        • ach so. zum glück wird bei uns niemand zum musikunterricht angewiesen, wenn singunlust vorliegt, zumindest ist mir keine kollegin bekannt. es mag der fachfremden unterrichtssituation geschuldet sein, wenn nicht alle themen gleichermaßen “gut” vermittelt werden können.

  7. @ Palim II,

    ein kurzer Blick ins Internet brachte bereits das zutage (was ich seinerzeit mal las, habe ich nicht abgespeichert, Sie können sich bei Bedarf auch gerne selbst bemühen):

    Auszug: “Karl Adamek: Das gemeinsame Singen war in der Nazi-Zeit ideologisch allgegenwärtig. Man kann von einem Missbrauch des Singens als Form der gesellschaftlichen Manipulation sprechen. Das hat ab Mitte der 60er Jahre dazu geführt, dass man gemeinsames Singen generell als eine Art Manipulation der Gefühle gesehen hat. Da wir eine aufgeklärte Gesellschaft werden wollten, war das gemeinsame Singen in den demokratisch fortschrittlichen Bewegungen eher verpönt. So kam es, dass man in der Neubestimmung von Unterricht und Kindergarten sagte, das gemeinsame Singen ist antiquiert, das brauchen wir nicht mehr.”

    https://www.derwesten.de/kultur/musik/warum-wir-deutschen-nicht-mehr-gemeinsam-singen-id499439.html

    • Wie oben erwähnt, gilt das aber nur für den alten Westen Deutschlands, im Osten blieb das Singen als gemeinschaftsstiftend erhalten und wurde gepflegt.

      • Wie immer ist das nur ein Teil des Artikels von 2009.
        Da steht auch:
        “Aber in fast allen modernen Gesellschaften ist das gemeinsame Singen heute weitgehend verschwunden. Davon sind auch zunehmend – wenn auch nicht in gleichem Maße – Länder wie England, Wales oder Irland betroffen, wo besonders auf das gemeinsame Singen geachtet wurde. Auch in den osteuropäischen Ländern, wo man sich noch vor 30 Jahren kein Fest vorstellen konnte, auf dem nicht gemeinsam gesungen wurde – das war einfach normal -, verschwindet das Singen seit 1989 zunehmend. Gemeinsames Singen gilt als unmodern.”

        Dagegen stehen Projekte wie “Klasse wir Singen”, Mitsingkonzerte, offene Bühnen, Rudelsingen und Chöre jedwelcher Art von Gospel über Pop hin zu Kantoreien und eine Menge Projekt-Chöre.
        Und dank der neuen Medien gibt es Sing-Star und Aufnahmegeräte, daran haben viele Kinder sehr viel Spaß, nicht erst seit 2009.
        siehe z.B. https://www.stern.de/kultur/musik/warum-im-chor-singen-wieder-hip-ist-7310414.html

        • @ Palim: Mag sein. Hier habe ich noch etwas gefunden, wie den Westdeutschen das Singen ausgetrieben wurde:
          ———————————————————
          Auszug: “on dem Auslö-
          schungsdrang waren nicht nur die ideolo

          gisch gefärbten Gesänge der Nazidiktatur
          betroffen – deren alten Töne sich im Üb-
          rigen bis in den 1960er Jahren in manchen
          Liederbüchern gehalten hatten (Segler u.
          Abraham 1966, S. 85ff.) –, es standen auch
          jene Lieder bereits unter Generalverdacht,
          denen allein durch das Vorkommen der
          Knäblein, Röslein und Mägdelein der Ge

          ruch des Völkischen anhaftete. Dieses Re

          pertoire passe eher in die Spinnstube und
          der singende Musiklehrer wurde schnell
          zum belächelten Museumswächter unter
          seiner Dorflinde. Volkslieder galten als
          kleinbürgerlich und wurden in den Musi

          kantenstadl verbannt: Singen ade, scheiden
          tut (nicht) weh. Noch deutlichere Worte
          über die „anachronische[n] Relikte“ findet
          Heinz Lemmermann in seiner Situations-
          beschreibung: „Lieder sind für viele nur
          der Traditionsmüll der Schulmusik und ge

          hören entsprechend auf die Schutthalde“
          (Lemmermann 1977, S. 184). Allzu sehr
          erschreckte die jüngst erlebte Verführungs-
          kraft des Gesangs. ”
          ———————————————————
          https://www.bmu-musik.de/fileadmin/Medien/BMU-Magazin/MUaktuell04/MU_aktuell_4_Oberschmidt.pdf

          Schön, dass das nie alle so sahen und mitmachten und schön, dass es heute wieder anders gesehen wird. 🙂

        • Hier dann noch ein Beleg, dass es im Osten und Westen Deutschlands anders war (siehe Vortext), wenngleich Sie es kaufen müssten, um es ganz zu lesen.

          Vortext: “Auf der Suche nach sinnlich orientierten Strategien in der Auseinandersetzung mit Musik ist Singen in den Schulen wieder in. Der Beitrag gibt einen Überblick über die unterschiedlichen historischen Entwicklungen in Ost- und Westdeutschland und zeigt Perspektiven und Praxistipps für neue Chancen des Singens in der Schule.”

          https://www.helbling-verlag.de/?pagename=product&product=S5622dl01p

        • Und hier:

          Auszug: “In den 50er Jahren setzte die Gegenbewegung ein. 1953 / 54 veröffentlichte Adorno seine Thesen gegen die musikpädagogische Musik
          , Arbeiten von Abraham und Gieseler zielten in dieselbe Richtung: “Singen ist nicht nur nicht notwendig, sondern auch schädlich, da zur Manipulation führend…”
          10
          Die zweite große Gegenposition von Seiten der Volksliedforschung besagte, dass “das Volkslied als Gegenstand spontanen Singens… ohnehin dem Untergang verfallen” sei.11″

          https://bildungsserver.berlin-brandenburg.de/fileadmin/bbb/zielgruppen/lehramtsanwaerterinnen/musik/lied_liedhistorie1.pdf

    • @sofawolf
      Kennen Sie die “Mundorgel”. Die enthielt allerlei Lieder von “Spiel nicht mit den Schmuddelkindern” von Franz Josef Degenhart bis hin zu Reinhard May , “Moorsoldaten” und Volksliedern. Danach haben wir in den Schullandheimen in den Ferien gesungen, aber auch in der Schule wurde damit gearbeitet.

      • Ich habe nicht gesagt, dass niemand in der Schule sang in den letzten Jahrzehnten, insbesondere im Westen. Ich habe nur darauf verwiesen, wie zeitweilig die offiziellen politischen / pädagogischen Positionen im Westen dazu waren, die natürlich Spuren hinterlassen haben – aber nie bei allen gleich. Gott sei Dank!

  8. Hier ein Auszug, der das Singen in Ost- und Westdeutschland gegenüberstellt.

    “Während das Singen in der ehemaligen DDR eine ungebrochenen Tradition im
    Musikunterricht innehatte, die nie in Frage gestellt worden ist, kann man sagen, dass
    das Singen in der Bundesrepublik Ende der 60er, Anfang der 70er Jahre weitgehend
    tabuisiert war. […]
    Die Lehrpläne Musik in der ehemaligen DDR legten für alle Klassen – besonders aber für die unteren und mittleren Jahrgangsstufen – das Singen als festen Bestandteil des Musikunterrichts
    fest. Es wurde für alle Altersgruppen das Ziel gestellt, in jeder Unterrichtsstunde zu singen. (Der Musikunterricht wurde an den allgemeinbildenden Schulen bis zur 12. Klasse im Wesentlichen als Einstundenfach erteilt.) ”

    https://bildungsserver.berlin-brandenburg.de/fileadmin/bbb/zielgruppen/lehramtsanwaerterinnen/musik/lied_liedhistorie1.pdf

    Keine Frage, dass sich das inzwischen erfreulicherweise wieder geändert hat. Es geht auch nur darum, dass – wie es Palim mal wieder anzweifelte – es eine Zeit gab (in Westdeutschland), als Singen verpönt war.

    • @Sofawolf
      Da kann ich Ihnen nur zustimmen. Es gab im Westen Zeiten nach 1970 , in denen das Singen in den weiterführenden Schulen verpönt war.

      • ab ca. mitte der 70 er zehrten wir u.a. aus einer liederreihe, die sich “student für europa” nennt: vom bekannten bis weniger bekannten gassenhauer ist für fast jede singbares darin inkl. passender gitarrenakkorde.

    • Singen ist ja auch nicht mehr verpönt. Singen war eine Zeit lang verpönt im Westen Deutschlands. Natürlich hat nicht jeder Lehrer diesen Quatsch mitgemacht (nicht zu singen); aber viele heutige Lehrer, die nicht gerne singen, haben diesen “Komplex” wahrscheinlich aus dieser ihrer Schulzeit mitgenommen – je nachdem, wen sie als Musiklehrer hatten.

      Bedauerlicherweise geben sie ihren Anti-Singen-Komplex jetzt an ihre Schüler weiter, wenn sie z.B. fachfremd Musik unterrichten müssen und eben nicht oder kaum singen. Dann haben wir die nächste Schülergeneration, die sich vor dem Singen scheut, weil sie es nicht gewöhnt sind.

    • Mag sein. Wenn nun heute jemand sagt, er schreibe noch Diktate im Deutschunterricht, heißt das dann, dass es nicht stimmt, dass Diktate derzeit eigentlich verpönt sind?

      Ich erinnere mich an kaum etwas aus meiner Unterstufenzeit ( = Grundschule). Haben wir gesungen? Haben wir nicht gesungen? Haben wir jede Stunde 1 Lied gesungen? Oder 3 x pro Schulhalbjahr? Oder 10 x pro Schuljahr? Was ist eigentlich “viel”?

  9. @missisippi ganz oben im nördlichsten aller bundesländer wurde ebenfalls ganz schön viel geträllert, kann dann ja nur an dem ziemlich coolen jahrgang gelegen haben ; )

  10. Jedenfalls ist nun klar geworden (siehe Zitate oben), warum die Deutschen bei Feiern nicht mehr / kaum noch singen, während Menschen anderer Herkunft das so gerne und leidenschaftlich tun – und wir sitzen daneben und schauen verblüfft zu. Bittet man uns, doch auch mal was zu singen, fällt uns kaum was ein und alle zieren sich.

  11. @sofawolf unser im interkulturellen vergleich verkorkstes musikalisches selbstverständnis, ist leider sehr verarmt: so tanzen z.b. auf einem griechischen bergdorffest durch die bank a l l e auch die pubertierenden jungen mit einer anmut traditionelle reigentänze, die bei mir gut bekannten ex-achtklässlern – mal abgesehen von deren grundsätzlich schwer zu entlockenden tanzbereitschaft – absolut undenkbar gewesen wären.

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